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Den
Erwartungen entsprochen – 1:4 beim GFC 09
Düren
Gegen
Mannschaften aus dem Tabellenkeller hat Fortuna
schon immer schlecht ausgesehen. Remember
Fortuna Köln (oder Paderborn) in der letzten
Saison. Gegen Mannschaften vom Dorf liefs auch
nie viel besser. Remember Teveren (oder
Lüneburg). Was kann man also erwarten, wenn
Fortuna beim Tabellenletzten Gürzenicher FC 09
Düren aufläuft? Richtig, eine ordentliche
Packung. Und die gab’s mit dem 1:4 am heutigen
Tage auch.
Das
Spiel hatte natürlich eine Vorgeschichte. Der
GFC Düren darf Spiele mit erhöhtem
Zuschauerzuspruch nicht auf dem heimischen
Sportplatz An der Papiermühle austragen, da
dieser nicht oberligatauglich ist. Bisher war
man immer in den Sportpark nach Langerwehe
ausgewichen. Bis die Fortuna kam. Aufgrund des
guten Rufes, der uns Anhängern überall
vorauseilt, wollte Langerwehe eine Bestätigung
vom GFC, dass dieser für eventuell auftretende
Sachschäden haften würde. Der GFC bedankte
sich und lehnte ab. Dann wurde bei Alemannia
Aachen angefragt, ob das Spiel nicht auf den
Tivoli verlegt werden konnte. Die Aachener
nannten ihre Platzmiete. Der GFC bedankte sich
und lehnte ab. Dann wurde tatsächlich
angefragt, ob das Spiel nicht im Flinger Broich
in Düsseldorf ausgetragen werden könnte. Der
Westdeutsche Fußballverband bedankte sich und
lehnte ab. Wettbewerbsverzerrung. Also machte
man sich daran, den Sportplatz (ich sage bewusst
nicht „Stadion“) des Ortsrivalen Dürener SV
zum Spiel herzurichten. Abgesehen davon, dass
es, um es gleich vorweg zu nehmen, nach dem, was
ich gesehen habe, absolut friedlich blieb, und
das ganze von „Gastgeber“seite durchaus als
„gelungene Veranstaltung“ bezeichnet werden
kann – das, was da als
„oberligatauglicher“ Sportplatz präsentiert
wurde, war ein schlechter Witz. Allerdings
konnte man es, wenn man das Spiel außer Acht
lässt, durchaus mit Humor sehen, denn so was
wird einem auch nicht alle Tage geboten.
Zunächst am Eingang ein mobiles
Kassenhäuschen, sprich ein kleiner Transporter,
auf den einfach ein Schild „Kasse“ geklebt
wurde (an solchem Unternehmergeist sollte sich
der angeblich so arg gebeutelte Mittelstand
ruhig mal ein Beispiel nehmen). Der „Catering
Point“ war, wie ein Schild am Eingang des
„Gäste-Bereichs“ auswies, nicht nur eine
offizielle Grillhütte der Stadt, sondern das
gesamte Gebiet um dieses Büdchen zugleich auch
ein „Hundeausführplatz“. Völlig
rätselhaft in diesem Zusammenhang, warum die
Dürener die Grillhütte, wenn sie denn schon
vorhanden ist, nicht auch ordentlich ausnutzten.
Wenn ich bedenke, was da in Bocholt an diversen
Wurtsorten und Pommes über den Tisch und die
Bezahlung in deren Kasse gegangen ist, hat der
GFC heute echt was verpasst. Es wurden lediglich
Bockwürstchen fragwürdiger Qualität
offeriert, diese allerdings zum wirklich fairen
Preis von € 1. Zwei mobile Bierstände, ein
Toilettenanhänger vom Rummelplatz, an dem ich
wirklich die radebrechende Klofrau und das
Pappschild „50 Cents, danke schön“ vermisst
habe, sowie ein fahrbarer Schalverkauf am
Eingang rundeten das Bild ab. Gemütliches
Ambiente, wobei ich persönlich mich allerdings
fragen möchte, ob Schals mit der Aufschrift
„Scheiß St. Pauli“ (für mich okay, bin ja
selbst HSV-Sympathisant), „Keine Macht den
Zecken“ nebst Deutschem Kreuz darüber
wirklich verkauft werden müssen. Wie gesagt,
nur eine persönliche Anmerkung, ist halt
Geschmackssache, andere Leute freuts eben.
Wenn
man am Bockwürstchen rechts abbog, gelangte man
in die „Gästegerade“, dazu gibt es nur ein
Wort: Naturtribüne, hier und da erheiterte
zunächst und versperrte später der ein oder
andere Baum die freie Sicht aufs Spielfeld, das
zusätzlich rundum mit extra in diesen Tagen
noch gelieferten Bauzäunen vom Zuschauerbereich
abgetrennt war. Das Spielfeld selbst...also das
Spielfeld...na ja, Rasen war es wohl, allerdings
konnte man beim Warmmachen beider Teams schon
erkennen, dass das Adjektiv „eben“ für
diesen Platz nicht mal ansatzweise zu gebrauchen
war. Und da stellen sich mir doch zwei Fragen:
zum einen, wenn dieser Platz oberligatauglich
gewesen sein soll, darf ich dann mal den
eigentlichen Spielort des GFC An der
Papiermühle sehen? Würde mich stark
interessieren, wie es dort aussieht, wenn in
eine solche Bruchbude umgezogen werden musste.
Zum zweiten die Frage an die Dürener
Politik-Lokalgrößen, die auch allesamt im
Stadion waren und sich in der Halbzeit vom
Stadionsprecher ordentlich abfeiern ließen:
wenn ihr euch Tage vorher in der Lokalpresse
schon beschwert, wie außerordentlich aufwändig
das ist, gegen Fortuna Düsseldorf spielen zu
müssen, warum habt ihr nicht mal ein Machtwort
gesprochen und das Spiel kurzerhand ins Stadion
von Düren 99 verlegt, das erheblich größer
und in besserem Zustand ist? Naja, nach dem
Spiel heute, da bin ich sicher, wird der GFC
alle seine Heimspiele nur noch in dieser
Spielstätte austragen wollen.
Das
Spiel hielt dann auch, was der Platz versprach,
ein größtenteils planloses Gekicke und Gebolze,
Stockfehler, dass einem das Herz aufgehen konnte
und der Verlust von mindestens drei Bällen in
der 1. Halbzeit, die über die Zäune hinter den
Zuschauerrängen flogen und nie wieder gesehen
wurden. Bemerkenswert hierbei der
Befreiungsschlag des Dürener Torwarts, der die
Kugel in einen Baum in der Dürener
„Fangerade“ beförderte, wo dieser
praktischerweise gleich hängen blieb und somit
nicht als verloren abgeschrieben werden musste.
Und
wie das so ist, wenn man sich so schön
einlullen lässt: nachdem Mayer schon nach
wenigen Minuten völlig freistehend die Chance
zur Führung vergab (war wohl selbst
überrascht, an den Ball zu kommen), erster
gefährlicher Dürener Angriff, Schuss aus 16m
ans Lattenkreuz, dann noch eine Kopfballchance,
völlig freistehend, gute Parade von Koch, aber
dann folgerichtig das 1:0 für Düren, als Koch
eine harmlose Flanke fallen ließ und der
Mittelstürmer der Dürener einnetzte, nicht
ohne vorher noch zwei Gegenspieler auf dem
Radius eines Bierdeckels auszutanzen. Klarer
Torwartfehler, aber die Frage darf erlaubt sein,
warum der Spieler mit dem Abpraller noch
ungehindert im Fortuna-Strafraum umher spazieren
durfte, ehe er die Kugel versenken konnte. In
welche Ecke des Tores er den Ball geschossen
hat, kann ich übrigens nicht sagen, ein Baum
versperrte mir die Sicht...
Bei
Fortuna gab es bis auf die Anfangsaktion von
Mayer eigentlich nur eine halbe Chance, ein
Fernschuss von Frank Schön, raffinierterweise
als Aufsetzer angesetzt. Gute Idee. Wenn der
Ball den richtigen Hügel auf dem Spielfeld
trifft, fliegt er in den Winkel. Er tat es
leider nicht, und so war eigentlich logisch,
dass der durchaus unverdiente Ausgleich durch
eine Standardsituation zustande kam: Freistoß
aus 20m in Höhe des rechten Strafraumecks, und
Rösele dreht die Kugel rotzfrech fast aus dem
Stand rechts um die Mauer herum ins kurze Eck,
während der Dürener Torwart noch auf die
Flanke wartete. Ein schönes Tor.
Halbzeit
1:1, und die Polizei, deren Hunde, die eigens
mitgereisten Fortuna-Ordner und die zusätzliche
Security hatten so wenig zu tun, dass man
untereinander für ein bisschen Bewegung sorgte,
als neben dem Toilettenwagen ein Hund mit
Maulkorb unbedingt einen Ordner mit diesem
schönen neongelben Fortuna-Leibchen annagen
wollte. Ja, auf dem Land erlebt man Sachen...
Zweite
Halbzeit, und zunächst schien alles klar: erst
eine Riesenchance für Tytarchuk nach schöner
Vorarbeit von Mayer, völlig frei stand er fünf
Meter vor dem Tor, wirkte jedoch verwirrt, weil
die zwei bis drei Gegenspieler fehlten, die er
ansonsten zu umdribbeln pflegt. Als echter
Sportsmann wartete er natürlich, bis diese
anrückten und verlor den Ball dann. Einige
Minuten später noch mal Tytarchuk mit einem
Kopfball nach Freistoßflanke, leider neben das
Tor gesetzt. Fortuna machte das Spiel, drängte
den GFC in die eigene Hälfte, ohne großartig
viele Torchancen herauszuarbeiten, aber doch
überlegen, die Fans sangen schon „Und wir
gewinnen sowieso“ – alles klar also.
Dann
wechselte Trainer Petrovic die Herren Tauer und
Cuscarevski ein. Während Tauer schon bei seiner
ersten Ballberührung von seinem Gegenspieler an
der Seitenlinie Richtung Bauzaun geschickt
wurde, brillierte Cuscarevski, die Entdeckung
vom Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 letzten
Mittwoch (habe ich der Presse entnommen, ich
selbst war am Mittwoch nicht im Stadion), durch
seinen Wissensdurst, war er doch anscheinend
noch mit der Zählung sämtlicher
Maulwurfshügel auf dem Spielfeld beschäftigt,
als ihn sein Gegenspieler auf der linken Seite
in der 70. Minute einfach überlief (die
Zeitangabe bedeutet, dass sein Gegenspieler 68
Minuten länger auf dem Platz stand und ihn
trotzdem wie eine Marmorstatue stehen ließ),
schön nach innen flankte, wo am kurzen Pfosten
die Dürener Nr. 9 lauerte und den Ball per Kopf
ins lange Eck setzte. Ein prima Konter-Tor, das
die Fortunen völlig außer Tritt brachte und
das Spiel schließlich in der 84. und 89. Minute
noch in eine Demütigung ausarten ließ:
zunächst vernaschte ein Dürener bei einem
weiteren Konter Torwart Koch, der „etwas“ zu
weit vor seinem Tor stand, mit einem Heber aus
30m Entfernung (okay, aufgerückte Abwehr, der
Torwart quasi als Libero, das lasse ich gelten),
dann tanzten zwei Dürener den
Fortuna-Hühnerhaufen, der die Bezeichnung
„Abwehr“ trug, am Strafraum mittels
einfachem Doppelpass aus, und der Ball landete
flach zum 4:1-Endstand im Netz. Ich war froh,
als der Schiri abpfiff, so wie die Fortuna
hinterher auseinander fiel, wäre wahrscheinlich
jeder Schuss ein Treffer gewesen. Aber man muss
auch fair sein: herzlichen Glückwunsch dem GFC
Düren zum ersten Saisonsieg. Da mühten sie
sich zehn Spieltage vergeblich, aber man muss ja
nur warten, bis die Fortuna kommt, dann klappt
es schon. Weil wegen „auf dem Land“ und
„Tabellenletzter“ und so. Scheint bei
Fortuna langsam zum Naturgesetz zu mutieren.
In
der anschließenden Pressekonferenz sagte
Fortuna-Trainer Slavko Petrovic mit soooo einem
dicken Hals, dass die Niederlage auch in dieser
Höhe absolut verdient war, einige Spieler
hätten den Gegner anscheinend unterschätzt
bzw. während des Spiels (besonders nach dem
Ausgleich) wohl zu leicht genommen. Auch ließ
er ausdrücklich weder das Fehlen einiger
Stammspieler noch die katastrophalen
Platzverhältnisse als Entschuldigung gelten,
unter letzteren hatten ja auch beide Teams zu
leiden, auch wenn die Dürener wohl eher daran
gewöhnt sein dürften, wenn ihr eigener Platz
noch schlimmer aussieht. Eine absolut faire
Aussage eines absolut enttäuschten Mannes.
Allerdings
kam auch noch Spaß bei der PK auf, der
Pressesprecher des GFC, ein Herr Heubeck, war
wohl vom ersten Saisonsieg seiner Mannschaft
(oder vielleicht von dem ein oder anderen
Bierchen im Klubheim?) so mitgenommen, dass er
den (relativ neuen) Trainer Jung des GFC mit dem
Namen des alten ansprach, den
Vorstandsvorsitzenden der Fortuna, Herrn
Sesterhenn, als Vorstandsmitglied von „Fortuna
Köln“ vorstellte (Einspruchsgrund
gegen die Spielwertung???) und dem neben ihm
sitzenden Slavko Petrovic immer wieder
beruhigend auf den Arm klopfte und ihm gleich
dreimal noch viel Glück für den weiteren
Saisonverlauf wünschte. Großes Kino, ebenso
die sehr intelligente Frage des Reporters des
einheimischen Käseblättchens an Dürens
Trainer Jung, wie viel Anteil denn die beiden
Neuzugänge an dem Sieg hätten. Prima Antwort
des Trainer: „Zwei Elftel.“ Dafür Daumen
hoch, obwohl er den Mann noch richtig vom Hocker
hätte hauen können, denn Düren hatte
dreimal ausgewechselt, es standen also
insgesamt vierzehn verschiedene Dürener Spieler
während des Spiels auf dem Platz, so dass die
richtige Antwort „Zwei Vierzehntel“ hätte
lauten müssen, und das kann der mathematisch
versierte Bruchrechnungs-Experte ja noch
kürzen. Hätte gerne mal das Gesicht des
Reporters bei der dann völlig korrekten Antwort
„Ein Siebtel“ sehen wollen. Naja, man kann
nicht alles haben.
Da
anschließend auf der PK nix mehr los war,
fotografierte Sascha noch die Spielerfrauen und
–freundinnen der GFC-Stars (letztere sangen
übrigens nebenan lauthals unter der Dusche),
Adressen und Telefonnummern gibt’s gegen eine
kleine Spende an das pro-fortuna-Board
(Vorverkaufsgebühr).
Fazit:
ein Spielort, den wir lange nicht vergessen
werden, insoweit ein unterhaltsamer Nachmittag,
ein Spiel, das wir schnell vergessen sollten,
was aber nicht möglich sein wird, weil uns
diese Blamage jetzt wohl noch wochenlang unter
die Nase gerieben wird. Völlig verdiente
Niederlage der Mannschaft, die den Sack Anfang
der zweiten Halbzeit hätte zumachen müssen und
sich dann wunderte, dass der Gegner auch
Fußball spielen und wirklich prima kontern
konnte.
Und
am Freitag kommt der Tabellenführer Fortuna
Köln in den Flinger Broich...
Aber
auch wenn wir es gerne hätten: Köln ist kein
Dorf und der Tabellenführer ist logischerweise
nicht der Tabellenletzte, so dass die Hoffnung
bleibt, dass bei dieser Konstellation nicht
gleich die nächste Blamage folgt.
Hundemüde
zurück vom Hundeausführplatz: janus
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