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Hurra, angekommen!
Zum ersten Mal seit Bestehen dieses
Möchtegern-Blogs darf ich berichten, wie sich
die Fortuna in der 2. Liga schlägt. Bislang gar
nicht einmal schlecht, möchte ich sagen. Aber
natürlich sind erst drei Spiele gespielt, es ist
viel zu früh, um irgendwelche Aussagen zu
treffen, wohin die Reise geht. Und damit ich in
dieser Zusammenfassung auch schön was zu
schreiben habe, legte man in den ersten
Betriebsmonat der Fortuna in Liga 2 auch gleich
noch den DFB-Pokal-Knaller gegen den HSV am
03.08.2009 sowie die außerordentliche
Mitgliederversammlung am 25.08.2009, deren
Vorgeplänkel ich im letzten Bericht dargelegt
hatte. Also, nit lang quake – make!
Endlich mal was
Neues (überhaupt)
Am 03.08.2009 war
es so weit: 1. DFB-Pokal-Hauptrunde, Fortuna
gegen den Hamburger SV in der esprit Arena. So
ein Knaller, sogar noch vor Saisonbeginn. Zu
erwarten war eigentlich nicht viel, zumal die
Erstligisten in den Tagen zuvor nicht allzu viel
hatten anbrennen lassen, von kleineren
Ausrutschern wie Mainz (in Lübeck) und Hannover
(in Trier) abgesehen. Der HSV konnte seine
Neuzugänge Elia, Rohzenal und Berg nicht
einsetzen, aber das machte nix – die
Mannschaftsaufstellung des Gegners war auch so
Furcht einflößend genug für Leute wie mich, die
in den letzten Jahren eher irgendwelche Kenny
Schmidts von Bremen II oder Rouven Sattelmaiers
aus Regensburg gewohnt waren. Bei allem Respekt
vor den genannten Balltretern – Zé Roberto,
Trochowski, Rost, Petric, Guerrero – das sind
nunmal ganz andere Hausnummern, da konnte einem
schon beim Betrachten der Aufstellung leicht
schwummerig werden.
Zehn Minuten nach
Spielbeginn noch ein wenig mehr. Die Truppe des
schönen Bruno schien gewillt zu sein, vor 36.000
Zuschauern nichts anbrennen zu lassen. Bereits
nach fünf Minuten konnte man erahnen, wozu die
fähig sein würden: langer Ball auf die linke
Seite, Aogo läuft van den Bergh davon und bringt
die Kugel direkt in die Mitte, wo Petric sie
ebenfalls direkt flach zum 0:1 in die rechte
Ecke des Gehäuses drückt. Das Ganze dauerte
keine fünf Sekunden, und ein Fortune kam erst an
den Ball, als Melka diesen aus dem Netz fischte.
Als Anschauungsunterricht sicherlich prima
geeignet, blöd nur, wenn die eigene Mannschaft
dabei das Opfer spielen muss.
Zumal es in den
nächsten Minuten so weiter ging. Allein Keeper
Melka verhinderte, dass die Sache frühzeitig
entschieden war. Ich begann im Geiste, schon zu
überlegen, wie schnell man die Arena würde
evakuieren können. Wenn der Schiri jetzt
abpfeifen würde, und wir uns alle klammheimlich
davon machen und das Licht ausschalten würden,
vielleicht würde es ja gar keiner merken? Und
ein 0:1 gegen den HSV wäre doch gar kein
schlechtes Ergebnis! Ach was – da mussten wir
jetzt durch!
In der 11. Minute
kamen wir auch mal nach vorne und erhielten
einen Freistoß, halblinks, ca. 25 Meter vor dem
Tor. Tja, wenn sonst schon nix läuft, dann
vielleicht ein wenig Gefahr durch einen
Standard? Und wie! Christ spielt den Ball nicht
wie erwartet hoch und lang in den Strafraum,
sondern als Aufsetzer auf den kurzen Pfosten.
Und dass das eventuell einstudiert sein könnte,
kann man daran sehen, dass gleich drei Fortunen
in der Mitte zum Ball sprinten, aber kein
Hamburger. Neuzugang Oliver Fink bekommt
schließlich die Pieke dran und lenkt die Kugel
an Rost vorbei ins Netz – Ausgleich! Zu diesem
Zeitpunkt natürlich ein Witz, aber wen
interessiert`s?
Zumal das mit dem
Witz schon bald danach ein Witz war. Beim HSV
staunte man noch ungläubig, dass der
Zweitliga-Aufsteiger sich erdreistete, Gegenwehr
zu leisten, da schlug es gleich schon wieder
ein: Traumpass von Christ in den Lauf von
Caillas, der kurvt in den Strafraum ein, ist
eher am Ball als HSV-Keeper Rost und lupft die
Kugel nach innen auf den mitgelaufenen Bulykin.
Abwehrspieler Boateng kriegt grad noch seinen
Körper dazwischen und befördert den Ball ins
eigene Tor, bevor Bulykin in Selbiges vollenden
kann. 2:1 in der 16. Minute, Spiel gedreht!
Und das nicht
unverdient, denn Fortuna brannte ab der 10.
Minute wirklich ein Feuerwerk ab. Voller
Spiellaune hielt man gegen das, was die
HSV-Strategen Zé Roberto und Trochowski im
Mittelfeld so zauberten, und das war schon erste
Sahne. Machte richtig Spaß zuzusehen. Es ging
hin und her, und die besseren Chancen hatte
dabei tatsächlich die Fortuna. Zudem profitierte
man davon, dass beim HSV Guerrero schon nach 21
Minuten verletzt den Platz verlassen musste. Für
ihn kam Nachwuchsspieler Choupo-Moteng, der
allerdings einen rabenschwarzen Tag erwischte
und in der zweiten Halbzeit wieder ausgewechselt
wurde. Fortan war der HSV vorne nicht mehr ganz
so gefährlich. Im Gegensatz zu den Unsrigen:
kurz vor der Pause musste Christ das 3:1 machen,
nach Traumpass stand auch er alleine vor Rost,
aber diesmal blieb der bärenstarke HSV-Torwart
Sieger und konnte ebenso abwehren wie gegen
Jovanovic, der aus 10 Metern frei zum Schuss
kam. Zur Pause führte Fortuna völlig verdient
mit 2:1, und der HSV war damit noch gut bedient.
Und das nach dieser Anfangsphase! Man konnte es
kaum glauben.
Nun, zu Beginn der
2. Halbzeit rückte der HSV dann relativ schnell
wieder einiges gerade. Trainer Labbadia
beorderte Pitroipa noch weiter nach vorne
(übrigens, den müsst ihr mal direkt neben seinem
Mitspieler Demel aus der Nähe stehen sehen –
das könnte die Bibel mit David gegen Goliath
gemeint haben), den dadurch entstehenden Raum
nutzte Trochowski für einige Spaziergänge. Einen
davon beendete er bereits neun Minuten nach der
Pause mit einem 20-m-Böller, der rechts oben
einschlug. Zwar hätte er gar nicht zum Schuss
kommen dürfen, denn dem Angriff ging ein klares
Foul am Mittelkreis gegen Fink voraus, aber wir
wollen nicht kleinlich sein. Denn der Ausgleich
ging natürlich in Ordnung, Fortuna zog sich mehr
und mehr zurück, der HSV war zwar überlegen,
setzte aber nicht entscheidend nach, zog auch
kein Powerplay auf, wollte offenkundig nicht
noch in einen Konter rennen. Und so stand es
auch nach 90 Minuten 2:2. Verlängerung!
Allein das war es
schon wert. Der erste Ausflug im DFB-Pokal seit
fünf Jahren (der zweite seit 10 Jahren, klingt
auch nicht schlecht), damals gegen Bochum
relativ chancenlos, heute einen der
Meisterschaftsfavoriten in die Verlängerung
gezwungen! In der Pause, bevor es weiter ging,
wurde von der Stadionmusik dann auch erstmal
„Boys don`t cry“ von The Cure gespielt – nie
passte es besser als in diesem Moment! Ein
fröhliches Liedchen, doch nicht rumzuheulen,
egal, wie es ausgehen würde. Ich weiß zwar
nicht, ob die Hamburger das in diesem Moment so
witzig fanden, ich allerdings schon.
In der
Verlängerung passierte dann dasselbe wie in den
zwei Halbzeiten zuvor, und es war das Einzige,
was man der Mannschaft an diesem Abend zum
Vorwurf machen konnte: wieder wurde der Beginn
verpennt. In der ersten Halbzeit kassierte man
das Gegentor nach fünf Minuten, in der zweiten
nach neun – nun dauerte es wiederum nur fünf
Minuten, da schlug es zum dritten Mal ein: van
den Bergh hatte gegen Pitroipa gepennt, und der
konnte von Torwart Melka nur griechisch-römisch
davon abgehalten werden, die Kugel ins leere Tor
zu biggeln. Klare Sache, Elfmeter, ebenso klar
verwandelt von Trochowski zum 2:3. Und den
mindestens ein Dutzend Couchpotatoes, die mich
am nächsten Tag auf der Arbeit ansprachen und
die der Meinung waren, Melka habe für diesen
Einsatz zwingend Rot sehen müssen, weil wegen
Notbremse und überhaupt, denen empfehle ich mal
ein bisschen Regelkunde für diejenige Sportart,
die sie so gerne zuhause gucken. Da nutzen auch
sechs Zeitlupen nix, man muss schon wissen, was
vor sich geht. Vielleicht ab und zu ins Stadion
gehen, dann steigt naturgemäß das Interesse
daran, auch mal die Regeln zu verstehen.
Mit diesem
erneuten Führungstreffer des HSV war die Sache
natürlich erledigt und alles ging seinen
gewohnten Gang. Dachten die Gäste wohl.
Zumindest spielten sie jetzt so weiter. Anstatt
nochmal offensiv zu werden und die vierte Bude
zu machen, die das Ganze nu wirklich entschieden
hätte, beschränkte man sich darauf, das Spiel
lässig nach Hause zu schaukeln und ließ sich
tatsächlich hinten rein drängen. Hinzu kam, dass
die wenigen Konter noch äußerst fahrlässig
versiebt wurden. Okay, der Schuss von Petric
wurde von Melka mal wieder klasse pariert, aber
das Ding, welches Zé Roberto allein vor dem
Keeper auf dem Schlappen hatte, und das er als
gekonntes Lupferchen zum Abschluss bringen
wollte, wobei der Ball nur auf dem Tornetz
landete – das sah schon fast ein wenig arrogant
aus. Oder wie es der Kommentator der ARD sagte:
„Die Hamburger, die waren mit den Gedanken doch
schon im Hotel…vielleicht noch ein spätes
Abendessen…und dann das!“ Denn Fortuna zog in
den letzten Minuten nochmal ein beeindruckendes
Powerplay auf, drückte den HSV in dessen eigene
Hälfte. Als der eingewechselte Heidinger knapp
drei Minuten vor Schluss einen Kopfball nur
Zentimeter neben das Tor setzte, dachten allen,
das war`s. Aber zum Glück läuft so ein Spiel ja
so lange, bis der Schiri abpfeift. Mit der
allerletzten Szene gibt es noch eine Flanke von
links in den Strafraum, der eingewechselte
Lawaree kommt nicht zum Kopfball, der Ball
springt Richtung rechtes Strafraumeck, und da
kommt Lumpi Lambertz.
Der war in der 2.
Halbzeit für den bärenstarken Neuzugang Fink
eingewechselt worden. Ein Wechsel, den ich nicht
ganz verstanden hatte, den wie gesagt, Fink
lieferte ein Riesenspiel ab, und Lambertz fehlte
nach seiner langen Verletzung noch jede Menge
Spielpraxis. Das sah man auch sofort, der lief
nämlich eigentlich während seines gesamten
Einsatzes rum wie Falschgeld, ihm gelang nur
sehr wenig. Ein Wechselfehler, hätte ich gesagt.
Aber zurück zur 120. Minute…
Da kommt also
Lumpi Lambertz an den Ball. Er legt das
Spielgerät an Mladen Petric vorbei, der auch
schon zur Aushilfe in den eigenen Strafraum
abkommandiert worden ist. Petric dreht sich weg,
will nicht noch in letzter Sekunde einen
Elfmeter riskieren. Lambertz erreicht die Kugel
ca. acht Meter vor dem Tor, halbrechts. Mit
letzter Kraft zieht er ihn aufs Tor, erwischt
den Ball dabei noch nicht einmal voll. Das
erledigt dann für ihn Dennis Aogo. Der will
klären, hält den Fuß im günstigsten Moment hin
und lässt den eigentlich flachen Ball springen.
Und zwar praktischerweise genau über Frank Rost
hinweg, der sich natürlich am kurzen Pfosten
positioniert hat. Und irgendwie sieht man schon
im Ansatz, dass die Kugel schön ins lange Eck
passen wird. 3:3, Ausgleich drei Sekunden vor
Ende der regulären Spielzeit. Wahnsinn!
Ich dachte
anschließend, dass die Fans der Einfachheit
halber gleich die Hütte abreißen, so hoch wurde
der Geräuschpegel gedreht. Tolle Stimmung, zumal
der Schiri gar nicht mehr anpfeifen ließ.
Elfmeterschießen gegen den HSV!
Nun, das war es
dann aber auch. Denn man kann ja mal versuchen,
zu eruieren, wann wir zuletzt ein
Elfmeterschießen gewonnen haben. So viele gab es
davon ja nicht. Aber egal, ob im Pokal oder auf
irgendeinem Dorfturnier – ich glaube, in diesem
Jahrtausend haben wir noch keins gewonnen. In
unseren Trikots scheint eine Art englisches Gen
zu stecken, was diese Disziplin betrifft. Leider
auch an jenem Arbeit, weshalb es dann auch
schnell vorbei war. Marco Christ konnte den
ersten fortunistischen Elfer noch im Netz
unterbringen, als zweiter kam Sebastian
Heidinger. Und der schoss nicht nur schlecht,
der hatte auch noch Pech: sein Ball flog nämlich
tatsächlich durch die Arme von Rost, insoweit
alles richtig gemacht – und prallte anschließend
dem HSV-Keeper ins Gesicht und wurde dadurch
abgewehrt. Das zeichnet natürlich solch einen
Klassemann aus – zur Not hält der die
entscheidenden Bälle auch mit der Nase. Nach
anschließender Behandlung war er schon wieder
fit genug, um auch den nächsten Strafstoß von
Olivier Caillas zu parieren, und da bei den
Hamburgern Zé Roberto, Trochowski, Mathijsen und
zuletzt Jansen souverän verwandelten, war es das
für uns. Nach großem Kampf mit 4:7 nach
Verlängerung und Elfmeterschießen ausgeschieden,
dafür sehr viele Sympathien eingeheimst und
Frank Rost die Nase gedellt – kann auch nicht
jedes Team von sich behaupten. Völlig zu Recht
wurde das Team nach dem Ende noch minutenlang
von den Fans gefeiert. Ein toller Abend, wenn
auch nicht ganz mit Happy End. Aber allein wie
sich die Mannschaft zum Ende der Vorbereitung
präsentierte, war schon höchst erfreulich.
Besonders das, was die Neuzugänge Fink, Weber
van den Bergh, mit Abstrichen auch Bulykin und
vor allem Anderson ablieferten. Ja, dieser
Anderson “Bamba“ Soares de Oliveira, jener
Brasilianer, der sich schon beim ersten Training
verletzte, anschließend vier Wochen mit diversen
Wehwehchen fehlte und erst zum Testspiel gegen
Arnheim erstmals richtig in den Kader rückte.
Unglaublich, wie abgezockt der in der
Innenverteidigung spielte! Und das trotz
mangelnder Spielpraxis, mangelnder Kenntnis
seiner Nebenleute und, laut Aussage seines
Ex-Trainers Wollitz, mangelnder
Deutschkenntnisse. Wenn es einem an so viel
mangelt, und der legt dann solch ein Spiel hin,
dann kann der nicht ganz so schlecht sein. Die
2. Liga konnte kommen!
Alles beim Alten I
Stell Dir vor, Du
spielst nach zehn Jahren wieder in der 2. Liga,
und keiner merkt es. Möglich machte dies die
glorreiche DFL, die uns am ersten Spieltag exakt
dieselbe Partie wie vor einem Jahr bescherte:
Heimspiel gegen den SC Paderborn, seines
Zeichens Mitaufsteiger. Dass es in diesem Jahr
eine Zweitliga-Partie war, konnte man nur am
Termin erahnen: Samstag, 08.08.2009, 13.00 Uhr.
Die 3. Liga spielt um 14.00 Uhr, das ist der
einzige Unterschied. Aber dafür werden wir ja
auch live im Bezahlsender sky übertragen, und da
der auch die Erste Liga überträgt, müssen die
Zweitliga-Spiele vor Beginn der Erstliga-Partien
beendet sein. Bloß keine Überschneidungen, nicht
dass der Kunde auf die Idee kommen könnte,
umzuschalten. Oder gar selbst in ein Stadion zu
gehen, um Gottes Willen! Dann lieber
Fußballspiele zur Mittagszeit anpfeifen. Hatte
ich zuletzt in der D-Jugend, da wurde auch
samstags mittags gespielt. Somit ein Hoch auf
die DFL, die zumindest bei Leuten meines Alters,
die früher selbst gespielt haben, wieder eine
gewisse Nostalgie hochkommen lässt.
Ansonsten war
alles wie letztes Jahr: der Gegner war derselbe,
der Kader des Gegners größtenteils ebenso,
selbst einer seiner Neuzugänge war ein
Drittliga-Schreckgespenst. Rudi Zedi,
Ex-Fortune, und in den vergangenen Jahren im
Trikot von Kickers Emden stets verlässlicher
Torschütze gegen uns. Allerdings nur bei Emder
Heimspielen, in Düsseldorf traf er nie. Dies
überzeugte Paderborns Coach André Schubert wohl,
ihn gar nicht erst zu bringen, sondern auf die
Bank zu setzen. Dafür war ich nicht undankbar.
Im letzten Jahr
machte Fortuna gegen Paderborn das Spiel in der
ersten Hälfte, vergab ein Höchstmaß an
Torchancen, kassierte durch zwei Schüsse aufs
Tor zwei Gegentreffer und verlor das Spiel
anschließend deutlich mit 1:4. Dies sollte
diesmal nicht passieren. Und deshalb übernahm
man einfach die Paderborner Taktik vom Vorjahr:
man ließ die Gäste kommen und unterbrach deren
Spielfluss nur ab und zu, um ein Tor zu
schießen. Ich weiß, dass das ziemlich
unverschämt klingt – aber genau so war es. Den
ersten Fortuna-Torschuss in der 2. Liga setzte
Marco Christ. In der 15. Minute zirkelte er
einen Freistoß aus zwanzig Metern Entfernung in
die linke Ecke, der passte genau. Damit begann
die Saison, wie die letzte endete, nämlich einem
Tor von Christ. Gästekeeper Jensen machte keine
gute Figur, schließlich war es die Torwartecke.
Fünf Minuten
später sah er noch ein bisschen älter aus.
Nachdem Paderborn unmittelbar nach dem
Führungstreffer fast ausgeglichen hätte,
Brückner aber aus Nahdistanz nur den Pfosten
traf, rollte in der 20. Minute ein blitzsauberer
Konter der Fortuna auf das Gästetor. Christ
bediente Fink, der rechts im Strafraum kurz
Ringelreihen mit seinem Gegenspieler spielte und
den Ball dann flach ins kurze Eck schoss. Ein
prima heraus gespieltes Tor, wenn auch unter
gütiger Mithilfe der schläfrigen Paderborner
Abwehr inklusive Torwart Jensen, der bei dem
Flachschuss fiel wie eine Bahnschranke und den
Ball durchwinkte. 2:0, keiner wusste, warum. Das
sind ja irgendwie die schönsten Spiele. Und weil
an jenem Samstag in der 1. Halbzeit einfach
alles klappte, legte man mit dem dritten
Torschuss auch gleich den dritten Treffer nach:
in der 35. Minute rollte ein abgewehrter
Querpass vor die Füße des rechten Verteidigers
Christian Weber. Der haute aus vollem Lauf und
ca. 25 Metern einfach mal drauf – wieder drin,
das Ding, diesmal für den Torwart unerreichbar
abgefälscht. 3:0 nach etwas über einer halben
Stunde – kaum vorstellbar, dass jemand das vor
dem Spiel getippt haben könnte.
In der 2. Halbzeit
tat sich nicht mehr viel, da die Fortuna-Abwehr
endlich sicher stand, was in der ersten Hälfte
nicht immer der Fall war. Man konnte es sogar
verkraften, dass Torwart Melka mit einer
Fußverletzung zur Pause in der Kabine bleiben
musste. Michael Ratajczak kam zu seinem ersten
Zweitliga-Spiel, bekam aber nichts mehr zu
halten, da die Paderborner Stürmer nicht mehr
durchdrangen. Als wir in der 63. Minute den
ersten Eckball des Spiels erhielten und unter
stürmischem Jubel der Fans das diesbezügliche
Verhältnis auf 1:9 verkürzen konnten, da konnte
man schon mal durchatmen (am Ende hieß es
2:10…welch eine Blamage…). Und als der nach
einer Stunde eingewechselte Paderborner Stürmer
Daghfous nach 83 Minuten schon wieder gehen
durfte, erst Gelb, anschließend Gelb/Rot, beides
innerhalb von zwei Minuten (auch kein schlechter
Arbeitsnachweis), spätestens zu diesem Zeitpunkt
konnte auch der größte Skeptiker (also ich) mit
den Feierlichkeiten zum ersten Zweitliga-Sieg
nach zehn Jahren beginnen. Schön war´s!
Das Spiel sahen
übrigens 19.300 Zuschauer. Einige Herrschaften
waren darüber ernsthaft enttäuscht. Beim ersten
Zweitliga-Spiel nach so langer Zeit, da hätten
doch mehr Zuschauer kommen müssen! Ja, beim
Online-Manager vielleicht! Aber ein Spiel
samstags um 13 Uhr, mit paralleler
Live-Übertragung und einem Gegner, den man
aufgrund der exakt gleichen Ansetzung wie im
letzten Jahr zunächst mal mit der 3. Liga
assoziieren musste – da fand ich fast 20.000
Zuschauer schon sehr beachtlich. Zumal sich der
gemeine Eventie, der sich die Fortuna in den
letzten Jahren eh immer vom Leib gehalten hat,
von einem tollen Pokalspiel noch lange nicht
locken lässt. Und auch nicht von einem
Auftaktsieg gegen Paderborn. Da wird man noch
ganz andere Überzeugungsarbeit leisten müssen,
damit solche Leute auch wieder regelmäßig
kommen. Immerhin, ein Anfang wurde gemacht. Und
beileibe kein schlechter, wie ich an jenem
08.08.09 fand.
Alles
beim Alten II
Stell Dir vor, Du
spielst nach zehn Jahren wieder in der 2. Liga,
und keiner merkt es. Möglich machte dies die
glorreiche DFL, die uns am zweiten Spieltag
einen Gegner bescherte, den wir aus den letzten
Jahren auch gut kannten: den zweiten
Mitaufsteiger Union Berlin. Ganz aufregend. Ich
möchte gerne mal wissen, was diese Herrschaften
sich bei der Spielplangestaltung so denken.
Wahrscheinlich nicht allzu viel.
Am 15.08.2009 um
13.00 Uhr stand also das zweite Aufsteiger-Duell
an. Dies stürzte mich in ein planerisches
Problem, welches aber recht schnell und
effizient gelöst werden konnte. Ich war nämlich
am Abend zuvor auf einer Hochzeitsfeier
eingeladen – und zwar in Hamburg. Aber das ließ
sich dann doch prima kombinieren, nur der Schlaf
blieb auf der Strecke. Doch wer braucht schon
Schlaf, wenn’s um die 2. Liga geht? Und vor
allem, wenn einem auf dieser Tour wirklich jedes
greifbare Beförderungsmittel geboten wird? Da
kann man nicht Nein sagen.
Und so begann
jenes Wochenende für mich am Freitag, den
14.08.2009, mit der Fahrt nach Hamburg. Wir
fuhren mit dem Auto und kamen eigentlich auch
ganz gut durch. Allerdings machten wir auch die
Entdeckung, dass sie auf der A 1 jetzt völlig
durchdrehen. Ungeachtet der Riesen-Baustellen in
Köln, Wuppertal, Remscheid und vor Osnabrück
will man jetzt wohl mit Gewalt ins Guinness Buch
der Rekorde, anders ist das nicht zu erklären.
Zwischen Bremen und Hamburg wird nun die
Autobahn auf 75 (fünfundsiebzig) Kilometern im
großen Stil erneuert. Das Ganze ist aufgeteilt
in Bauabschnitte, die auch ordentlich
durchnummeriert am Straßenrand angezeigt werden.
Derzeit sind die ungeraden Zahlen dran, will
heißen: erst kommt „Bauabschnitt 9“, das ist
eine fünf Kilometer lange Baustelle, dann kommen
ein paar Kilometer freie Fahrt, dann kommt
„Bauabschnitt 7“, das ist eine fünf Kilometer
lange Baustelle, dann wieder fünf Kilometer
freie Fahrt, dann „Bauabschnitt 5“ usw. Und das
Ganze natürlich als mehrjährige Maßnahme
ausgelegt, ich meine, auf den Schildern etwas
bis 2011 gelesen zu haben. Wer sich das
ausgedacht hat, dem spreche ich jeglichen
Verstand in verkehrstechnischen Fragen ab. Wir
rauschten am Freitag Morgen zwar noch halbwegs
unbehelligt durch, aber was dort zu Stoßzeiten
los ist, kann sich jeder selbst ausmalen. Da
fragt sich der geneigte Autofahrer, warum die
die A 1 von Köln bis Hamburg nicht einfach für
mehrere Jahre sperren. Würde eh kaum einer
merken, die meisten Leute, die dort regelmäßig
durchfahren, düsen die Hälfte der Strecke
sowieso schon über Ausweich-Autobahnen oder über
Land, weil sie wissen, was sie erwartet.
Wahnsinn.
Aber wie gesagt,
wir kamen gut durch, checkten ins Hotel ein und
warteten dann auf die übrigen Hochzeitsgäste und
vor allem auf das glückliche Brautpaar, das
zuvor im engsten Familienkreis geheiratet hatte.
Sehr einverstanden war ich, dass der Bräutigam
vor diesem Landgasthof die HSV-Fahne hatte
hochziehen lassen. Das ist mal ne anständige
Hochzeit im Norden! Und so wurde es auch ein
gemütlicher Abend, dermaßen gemütlich, dass ich
erst um zwei Uhr nachts die Segel strich – als
einer der Ersten, so gemütlich war es. Aber die
Anderen konnten ja am nächsten Tag ausschlafen.
Wir leider nicht. Um kurz nach sieben schellte
der Wecker (bzw. weckte mich das Handy mit einem
neuen Klingelton – das köstliche Geschrei des
ARD-Kommentators Gerd Gottlob beim 3:3-Ausgleich
im Pokalspiel gegen den HSV...göttlich), um kurz
nach acht waren wir schon wieder auf der Piste,
um von diesem idyllischen Ort Sottorf zum
Hamburger Hauptbahnhof zu gelangen. Dies stellte
sich trotz Navigationshilfe als nicht ganz so
einfach heraus, konnte aber schließlich locker
im Zeitrahmen bewältigt werden. Vom Hamburger
Hauptbahnhof ging es dann um kurz nach 9 Uhr
mit einem ICE nach Berlin. Eine schöne
Zugverbindung zwischen Hauptbahnhof und
Hauptbahnhof – ohne Zwischenstopp!
Dementsprechend halb leer, weil wahrscheinlich
völlig unbekannt. Mir war das auch erst suspekt,
aber der Zug fuhr wirklich durch, sogar ohne
zwischendurch auf freier Ebene mal völlig
unmotiviert stehen zu bleiben. Somit traf ich
nach nur eindreiviertel Stunden Fahrtzeit in der
Bundeshauptstadt ein.
Da ich zum
allerersten Mal den neuen Berliner Hauptbahnhof
betrat, musste ich mich natürlich erst einmal
umsehen. Groß ist er geworden, das vor allem.
Ziemlich groß. Und sehr, wie sagt man
heutzutage?, sehr stylisch. Viel Glas verbaut.
Der Kollege Union-Fan, der mich vom Bahnhof
abholte, musste erst überlegen, wo er sein Auto
geparkt hatte, auch er war noch nicht allzu oft
dort gewesen. Als wir aus dem Ausgang traten,
schaute ich vorsichtshalber nach oben, ob nicht
grad wieder ein Teil des Daches herunter kam,
dies war aber nicht der Fall. Man kann ja nie
wissen! Anschließend entschädigte der direkte
Durchblick zum Reichstag dafür, dass unmittelbar
vor dem Bahnhof ein großer Platz als leere
Sandwüste glänzt, da fehlt offenkundig noch
etwas. Wir schritten vorbei an einem auf einer
Wiese selig schlummernden Typen, wahrscheinlich
ein Überbleibsel aus der Nacht zuvor, stiegen in
den Wagen und fuhren ab. Leider hat der liebe
Gott zwischen den Hauptbahnhof und den Stadtteil
Köpenick, in dem sich die Alte Försterei
befindet, auch wieder jede Menge Baustellen,
Straßensperrungen und Umleitungen gepackt. Und
so kam ich immerhin in den Genuss einer Anfahrt,
die einem auch nicht alle Tage geboten wird, und
die Fleckchen rund um Köpenick einbezog, die
auch der normale Berliner wohl eher selten
sieht. Als Krönung ging es sogar eine Zeitlang
über eine „Fortunaallee“, das hätte natürlich
ein gutes Omen sein können. Anschließend traf
man an der Alten Försterei ein, wo man bei aller
Selbstrestauration der Hütte vergessen hat, auch
mal ein bisschen was an den „Parkplätzen“ zu
machen, sprich: wir durften mal wieder auf so
einer Stoppelwiese direkt an der Wuhlheide
parken.
Und nun muss auch
ich in den Jubelchor sämtlicher Medien
einstimmen, die zu Saisonbeginn tagelang nichts
Anderes zu berichten hatten: ja, das Stadion ist
wirklich sehr schön geworden, und ja: das ist
eine tolle Leistung der Fans gewesen, keine
Frage. Aber nu muss es doch mal gut sein. Ich
wurde an jenem Tag ca. fünfzehnmal auf der
Haupttribüne darauf hingewiesen, wie toll das
Stadion doch sei und ob ich wüsste, dass die
Fans das in Eigenregie...? Nee, war mir völlig
neu, konnte ich in den letzten Wochen und
Monaten ja nur ca. 150mal lesen/hören/sehen,
aber erzählen Sie es ruhig noch mal, vielleicht
gibt’s ja was Neues. Wie gesagt: es lässt sich
nicht bestreiten, dass dies ein tolle Leistung
der Union-Fans war, mal ganz abgesehen von den
zwei Millionen Euro Umbau-Kosten, die sie dem
Verein gespart haben. Und ebenfalls abgesehen
davon, dass Union mit diesem Stadion niemals
international spielen wird, weil man leider
irgendwie zu viele Stehplätze eingebaut hat.
Aber das sollte nu wirklich kein Kriterium sein,
über das es sich denn Kopf zu zerbrechen lohnt,
weder für Union noch für uns.
Und so begann das
zweite Aufsteiger-Duell, weil die DFL und sky es
so wollen, auch schön in der besten Mittagshitze
mit 32 Grad um 13.00 Uhr. Von den warmen
Temperaturen völlig unbeeindruckt, legte Union
zunächst los wie die Feuerwehr. In der ersten
Halbzeit hatte Unsere wirklich nicht viel zu
bestellen, es ging zumeist immer nur in eine
Richtung. Aber vor dem Tor waren sie viel zu
überhastet, Michael Ratajczak – der weiterhin
das Tor hütet, bis Michael Melka wieder völlig
fit ist – musste nur in einer Szene ernstlich
eingreifen, und da stand ihm das Glück zur
Seite: als Benyamina völlig freistehend vor ihm
zum Kopfball ansetzte, kam die Kugel genau auf
Mann. Ratajczak musste zwar nachfassen,
erwischte den Ball aber deutlich vor der
Torlinie, es gab auch keine Diskussion. Auf der
Gegenseite kam Fortuna gegen Ende der ersten
Halbzeit besser ins Spiel und verbuchte auch
eine Großchance, als Bulykin am Sechzehner schön
freigespielt wurde, und Unions Keeper Glinker
mit einem Schlenzer ins lange Eck überwinden
wollte. Leider rutschte ihm der Ball über den
Schlappen und flog daher nicht nur am Torwart,
sondern auch am Tor vorbei. Zur Pause 0:0,
durchaus etwas glücklich für Fortuna, aber wie
gesagt, so richtig zwingend waren die Chancen
für Union auch nicht.
Daran änderte sich
im Laufe der zweiten Halbzeit auch nicht viel.
Im Gegenteil, je länger das Spiel dauerte, desto
besser kam Fortuna auf und gestaltete die Partie
offen. Bis dann zwei Ereignisse die Sache
entschieden: zum Einen nagelte Dogan mit einer
kunstvollen Blutgrätsche am Mittelkreis unseren
Regisseur Marco Christ um, ohne auch nur in die
Nähe des Balles zu kommen. Dafür gab es
natürlich nicht mal Gelb, da der Schiri an jenem
Tage so ziemlich alles durchgehen ließ, und die
Berliner spielten schon einen ziemlich nickligen
Ball. Nun, seit dieser Aktion von Dogan ist
Christ diesbezüglich erst einmal nicht mehr
gefährdet, er erlitt dabei nämlich einen
Teileinriss des Innenbandes im Knie und fällt
circa sechs Wochen aus. Ausgerechnet der
Spieler, der in den letzten Monaten die alles
überragende Figur war und seinen Super-Lauf aus
dem letzten Monat der Drittliga-Saison
erfolgreich über die Sommerpause in die neue
Spielzeit gerettet hat, und der in der Woche
zuvor selbst noch sagte, er fühle sich derzeit
in der Form seines Lebens. Da bleibt nur zu
hoffen, dass er sie nach dieser längeren Pause
schnell wieder findet.
Das andere
entscheidende Ereignis war eine Einwechslung.
Unions Trainer Neuhaus hatte wohl schon erkannt,
dass seine Truppe hier noch drei Stunden würde
weiterspielen können, ohne ins Tor zu treffen.
Aber genau wie sein Kollege Schubert von
Paderborn hatte er ja noch ein Trumpf auf der
Bank sitzen, ebenfalls in Gestalt eines
Ex-Fortunen: Kenan Sahin. Anders als sein
Kollege in der Vorwoche überlegte Neuhaus nicht
lange und brachte ihn Mitte der zweiten
Halbzeit. Und was dann geschah, das brauche ich
dem erfahrenen Leser dieser Seiten wohl nicht
näher erläutern, oder?
In der 76. Minute
kurvt Sahin mit dem Ball kurz hinter dem
Sechzehner von der linken Seite nach innen ein.
Er schaut nach einem Anspielpartner, findet
keinen und zieht einfach mal ab. Die Kugel wäre
auch bestimmt irgendwo Richtung Eckfahne wieder
runter gekommen, aber Stephan Sieger, der Sahin
just in diesem Moment am Schuss hindern will,
hält den Schlappen rein und fälscht die Kugel
ab. Heraus kommt eine wunderschöne Bogenlampe,
die genau ins rechte Eck passt. Und die für
meine Begriffe nicht ganz unhaltbar aussah, denn
der Ball war „ewig“ in der Luft, trotzdem
reagierte Ratajczak erst zu spät und kam dann
nicht mehr vom Boden weg. Ich hatte den
Eindruck, er hat im ersten Moment geglaubt, das
Ding geht übers Tor und die Gefahr zu spät
erkannt. Sei es wie es sei, 1:0 für Union eine
Viertelstunde vor Schluss, natürlich durch den
Ex-Fortunen. Und das war es dann auch, zum
Schluss versuchte Fortuna zwar noch mal alles,
aber das war ebenso wenig zwingend wie das, was
die Berliner zuvor versucht hatten. Nur hatten
wir keinen Ex-Berliner dabei und keinen
hilfreichen Fuß, der unglücklich abfälschte, und
deshalb verloren wir das Spiel. Insgesamt wohl
nicht ganz unverdient, denn Union hatte mehr vom
Spiel, aber dennoch ziemlich unglücklich. Es war
das vierte 0:1 gegen Union in Folge, diese
Spiele kann man sich zukünftig wohl sparen. Aber
sie hatten auch Nachholbedarf, in der Serie
aller unserer Union-Spiele nach dem
Wiederaufstieg 2004 sind die erst mit dieser
Partie 5:4 in Führung gegangen. Interessant ist,
dass es noch nie ein Unentschieden zwischen
beiden Teams gab, und bis auf unseren
2:0-Kantersieg im Jahr 2004 (erstes Spiel in der
damals noch unfertigen, namenlosen Arena) gab es
immer nur Siege mit einem Tor Abstand. Man
sieht, es geht immer eng zwischen uns zu, und
derzeit haben wir halt die Arschkarte gezogen.
Aber in der Rückrunde sollten wir doch wirklich
endlich mal wieder an der Reihe sein.
Nach dem Spiel
wollte der Kollege mich noch zum Flughafen Tegel
fahren. Ein etwas mühevolles Unterfangen, da es
zunächst eine kleine Ewigkeit dauerte, von der
Wiese und anschließend von der Wuhlheide runter
zu kommen, da war in beiden Richtungen
eigentlich alles dicht. Auch konnte die übliche
Strecke mal wieder nicht befahren werden,
aufgrund einiger Umleitungen. Die Krönung war
dann jedoch, dass das Navi, nachdem es eine
Verkehrsstörung (Stau) auf dem berechneten Weg
angezeigt hatte, uns dreimal mitteilte: „Eine
Ausweichroute kann nicht berechnet werden.“ Das
war sogar dem Kollegen etwas peinlich. Wenn ich
irgendwo durch ein 100-Einwohner-Nest fahre, mit
einer einzigen Hauptstraße, und die ist grad
gesperrt, und ringsum sind nur Felder, Wiesen
und Wälder – dann kann ich so eine Ansage
verstehen. Aber in der Bundeshauptstadt???
Traurig, traurig. Nun ist der Kollege zum Glück
mit allen Wassern gewaschen, präsentierte mir
wieder mal Ecken von Berlin, die so auch noch
nicht viele Leute gesehen haben (unter anderen
die Straße „Am Hasenlauf“ ist mir irgendwie im
Gedächtnis geblieben, es klingt irgendwie so
tröstlich neben all dem Beton und den
Baustellen) und brachte mich nach einer
gefühlten halben Weltreise dennoch sicher und
locker im Zeitrahmen zum Flughafen. Dafür vielen
Dank! Am Flughafen war natürlich ordentlich was
los, schließlich begann an jenem Tage die
Leichtathletik-WM, es standen Shuttle-Busse für
die jetzt noch anreisenden Athleten bereit und
alle, die nur für irgendwas zuständig waren, und
sei es nur dafür, anderen Leuten die Tür
aufzuhalten, trugen diese DIN A 4-großen
Akkreditierungen um den Hals. Um dem zu
entgehen, folgte ich dem Rat, der alle paar
Minuten über Lautsprecher verkündet wurde,
nämlich sofort nach dem Einchecken zum
Abflug-Gate zu gehen. Was in diesem Fall dann
eher ein Reinfall war, es handelte sich um ein
kleines Seiten-Gate, in dem kein Laden geöffnet
hatte und auch kein Klo aufzufinden war. Und so
hielt ich tapfer anderthalb Stunden durch und
hoffte inständig, bis zum Abflug nicht
verdurstet zu sein und auch nicht aufs Klo zu
müssen, denn dafür hätte ich das Gate ja wieder
verlassen müssen, was mir bei all den nervösen
Sicherheitsleuten, die dort am Start waren,
sicherlich als terroristische Absicht ausgelegt
worden wäre. Aber es haute alles hin, und zum
Schluss spielte auch noch der Wettergott mit und
sorgte mit ordentlich Rückenwind dafür, dass der
Flug nach Köln/Bonn anstelle der veranschlagten
einen Stunde nur vierzig Minuten dauerte, was
wiederum bedeutete, dass die Viertelstunde
Verspätung beim Abflug wieder reingeholt wurde.
Ja, manchmal läuft´s halt.
Als Fazit bleibt
festzuhalten: die Mannschaft hatte nicht
enttäuscht, nur zu wenig aus ihren Möglichkeiten
gemacht, und durch ein halbes Eigentor verloren.
Ärgerlich, aber es gibt Schlimmeres. Und was
mich persönlich betrifft: am Morgen in Hamburg,
am Mittag in Berlin, am Abend in Bonn – und die
Frisur saß auch noch. Einmal im Leben so busy
busy wie die meisten meiner Mitflieger! Davon
werde ich sicherlich noch meinen Enkeln
erzählen...
Endlich mal was
Neues (in der Liga)
Am Freitag, den
21.08.2009 kam mit der TuS Koblenz endlich,
endlich eine Mannschaft, die auch schon in der
vergangenen Saison in der 2. Liga gespielt
hatte. Nach langem Warten also tatsächlich etwas
Neues!
Zuvor hätte man ja
meinen können, es habe sich gar nichts geändert.
Paderborn und Union Berlin waren zumindest nicht
das, was mir spontan eingefallen wäre zum
Stichwort „Gegner in der 2. Liga“. Schließlich
hatten wir in den letzten Jahren des Öfteren das
zweifelhafte Vergnügen, gegen diese beiden Teams
antreten zu dürfen, und auch die Spiele gegen
die beiden kamen einem, wie geschildert,
merkwürdig bekannt vor. Gegen Paderborn mal
wieder ein Kantersieg im Eckballverhältnis für
die eine Mannschaft, während die andere den Ball
einfach ins Tor schießt. Im letzten Jahr war das
Paderborn, diesmal wir. Gegen Union Berlin war
es dann noch einfacher, da wurde gleich das
Standardergebnis aus den letzten beiden Jahren
mitgebracht. Wenn jemand sich also, sagen wir,
im Mai auf eine dreimonatige Weltreise begeben
hätte, erst in diesen Tagen zurück gekommen wäre
und sich über unsere ersten beiden Partien
informiert hätte, der hätte nicht ganz zu
Unrecht ausgerufen: „Das ist doch nicht 2. Liga!
Da habt ihr doch nur das Logo der Liga heimlich
ausgetauscht! Skandal!“
Aber das ist ja
erst einmal vorbei, ab jetzt gibt es nur noch
Neuland, wie es sich für einen Aufsteiger
gehört. Nunmehr kam also die TuS Koblenz.
Jawohl, es heißt „die“, ich habe mich erkundigt,
denn es handelt sich um eine Turn- und
Spielvereinigung. Wenn man sich diesen
Verein ganz neutral betrachtet, kommt man nicht
ganz um den Gedanken herum, dass irgendjemand
beim DFB nicht gut auf den Club zu sprechen sein
muss. Oder vielleicht hat jemand aus der
Koblenzer Führungsriege dem Spielleiter in der
DFB-Zentrale mal die Freundin ausgespannt?
Irgendetwas in der Art könnte es sein. Und so
zieht man den Koblenzern in regelmäßigen
Abständen einfach mal ein paar Punkte für
wirtschaftliche Vergehen ab, um die Spannung
hoch zu halten auch gerne gegen Ende einer
Saison, wohlweißlich ignorierend, dass ähnliche
Vergehen bei in Frankfurt anscheinend besser
gelittenen Klubs nicht so harsch und schon gar
nicht während einer laufenden Saison geahndet
wurden. Die Koblenzer waren davon allerdings
bislang stets unbeeindruckt und haben trotz der
Punktabzüge jedes Mal locker den Klassenerhalt
geschafft. Auch ansonsten sind sie durchaus
abwechslungsreich: so brillierten sie in der
letzten Saison mit einem überragenden 5:0 gegen
Kaiserslautern, nur um eine Woche später, mit
exakt derselben Aufstellung, knapp mit 0:9 bei
Hansa Rostock zu verlieren – bei einer Truppe
übrigens, die sie in der Endabrechnung überholt
hätten, wäre da nicht wieder mal ein Punktabzug
gewesen. Trainer Uwe Rapolder wandelte nach
diesem Spiel übrigens haarscharf an der Grenze
zur Menschenrechtsverletzung und Meldung bei
amnesty international, als er seiner Mannschaft
auf der Busfahrt von Rostock nach Koblenz
gnadenlos die Videoaufzeichnung des Spiels immer
wieder vorführte. 520 Kilometer lang! Wer dies
überstanden hat, ohne innerlich Schaden zu
nehmen, der sollte nicht unterschätzt werden.
Außerdem dürften sie über das einzige Stadion in
ganz Deutschland verfügen, welches in einem
Wasserschutzgebiet liegt. Das macht einen
weiteren Ausbau naturgemäß etwas schwierig, auch
was die Infrastruktur betrifft, weshalb ich
bereits jetzt Besuchern des Rückspiels zu einer
frühzeitigen Anreise rate.
Im Kader der TuS
stehen natürlich einige Spieler, von denen wir
noch nicht viel gehört hatten. Der Exot
schlechthin dürfte Stürmer Shefki Kuqi sein, ein
albanischer Finne, der in den letzten Jahren in
England gespielt hat. Eine ganz bunte Mischung
also. Bevor man sich allerdings dazu hinreißen
lässt, allein aufgrund des knuffigen Namens zu
grinsen, kann man ja mal nachfragen, was denn
Andere von ihm halten. Zum Beispiel in
Bielefeld. Wer bei den Ostwestfalen in diesen
Tagen einfach mal die Bemerkung fallen lässt,
dieser Kuqi sei doch eigentlich ein ganz Netter,
der sollte aber auch gute Laufschuhe tragen.
Schließlich hatte der Koblenzer Stürmer den
Erstliga-Absteiger am 2. Spieltag fast im
Alleingang nach 0:2-Rückstand noch abgeschossen.
Natürlich hoffte ich auf einen Sieg unserer
Fortuna, aber es würde ein hartes Stück Arbeit
werden. Im Rückspiel wohl sogar noch mehr, denn
eigentlich müsste bis dahin der jährliche
Punktabzug fällig sein. Aber das sollte weder
uns noch die Koblenzer an jenem Abend stören.
Die erste
zwingende Chance hatten zwar die Koblenzer, als
Tom Geisler ein Missverständnis zwischen
Anderson und Cakir nutzte, um mit dem Ball
rechts in den Strafraum zu ziehen, aber sein
Flachschuss ging am langen Eck vorbei. Als ob
dies ein Weckruf gewesen wäre, legte die Fortuna
los. In der ersten Halbzeit spielte man die TuS
glatt an die Wand. Die Koblenzer, die nach den
Worten ihres Trainers Uwe Rapolder reichlich
„pomadig“ auftraten, wussten gar nicht, wie
ihnen geschah. Einzig Torwart Yelldell behielt
noch den Überblick und holte alles raus. Sein
Glanzstück war sicherlich, wie er nach einem
Zucker-Angriff über Jovanovic und Bulykin sowie
dessen Hereingabe irgendwie noch eine Hand an
den Ball brachte, den Lambertz aus Nahdistanz an
ihm vorbei drücken wollte. Der Koblenzer Keeper
war mit Abstand bester Spieler auf dem Platz in
der ersten Halbzeit. Nur an zwei Bälle von
Jovanovic kam er nicht heran. Den einen setzte
unser Stürmer mit einem Freistoß gegen die
Torlatte, der zweite, in der 40. Minute, aus ca.
16 Metern halbhoch ins linke Eck durch die Beine
seines Gegenspielers abgefeuert, war dann
endlich drin. 1:0-Pausenführung, so was von
verdient, dass man sich ernsthaft fragte, wer
denn hier der Aufsteiger sei. Normalerweise
hätte das Spiel schon entschieden sein müssen.
Nun, in der
zweiten Halbzeit zeigte mal wieder die Abwehr,
warum sie dabei ist, sich erneut zum stärksten
Mannschaftsteil zu entwickeln. Anderson und
Cakir als Innenverteidiger sowie van den Bergh
und Weber auf Außen ließen so gut wie nichts
mehr zu, und auch Torwart Ratajczak hatte noch
seinen großen Auftritt: einmal, ein einziges Mal
nur hatte sich der ansonsten völlig abgemeldete
Shefki Kuqi davon geschlichen, prompt konnte er
eine zu kurze Kopfballabwehr im Sechzehner
volley aus der Luft nehmen und flach Richtung
langes Eck befördern. Und der hätte gepasst,
wenn Ratajczak sich nicht ganz lang gemacht und
den rechten Arm ausgefahren hätte. Mit einer
Hand machte er die einzig richtige
Ausgleichschance der Koblenzer zunichte und
wurde damit zum Matchwinner, zumal wir vorne in
bewährter Manier noch die eine oder andere
Konterchance vergaben. Es wurde ein hoch
verdienter 1:0-Sieg, der tatsächlich noch ein,
zwei Tore höher hätte ausfallen können.
Besonderes
Augenmerk wurde in diesem Spiel auf Lumpi
Lambertz gerichtet. Der war schon in der ersten
Halbzeit bei einem Kopfballduell mit einem
Koblenzer zusammen gerasselt und lief seitdem
mit einem schicken Turban durch die Gegend. Kurz
vor Schluss rastete Lumpi völlig aus, keine
Ahnung, warum. Auf jeden Fall sah ich ihn nur,
wie er mit dem Kopfverband in der Hand hinter
dem Schiri herlief und sich lauthals beschwerte.
Anschließend feuerte er den Lappen zielgenau
Richtung Koblenzer Ersatzbank, weiterhin laut
schimpfend. Dem Trainer schien es dann geraten,
seinen Kapitän ganz schnell auszuwechseln, bevor
dieser noch etwas Unüberlegtes tun würde.
Lambertz verließ den Platz und pöbelte
tatsächlich noch von der Seitenlinie aus weiter!
Keine Ahnung, was den geritten haben mag, auf
jeden Fall habe ich ihn selten so auf 180
gesehen wie an jenem Abend.
Übrigens sahen das
Spiel 20.150 Zuschauer. Trotz der „etwas“
unglücklichen Anstoßzeit um 18 Uhr. Und trotz
des sicherlich nicht unbedingt attraktiven
Gegners. Vielleicht geht ja wirklich was, mit
Fortuna und den Zuschauern in dieser Saison.
Aber warten wir doch mal ab, was sich so
entwickelt, wenn die Mannschaft mal mehrere
Spiele hinter einander verlieren sollte.
Mit sechs Punkten
aus drei Spielen darf man durchaus konstatieren,
dass Fortuna in der 2. Liga angekommen ist. Die
Mannschaft spielt guten Fußball, die Neuzugänge
Fink, Weber und vor allem Anderson sind derzeit
überragend, van den Bergh spielt auch stark, nur
an Bulykin scheiden sich noch die Geister. Er
läuft sehr viel, legt die Bälle gut ab, hat ein
Auge für den Nebenmann, hat auch schon die ein
oder andere Chance vorbereitet, aber selbst
getroffen hat er eben noch nicht. Und dafür
wurde er ja eigentlich geholt. Gegen Koblenz kam
er diesem Ziel mit zwei gefährlichen Kopfbällen
schon wieder näher. Hoffen wir, dass bei ihm
bald der Knoten platzt.
Nachdem man unter
der Woche noch ein Testspiel bei der
luxemburgischen Nationalmannschaft mit 2:0
gewonnen hatte, bei dem der langzeitverletzte
Jens Langeneke endlich wieder spielen konnte und
auch gleich ein Elfmetertor erzielte, hat der
Trainer in der Abwehr derzeit wirklich die Qual
der Wahl. Die wird er aber auch brauchen, denn
am kommenden Montag, 31.08.2009, geht es zum
kleinen Derby nach Duisburg. Und endlich,
endlich, nach einem gefühlten Menschenalter
tritt Fortuna mal zu einem Meisterschaftsspiel
an, bei dem man wirklich nix zu verlieren hat
und nicht als Favorit genannt wird. Der MSV
Duisburg ist einer der Top-Aufstiegsfavoriten
der Liga, das sagt sogar der eigene Trainer,
Peter „Dancing Pete“ Neururer gerne in jede
Kamera, die nicht rechtzeitig abgeschaltet wird.
Und wenn man sich den Kader der Zebras anschaut,
dann hat das auch durchaus seine Berechtigung.
Alles Andere als ein Sieg der Duisburger am
Montag wäre schon eine faustdicke Überraschung.
Aber wer weiß? Schließlich hatte auch der HSV
das Pokalspiel schon nach fünf Minuten gewonnen.
Vielleicht gelingt uns gegen Duisburg ja eine
ähnlich gute Leistung. Und wenn man dann dort
etwas mitnehmen könnte, wäre das schon ein
dickes Ding. Aber die gibt es ja
glücklicherweise immer mal im Leben.
Abseits des Rasens
Nun müssen wir
natürlich noch einmal abschweifen, denn wie ich
im letzten Bericht angekündigt hatte, gab es ja
am 25.08.2009 noch diese außerordentliche
Mitgliederversammlung, bei der drei
Aufsichtsräte und ein kompletter Wahlausschuss
neu zu wählen waren. Dies mündete bekanntlich
vor Wochen schon in einen lustigen Wahlkampf,
sowohl öffentlich als auch virtuell. Wahlkampf
bedeutet übrigens in diesem Fall, dass in den
großen Zeitungen, die Düsseldorfer Themen
bedienen, wie z.B. die Rheinische Post oder die
Westdeutsche Zeitung, diejenigen Herren die
Berichterstattung übernahmen, die ansonsten für
die Lokalpolitik verantwortlich zeichnen. Und
wer nicht in Düsseldorf wohnt, die dortigen
Printmedien und deren Online-Ausgaben nicht
verfolgt, der kann jetzt gerne über diesen müden
Witz lächeln – es ist aber keiner. Denn mit
Sport hatte das alles schon längst nichts mehr
zu tun, also was sollten da noch die
Sportjournalisten mitreden?
Die Vorgeschichte hatte ich ja bereits in meinem
letzten Artikel und dem, der den April 2009
zusammenfasste, erläutert: Nach dem damaligen
Rücktritt des Aufsichtsrats-Vorsitzenden
Reinhold Ernst rückte der Telekom-Manager Dirk
Kall auf diesen Posten, nachdem dies
kommissarisch der einstimmig entlastete (d.h.,
er bekam eine einzige Stimme zur Entlastung)
Heinrich Pröpper übernommen hatte. Durch den
Rücktritt von Dr. Ernst und andere personelle
Veränderungen mussten die erwähnten drei Stellen
im Aufsichtsrat am 25.08.2009 neu besetzt
werden. In seiner ersten Sitzung nach der Wahl
der drei neuen Mitglieder wird der Aufsichtsrat
dann einen neuen Vorsitz wählen oder den
bisherigen bestätigen.
Dass sich Ex-Stadtsparkassen-Chef Hans Schwarz
als neuer Aufsichtsrat ins Gespräch gebracht
hatte, im Gepäck ein Konzept des Vermarkters
Sportfive, das eine langjährige Bindung des
Vereins, aber auch einige Millionen als Einnahme
beinhaltete, darüber habe ich bereits berichtet.
Auch darüber, dass der amtierende Aufsichtsrat
über diese Angelegenheit not amused war, weil
man selbst schon mit dem Vermarkter Infront
verhandelt und dort auch einen Abschluss erzielt
hatte. Da Schwarz aber ordentlich Druck in der
Öffentlichkeit machte, kam es zum Streit. Und da
musste natürlich wieder einer schlichten, der
ansonsten mit Fußball nicht allzu viel am Hut
hat: der Oberbürgermeister Elbers, Nachfolger
des legendären Joachim „Ich bin Aufsichtsrat –
und zwar alle!“ Erwin. Schließlich gedenkt die
Stadt auch weiterhin, bei Fortuna ein
gewichtiges Wörtchen mitzureden, allein schon,
was die Arena betrifft. Und Stadtjünger Pröpper
im Aufsichtsrat, war ja derjenige, dem bei der
Versammlung im April so dermaßen beeindruckend
das Misstrauen ausgesprochen wurde, dass
eigentlich klar war, dass der so nicht
zurücktreten würde, diese Niederlage wäre
dann doch ein wenig zu peinlich gewesen. In
solchen Fällen zieren sich Politiker gerne,
geben sich trotzig, sagen „Ich kämpfe weiter!“
und warten darauf, mit einem netten Pöstchen
weggelobt zu werden, inklusive einer
öffentlichen Aussage ihrer Partei, dass man sich
nichts vorzuwerfen habe. Nu ist der Pröpper zwar
kein Politiker, aber Aussitzen kann der auch wie
ein Großer. Das können sie ja heutzutage alle.
Also, der Herr
Oberbürgermeister rief, und alle kamen. Sie
gingen ins Rathaus mit unterschiedlichen
Vorstellungen rein und kamen, um den
verstorbenen Ex-OB zu zitieren, „mit einer
Zunge“ wieder raus. „Burgfrieden“ nennt man so
etwas wohl. Schwarz durfte erklären, er habe die
Vorzüge des anderen Konzeptes erkennen müssen.
Wahrscheinlich weil sie ihm drinnen stundenlang
um die Ohren gehauen worden sind, oder wie
erklärt man sich sowas? Zumal er glatt übersehen
hatte, dass aus diesem „anderen Konzept“ schon
längst ein Vertrag geworden war, ob er da
Vorzüge erkennt oder in China fällt ein Sack
Reis um, ist völlig irrelevant. Aber er wollte
bei seiner Kandidatur für den Aufsichtsrat
bleiben, deshalb musste das Sprüchlein wohl
kommen. Dass er Kopf einer bestimmten Gruppe
ist, die komplett in die Fortuna-Führung kommen
wollte, wie u.a. in meinem letzten Bericht
geschrieben, bestritt er.
Tja, aber
mitgehangen, mitgefangen! dachte sich da ein
Anderer. Und so ließ das ehemalige
Aufsichtsratsmitglied Sascha Dücker mal
ordentlich einen ab. Das ist übrigens derjenige,
der Ende 2004 auf unerträgliche Art und Weise
vom Ex-OB aus dem Amt gemobbt wurde, auch das
ist tatsächlich hier auf dieser Website noch
nachzulesen (Bericht vom 14.12.2004), ich komm
mir echt langsam steinalt vor. Bei diesem
handelt es sich aber auch um das von mir im
letzten Bericht erwähnte Forumsmitglied, welches
sich nach wochenlang Werbefeldzügen für das
Sportfive-Konzept erst auf wiederholtes
Nachfragen daran erinnern konnte, ganz am Rande
etwas damit zu tun gehabt zu haben. Und der
veröffentlichte nunmehr eine seitenlange
Stellungnahme im Fortuna-Forum, aus der hervor
ging, dass es nicht nur er war, der diese
„Gruppe von Schwergewichten aus der Wirtschaft
und wirtschaftsnahen Kreisen“ (siehe letzter
Bericht) überhaupt erst dazu gebracht hatte,
sich für Fortuna zu interessieren, sondern eben,
dass es sehr wohl eine Gruppe war. Gleichzeitig
gestand er auch ein, seine Gegner, namentlich
den amtierenden AR-Vorsitzenden Kall, wohl ein
wenig unterschätzt zu haben. Das kommt gemeinhin
daher, dass man einen Gegner nicht besonders
Ernst nimmt, und allein das hätte diese Truppe
meiner Meinung nach schon disqualifiziert,
höhere Aufgaben zu übernehmen. Ein bisschen die
Werbetrommel im Internet rühren, einen
Forumsbetreiber auf seine Seite zu ziehen, um
die übrigen User, die ja auch zu einem nicht
geringen Teil Vereinsmitglieder und somit
potentielle Wähler sind, auch schön vom eigenen
Konzept zu überzeugen, während der Gegner
größtenteils nur lächerlich gemacht und nicht
Ernst genommen wird – das reicht eben nicht,
denn das riecht ein wenig nach Propaganda (oder
sagen wir: einseitiger Sicht der Dinge) und wird
von vielen auch genau so verstanden. Aber
unterhaltsam war es allemal.
Und so kam es, wie
es kommen musste: Ex-Sparkassen-Mann Schwarz
wurde mal kurz in sauer eingeweckt, darf sich
aber auch wirklich nicht beschweren. Hinter dem
Rücken des Aufsichtsrats Verhandlungen mit
Vermarkten einstielen, dann öffentlich Druck
machen, schließlich dem amtierenden
Aufsichtsratsvorsitzenden am Telefon noch
stecken, er werde „überrollt“, wenn er sich
diesem Konzept nicht anschließe – nun, wie man
in den Wald herein ruft, so schallt es dann
heraus: nach der Sitzung wurde bekannt, dass es
am Wochenende vor dieser Gesprächrunde einen
vertraulichen Brief des Air-Berlin-Chefs Achim
Hunold an OB Elbers gegeben hatte. Darin
distanzierte sich Hunold von den Aktivitäten
Schwarz' und vor allem dementierte er das
Gerücht, er unterstütze den Ex-Banker. Im
Gegenteil, er verurteilte dessen Vorgehensweise
und watschte auch gleich noch die gesamte
Gruppenkonstellation ab. Hunold wörtlich: „Vor
allem, wenn im Hintergrund Personen wie Herr
Göritz und Herr Dücker Einfluss geltend machen.“
Wer nun Herr Göritz ist, hab ich keine Lust zu
erklären, so wichtig ist der auch nicht.
Weiter betonte
Hunold, er unterstütze ausdrücklich die
Kandidatur Albrecht Woestes (der „Henkel-Enkel“
– eine großartige Wortschöpfung und noch nicht
einmal gelogen) und Burchard von Arnims. Von
Arnim trat ebenfalls zur Aufsichtsratswahl an
und genießt das Vertrauen von OB Elbers und
Hunold. Der kennt von Arnim aus dem Rochus-Club,
wo er durch den Arag-World-Team-Cup Erfahrungen
für sportliche Ereignisse sammelte. Na,
Hauptsache, alle kennen sich. Und genau das
hatte die Gruppe um Schwarz wohl unterschätzt,
als man dachte, wenn man den amtierenden
AR-Vorsitzenden los wird, geht der Rest von
alleine. Nein, nein, hüben wie drüben gibt es
natürlich genug Kontakte, Bekanntschaften und
Vermittlungen.
Und wenn man schon
verliert, dann auch richtig, dachte sich diese
Gruppe, von der sich zu allem Überfluss auch
noch der Henkel-Enkel distanziert hatte, den man
eigentlich als Zugpferd hatten haben wollen:
Schwarz zog seine Kandidatur am nächsten Tag
zurück und Dücker erklärte, dies sei sein
letzter Versuch gewesen, aus dem Hintergrund
Vereinspolitik zu machen. Da er dies nun auch
nicht zum ersten Mal geschrieben hat, freue ich
mich schon auf die nächste Runde. Ist ja
eigentlich nicht alltäglich, dass ausgerechnet
die Lautsprecher mal eins auf die Nuss kriegen.
Am 25.08.2009 nun
fand also diese außerordentliche
Mitgliederversammlung statt. Alle Kandidaten
hatten Gelegenheit, sich und ihr Konzept kurz
vorzustellen. Dies wiederum muss Herrn Veith,
Ex-Mitglied dieser
Gruppe-oder-auch-nicht-je-nach-Tagesform,
immerhin Teilhaber einer renommierten
Unternehmensberatung und kürzlich unter die Top
3 der deutschen Manager gewählt (von wem, weiß
ich leider nicht, aber das wären doch alles
potentielle Kontakte!), diesen Mann also muss
dieses Procedere anscheinend dermaßen
gelangweilt haben, dass er eine ziemlich
blutleere Vorstellung gab. Als Konsequenz kam er
bei den Wahlen nur als Vierter durch, der uns
allen bestens bekannte Arschkartenplatz, da kann
er gerne in Unterhaching nachfragen. Immerhin
erhielt er mehr als 20% der Stimmen, das heißt,
er kann nachrücken, falls jemand der regulär
Gewählten aus dem Aufsichtsrat vorzeitig
ausscheiden sollte. Der hatte wohl auch
unterschätzt, wie sehr den Meisten dieses
Gestochere und Pöstchengeschiebe auf den Geist
geht. Und alleine mit seinem Ruf, ohne Konzepte,
Visionen oder wenigstens gute Begründungen kam
an jenem Abend nur einer durch, der Henkel-Enkel
Albrecht Woeste. Veith blieb auf der Strecke und
weiß nun auch genau, dass eine Wahl in die Top 3
der deutschen Manager beim gemeinen Volk in
hiesigen Zeiten der Finanzkrise eher mit der
Lizenz zum Geldverbrennen gleichgesetzt wird als
mit wirtschaftlicher Kompetenz. Und außerdem
hatte er offenkundig zuvor mit den falschen
Kindern gespielt. Wobei ich persönlich ihn gerne
im Aufsichtsrat gesehen hätte, aber wir sind ja
hier nicht bei Wünsch Dir was. Dass der ein oder
andere enttäuschte User in der Forumsgemeinde
selbstredend sofort die ein oder andere
Kompetenz des ein oder anderen gewählten
Aufsichtsrats in Frage stellt, den Veith doch
schleunigst beerben sollte, versteht sich von
selbst. So ist das halt bei Niederlagen, die
einen können es, die anderen nicht.
Gewählt wurden
neben dem Henkel-Enkel auch der Davis
Cup-erprobte von Arnim, was uns dennoch in den
nächsten Heimspielen hoffentlich den Auftritt
von All-time-Davis-Cup-Strahlemann Roberto
Blanco ersparen sollte sowie Günther
Karen-Jungen, ein Spitzenpolitiker, der
ausgerechnet bei den zumeist jüngeren Fans
punktete, als er sich für Stehplätze und gegen
Polizeiwillkür aussprach. Da sag noch einer, in
diesem Land herrsche Politikverdrossenheit!
Karen-Jungen darf sich also in Zukunft direkt
daran messen lassen, inwieweit in diese beiden
Themenkomplexe so langsam mal Bewegung kommt.
Außerdem gehört er der Partei der Grünen an,
weshalb ich demnächst beim Heimspiel endlich mal
ein Sonnenblümchen geschenkt bekommen will.
Der Aufsichtsrat
ist aufgestellt, der Wahlausschuss auch, beim
Vorstand denkt trotz der deutlichen Klatschen
bei der Entlastung im April selbstverständlich
auch niemand an Rückzug – die Führungsriegen des
Vereins wären somit wieder vollzählig. Nun
schauen wir mal, was dabei rauskommt, wenn die
nebenbei auch mal arbeiten. Allzu lange wird eh
keine Ruhe herrschen, dafür wird das Umfeld
schon sorgen. Aber ich hoffe, dass die
Mannschaft von diesem ganzen Unfug unbeeindruckt
bleiben und weiter so erfreulich spielen wird
wie bislang in dieser Saison.
Freut sich jetzt
auf Duisburg, Augsburg, Ahlen: janus |