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Eine etwas
undankbare Aufgabe, diese Zusammenfassung,
beinhaltet sie doch eigentlich nur Grottenkicks
der eigenen Mannschaft. Und so was hakt man am
liebsten mit drei Zeilen ab. Dann hätte die
komplette Zusammenfassung der Spieltage 27 bis
30 der Fortuna aber diesmal nur die Länge einer
kleinen Einleitung. Da bei mir nicht sein kann,
was nicht sein darf, habe ich getrickst, zum
einen mit der Einleitung, zum anderen mit einem
ausschweifenden Bericht meiner Tour nach
München. Die war nämlich ganz interessant. Also,
es wird trotzdem der zuletzt überwiegend
deprimierenden Spiele wieder ein etwas längerer
Bericht. Routine setzt sich halt durch.
Einleitung
Am 20.03.2009 zog
es mich mal wieder nach Trier. Die dortige
Eintracht, aktuell trainiert von Mario Basler,
trat in der Regionalliga West gegen RW Essen an.
Das konnte ja mal interessant werden. Außerdem
ist unsere Zwote weiterhin Tabellenführer in der
NRW-Liga, somit gab es die Gelegenheit, mal das
Spielniveau zu begutachten, welches unsere Bubis
ab August erwarten könnte, wenn der Aufstieg
gelingen sollte. Zumal RW Essen ja eine der
Truppen in der Liga ist, von denen man doch
gehobenes Regionalliga-Niveau erwarten durfte.
Naja, was man halt so erwartet…
Es war ein
Gurkenkick auf äußerst mäßigem Niveau, dabei
doch recht unterhaltsam. In den ersten 10
Minuten war die Abwehr bei RW Essen gar nicht
auf dem Platz, Trier vergab zwei
Hundertprozentige, schon nach drei Minuten lief
Sahr Senesie alleine auf den Essener Keeper zu,
übersah aber zwei (!) mitgelaufene Mitspieler
und schob den Ball nicht nur am Torwart sondern
auch am Tor vorbei. Kurz darauf schafften es
drei Trierer nach einem Freistoß nicht, den Ball
aus dem 5-m-Raum über die Linie zu drücken.
Danach war Essen allerdings technisch,
spielerisch, läuferisch eine Klasse besser und
ging nach 13 Minuten bereits in Führung. Triers
vierter Keeper (die anderen alle verletzt), ein
19jähriger Bubi, der so aussah, als wenn er grad
aus der Mittelstufe abgehauen war, konnte einen
Schuss von Mölders noch an die Latte lenken, den
Abpraller nickte Wunderlich aus 6 m zur Führung
ein. Nach dem Treffer zündeten die Essener im
Gästeblock eine Freudenbengale, der
Stadionsprecher tätigte seine obligatorische
Durchsage, schmückte diese dann jedoch noch
etwas aus, indem er den Fans erzählte, was sie
denn anstelle von Bengalen alles für ihr Geld
kaufen könnten ("...Fan-Artikel,
Eintrittskarten..."). Sehr unterhaltsam. Essen
hatte bis zur Pause alles im Griff, und das war
wohl der Fehler, denn in der 2. Halbzeit wollte
man das Ganze ohne viel Anstrengung nach Hause
spielen und passte sich der Trierer Spielweise
an. Höflich formuliert war das Kick & Rush, oder
aber auch ein planloses Gebolze in alle
Himmelsrichtungen. Mein persönlicher Favorit war
der Trierer Abwehrspieler Lacroix, der im
zweiten Durchgang handgezählte 12 Kerzen im und
um den eigenen Strafraum produzierte. Der
Trierer Ausgleich in der 58. Minute ähnelte dem
Essener Treffer, entsprang aber purem Zufall,
als der Essener Torwart eine harmlose Flanke
nicht weit genug klären konnte, was nunmehr der
namibische Nationalspieler Wilko Risser
ausnutzte, um den Abpraller aus 15 m zum
Ausgleich einzunicken. Hierbei standen auf und
vor der Linie drei Essener, die sich gegenseitig
nicht weh tun wollten und sich den Ball quasi
selbst reinlegten. Danach folgten zehn
vogelwilde Minuten, in denen auf beiden Seiten
beinahe recht kuriose Tore gefallen wären.
Gekrönt wurde das Ganze von einer 5minütigen
Spielunterbrechung, als um die 70.Minute herum
zwei Rasensprenger, einer an der Seitenlinie und
einer mitten in der Essener Hälfte,
unvorhergesehen den Betrieb aufnahmen. Bei
Temperaturen um null Grad sicherlich eine gute
Idee. Da sich ein Trierer Spieler auf den
Sprenger im Feld stellte, bis dieser ausging,
verteilte sich rund um den Tatort eine
beeindruckende Pfütze, was von den Essenern
sofort bemängelt wurde. Daraufhin zog der
Platzwart unter tosendem Applaus mit einem Besen
bewaffnet ins Feld, um die Wassermassen zu
verteilen, und es konnte endlich weiter gespielt
werden. Aber das wollten beide Teams nicht mehr
und so würgten sie sich mit einem Fehlpass- und
Befreiungsschlag-Festival bis zum Ende. Mit der
letzten Aktion des Spiels hätte Risser per Kopf
fast noch den Siegtreffer für Trier erzielt,
aber der wäre wirklich ein Witz gewesen. Den
Essener Fans reichte es auch so zu "Wir ham die
Schnauze voll"-Gesängen. Aber immerhin war 3.100
Zuschauer im Stadion, Saisonrekord für Trier.
Und den können sie auch nächste Saison wieder
holen, denn nach diesem Spiel blieb nur als
Fazit: beide können für die nächste
Regionalliga-Saison planen.
Schlecht I
Am 21.03.2009
reiste man dann nach Thüringen, zum Spiel gegen
RW Erfurt. Eigentlich ein dankbarer Gegner, denn
gegen die hatten wir in sieben Spielen noch nie
verloren. Klar, dass das geändert werden musste.
Es wurde ein 0:2 vor 8.000 Zuschauern, die erste
Niederlage gegen die Thüringer überhaupt, leider
zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt. Mit einer
wieder einmal ziemlich unterirdischen ersten
Halbzeit verabschiedete sich Fortuna wohl von
den Plätzen 1 & 2. Binnen 7 Minuten fing man
sich die entscheidenden Treffer durch Cannizzaro
und Cinar (18./25.). Beim ersten Tor pennten
Langeneke und Hergesell und ließen den
Torschützen einfach laufen, der eine
Cinar-Flanke aus kurzer Distanz eindrückte. Der
zweite Treffer, bei dem Melka nicht gut aussah,
war ein Kopfball von Cinar aufs kurze Eck nach
einem Freistoß von rechts. Bzw. es sollte ein
Kopfball werden, aber Cinar erwischte den Ball
nur mit der Schulter. Reichte gegen uns auch.
Dies waren übrigens zwei von drei Erfurter
Chancen im gesamten Spiel. Die waren aufgrund
ihrer zuvor absolvierten Nachholspiele
eigentlich stehend k.o., besonders in der
zweiten Halbzeit war dies gut zu sehen. Daraus
resultierte auch eine ständige Feldüberlegenheit
der Fortuna, was die allerdings daraus machte,
war schon aller Unehren wert. Fortuna hatte
allein vor den Gegentreffern durch Jovanovic
sowie Kadah und Lambertz mit Doppelchance zwei
hervorragende Gelegenheiten vergeben , um in
Führung zu gehen. Auch nach dem Seitenwechsel
bot sich das gleiche Bild: Fortuna war die
engagiertere Mannschaft und bemüht um den
Anschluss, während die Erfurter sich zusehends
um die Verwaltung des Ergebnisses kümmerten. Die
Thüringer gerieten ab der 60. Minute häufiger
unter Druck, doch echte Torchancen blieben
weiterhin Mangelware. Erfurt stellte das
Fußballspielen ein, Fortuna gelang es aber
nicht, die zeitweise drückende Überlegenheit in
Tore umzumünzen. Simon Terodde vergab zweimal
allein vor Keeper Orlishausen, besonders der
zweite, bei dem er völlig allein auf den Keeper
zulief, nur um den Ball dann Zentimeter am
linken Torpfosten vorbei zu setzen, hätte
einfach drin sein müssen. So gab es eine
Niederlage, die fünfte Gelbe für Kapitän Andreas
Lambertz obendrauf, und man konnte noch froh
sein, dass Kickers Emden sein Heimspiel gegen
die Stuttgarter Kickers mit 0:1 verlor. Damit
war alles gerichtet für ein echtes Spitzenspiel
eine Woche später zwischen zwei Mannschaften,
die derzeit ihrer Form meilenweit hinterher
laufen, aber trotzdem immer noch in der Tabelle
oben stehen. Konnte ja nur „toll“ werden. Wurde
es dann auch.
Schlecht II
Ja, viel gibt es
wirklich nicht zu berichten. Der Gegner macht
mal wieder mit dem ersten Ball aufs Tor das 0:1
und stellt sich hinten rein, Fortuna hat mal
wieder kein Mittel dagegen und vergibt die
wenigen Möglichkeiten dann zum Teil auch noch
kläglich, weil versucht wird, den Ball rein zu
tragen. So kann man das Spiel kurz und knapp
umreißen. Saisonrekordkulisse, 18.500 Zuschauer,
sehr erstaunlich. Die wurden allerdings nicht
unbedingt zum Wiederkommen animiert. In der
letzten Viertelstunde gab es das Comeback von
Axel Lawaree nach 111 Tagen Verletzungspause.
Das waren schon fast alle positiven Dinge, die
mir von diesem Spiel in Erinnerung geblieben
sind. Auch Emden war nur angereist, um sich
hinten rein zu stellen, wie fast jede
Mannschaft, die in der LTU-Arena aufläuft. Und
zum x-ten Male fiel Fortuna dazu nichts ein,
außer dem oben Erwähnten. Außer Christ darf
wirklich niemand aus mehr als 16 Metern aufs Tor
schießen, so langsam will ich mal deren Verträge
sehen, das muss da drin stehen, eine
andere Erklärung gibt es langsam nicht mehr.
Symptomatisch hierfür eine Szene kurz vor dem
Rückstand, als Sieger, von sich selbst und
Jovanovic schön frei gespielt, völlig unbedrängt
am Sechzehner auftauchte und dann noch die Stirn
besaß, den Querpass auf Cebe in den Strafraum zu
spielen, womit die Chance dann auch vorbei war.
Da wirst du wahnsinnig, wenn du so etwas siehst.
Folgerichtig fiel auch nur zwei Minuten später
der Führungstreffer für Emden, als Hergesell auf
der linken Abwehrseite zunächst einen
Flankenversuch gut blockte, dann aber untätig
stehen blieb und staunend zusah, wie sein
Gegenspieler frecherweise den Ball aufnahm und
einfach erneut flankte. Und obwohl der Ball mal
wieder in 5-m-Raum segelte, blieb Torwart Melka
schön brav auf der Linie, was allerdings seine
Vorderleute auch nicht entschuldigt, die Emdens
Stürmer Enrico Neitzel einfach mal mit
Nichtachtung straften, was dieser dazu nutzte,
aus 4 Meter einzuköpfen. Erster Ball aufs
Fortuna-Tor in der 33. Minute – drin. Wie
üblich.
Spielerischer
Lichtblick war eigentlich nur der Ausgleich in
der 63. Minute, schön von Terodde über links
vorbereitet, der in der Mitte Jovanovic flach
bediente, der schloss eigentlich auch gut ab,
nämlich direkt, prima pariert von Masuch im
Emder Tor und geistesgegenwärtig abgestaubt von
Cebe, der endlich mal auf den „zweiten Ball“
lauerte, was sonst so gut wie nie einer macht.
Der drosch dermaßen auf die Kugel ein, dass ich
Angst bekam, er würde sie aus vier Metern noch
drüber setzen, aber es passte so grad noch.
Ansonsten viel Leerlauf trotz spielerischer
Überlegenheit. Eine Minute vor Schluss hatte
Cebe noch die Gelegenheit, der absolut Held des
Tages zu werden, als er, mehr aus Zufall denn
aus der spielerischen Aktion heraus, im
Strafraum aus ca. acht Metern halbrechts noch
frei zum Schuss kam, aber irgendwie war noch ein
Emder Bein dazwischen, die Kugel flog Zentimeter
am linken Pfosten vorbei, und das war es dann.
Nicht Fisch und nicht Fleisch für beide Teams,
keiner wusste, was man mit diesem Resultat
anfangen sollte. Darüber hinaus zeigte
Bundesliga-Schiri Dr. Drees nur zwei Fortunen
Gelb, traf aber stilsicher Christ und Caillas.
Für Christ war es die fünfte, für Caillas die
zehnte Gelbe Karte, beide fielen damit in der
folgenden englischen Woche für das Spiel beim FC
Bayern II aus. Wahrlich ein „tolles“
Spitzenspiel.
Das Spiel beim FC
Bayern München II wurde für Mittwoch, den
01.04.2009 angesetzt. Dem reisefreudigen Fan bot
sich somit die Möglichkeit, ein wenig die
Weltstadt München zu erkunden. Fix ein relativ
zentrales Hotel sowie zwei Billigflüge gebucht
und hin, mit der intensiven Hoffnung, nach den
zuletzt gezeigten Leistungen würde die
Mannschaft nicht auch noch den
Aprilscherz itself geben. Das wäre des
Schlechten wirklich ein wenig zuviel.
Die Billigflüge
gab es deshalb so billig, weil sie schon im
November letzten Jahres gebucht worden waren. Da
war das Spiel allerdings noch gar nicht auf
Dienstag oder Mittwoch terminiert. Somit mussten
natürlich der Hinflug dienstags und der Rückflug
donnerstags erfolgen. Zeit für einen kleinen
Reisebericht.
München ohne
Fußball – schön
Auf vielen
Inlandsflügen kann man mittlerweile bereits am
Vortag online einchecken und seine Bordkarte
ausdrucken. Damit entfällt eine deutsche
Lieblingsbeschäftigung, das Schlangestehen. Es
mag nun traditionsbewusste Leser geben, die
aufmucken und sagen: Moment mal, sich in eine
Menschenschlange einzureihen und stundenlang
stoisch auszuharren, das dürfte doch eher eine
Spezialität derer sein, die auf einer Insel
hausen, das haben doch die Engländer erfunden!
Zugegeben. Aber wenn es darum geht, an einem
Check-in-Schalter stundenlang in einer Schlange
zu stehen, in Kombination mit sinnloser
Diskussion um die besten Sitzplätze vorn, hinten
oder in der Mitte, wenn man dann mal endlich
dran ist, was aber bis zum Gehtnichtmehr
ausgelebt wird, ungeachtet dessen, dass die
Passagiere hinter einem dann noch länger warten
müssen – ich denke, das ist schon deutsches
Brauchtum. Und bin, wie in allen Fällen, wenn
deutsches Brauchtum im Spiel ist, froh, wenn ich
drum herum komme. Also flugs von zuhause
eingecheckt, und am Flugtag einfach nur durch
die Sicherheitskontrolle zum Gate. Leider hat
das nicht viel mit „flugs“ zu tun, denn ich muss
bei der Sicherheit zum ersten Mal in meinem
Leben meine Schuhe ausziehen. Darüber bin ich
leicht geknickt. Nicht dass es etwas zu finden
gegeben hätte – aber wenn verfassungsbejahendes
Schuhwerk unserer Wehrpflichtarmee schon
terrorverdächtig ist, dann stimmt etwas nicht in
diesem Land. Und deshalb bin ich auch erst
zufrieden, als ich sehe, wie es neben mir auch
einen älteren Herrn mit harmlosen Slippern
erwischt. Anscheinend hat die Security
Langeweile.
Der Flug nach
München verläuft störungsfrei, bis auf die
Landung. Der Pilot hat wohl eindeutig einmal
zuviel „Airport“ gesehen. Naja, eine
1-Euro-Landung für ein 1-Euro-Ticket, da kann
man nicht meckern.
Der Eindruck der
Weltstadt München beginnt dann schon am
Flughafen. Nach zwei anstrengenden Minuten gebe
ich es auf, die Tarifbedingungen des Nahverkehrs
zu verstehen, obwohl das entsprechende Poster
groß genug ist. Was die da an Bestimmungen,
Tarifen und Beispielen anführen, Zonen, Ringe,
Tickets…das kann man sich nicht länger als zwei
Minuten mit Verstand antun. Immerhin gelingt es
mir, durch unfallfreies Abzählen der Zonen den
Fahrpreis zum Münchner Hauptbahnhof zu
ermitteln: satte 9,20 € für eine eben so satte
Dreiviertelstunde, schließlich ist der Flughafen
dermaßen weit draußen und vom Hauptbahnhof
entfernt, dass er Ede Stoiber einst zu seiner
legendären „Flughafen, Hauptbahnhof…mir doch
egal, ich steig überall ein!“-Rede inspirierte.
Man rumpelt mit der S 8 also vorbei an so
malerischen Orten wie dem Heizkraftwerk
Unterföhring, unmittelbar neben der Bahnstrecke
gelegen, dessen dichte Rauchwolken mir wirklich
zu denken geben würden, würde ich in der Nähe
wohnen. Oder am Leuchtenbergring, an dem der
Ausblick auf Bürotürme und Lagerhallen, der
schon seit einigen Minuten geboten wird, fast
schon angenehm aufgelockert wird durch einen
Betriebshof der Stadtwerke, auf dem sich dort
gelagerte, leere Müllcontainer gefühlt bis an
den Horizont erstrecken. Zwischendurch lässt die
Fahrt aber noch nostalgische Gefühle in mir
aufwallen, nämlich beim Passieren der Station
Daglfing. Wer erinnert sich nicht an den
legendären, unbestechlichen Adi Furler, wie er
einst in der Sonntags-Sportschau regelmäßig die
Zahlen eines ominösen Rennquintetts verlas? Ich
hab früher nie kapiert, was es mit diesem
Rennquintett auf sich hatte, aber eines ist mir
noch in Erinnerung, nämlich dass der Adi bei der
Ankündigung der Zahlen des Öfteren sprach „-
ermittelt auf der Trabrennbahn Daglfing“. Weiß
ich also dreißig Jahre später wenigstens, wo
damals so eifrig ermittelt wurde.
Nach besagter
Dreiviertelstunde komme ich am Münchner
Hauptbahnhof an. Sofort umfängt mich
Weltstadtflair: So ist zumindest mir neu, dass
gewisse Wächter ihre Schriften schon
zweisprachig anbieten. Ist aber so – am Münchner
Hauptbahnhof kann man wahlweise über den Inhalt
des „Wachturms“ oder den des „Torre de Guardia“
diskutieren. Anschließend wird sofort eine
Geruchsoffensive geboten, mitten im Bahnhof hat
man einen Stand aufgebaut, an dem Allgäuer
Bergkäse verkauft wird. Der Stand ist groß, aber
selbst wenn er klein wäre, wäre er nicht zu
verfehlen, so rein olfaktorisch. Lecker Zeuchs,
ich liebe es. Wer seiner Nase folgt, die einen
eigentlich schnurstracks an diesem doch etwas
strengen Geruch vorbei führen sollte, der weiß
nicht, was er versäumt.
Da das Wetter zwar
nicht besonders toll, aber trocken ist,
beschließe ich, zu Fuß zum Hotel zu gehen,
welches sich am Sendlinger Tor befindet. Vor dem
Hauptbahnhof tauche ich in die Einkaufsstraße
ein, die zum Zentrum hinführt. Ich schaue ein
wenig nach den Läden, die sich rechts und links
von mir erstrecken. Schon nach fünf Minuten
beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl – kommt
mir das hier nicht bekannt vor? In der Tat, ich
kenne die Gegend – aus Hamburg. Mir scheint, die
Einkaufsstraßen deutscher Großstädte, die vom
Hauptbahnhof ins Zentrum führen, sind
mittlerweile irgendwie genormt. Sieht alles
gleich aus.
Über das Münchner
Zentrum braucht man dann aber nicht lange zu
diskutieren. Karlstor, Stachus, Altes/Neues
Rathaus, Viktualienmarkt – alles da, was man zum
ordentlichen Sightseeing braucht. Und alles so
schön zu Fuß zu begehen. Am Neuen Rathaus,
welches ich für das Alte gehalten hätte, während
das Alte Rathaus, welches 400 Jahre mehr auf dem
Buckel hat, doch fast schon modern daher kommt,
biege ich in eine Seitengasse mit dem poetischen
Namen Rindermarkt ein, welche nach kurzer Zeit
in den „Oberanger“ übergeht, an dessen oberem
Ende sich das Sendlinger Tor mit dazugehörigem
Hotel befindet. Am Rindermarkt staune ich noch
kurz über die Flexibilität bayrischer
Kleinunternehmer. In einem Haus befinden sich,
darf man den Schildern glauben, folgende
Geschäfte unmittelbar nebeneinander: Bücher,
Tabakwaren, Umweltladen, Schnitzerei,
Herrenbekleidung. Welch eine Vielfalt! Und
schön, sich vorzustellen, wie es wohl aussehen
mag, wenn sich die Besitzer von Tabakwaren und
Umweltladen wegen doch sehr unterschiedlicher
Vorstellungen des eigenen Lebensstils ab und zu
mal kräftig in die Haare bekommen. Daraufhin
leiste ich mir eine erste Bratwurst von der
Metzgerei nebenan, die es hier wie Sand am Meer
zu geben scheint, und setze meinen Weg fort. Was
es nicht alles gibt!
Bevor ich im Hotel
einchecke, erwartet mich noch ein Schock.
Überall stehen diese Kästen mit den
Boulevardzeitungen herum, aus denen man bei
Entrichtung des entsprechenden Obolus ein
Exemplar entnehmen kann. Natürlich ist auch die
Seite 1 der jeweiligen Zeitung ausgehängt, damit
man weiß, was einen erwartet. Und die Seite 1
der „Abendzeitung“, einem Blatt, das
gerüchteweise noch übler sein soll als die
Zeitung mit den vier großen Buchstaben, wartet
mit einer wahrhaft fetten Schlagzeile auf, die
mich elektrisiert: „Tod in Manila! Michi Beck –
Sein wildes Leben!“ Wie bitte, einen der
Fantastischen Vier, die einzige Band, bei der
ich nicht gleich einschlafe, wenn sie einen
deutschen Rap loslassen, einen dieser Schwaben
hat es jetzt in Manila dahin gerafft, was diese
Abendzeitung sofort dazu nutzt, eine Serie über
sein „wildes Leben“ zu starten? Und das hab ich
heute noch nirgendwo sonst gelesen oder gehört?
Ein Blick auf das beigefügte Bild klärt die Lage
dann aber. Keine Ahnung, wer die Gestalt auf dem
Foto ist, ich vermute mal, irgendeine
Schicki-Micki-Größe, die außerhalb Münchens zu
Recht kein Schwein mehr kennt – der Michi Beck
von Fanta4 jedenfalls kann es nicht sein. Es
kann höchstens sein, dass er sich hinter dem Typ
versteckt. Mitsamt Zwillingsbruder, der würde
durch diesen bayerischen Koloss auf dem Foto
nämlich auch noch verdeckt. Ich atme auf und
schreite weiter.
Fünf Minuten
später bin ich am Hotel und weiß wieder etwas:
der Porsche als Fahrzeug wird völlig
überschätzt. Spätestens, als vor einem schicken
Bistro, das ich passiere, in den drei
Parkbuchten am Straßenrand tatsächlich drei
Porsche hintereinander parken, kann ich mich
eines Gähnens nicht mehr erwehren, besonders,
wenn ich die drei zu dem ganzen Dutzend dazu
zähle, welches ich auf meinem Fußmarsch bis hier
schon gesehen habe. Für einen Moment bedaure
ich, nicht mit dem eigenen Wagen angereist zu
sein. Ich hätte zwar genau gar keinen Bock
darauf, in dieser Großstadt Auto zu fahren, aber
wenn ich meine 60-PS-Schleuder einfach mal
hinter diesen Statussymbolen eingeparkt hätte,
ich bin sicher, das hätte mal richtig Aufsehen
erregt. Vielleicht wären sogar die
Porsche-Besitzer vor die Tür gekommen und hätten
die Karre bestaunt, eventuell sogar angefasst,
ungläubig darüber, dass es so was noch gibt. Und
dass man mit so was in der Münchner Innenstadt
rumfahren darf.
Nach dem
Einchecken im Hotel treibt es mich wieder
hinaus. Die weitere Erkundung des Zentrums will
wohl vorbereitet sein, und dafür gibt es hier
nur eins – Lamm`s am Sendlinger Tor, eine urige
bayerische Wirtschaft, wie es hier viele gibt,
allerdings mit einem nicht so urigen, sondern
viel mehr wahnsinnigen Schild an der Tür: 24 h
geöffnet, durchgehend warme Küche. Zwar wanke
ich schon am frühen Abend vollgefressen wieder
raus, nehme mir aber fest vor, morgen Nacht um 2
Uhr mal anzutesten, ob an dieser Aussage was
dran ist…
Als ich auch noch
den Rest des Zentrums ablaufe, erblicke ich
Sensationelles: das weltberühmte Maggi
Kochstudio verfügt in München tatsächlich über
einen eigenen Shop! Enttäuscht bin ich nur, dass
das Personal nicht auch die entsprechenden
Schürzen trägt. Und um Glück sehe ich keinen
Shop von der Konkurrenz – niemand hätte mich
davon abhalten können, den gesamten Münchner
Wochenvorrat an Mirácoli aufzukaufen. Kurz, all
diese Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten auf
engem Raum ergänzen sich hervorragend und runden
einen solchen Ausflug zu einem schönen Erlebnis
ab.
Am Mittwochmorgen
gegen neun Uhr dreißig wandere ich über den
Viktualienmarkt und staune. Nämlich darüber, was
bei den Einheimischen wohl als zweites Frühstück
gilt. Ich sehe mindestens ein Dutzend Leute, die
sich Bratwürste, Weißwürste, Haxen reinhauen,
begleitet von der obligatorischen Maß Bier.
Damit klärt sich auch die Frage, warum die Amis
auf die Frage, wie sie sich Deutschland und die
Deutschen vorstellen, fast immer Beschreibungen
von Bayern und Bayern zum Besten geben. Klar,
bei der Ernährung…die Touris müssen sich
ja hier wie Brüder und Schwestern im Geiste
fühlen…
Mein Weg führt auf
die Isarinsel zum Deutschen Museum. Lohnt sich
nicht, kann ich nur sagen. Aber man muss mich
auch ausreden lassen. Lohnt sich nicht, wenn man
dafür nur zwei, drei Stunden Zeit hat. Das Teil
ist so riesengroß, und es gibt so viele Exponate
und Vorführungen, da kommst du in drei Wochen
nicht durch, da bin ich ziemlich sicher. Sehr
beeindruckend. Und wieder gibt es etwas Neues:
auf der Zugangsbrücke zum Museum befinden sich
schöne alte Gaslaternen, die um diese Uhrzeit
natürlich nicht brennen. Sollten sie dies auch
nach Einbruch der Dunkelheit nicht tun, hat man
sich etwas einfallen lassen: ein Aufkleber auf
den Laternen teilt eine Telefonnummer des
Baureferats München mit, unter der man dann die
Störung melden kann. Sicherlich nichts
Außergewöhnliches. Aber: mit dieser
Störungsmeldung nimmt man dann automatisch an
einem Gewinnspiel teil! So etwas hab ich auch
noch nicht erlebt. Schau an, das Baureferat –
voll am Puls der Zeit!
Da das Spiel zur
fanfreundlichen Uhrzeit 18 Uhr angepfiffen wird,
kann man sich am Nachmittag schon mal auf den
Weg machen. Hier erweist sich das Hotel als
strategischer Vorteil – von dort sind nur 20
Meter bis zur U-Bahn-Station, in der auch die
Linie 1 hält, die man Richtung Mangfallplatz
besteigt und drei Stationen später am
Wettersteinplatz wieder verlässt. Voilà, das
war`s. Eine entspannte Anreise somit.
München mit
Fußball – nicht schön, aber schön – Schlecht III
Schön, wenn dann
der Anlass für diese Reise, das Spiel der
Fortuna, genau in das bisher Erlebte passt. Das
Stadion an der Grünwalder Straße, einst Hochburg
der „Löwen“ des TSV 1860 München, heute
Austragungsort der Heimspiele der FC
Bayern-Bubis, fügt sich nämlich nahtlos in die
weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt ein. Oder
um es direkt und offen zu formulieren: eine
charmante Bruchbude. Mit ziemlicher Sicherheit
in dem ein oder anderen Punkt nicht
drittligatauglich, dafür aber mit viel Herz. Es
könnte allerdings gesünder für das eigene Herz
sein, während des Spiels nicht aufs Klo zu
müssen. Bei aller Toleranz, das ist unzumutbar.
Verpflegung kann man sich auch abschminken, in
der Haupttribüne ist nur die alte Sechz`ger
Stadiongaststätte geöffnet. Die ist zwar
urgemütlich, ähnlich wie in Regensburg Anfang
März, aber da es der einzige Ort auf der
Haupttribüne ist, an dem man etwas zu trinken
und ein paar Würstchen bekommen kann, ist es
dementsprechend voll. Somit darbe ich auf einer
schmucken Holzbank auf der Tribüne vor mich hin
und hoffe, dass ich nicht zwischendurch aufs Klo
muss. Aber ansonsten ist es wirklich charmant,
besonders die weiterhin mechanische
Anzeigetafel, auf der händisch nachgetragen
wird, wenn ein Tor gefallen ist, hat es mir
angetan. So etwas sieht man heutzutage kaum
noch. Derjenige, der Tafeldienst hat, wird sich
lange Zeit am schönen Frühlingswetter erfreuen
könne, soviel schon vorab.
Übrigens heißt das
Stadion offiziell „Städtisches Stadion an der
Grünwalder Straße“, die Anhänger der
Bayern-Bubis tauften die Hütte allerdings um,
wie man dem Faltblatt zum Spiel entnehmen kann,
das die Bayern Zwo-Supporter vor der Partie
verteilen. Da heißt die Bude nämlich „Hermann-Gerland-Arena“,
was über den Status des raubeinigen Trainers von
Bayern II wohl alles sagt. Der Mann wird quasi
mit jedem Wutausbruch beliebter.
Bei Fortuna Christ
nach der fünften und Caillas nach der zehnten
Gelben Karte gesperrt, dafür Kapitän Lambertz
nach Gelbsperre wieder im Team, und Bekim
Kastrati überraschend im Sturm, dazu noch
Sebastian Heidinger von Anfang an dabei, unser
Flügelflitzer, der sich seit anderthalb Jahren
bemüht, auch mal ein Pflichtspieltor für uns zu
erzielen. Darüber hinaus der Einzige im Team,
dem das Umfeld ein wenig bekannt vorkommen
dürfte, schließlich hat er lange bei der FC
Bayern-Jugend gespielt, ehe er über Pfullendorf
nach Düsseldorf kam. Trainer Meier beweist dann
noch seinen Sinn für Abwechslung, indem er Cakir
für Palikuca spielen lässt, also einiges an
Veränderungen. Zur fanfreundlichen Anstoßzeit um
18 Uhr (wiederhole ich doch gerne) haben sich
erstaunliche 500 Fortunen im Stadion
eingefunden, dazu aber auch noch erstaunlich
viele andere, da es keine offiziellen Zahlen
gab, würde ich knapp 1.500 Zuschauer schätzen.
Und während ich
mich noch frage, wer bei Fortuna eigentlich
überhaupt einen Frei- oder einen Eckstoß
schießen will, wo doch genau die Beiden, die das
ab und zu mal können, gesperrt ausfallen, gibt
es schon den ersten, es ist ein Freistoß. Nach
zwei Minuten zwirbelt Jovanovic die Kugel aus
ca. 20 Metern über die Mauer, aber der
Bayern-Keeper ist auf dem Posten und dreht den
Ball über die Latte. Ein verheißungsvoller
Auftakt.
Das ist es dann
aber auch schon. Oder anders gesagt: ein
Grottenkick zum Abgewöhnen. Die Bayern haben
einen Torschuss, den Melka sicher festhalten
kann, und wir haben noch einen Freistoß, ein
ganz erstaunliches Pfund von Heidinger, das der
Keeper nur mit Mühe wegkratzen kann, der Ball
hätte genau unter die Latte gepasst. Nach einem
Freistoß kommt auch Cakir mal völlig frei zum
Kopfball, ist davon aber so überrascht, dass er
einige Meter am Tor vorbei köpft, und das war es
in Halbzeit 1. Kaum vernünftiges Aufbauspiel,
zahlreiche oder eher zahllose Stockfehler auf
dem zugegeben ramponierten Rasen, Fehlpässe en
masse, keine Ideen, zum Teil übles Gebolze. Und
zwar von beiden Seiten, mich wundert es stark,
dass die Bayern sich so zurückhalten. Die
spielen so, als ob sie das alles nix anginge
sehr verhalten. Aber Fortuna macht aus der
optischen Überlegenheit genau nichts. Keine
große Verbesserung zu den Spielen zuvor.
In der Pause wird
darüber diskutiert, ob das Spiel dem Komitee für
den Friedensnobelpreis gemeldet werden sollte,
so harmlos ist das. Ein Bekannter sagt ergriffen
zu mir: „Ein Spiel wie vom anderen Stern..“ – um
dann hinzuzufügen – „…wenn ich nur wüsste, von
welchem!“
Und so geht es
nach dem Wiederanpfiff weiter - nach 80 Minuten
bitte ich innerlich um den Abpfiff, man würde
zwar fluchen, aber ein Punkt ist ein Punkt.
Allerdings ist es gut, dass ich nicht erhört
werde, denn die letzten 10 Minuten haben es
plötzlich in sich, als Fortuna endlich ein
bisschen mehr Druck macht und auch Chancen
heraus spielt. Erst zielt Jovanovic knapp am Tor
vorbei, dann bugsiert ein Münchner Abwehrspieler
bei einem Gestocher nach einer Ecke den Ball von
der Torlinie, nachdem Cebe ihn schon am Torwart
vorbei gemogelt hat. Und in der 88. Minute
entscheiden Lumpi, der Schiri und Heidi das
Spiel. Nein, ich hab nicht zu viele Trickfilme
gesehen. Schöne Einzelleistung von Andreas „Lumpi“
Lambertz, der sich gegen zwei Leute in den
Strafraum durchsetzt, sein Gegenspieler hält ihn
ganz klar am Trikot, aber Schiri Meyer lässt
erst einmal Vorteil laufen statt Elfer zu
pfeifen (bei unserem Glück hätte es eh nur
Freistoß gegeben, wo das Foul begann, war
nämlich nicht deutlich zu sehen). Lambertz reißt
sich los, bringt den Ball aufs Tor, gute Parade
des Münchner Schlussmanns, der Ball springt nach
links in den Strafraum weg.
Und so wie in der
Stadt das Maggi Kochstudio nur einen Steinwurf
vom altehrwürdigen Isartor entfernt liegt, so
weiß auch das altehrwürdige Stadion mit einer
Neuheit zu glänzen: sie kommt von links
herangerauscht und heißt Sebastian „Heidi“
Heidinger. Sensationell, wie der den Abstauber
zum Siegtreffer einnetzt und gleich zur Fankurve
durchrennt. Sensationell deshalb, weil der
Bewegungsablauf vom Ansetzen des Sprints bis zum
Erreichen des Zaun so flüssig vonstatten geht,
dass man den Eindruck gewinnen kann, der Heidi
habe diese Aktion exakt so geplant, und den Ball
unterwegs nur nebenbei rein gemacht, weil er ihm
grad zufällig in den Weg rollt. Zu seinem
allerersten Pflichtspieltor für Fortuna
überhaupt. Dazu und zur gelungenen Performance,
die einem schönen Ausflug die Krone aufsetzt,
sag ich Glückwunsch und herzlichen Dank. Und
noch die Liebeserklärung des Kapitäns oben
drauf. Andreas Lambertz nach dem Spiel über den
Torschützen: „Der Heidinger hat einen Pfeil im
Arsch, so schnell ist der.“
Denn das ist es,
außer dass man sich fast selbst noch um den Lohn
bringt, als man in der 90. Minute einen
Bayern-Spieler völlig frei zum Kopfball kommen
lässt, aber der setzt den Ball drüber, und der
Schiri lässt den Abstoß gar nicht mehr
ausführen. Ein glücklicher, nicht ganz
unverdienter Sieg, weil Fortuna mehr fürs Spiel
getan hat als die zumeist völlig passiven
Bayern-Bubis. Aber mit dieser Leistung sollte
man nicht allzu oft auf drei Punkte hoffen, so
harmlos ist nicht jeder Gegner. Deren Trainer
setzt natürlich wieder einen drauf und spricht
davon, dass einige seiner Spieler den Mund im
Training wohl etwas voll nehmen. Das lässt auf
einige vergnügliche Einheiten in den nächsten
Tagen schließen. Ein ganz wichtiger Sieg mit
schlechter Leistung, der noch mal ganz wichtig
werden kann.
Damit ist der
Abend gerettet. Nach dem Besuch eines Konzertes,
diese dämliche Anstoßzeit muss ja auch sein
Gutes haben, ich schaffe es locker bis
Konzertbeginn, und der Rückkehr zum Hotel, wobei
ich dem Taxifahrer auf der Karte den Weg zeigen
muss, denn er versteht kein Hochdeutsch, teste
ich dann noch, ob es bei Lamm`s wirklich mitten
in der Nacht noch warme Küche gibt. Es gibt.
Diese Wahnsinnigen.
Hochzufrieden
trete ich am nächsten Morgen die Heimreise an,
bereichert noch durch das ein oder andere
Schmankerl. Zum Beispiel der einigermaßen Furcht
erregenden Anzeige in den U- und S-Bahnen, die
einen mahnen, bloß nicht ohne gültiges Ticket zu
reisen: „Wenn Sie schwarz fahren, sehen wir
rot!“ Das lässt so einiges vermuten, wenn sie
wirklich mal einen Schwarzfahrer erwischen. Hier
wird anscheinend nicht lange gefackelt.
Am Flughafen –
nachdem ich die Schuhe wieder anziehen darf –
wird die gesamte Reisegesellschaft per Bus vom
Terminal zum Flieger kutschiert. Dabei kurvt der
Bus so weit aufs Rollfeld hinaus, dass ich
befürchte, er dreht gleich auf die neben der
Piste gelegene Autobahn ab, wobei uns dann der
Busfahrer zu unserer neunstündigen Tour nach
Köln begrüßen wird, während der
Sicherheitsmensch die ersten Rheumadecken aus
der Ablage hervor zaubert. Aber schließlich
entlässt er uns doch an einem anderen Terminal.
In diesem Ziehharmonikateil, durch das man den
Flieger betritt, fällt mir ein Schild an einer
kleinen Tür in der Seitenwand auf: „Tür bitte
stets geschlossen halten!“ Bei dieser
Anweisung wäre es wohl klüger gewesen, erst gar
keine einzubauen, nur so als Tipp. Anschließend
merke ich noch, mit welcher Bagage ich unterwegs
bin, denn sämtliche Passagiere, die vor mir
einsteigen, greifen zur angebotenen Lektüre, die
in diesem Fall aus zwei Zeitschriften besteht:
„Focus Money“ und „Der Aktionär“. Hurra, ich
fliege mit dieser überbezahlten Mischpoke, die
sich erst die eigenen Taschen vollmacht und
anschließend die Firma pleite meldet und betteln
geht. Naja, wenigstens hab ich auf dem Flug
genug zu gucken, bin ich doch wieder mal einer
der ganz Wenigen, die es bis heute nicht
geschafft haben, mit Laptop zu reisen. Busy,
busy.
Nach ca. 50
Minuten legt Quax, der Bruchpilot mal wieder
einen ebensolche Landung hin, scheint derselbe
Pilot zu sein wie vor zwei Tagen, oder die
Fluggesellschaft legt nicht so viel Wert auf
Training ihres technischen Personals. Naja, eine
1-Euro-Landung für ein 1-Euro-Ticket, da kann
man nicht meckern.
Anschließend
lassen mich die Stadtwerke Bonn eine halbe
Stunde auf den Bus vom Flughafen zum Bonner
Hauptbahnhof warten, zusammen mit der
anschließenden, ebenfalls halbstündigen Fahrt
und dem Heimtransport vom Bonner Hauptbahnhof
bin ich damit länger unterwegs als der Flug
überhaupt gedauert hat. Aber wie kann mich das
noch schocken – nachdem wir endlich auch mal
eine echte Gurkenpartie gewonnen haben? Fazit:
ein schöner Ausflug mit Happy End!
Schlecht IV – Das
Letzte
Am 04.04.2009
spielte Fortuna gegen den VfB Stuttgart II 1:1.
Über das Spiel, das zu diesem Ergebnis geführt
hat, vereinbarten beide Parteien Stillschweigen.
Beziehungsweise
ich tue das jetzt und hänge mir den virtuellen
Maulkorb um. Was die Truppe in der zweiten
Halbzeit gegen die äußerst biederen Schwaben
ablieferte, war eine Unverschämtheit. Gegen
einen Gegner, der in der ersten Halbzeit nicht
einen einzigen Torschuss zu verzeichnen hatte.
Dessen Trainer zwei Tage vor dem Spiel in einem
offiziellen Interview verkündet hatte, seiner
Meinung nach sei eh nicht mit einem Stuttgarter
Sieg zu rechnen. Die wollten gar nicht. Und
unsere dachten sich in der zweiten Halbzeit
wohl: dann müssen wir auch nix mehr tun, wir
führen ja schließlich haushoch mit 1:0. Was dann
an Stehgeiger-Fußball abgeliefert wurde, spottet
jeder Beschreibung. Ich halte mich für ziemlich
tolerant, was schlechte Fortuna-Spiele betrifft,
man ist ja über die Jahrzehnte abgehärtet. Aber
ich kann mich nicht erinnern, in den letzten
Jahren eine solche Nicht-Leistung gesehen zu
haben, zumal man bei diesem harmlosen Gegner nur
mal fünf Minuten das Tempo hätte anziehen und
das 2:0 machen müssen, der Fall wäre erledigt
gewesen. Stattdessen wurde, als die Stuttgarter
nach ca. 70 Minuten (!) endlich merkten, dass
hier vielleicht etwas gehen könnte, auch jeder
Ansatz eines Konters verschleppt, es sah fast
nach Absicht aus. Wenn man wirklich einen
schlechten Tag erwischt, wenn der Gegner
wirklich ein bisschen besser ist, oder wenn man
einfach 90 Minuten auf ein Tor spielt, und die
Pille nicht rein bekommt – für all das habe ich
Verständnis. Wie man allerdings nach der Pause
gleich drei Gänge runterschalten kann und
anscheinend der Meinung ist, man könne den
Vorsprung als echte Spitzenmannschaft einfach so
nach Hause schaukeln, das hat schon fast etwas
von Arroganz. Und so bin ich immer noch
stinkwütend darüber, wie die Mannschaft diese
drei Punkte einfach wegwarf (bzw. deren zwei,
einen behielt man ja noch). In Unterhaching
lachte man sich kaputt, gewann gegen Bayern II
mit 2:1 und rückte bis auf einen Punkt an uns
heran. Dass wir immer noch auf Platz 3 stehen,
ist ein besserer Witz, und dürfte mit solchen
Leistungen schon nächste Woche Geschichte sein,
wenn wir am Ostersamstag in Offenbach antreten
müssen. Und am Sonntag danach kommt
Spitzenreiter Union Berlin…
Ach ja, zum Spiel
noch zwei Anmerkungen: 1:0 Kastrati (38.), 1:1
Walch (83.). Zuschauer: 10.010. Danke. Bitte.
Es existiert
derzeit eine Fan-Initiative „25.000+“ mit dem
Ziel, zum Spiel gegen Union eben mindestens
25.000 Zuschauer in die Arena zu locken. Da
reißen sich diverse Leute den Hintern auf, um
selbst entworfene Flyer und Plakate zu
verteilen, um die Aktion überall bekannt zu
machen, auch der Verein ist von der Aktion
begeistert und wirbt fleißig mit. Eine tolle
Eigeninitiative einiger Leute, die ihren
Feierabend sicherlich auch anders verbringen
könnten. Und dann liefert die Mannschaft im
letzten Heimspiel vor diesem Knaller so etwas
ab. Man könnte tatsächlich glauben, die wollen
nicht so viele Leute in der Arena, weil ihnen
dann der Druck zu groß wird. Nun, das haben sie
jetzt auch wohl eindrucksvoll geschafft.
Andererseits
vielleicht gar nicht mal zu kurz gedacht. Denn
das Spiel wurde ja auf Sonntag verlegt, und wenn
man sich unsere bisherige Sonntags-Bilanz in
dieser Saison anschaut – fünf Spiele, fünf
Niederlagen –, dann ist es vielleicht ganz gut,
wenn nicht so viele Leute mitbekommen, wie auch
die letzten Meriten mit der aktuellen „Form“
verspielt werden…
Klar bin ich
dabei. Hab ich jetzt schon Angst vor.
Bibbert derzeit
vor sich hin: janus |