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Herzlich
willkommen im Jahr 2010! Auf geht es zur
Rückrunde in der 2. Liga, in der Fortuna ja
sensationell als Tabellenvierter überwinterte.
Quasi nur einen Steinwurf von den Zielen
entfernt, die tollkühne Fans allen Widrigkeiten
zum Trotz schon 2002 in der Oberliga besungen
hatten: „Zweitausendzeeeehn, ihr werdet es schon
seh`n...“, der Rest dürfte bekannt sein. Nun, so
weit sind wir natürlich noch längst nicht. Aber
weil Träumen nicht verboten ist, wurde natürlich
auch in den ersten vier Spielen des Jahres alles
versucht, zumindest den Schnupperkurs Richtung
Aufstiegsplätze möglichst lange beibehalten zu
können.
Ja, es ist
skurril, es ist eigentlich unglaublich: das
Wetter. Auch ich nehme mich nicht davon aus,
jahrelang gefordert zu haben, man solle diese
ellenlange Winterpause doch gefälligst mal
verkürzen, da es gerade Anfang und Mitte Januar
in den letzten Jahren erstaunlich mild war und
die großen Rückfälle in winterliches Wetter erst
im Februar oder gar März auftraten. Wir spielen
ja seit einigen Jahren Mitte Januar dieses
Wintercup-Freundschaftsturnier in der Arena aus.
Ich erinnere mich, in den vergangenen Jahren in
meiner jeweiligen Kolumne in der jeweiligen
Stadionzeitung bereits zweimal gefordert zu
haben, dass am Tag des Turniers Cocktails
gereicht werden sollten, weil es draußen
deutlich über null Grad waren. In diesem Jahr
taten uns die Organisatoren von DFL und DFB den
Gefallen, nicht weil sie uns Recht gegeben
hätten, sondern aufgrund des gedrängten
Terminplans im Zusammenhang mit der anstehenden
Fußball-WM in Südafrika. Man ließ die Spiele
also bereits am 15. Januar wieder beginnen. Und
was passiert – ausgerechnet – in diesem Jahr?
Der Winter ist pünktlich! Unfassbar. Der
Wettergott kann somit nur noch bedingt als
Fußball-Fan bezeichnet werden. Er bescherte uns
im Januar eine Rutschpartie in Paderborn und
eine Schlammbolzerei in Koblenz. Dazu eine
dieser langweiligen 1:0-Spiele gegen Union,
wobei aber bei diesen Partien meistens nur das
Ergebnis langweilig ist. Und dann, Anfang
Februar, ein Rekordspiel gegen den MSV Duisburg.
Aber der Reihe nach.
Jahresbeginn
Das Jahr begann
mit einem einwöchigen Trainingslager im
spanischen Chiclera de la Frontera. Der Satz ist
durchaus wörtlich zu nehmen, denn aufgrund des
bereits erwähnten Termindrucks reiste das Team
pünktlich am 1. Januar ab. Immerhin, die
Einstimmung auf die Rückrunde hätte zunächst
nicht besser sein können, denn in Spanien goss
es in Strömen. Das hielt den Trainer nicht davon
ab, die Mannschaft akribisch vorzubereiten und
nebenbei mal eben kurz zu unterschreiben:
nämlich seine Vertragsverlängerung für weitere
zwei Jahre, bis 30.06.2012. Aufgrund der
Entwicklung, die die Mannschaft unter seinen
Fittichen genommen hat, ist diese Verlängerung
natürlich berechtigt. Aber da wir Fortuna sind
und schon alles erlebt haben, hoffen wir
natürlich, dass dies nicht dasselbe Signal war,
wie es im Jahr 2007 gegeben wurde, als man den
damaligen Trainer Uwe Weidemann ebenfalls
frühzeitig verlängerte, was einen Teil der
damaligen Mannschaft anscheinend dermaßen
motivierte, dass ein beispielloser Absturz
folgte, der von einem Aufstiegsplatz in der
Regionalliga Nord fast noch zum Abstieg in die
damalige Oberliga geführt hätte.
Im Rahmen des
Trainingslagers gab es dann auch zwei Testspiele
gegen Erstligaclubs, die grad in der Nähe
residierten. Getreu dem neuen Motto „Jedes Jahr
ein 5:5“ erzielte man exakt dieses Ergebnis
gegen den FC Schalke 04, natürlich nicht so
wichtig wie das 5:5 im letzten Mai in
Braunschweig, dafür aber nicht minder
spektakulär: bis fünf Minuten vor Schluss führte
Schalke nämlich noch mit 5:2, ehe Lawaree mit
Doppelpack und Palikuca tatsächlich noch den
Ausgleich schafften. So muss ein unterhaltsames
Testspiel aussehen. Dass hinsichtlich der Abwehr
noch erheblicher Abstimmungsbedarf gegeben war,
konnte man einige Tage später sehen, als man
sich im zweiten Testspiel gegen den FSV Mainz 05
die Bude vollhauen ließ und 1:5 verlor, wobei es
nach bereits neun Minuten 0:3 stand. Vielleicht
waren die Spieler auch von der Sonne geblendet,
die überraschenderweise mal hervorgekommen war.
Nach der Rückkehr
absolvierte man noch pflichtbewusst den vierten
Stadtwerke Wintercup in der eigenen Halle (ja,
das Dach war zu) und putzte im Rahmen der
45-Minuten-Partien erst Bayer Leverkusen mit
1:0, was recht erstaunlich war, weil es viel zu
niedrig ausfiel, von den Chancen her hätte man
dem etwas unlustigen Herbstmeister durchaus
richtig einen mitgeben können. Im Finale verlor
man dann mit 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach,
durch einen Treffer in der letzten Spielminute,
was zwar bedauerlich war, aber die
Statistik-Freunde unter uns jubilieren ließ,
schließlich war es Gladbachs zweiter Sieg in
dieser Veranstaltung und nach dem ersten im Jahr
2007 stiegen sie bekanntlich ab; ein schönes
Omen für ein Derby in der kommenden Saison.
Einen Nachbrenner
gab es auch noch aus dem letzten Jahr. Der
Trainer von Arminia Bielefeld, Thomas Gerstner,
durfte 2.000 Euro aus der Portokasse für sein
jetzt schon legendäres Interview nach dem Spiel
seiner Truppe in Düsseldorf an den DFB latzen.
Berufsverbot in deutschen Landen für das
komplette Schiri-Gespann fordern, die
entscheidende Szene des Spiels vor einem
Millionenpublikum komplett falsch beurteilen
(„Das war kein Freistoß vor dem Elfmeter, und
Elfmeter war es auch nicht“), dem Schiri mit
einer Gegenklage drohen, die an Albernheit nicht
mehr zu überbieten ist („Vielleicht verklagen
wir ihn auf die entgangenen Punkt- und
Siegprämien“), eine Woche später wieder vor
einem Millionenpublikum eine dunkle
Verschwörungstheorie stricken (Aussage nach dem
1:1 gegen Union Berlin, dass sich ihm
mittlerweile ein Verdacht aufdränge, den er aber
nicht öffentlich kundtun dürfe, sonst müsse er
mit weiteren Strafen rechnen), all das bekommt
man beim DFB also für schlappe zwei Riesen. Und
anschließend darf er wahrscheinlich wieder das
Vorbild für die Jugend geben. Sollte die Arminia
am Ende der Saison den Aufstieg knapp verpassen,
darf man gespannt sein, dazu wird ihm dann
diesbezüglich sicherlich auch noch etwas
einfallen.
Fortuna schlug
tatsächlich noch einmal auf dem Transfermarkt
zu: einen Tag vor dem Spiel in Paderborn wurde
Thorsten Oehrl von Werder Bremen bis Saisonende
ausgeliehen, die zweite Stürmer-Leihe von der
Weser nach Martin Harnik. Der baumlange
Mittelstürmer kam mit der Empfehlung von sechs
Treffern in der 3. Liga während der Hinrunde mit
Werder II. Und seinen neuen Arbeitsplatz hatte
er auch schon gesehen, als dieser sich von
seiner besten Seite gezeigt hatte: Oehrl gehört
zu jener Elf von Werder II, die am 23.05.2009
vor 50.095 Zuschauer in unserer Arena spielen
und 0:1 verlieren durfte, was bekanntlich sowohl
für unseren Aufstieg als auch für deren
Klassenerhalt reichte. Und da es derzeit einfach
läuft bei Fortuna, erschien Oehrl noch an jenem
Donnerstag auf der Transferliste, was bedeutete,
dass er am kommenden Tag gegen Paderborn würde
eingesetzt werden können. Was angesichts der
Sperre von Jovanovic auch dringend nötig war.
Nix Neues im
Möbelhaus
Die Rückrunde
startete am 15.01.2010 mit dem Auswärtsspiel
beim SC Paderborn. Natürlich ein Freitag,
darüber muss nicht diskutiert werden. Das Wetter
hielt sich auch noch im Rahmen, zum Glück kein
starker Schneefall. Dennoch gab es natürlich
lange Staus bei der Anfahrt, schließlich mussten
Rheinland und Ruhrgebiet zur besten Verkehrszeit
am Freitag Nachmittag durchquert werden. Ich
denke, sky kann so langsam zum letzten Schritt
übergehen und solche Spiele mal morgens um 10
Uhr an einem Wochentag ansetzen. Größer kann der
Andrang im morgendlichen Berufsverkehr
eigentlich auch nicht mehr sein.
Den Austragungsort
des Spiels, diese Wellblechhütte an der A 33,
habe ich in der letzten Saison schon
ausschweifend beschrieben, als wir sie zum
allerersten Mal betraten. Der interessierte
Leser möge die entsprechenden Schilderungen
somit bitte in meinem Bericht vom Dezember 2008
nachhalten, dann sparen er und ich uns zwei
Seiten Wiederholungen. Denn geändert hat sich
nichts. Halt, natürlich doch, das Wichtigste im
modernen Fußball: das Stadion heißt seit
01.07.2009 nicht mehr paragon, sondern
energieteam arena. Ansonsten ist aber wirklich
alles wie vorher.
Die Gastgeber
erwischten auf dem rutschigen, aber schneefreien
Geläuf vor 8.980 Zuschauern den besseren Start
und waren in der ersten Halbzeit ganz klar die
tonangebende Mannschaft. Offenkundig kam man mit
dem Geläuf wesentlich besser zurecht als unsere
Eisprinzessinnen, die einige beeindruckende
Pirouetten drehten. Dementsprechend boten sich
Paderborn auch einige Chancen. Eine, die von der
Entstehung her eigentlich gar keine war, nutzten
sie dann zur Führung: Gaetano Manno spielte in
der 29. Minute von halbrechts einen weiten hohen
Pass in die linke Strafraumhälfte, eigentlich
schon eher eine Flanke. Und links im Strafraum
rauschte der permanente Unruheherd auf Fortunas
rechter Seite, Daniel Brückner, heran und
verwandelte die Kugel direkt, per Dropkick mit
der Innenseite, als Flachschuss in die lange
Ecke unter gütiger Mithilfe des dort
befindlichen Pfosten. Ein technisches Sahnestück
auf diesem Boden, völlig aus dem Nichts, das
Ganze hatte von Mittelfeld bis Toreinschlag
keine fünf Sekunden gedauert. Zähne knirschend
musste man einen blitzsauberen Treffer
attestieren. Und zu diesem Zeitpunkt, wie auch
zur Pause, war die Führung durchaus verdient.
Dies änderte sich
grundlegend in der zweiten Halbzeit, und auch
das ist Fortuna in dieser Saison. In
früheren, leider nicht ganz so weit entfernten
Zeiten genügte der erste Gegentreffer, um das
Spiel abzugeben, weil man im Angriff zu schwach
war. In dieser Saison juckt uns das nicht
besonders. Paderborn war bereits das siebte
Spiel, in dem wir einen Rückstand ausgleichen
konnten, und nur in St. Pauli und in Rostock
verloren wir anschließend trotzdem! Ich glaube,
in allen vier Jahren Regionalliga Nord 2004 bis
2008 kamen wir nicht auf so viele Spiele, in
denen wir nach Rückstand zurück schlagen
könnten. Ist natürlich auch ein Grund, warum wir
aktuell so weit oben in der Tabelle stehen.
Ach ja, den
Ausgleich erzielte natürlich Martin Harnik. Es
war eine von mehreren Großchancen, die die
Fortuna kurz hintereinander hatte, die genaue
Reihenfolge krieg ich auch nicht mehr hin, zu
überlegen war man in dieser Phase, und zu sehr
ließen sich die Paderborner hinten rein drängen.
Der genesene Spielmacher Marco Christ, zu Beginn
der zweiten Halbzeit eingewechselt und nach
seiner langen Verletzungspause gleich mit
mächtig Power im Hintern auf dem Platz
unterwegs, vergab eine Hundertprozentige, als er
allein vor Masuch die Kugel an diesem,
allerdings auch am Tor vorbei legte. Ähnlich
knapp zielte Andreas Lambertz aus sechzehn Meter
vorbei, und als Krönung vergab Thorsten Oehrl
seinen Traumeinstand, indem er den Ball völlig
frei stehend aus ungefähr sechs Meter in
Rücklage links oben in den Winkel zirkeln
wollte, aber auch haarscharf drüber lag.
Zwischen all
diesen Chancen lag der Ausgleich zum 1:1 in der
63. Minute, genial durch seine Schlichtheit.
Ecke Christ von links, Kopfball Harnik, Tor. Das
Verblüffende daran war, dass Harnik sich maximal
zwei Meter vor dem Paderborner Kasten befand –
und völlig frei stand. Wirklich unglaublich, im
Umkreis von einem Meter kein Gegenspieler, und
das fast auf der Torlinie, nach einem Eckball!
So etwas hab ich lange nicht gesehen, das war
ein kollektiver Blackout der Paderborner
Hintermannschaft. Verdient war der Ausgleich
allemal, in der 2. Halbzeit war Fortuna die klar
bessere Mannschaft. Aufgrund der schwächeren
ersten Hälfte ging die Punkteteilung
letztendlich in Ordnung, auch wenn es natürlich
ärgerlich ist, wenn man in der 2. Halbzeit
mehrfach den Führungstreffer auf dem Schlappen
hat.
Und da das
Aufeinandertreffen bei unserem ersten Gastspiel
in der neuen Arena letzte Saison mit einem 0:0
ebenfalls unentschieden endete, passte auch das
1:1 in das abschließende Fazit: wirklich nix
Neues in der Lagerhalle von Möbel Finke.
Die Serie der
Minimalisten
Am Freitag, den
22.01.2010, erschien mal wieder Union Berlin in
Düsseldorf. Die Truppe, gegen die wir zuletzt
viermal hintereinander mit 0:1 verloren hatten.
Und gegen die wir im April letzten Jahres unsere
letzte Heimniederlage kassierten. Quasi unser
aktueller Angstgegner, nachdem wir nicht mehr
auf dem Nebenplatz 11 des Weserstadions gegen
Werder II antreten und 0:2 verlieren müssen.
Aber in dieser Saison heißt es eben: bange
machen gilt nicht. Augen zu und durch!
Für dieses Spiel
war unser Stürmer Ranisav Jovanovic übrig wieder
spielberechtigt. Seine Sperre war von vier auf
drei Spiele reduziert worden, weil er in der
Berufungsverhandlung mittels eines
wissenschaftlichen Gutachtens (!) hatte
nachweisen können, dass seine Armbewegung, mit
der er damals den Bielefelder Abwehrspieler
Mijatovic aus dem Weg räumte, keine Absicht
sondern eine Reflexbewegung gewesen sei! Also
Sachen gibt es...Folgerichtig befand der
DSF-Reporter, der die Partie abends
kommentierte, dass Jovanovic ja
konsequenterweise gar nicht erst hätte gesperrt
werden dürfen, wenn der DFB solch ein Gutachten
mal bei der ersten Verhandlung angefordert
hätte. Recht hat er, allerdings vergaß er
natürlich routiniert, dass es damals erst sein
Reporter-Kollege Dahlmann gewesen war, der
diesen „Skandal“ mittels Super-Zeitlupe und
Standbild aufgedeckt hatte. Da steht das DSF mit
seiner rückgratlosen Aufklärungspflicht zur
Quotengewinnung nun aber ziemlich dumm da, wenn
man schon durch wissenschaftliche Gutachten
widerlegt wird. Moderne Zeiten halt. Somit
Jovanovic von Beginn an dabei, Neuzugang Oehrl
musste auf die Bank.
Zunächst stellte
dieses Heimspiel für mich eine kleine
organisatorische Hürde dar, befand ich mich doch
bis Freitag Mittag beruflich in der russischen
Taiga. Naja, nicht ganz, es war dann doch nur
Brandenburg, vom trostlosen Anblick der
konturlosen, da unter Schneewehen verschwundenen
Umgebung meines Aufenthaltsortes und von den
Temperaturen her fühlte man sich aber eher
einige Tausend Kilometer weiter östlich
ausgesetzt. Als ich dann noch ein Reh erblickte,
welches aus dem angrenzenden Wald heraus einen
kleinen Spaziergang in der Liegenschaft
durchführte, dachte ich mir, es wäre langsam
angebracht, wieder abzureisen, da es nur noch
eine Frage der Zeit sein konnte, bis dem Bambi,
der Nahrungskette entsprechend, der erste
hungrige Wolf folgen würde. Eine etwas
unwirtliche Gegend um diese Jahreszeit, so
möchte ich es ausdrücken.
Dementsprechend
war ich ausnahmsweise ein wenig verärgert
darüber, dass wir an jenem Freitag ein Heimspiel
hatten. Denn Auswärtsspiel bei Union Berlin, da
wäre ich ja der König gewesen. Eine Stunde von
meinem Aufenthaltsort mit der S-Bahn nach Berlin
rein, und ich wäre mittags der erste Fortune am
Platze gewesen. Aber nein, ausgerechnet an
diesem Wochenende war es natürlich ein Heimspiel
gegen Union.
Da alles jammern
aber nichts nutzte, überließ ich dies anderen.
Nämlich denjenigen, die an jenem Freitag nach
16.30 Uhr auf der Autobahn Richtung Düsseldorf
unterwegs waren, als ich mich am Flughafen
Köln/Bonn endlich ins Auto setzen und es ihnen
nachtun konnte. Da ist bestimmt die ein oder
andere Geschwindigkeitsbegrenzung auf der
Strecke geblieben, schätze ich mal. Aber das war
auch dringend nötig, denn bei der Abfahrt von
der Autobahn in den Düsseldorfer
Freitags-Feierabendverkehr gab es nur noch Stop
and Go, oder wie der erfahrene Verkehrsfunkhörer
zu sagen pflegt: zäh fließenden Verkehr,
natürlich bis hin zur Arena. So wurde es
wirklich eine Minutensache. Um exakt eine Minute
vor 18 Uhr war ich in den Katakomben der Arena,
das nenn ich Maßarbeit! Bis ich im Oberrang
angekommen war, waren allerdings schon drei
Minuten gespielt, aber ich schien bis dahin
nicht viel verpasst zu haben.
Somit Auftritt
janus im weiten Rund nach vier Spielminuten:
majestätisch betrete ich den mir zugewiesenen
Block und entere die Treppe, die zu meinem Platz
auf halber Höhe führt. Dort angekommen drehe ich
mich rum, gestatte mir einen, den ersten Blick
auf das Spielfeld – und sehe, wie Heidinger aus
sechzehn Metern, halblinke Position, abzieht,
nachdem wohl ein Eckball in seine Richtung
abgewehrt wurde. Der Ball ist schön halbhoch auf
die rechte Ecke gezirkelt, Union-Keeper Glinker
fliegt, was das Zeug hält, aber leider vergebens
– dann scheppert es einmal kurz, der Ball ist an
den rechten Pfosten geknallt. Das wäre doch mal
ein Auftakt gewesen! Ist mir auch noch nie
passiert, mit dem allerersten Anblick eines
Spiels direkt einen Treffer zu sehen. Diesmal
haben nur Zentimeter gefehlt.
Nun, im weiteren
Verlauf der ersten Halbzeit bot das Spiel dem
gestressten Reisenden durchaus die Möglichkeit,
erst mal zur Ruhe zu kommen. Oder anders
formuliert: die erste Halbzeit war sehr von der
Taktik geprägt. Union stand sicher und ließ die
Unsrigen kommen. Denen wiederum fiel nicht allzu
viel ein, um die EinszuNullinger ernsthaft in
Bedrängnis zu bringen. Den größten Alarm
veranstaltete immer wieder Heidinger, der zwar
wie üblich manchmal sogar für den Ball zu
schnell war, aber immer wieder für Unruhe in der
gegnerischen Abwehrreihe sorgte. Er ließ auch
noch einen ordentlichen Böller aus zwanzig
Metern los, aber Glinker war auf dem Posten und
stand genau richtig. Bei einem weiteren
Fernschuss von Christ lag er dann auch richtig
und konnte den Ball festhalten, was einigermaßen
schade war, denn Harnik hatte sich bereits als
Abstauber in Position geschlichen.
Viel mehr kam bei
aller Feldüberlegenheit nicht rum, meistens war
am Sechzehner Endstation, auch wurden
erstaunlich viele Bälle überhastet abgespielt
und gute Chancen mangels Übersicht schon im
Ansatz erstickt. Was Union so trieb, löste auch
bei deren Fans nicht gerade Begeisterungsstürme
aus. Immerhin bequemte man sich in den ersten 45
Minuten dann doch zweimal nach vorne. Bei der
ersten Annäherung sprang nur ein harmloser
Kopfball von Mosquera heraus, kein Problem für
Keeper Ratajczak. Beim zweiten Angriff, kurz vor
der Pause, musste man auf Seiten des Heimteams
schon kräftiger durchatmen. Paul Thomik, ein
Winterpausen-Schnäppchen der Unioner, da zuvor
ein halbes Jahr vertragslos, steuerte über
halbrechts den fortunistischen Strafraum an und
zwirbelte die Kugel dann aus sechzehn Metern mit
dem linken Fuß schön Richtung linke Ecke. Das
Leder beschrieb einen munteren Halbkreis und
flog nur Zentimeter am Pfosten vorbei,
Riesenglück für Fortuna bei diesem tollen
Schuss. Thomik ärgerte sich zurecht, und ich
fragte mich nicht zum ersten Mal an diesem
Abend, wie dieser Spieler ein halbes Jahr lang
arbeitslos sein konnte, er war mit Abstand
bester Berliner auf dem Feld. Wahrscheinlich war
er aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit beim
VfL Osnabrück wollitz-geschädigt und brauchte
nach dem Abstieg im Sommer erst einmal eine
Pause zur Regeneration, anders ist das kaum zu
erklären.
Schwupps, schon
war die erste Halbzeit rum, mit einem 0:0, so
steht es meistens zur Pause, wenn die beiden
Teams gegeneinander antreten. Vorbei war es wohl
auch mit einem mittelfristig geregelten
Finanzplan für einen Besucher in der
esprit-Arena: dieser Honk hatte dem Berliner
Spieler Thorsten Mattuschka Mitte der ersten
Halbzeit vor einem Eckball für Union ein
Feuerzeug an den Kopf geworfen. Das Ärgerlichste
bei solchen Pfeifen ist ja immer wieder, dass
sie nicht nur blöd genug sind, den Inhalt ihrer
Taschen aufs Feld zu werfen, sondern dass sie
auch noch treffen. Dann folgten jedoch zwei
bemerkenswerte Dinge: zunächst fasste sich
Mattuschka zwar an den Kopf und machte Schiri
Weiner auch auf das Feuerzeug aufmerksam, das
dieser an sich nahm, anschließend markierte der
Spieler aber eben nicht den sterbenden Schwan,
meckerte noch nicht einmal rum, sondern spielte
ganz normal weiter als sei nichts geschehen. Das
sieht man schon selten. Was ich in der
heimischen Arena noch gar nicht gesehen habe,
passierte dann aber tatsächlich als zweites:
empörte Fans, die den Werfer wohl gesehen
hatten, reichten diesen an die Ordner weiter!
Und zwar lebend, auch wenn Trainer Meier
diesbezüglich wohl leichte Zweifel hatte,
schließlich sagte er auf der Pressekonferenz
nach dem Spiel: „Soweit ich gehört habe, wurde
diese Person von den umstehenden Fans
eliminiert.“ Also ganz so schlimm war es
dann wohl doch nicht. Speziell für diesen
intellektuellen Grobmotoriker hatte der
Geschäftsstellenleiter Paul Jäger nach dem Spiel
die Aussage bereit, dass derjenige sich schon
mal freuen könne, da Fortuna die Rechnung, die
der DFB für diesen Vorfall erneut schreiben
würde, umgehend an ihn weiterreichen würde. Und
das wird nicht billig, erst einen Tag vor dem
Spiel war Fortuna zu 4.000 Euro Geldstrafe
verurteilt worden, aufgrund von fliegenden
Gegenständen und gezündeten Böllern bei den
Spielen gegen Bielefeld und in Rostock. Da war
die Strafe für die Böller aus Paderborn noch gar
nicht mit drin, die würde sicherlich in die neue
Zahlungsaufforderung mit einfließen. Wie gesagt:
wird für den Werfer jetzt etwas schwierig mit
seiner mittelfristigen Finanzplanung, aber
irgendwie hält sich mein Mitleid in Grenzen.
Irgendwann ist auch Dummheit nicht mehr
niedlich.
Die 2. Halbzeit
hielt direkt zu Begin einen Paukenschlag bereit,
durch den das Spiel dann auch richtig gut wurde:
in der 50. Minute pfeift Weiner Freistoß für
Fortuna auf halblinks, ca. 25 Meter vom
Gästekeeper entfernt. Die Formulierung lässt es
erahnen: man konnte nur mit viel Phantasie von
einem Foul an Lambertz sprechen, eine der vielen
kleinen Fehlentscheidungen des munteren Trios
von Unparteiischen, die alle drei nicht ihren
besten Tag erwischt hatten. Da sie dies aber
gleichermaßen auf beiden Seiten auslebten, kann
sich eigentlich niemand beschweren.
Also, Freistoß für
Fortuna, eine Sache für Marco Christ. Der
zwirbelt die Kugel als Flanke in den Strafraum,
und dort steigt Anderson am höchsten und nickt
die Pille aus ca. acht Metern ein. Torwart
Glinker sah dabei etwas unglücklich aus, er war
schon auf halbem Weg aus dem Tor heraus.
Allerdings hätte er auch auf der Linie seine
Probleme mit dem wuchtigen Kopfstoß gehabt. Und
ein anderer sah bei diesem Treffer auch alt aus,
wurde dadurch aber ganz groß: als Gegenspieler
für Anderson bei Standards war nämlich der
bereits erwähnte Mattuschka eingeteilt, der in
dieser Situation aber die Füße nicht vom Boden
bekam. Der nahm nach dem Spiel nicht nur die
Schuld an dem Gegentreffer auf sich, nein, der
fügte auch noch ungefragt den Halbsatz an, dass
ihn der Treffer durch das Feuerzeug in der
ersten Halbzeit beim Gegentor nicht behindert
habe (Schmerzen, Sehstörungen oder was einem
sonst noch so einfallen könnte...), um gleich
den Medien den Wind aus den Segeln zu nehmen,
die natürlich genau auf eine diesbezügliche
Aussage spekuliert hatten. Klasse. Und da ich
der Meinung bin, dass solches Fair Play, auch
mal belohnt werden sollte, weil es viel zu
selten vorkommt: wie wäre es, wenn der
Mattuschka sich nachträglich noch eine
Gehirnerschütterung attestiert und zur Reha mal
eine Woche in eins dieser
Fünf-Sterne-Wellness-Zentren einkehrt? Denn auch
Union weiß ja jetzt, an wen sie anschließend die
Rechnung schicken könnten. Vorbildliches
Verhalten von Mattuschka, um seinen
sensationsgeilen Beobachtern, sei es mit
Feuerzeug oder Kamera, erst gar keine weitere
Angriffsfläche zu bieten. Musste mal gesagt
werden, kommt ja eher selten vor.
1:0 für Fortuna
durch das erste Saisontor unseres Brasilianers,
der damit eine wieder einmal starke Leistung
krönte. Fortan konnten sich die 25.300 Zuschauer
entspannt zurück lehnen, soweit sie für Fortuna
angereist waren, denn das Endergebnis stand ja
bereits fest. Dies musste auch unser Abwehrchef
Jens Langeneke in der 67. Minute feststellen.
Parensen hatte den Ball am eigenen Strafraum
gegen unseren Verteidiger van den Bergh
verloren, der zur völligen Verwirrung seines
Gegenspielers mal ein bisschen Forechecking
gespielt hatte. Van den Bergh lief in den
Strafraum und wurde von Parensen mittels
Hechtsprung ans linke Bein zu Fall gebracht,
rappelte sich auf und wurde vom nächsten
Berliner Bein erneut geplättet. Das war dann des
Guten ein wenig zuviel, es gab Elfmeter. Jens
Langeneke, in dieser Saison bereits dreimal vom
Punkt aus erfolgreich, trat an. Und hier muss
ich mir zunächst Tränen der Rührung aus den
Augenwinkeln wischen – hat der Jens doch glatt
meinen Dezember-Bericht gelesen! Denn dort hatte
ich ja geschrieben, dass er endlich mal Elfmeter
trainieren solle, weil seine Art, die Kugel
permanent in die Mitte des Tores zu dreschen,
irgendwann auch nur noch begrenzt Überraschung
beim gegnerischen Torhüter erzeugen würde. Und
der Jens muss es gelesen haben! Das ist so
schön...denn diesmal schnippte er die Kugel in
die linke Ecke, während Glinker nach rechts
sprang. Und der Ball ging dann auch gleich so
weit nach links, dass er – an den Pfosten sprang
und nach außen wegsprang. Sauerei! Ich hatte es
doch nur gut gemeint! Anschließend brachte Fink
die Kugel nochmals nach innen, wo Heidinger sie
neben das Tor setzte. Diese Chance war
eigentlich noch größer als der Elfer, denn Heidi
stand genauso frei wie Langeneke vorher beim
Anlauf, und die Entfernung zum Tor betrug keine
elf, sondern nur noch fünf Meter. Trotzdem flog
der Ball Zentimeter am rechten Pfosten vorbei,
die Doppelchance zur Vorentscheidung war dahin.
Aber konnte dies wirklich überraschen?
Nein, konnte es
nicht, denn der Kenner weiß Bescheid: Fortuna
hatte nicht nur vor diesem Spiel viermal in
Folge 0:1 gegen Union verloren – nein, die
letzten sechs Spiele beider Teams
gegeneinander endeten mit diesem Ergebnis!
Fünfmal siegte Union, einmal wir. Und da
anscheinend irgendwann heimlich, still und leise
ein Gesetz verabschiedet wurde, dass die Spiele
zwischen Fortuna und Union auf unbestimmte Zeit
immer mit diesem Ergebnis enden müssen, war es
nur logisch, dass auch der Elfer nicht rein
ging, obwohl er gut geschossen war. Vor diesem
Hintergrund konnte man es verschmerzen, auch
wenn man in jenem Moment noch dachte: ohweh,
hoffentlich tut uns das hinterher nicht Leid.
Musste es nicht,
Fortuna brachte den Vorsprung nach Hause, zumal
Union trotz eines Powerplays zum Schluss
inklusive Torwart Glinker als Dauergast im
heimischen Strafraum in der zweiten Halbzeit
keine nennenswerten Torchancen mehr
herausspielte. Auch drei Minuten Nachspielzeit
schadeten der Heimmannschaft nicht, wobei sie
sich zwei dieser drei Minuten durch völlig
unnötige Schauspieleinlagen einhandelten. Die
Beratungsresistenz seitens der Spieler in diesem
Punkt finde ich immer wieder bedauernswert,
egal, bei welcher Mannschaft dies vorkommt. Ist
einfach nur albern.
Fortuna gewann
also mit 1:0, das siebte Spiel in Folge gegen
Union mit demselben Ergebnis, und bei allen
sieben Spielen stand es zur Pause 0:0, die erste
Halbzeit könnte man sich also zukünftig sparen.
Der erste Sieg gegen Union seit August 2007.
Zwischen jenem Erfolg und dem neuesten Streich
gab es neben dem identischen Ergebnis weitere
bemerkenswerte Parallelen: zum einen wurde das
Goldene Tor in beiden Spielen durch einen
Innenverteidiger erzielt, damals Cakir, diesmal
Anderson, beide Treffer waren Kopfballtreffer,
und in beiden Spielen wurde ein Elfmeter
verschossen, diesmal Langeneke, damals war es
der bereits mehrfach erwähnte Mattuschka, der an
unserem Keeper Melka scheiterte. Schon
merkwürdig, welche Gemeinsamkeiten man manchmal
entdecken kann. Und ganz heimlich träume ich vom
Oktober 2006, als wir zuletzt ein Heimspiel gegen
Union gewannen. Das war nämlich ein 2:1 – ein
echter Kantersieg bei einem Spiel zwischen den
beiden. Vielleicht erlebe ich es ja noch mal.
Genau wie ein
„Geisterspiel“, das hab ich noch nie gesehen.
Leider rückt es immer näher. Für die Vorfälle in
Paderborn und gegen Union Berlin strich der DFB
vom Verein nämlich weitere 35.000 Euro
Geldstrafe ein, nebst der Ankündigung, beim
nächsten Vorfall ein Heimspiel unter Ausschluss
der Öffentlichkeit bestreiten zu dürfen. Und da
ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass
wirklich gar nichts mehr in Bezug auf fliegende
Gegenstände passiert, seien es Böller oder
Feuerzeuge oder Becher, fürchte ich, dass ich in
dieser Saison doch noch in den Genuss eines
Meisterschaftsspiels mit der Atmosphäre eines
Trainingskicks komme. Wir sind anscheinend zu
schnell wieder zu gut geworden. Neue Zuschauer
haben die Fortuna entdeckt, ältere, die seit
Jahren eh alles gewusst haben und deshalb
zuhause geblieben sind, kommen auch wieder, und
rein statistisch gesehen ist dann auch immer ein
gewisser Prozentsatz derer dabei, die mal
austesten möchten, was man sich in einem Stadion
alles so ungestraft erlauben darf, zumal man es
im ungünstigsten Fall dann immer noch mit
„Emotionen“ und drei Promille intus abwiegeln
kann. Auf Kosten des Vereins und auf Kosten
derjenigen Fans, die ihre Feuerzeuge nur zum
Anzünden von Glimmstengeln benutzen, auf einen
Euro Becherpfand nicht verzichten wollen, und
Pyro oder Böller gleich zuhause lassen, weil sie
wissen, dass der Verein schon beim kleinsten
Zündeln dran ist. Aber so ist es ja fast überall
– ein Häuflein Idioten reicht aus, um den Rest
dumm dastehen zu lassen. Traurig, aber wahr.
Ich wünschte, ich würde mich für Tennis
interessieren
Es kam der nächste
Freitag, es kam das nächste Spiel. Auswärtsspiel
bei der TuS Koblenz am 29.01.2010. Damit hatte
Fortuna in puncto Freitagsspielen endlich eine
Quote erreicht, die auch der Dümmste noch selbst
ausrechnen konnte: 20. Saisonspiel, 10.
Freitagsspiel. 50 % unserer Zweitliga-Partien
wurden bis zu jenem Zeitpunkt also freitags
ausgetragen, einsamer Rekord in der 2. Liga.
Warum das so ist, weiß kein Mensch bzw. wissen
nur die ganz wichtigen Leute, also die von der
DFL und sky, und von denen kenne ich nun mal
keinen. Ich habe auch nicht das Geringste gegen
Freitagsspiele, im Gegenteil, ich mag die
eigentlich lieber als Partien am Samstag oder
gar am Sonntag, aber die Uhrzeit geht nun mal
gar nicht. 18 Uhr ist und bleibt eine Frechheit,
besonders wenn es an jedem zweiten Wochenende
auftritt. Aber ich bin selbst Schuld, ich könnte
ja auch zuhause bleiben. Und genau das wollen
die verantwortlichen Strategen wohl auch
erreichen, anders machen diese Ansetzungen
wirklich keinen Sinn. Aber gut, vom Jammern
ändert sich auch nichts. Und diesmal hatte ich
sogar noch Glück, da es sich bei dem Spiel in
Koblenz um mein heimliches Heimspiel handelte.
Also ab ins Auto und los.
Jawohl, es ist in
der Tat so, dass mein Weg zum Stadion Oberwerth
in Koblenz um ca. fünf Kilometer kürzer ist als
der zur Esprit-Arena. Das machte die Anfahrt
allerdings keineswegs positiver, schließlich
hieß das Zauberwort „A 61“, und wer die schon
mal befahren hat, besonders freitags
nachmittags, der weiß, was da auf einen zukommen
kann. Außerdem muss man sich, von ebendieser
Autobahn kommend und dann eine Ausfahrt über die
A 48 kreuzend, sodann auf der B 9 durch die
halbe Koblenzer Innenstadt quälen, und das ist
auch kein Quell reiner Freude. Ich dachte mir
also, auch aufgrund der angekündigten
klimatischen Turbulenzen wäre es eine gute Idee,
möglichst schon um 14 Uhr loszufahren und gen
Stadion zu schleichen. Es war eine schlechte
Idee, denn irgendwie bewogen die Wetterkapriolen
anscheinend einen Haufen Autofahrer, sich die
Sache mit dem Gas geben an jenem Tag noch mal zu
überlegen, sprich: die Autobahn war frei,
geradezu unfassbar für einen Freitag Nachmittag.
Bereits um kurz nach 15 Uhr gelangte ich zur
ersten Parkkontrolle, und der „Spaß“ begann.
Hier sollte meine
Eintrittskarte auf mich warten, zusammen mit
einem Parkschein für das Auto, wohlverpackt in
einem Briefumschlag. Der vor mir an der Kreuzung
stehende Ordner blätterte auch wie wild seinen
Packen Briefumschläge durch, tat es auch gerne
ein zweites Mal, aber mein Name tauchte nicht
auf. Und dann hatte ich Glück. Normalerweise
wird man für so etwas ja direkt standrechtlich
erschossen, allein schon wegen der kleinen, aber
feinen Schlange, die sich hinter meinem Wagen
gebildet hatte und die ich am wohlverdienten
Abbiegen hinderte. Allerdings waren zuvor wohl
schon zwei Kollegen aus Düsseldorf an eben jener
Kontrolle erschienen, deren angeblich dort
hinterlegte Tickets ebenfalls nicht aufzufinden
waren. Damit war wohl klar, dass es sich eher um
ein Versehen denn um eine arglistige Täuschung
meinerseits handelte. Also schickte mich der
Ordner weiter Richtung Stadion mit dem Hinweis,
dort befände sich am Eingang eine bestimmte
Kasse, an der die Karten dann wohl hinterlegt
seien. Somit durfte ich abbiegen und nach
einiger Zeit auch auf dem Parkplatz direkt vor
dem Stadion einparken, nachdem der dortige
Ordner meine Geschichte ebenfalls geschluckt
hatte. Hierfür schon mal ein großes Lob an die
Ordnerfraktion, da kenn ich auch ganz andere
Reaktionen. Offenkundig hatte der Verein ein
paar Koordinationsschwierigkeiten, und es wurde
nicht am Besucher ausgelassen! Kommt selten vor,
sollte daher erwähnt werden.
Ich fuhr also auf
den mir zugewiesenen Parkplatz und stieg mal
versuchsweise aus. Außentemperatur plus ein
Grad. Dauerregen. Überall neben mir schmelzender
Schnee und Eisbrocken. Eisiger Wind, der vom
Rhein rüber pfiff. Direkt über dem Stadion
verläuft die B9 in mehreren Hochtrassen, alles
dermaßen grau in grau, man glaubt es kaum. Dem
passte sich dann auch der Rasen an, der noch
grün war, allerdings auch nur ein wenig. Und da
stand ich nun im Regen, zitterte mich im Wind
warm und dachte das, was ich ungefähr einmal im
Jahr denke, ganz kurz nur, in Anlehnung an ein
Transparent, welches ich vor vielen Jahren mal
beim FSV Zwickau sah (ich glaube zumindest, dass
es Zwickau war): „Ich wünschte, ich würde mich
für Tennis interessieren!“ Dann wäre mir dieser
deprimierende Ersteindruck von unserer Partie
gegen die TuS Koblenz erspart geblieben. Aber
wie gesagt, so etwas denkt man vielleicht einmal
im Jahr für fünf Sekunden, dann gibt man sich
einen Ruck und sagt sich: „Muss ja. Also los!“
Wobei es in diesem
Fall zunächst hieß: vorwärts, wir müssen zurück!
An der Sonderkasse von der Größe einer
Telefonzelle befand sich nämlich noch niemand,
ein freundlicher Mitarbeiter des daneben
geparkten TuS-Fanmobils klärte mich darüber auf,
dass die Kasse erst um 16 Uhr öffnen würde.
Somit stolperte ich wieder ins Auto zurück, um
nicht weiter dem peitschenden Regen ausgesetzt
zu sein, und verbrachte die nächste halbe Stunde
damit, den Spielerinnen der Mädels-Mannschaft
zuzusehen, die allen Unbillen zum Trotz auf
einem Platz direkt neben dem Parkgelände den
Trainingsbetrieb aufnahmen. Respekt, die hätten
nach zehn Minuten auch alle im nächsten Miss
Wet-Trainingsklamotten-Wettbewerb auftreten
können. Von denen wird die ein oder andere wohl
auch daran gedacht haben, wie sie diesen Freitag
Nachmittag gemütlicher hätte verbringen können.
Um kurz nach 16
Uhr rutschte ich wieder zurück zur Sonderkasse,
die mittlerweile besetzt war, nur um
anschließend herauszufinden, dass dort auch kein
Briefumschlag auf meinen Namen aufgefunden
werden konnte. So langsam wird’s lustig, dachte
ich mir, und wählte, nichtsahnend, wie
lustig das noch werden könnte, die Nummer der
Geschäftsstelle der TuS. Auch hier dasselbe
Bild: sie waren freundlich, hatten aber keine
Ahnung. Dann aber erneut das Unfassbare: die
Dame hängte mich erst in eine Warteschleife, die
ich meiner Kundschaft noch nicht einmal zumuten
würde, wenn ich wüsste, dass sie zufrieden wäre,
meldete sich anschließend wieder mit dem
Versprechen, mich zurückzurufen und tat dies
auch zwei Minuten später! In der Zwischenzeit
hatte sie sich den Allerwertesten für mich
aufgerissen und überall nachgefragt, wo die
Tickets denn sein könnten – auch hierfür ein
dickes Danke, denn auch das macht nicht jede/r.
Und wo waren sie dann schließlich, die Tickets?
Natürlich beim Ordner an der ersten
Parkkontrolle, die ich eine Stunde zuvor schon
passiert hatte. Der hatte nämlich in der
Zwischenzeit eine Nachlieferung an
Briefumschlägen bekommen. Dumm war nur, dass er
seit unserer ersten Begegnung seinen Standort
nicht verändert hatte. Dies musste demnach ich
selbst nun tun, will sagen: zu Fuß zurück zu
diesem ersten Checkpoint, eine Viertelstunde
durch den strömenden Regen latschen, um
anschließend tatsächlich fündig zu werden. Unter
anderem erhielt ich einen Parkschein für den
Parkplatz, auf dem ich schon seit einer Stunde
stand, aber hey, besser spät als nie! Und da
just in dem Moment, in dem mir der Mann den
entscheidenden Briefumschlag überreichte, auch
noch ein Auto mit vier Kollegen aus Düsseldorf
den Ordner zum Wahnsinn trieben, was u.a. daran
lag, dass für das zweiköpfige Live Ticker-Team
eine Arbeitskarte beim Ordner lag, die zweite
allerdings erst hinterher an der Sonderkasse
auftauchte, nutzte ich die günstige Gelegenheit,
mich auf die Rückbank zu werfen und somit
wenigstens den Rückmarsch zum Stadion etwas
angenehmer und vor allem trockener zu gestalten.
Nun habe ich diese
Angelegenheit etwas ausschweifender geschildert,
nicht um etwa der TuS Koblenz organisatorisch
einen reinzuwürgen, die bemühten sich ja
wenigstens noch um Abhilfe, auch wenn dies zur
Folge hatte, dass ich, obwohl mit dem Auto
angereist, das Stadion schließlich patschnass
und halb erfroren betrat. Nein, der Kenner ahnt
schon, warum ich hier schonungslos die
Weichei-Aspekte meines fortgeschrittenen Alters
zu Tage treten lasse – vom eigentlichen Grund
für diese Tortur, nämlich dem Fußballspiel ab 18
Uhr, gibt es nicht ganz so viel zu berichten.
Dies lag zum Einen an dem Geläuf, welches mit
„schwer bespielbar“ äußerst diplomatisch
umschrieben werden kann, zum Anderen an beiden
Teams, die einen derartigen Gurkenkick
hinlegten, wie ich in dieser Saison noch keinen
gesehen habe, zumindest nicht in Spielen, an
denen Fortuna beteiligt war. Koblenz kämpfte und
pöhlte die Bälle planlos nach vorne, Fortuna
versuchte zu spielen, und als das auf dem Boden
nicht klappte, versuchten sie es noch einmal,
und als das nicht klappte, versuchten sie es
noch einmal, und als das nicht klappte, war das
Spiel dann vorbei und mit 0:1 verloren. So
richtig verdient hatte keine der beiden
Mannschaften den Sieg, andererseits war auch
klar, dass in einem Spiel mit dem gigantischen
Chancenverhältnis von 2:2 derjenige siegen
würde, der das erste Tor macht. Leider waren
dies die Koblenzer, und bei ihrer Art, Fußball
zu spielen, war es natürlich ein Standard, der
die Entscheidung brachte. Der war auch nicht
ganz unumstritten, nach einem üblen Fehlpass von
Johannes van den Bergh hatte ein Koblenzer mal
aus 25 Metern abgezogen, der Ball wäre wohl
neben das Tor gegangen, aber Ratajczak packte
trotzdem zu und bekam den glitschigen Ball erst
im Nachfassen unter Kontrolle. Der soll dabei
aber schon die Grundlinie überschritten haben.
Naja. Auf jeden Fall gab es Eckball von rechts
in der 71. Minute, auf den kurzen Pfosten, dort
verlängerte ein Koblenzer per Kopf, und in der
Mitte tauchte Innenverteidiger Matej Mavric
völlig frei auf und nickte die Kugel aus
Nahdistanz am nunmehr völlig chancenlosen
Ratajczak vorbei ins Netz. Das war`s. Nebenbei
wird der Mavric sich den Tag rot im Kalender
anstreichen, schließlich machte er nicht nur das
Siegtor, sondern er hatte an jenem Tag auch noch
Geburtstag. Schön, wenn wir helfen konnten...
Bezeichnend für
die Spielweise beider Mannschaften war, dass
auch die zweite Koblenzer Chance in diesem
Spiel, statistisch gesehen die erste, weil sie
sich in der ersten Halbzeit zutrug, aus einer
Standardsituation entsprang, als ein Koblenzer
nach einem Freistoß mit dem Kopf vor Ratajczak
am Ball war, die Kugel allerdings neben das Tor
setzte. Und beide klaren Torchancen, die Fortuna
hatte, waren herausgespielt: in der 9. Minute
bediente Harnik sehr schön Jovanovic, doch der
scheiterte aus Drehung am Koblenzer Ersatzkeeper
Paucken; knapp zehn Minuten vor Schluss spielte
der mittlerweile eingewechselte Thorsten Oehrl
diesmal Martin Harnik links im Strafraum
mustergültig frei, der zielte flach aus spitzem
Winkel auf die lange Ecke, und das Ding hätte
auch gepasst, wenn der Paucken da nicht
irgendwie noch den linken Arm dran bekommen und
die Kugel am Tor vorbei gelenkt hätte. Ein
toller Reflex, gefolgt von einer mehrsekündigen
Tanzeinlage des Keepers im Fünfmeterraum.
Angesichts des Wetters kann das nur ein
Regentanz gewesen sein.
Zwischen diesen
beiden Chancen versäumte es Fortuna, kämpferisch
mit den Gastgebern mitzuhalten, sodass die
ständig ein Übergewicht im Mittelfeld hatten,
was sie allerdings lediglich dazu nutzten,
Standards herauszuspielen. Naja, was heißt
„lediglich“, an jenem Abend reichte das dann
auch. Und somit verlorenen wir vor 8.900
Zuschauern schließlich die Partie, nicht ganz
verdient, weil dieser Graupenkick eigentlich
keinen Sieger hätte haben dürfen, aber auch
nicht ganz unverdient, weil man sich nur in
Ansätzen bemühte, kämpferisch mit dem Gegner
mitzuhalten. Und dann darf man sich eben auch
nicht wundern, wenn ein Spiel mal durch eine
Allerweltssituation verloren geht, obwohl der
Gegner eigentlich so was von harmlos ist.
Trainer Meier drückte sich etwas gewählter aus,
als er nach dem Spiel mit finsterer Miene sagte:
„Wir werden nicht den Fehler machen, die
Niederlage mit den schlechten Platzverhältnissen
zu entschuldigen.“ Wohl gesprochen, und
sicherlich nicht unbedingt ein Anreiz für die
Truppe, sich auf die kommenden
Trainingseinheiten zu freuen. Selbst Schuld.
Und wenn’s schon
mal schlecht läuft, dann auch gleich richtig.
Rechtsverteidiger Christian Weber erhielt in der
zweiten Hälfte die Gelbe Karte. Einerseits
ärgerlich, weil es eine Karte für nix war, Weber
hatte zurückgezogen, und sein Gegenspieler hatte
unberührt trotzdem eine schöne Rutschpartie auf
der Seitenlinie hingelegt. Andererseits doppelt
ärgerlich, weil es seine fünfte Verwarnung war,
somit ein Spiel Pause. Und das ausgerechnet für
denjenigen Spieler, der als Einziger im
Fortuna-Dress bis dato (bzw. eben bis
Spielschluss) in jeder Minute der Saison auf dem
Platz gestanden hatte. Und doppelt
„ausgerechnet“ traf es denjenigen Spieler, der
schon seit Wochen auf die kommende Partie gegen
seinen ehemaligen Arbeitgeber MSV Duisburg hin
gefiebert hatte. Wie gesagt, wenn schon, denn
schon.
Und da sich auf
dem „Rasen“ somit absolut nichts
Bewunderungswürdiges tat, möchte ich
diesbezüglich eher mit den Randerscheinungen des
Spiels schließen. Zum Beispiel mit den tapferen
Fans, die auf den unüberdachten Stehplätzen in
den Kurven ausharrten, während das Spiel immer
schlechter und der Regen immer heftiger wurde.
Zumindest die Koblenzer Freischwimmer wussten
aber nach dem Schlusspfiff, dass es sich gelohnt
hatte. Oder dass die TuS in diesem doch eher
tristen Ambiente rund um das Spiel tatsächlich
ein Highlight bei der Verpflegung anbot: es gab
fünf verschiedene Wurstsorten, darunter meinen
All-time-favorite Feuerwurst, der sehr nahe an
die weltmeisterliche Mannheimer Feuerwurst
herankam. Oder dass ich die Rückfahrt sehr zügig
absolvierte, zwar stets im strömenden Regen bzw.
kurz darauf in dichtem Schneetreiben, aber ich
schaffte es tatsächlich, immer ein Stück vor den
Schneeverwehungen und quer stehenden LKW zu
fahren, vor denen im Viertelstundentakt aus dem
Autoradio gewarnt wurde. Bei mir zuhause lag
übrigens kein Schnee, was mich am nächsten
Morgen, als ich aus dem Fenster blickte und die
ca. drei Meter Neuschnee inspizierte, die sich
in der Nacht angesammelt hatten, für einen
Moment glauben ließ, ich hätte den Ausflug nach
Koblenz doch eigentlich nur geträumt. Dem war
leider nicht so.
Tristes Spiel in
tristem Wetter bei tristem Umfeld mit tristem
Ergebnis. Es gibt halt Tage, da ist sogar
Fußball doof. So ca. drei Stunden lang, dann
geht’s wieder.
Zebras zur (Rekord-)Strecke
gebracht
Am 07.02.2010, ja,
man glaubt es kaum, es war ein Sonntag und kein
Freitag, stand für uns das nächste Spiel an. Und
es war schon ein besonderes Spiel. Es kam der
MSV Duisburg. Die Mannschaft, gegen die wir in
der Hinrunde 0:3 verloren hatten, da war also
noch etwas auszudiskutieren, zumal der Sieg in
dieser Höhe damals selbst Peter dem Großen
Neururer peinlich gewesen war. Mittlerweile sagt
er ja in Bezug auf Duisburg gar nix mehr, und
der aktuelle Trainer des MSV, Milan Sasic,
spricht wesentlich auch weniger Worte als dies
sein Vorgänger im Amt tat, ist dafür aber umso
unfreundlicher. Außerdem musste Sasic auch gar
nicht großartig etwas sagen, die Bilanz sprach
für sich: der MSV hatte die letzten fünf
Auswärtsspiele in Serie gewonnen. Da kam also
die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga zur
heimstärksten Mannschaft der Liga. Interessant.
Außerdem war es das Spiel des Tabellenfünften
gegen den Tabellensechsten, beide punktgleich.
Auch interessant. Des weiteren würde der Sieger
am Relegationsplatz 3 dran bleiben, zumal der
dort platzierte FC Augsburg am Tage zuvor bei
Union Berlin nur 0:0 gespielt hatte, man konnte
mit einem Sieg also wieder bis auf einen Punkt
an die Augsburger heranrücken. Das war schon
richtig interessant. Und als letzter Punkt:
Düsseldorf und Duisburg trennen nur 20 km, man
kann ohne umzusteigen mit der Straßen- bzw.
U-Bahn von einer Stadt in die andere gelangen.
Da wurde es dann hochgradig interessant.
Oder um die ganze
Einleitung in eine einzige Zahl zu kleiden:
48.250. Dies war die Zuschauerzahl an jenem
diesigen Sonntag Nachmittag. In einem
Zweitliga-Spiel. Okay, ein kleines Derby. Okay,
ein kleines Verfolgerduell um den
Relegationsplatz. Okay, zwischen zwei Teams, die
ihre Stärken laut Statistik exakt in dieser
Konstellation (Düsseldorf Heimspiel, Duisburg
Auswärtsspiel) hatten. Aber es war doch erst der
21. Spieltag. Und trotzdem: 48.250 Zuschauer.
Manchmal muss man sich kneifen, um zu glauben,
was derzeit abgeht.
Diese Zahl war
übrigens gleichbedeutend mit einer ausverkauften
Arena. Es passen zwar eigentlich 51.000 und ein
paar Zerquetschte rein, um aber genau diese zu
vermeiden, hatte die Polizei aus
Sicherheitsgründen zwei Pufferblöcke rechts und
links des Gästebereichs gefordert, für die keine
Karten verkauft werden durften. Ähnliches gab es
schon im Mai 2009 beim Aufstiegsspiel gegen
Werder II. Damals waren aber nur 20 Bremer am
Start, wenn überhaupt so viele, für die brauchte
man nicht viel Puffer, deshalb konnten 50.095
Zuschauer rein. Diesmal brauchte man etwas mehr
Leerraum, denn es kamen 7.200 Zuschauer von der
Wedau. Ich glaube, in schlechten Zeiten haben
die noch nicht mal so viele Zuschauer bei
Heimspielen. Aber diesmal, siehe oben, passte
eben alles. Volle Hütte und natürlich
Zuschauerrekord für die laufende
Zweitliga-Saison. Und es dürfte schwer werden,
den zu toppen, über ein Stadion mit
entsprechender Kapazität verfügt eigentlich nur
der TSV 1860 München, und die spielen ja
eigentlich nicht so, dass man ein ausverkauftes
Haus erwarten würde, egal gegen wen. Also, ein
schönes zusätzliches Gimmick für die Fortuna,
und ein warmer Geldsegen für die Kasse.
Fortuna schlug den
MSV Duisburg völlig verdient mit 2:0. Besonders
in der ersten Halbzeit wurden die Zebras
schwindlig gespielt, es gab nicht einen einzigen
Torschuss für Duisburg vor der Pause. Schon nach
vier Minuten tauchte Jovanovic nach
Zucker-Lupfer von Christ allein vor MSV-Keeper
Tom Starke auf, allerdings war der Winkel doch
etwas spitz, der Ball sprang auch nicht
besonders günstig. Jovanovic brachte ihn zwar
noch auf die kurze Ecke, aber Starke war auf dem
Posten. Einige Minuten später ebenfalls, als
Harnik nach schöner Flanke von Jovanovic frei
zum Kopfball kam. Starke stand genau richtig und
lenkte den Ball an die Latte, von dort aus übers
Tor. In der 17. Minute stand er dann auch
goldrichtig. Nach einem Ballverlust der
Duisburger war Kapitän Andy Lambertz von der
linken Seite zur Mitte des Spielfelds gezogen,
wobei er drei Gegenspieler stehen ließ.
Anschließend fabrizierte er von der
Strafraumgrenze etwas, das man nur mit viel
Phantasie als gefährlichen Torschuss sehen
konnte. Oder anders formuliert: da hätte man ein
Handtuch hinterher werfen können. Außerdem, wie
gesagt, kam der Ball genau auf Mann. Starke
kniete ab, um die Kugel aufzunehmen, unmittelbar
vor ihm versprang sie auf dem Rasen kurz, und
der eigentlich beste Torwart der 2. Liga winkte
dieses Schüsschen durch die eigenen Hosenträger
durch. Selbst danach überquerte der Ball nur mit
Mühe noch die Torlinie – 1:0. Der Treffer
selbst war natürlich ein Witz, so etwas passiert
dem Starke vielleicht einmal alle paar Jahre.
Die Führung an sich war jedoch nicht unverdient,
von Duisburg war absolut nichts zu sehen, es
spielte nur Fortuna. Und nur sieben Minuten
später wurde allergrößtes Tennis zelebriert, ein
Genuss, dabei zusehen zu dürfen. Halblinks,
knapp in der gegnerischen Hälfte, spielt van den
Bergh einen hohen weiten Pass auf Lambertz. Der
steht 20 Meter vor dem Tor, ein paar Meter vor
der Seitenauslinie, und leitet den Ball direkt
per Kopf weiter in die linke Strafraumhälfte.
Dort kommt Harnik heran gerauscht, und dann
wird’s brasilianisch: mit dem rechten Außenrist
lupft er die Kugel quer nach innen, über seinen
sichtlich überforderten Gegenspieler, umkurvt
diesen, und erwischt die Kugel dann direkt aus
der Luft mit einem niedrig angesetzten
Seitfallzieher als Dropkick. Der Ball rauscht
flach links unten ins Netz, und diesmal braucht
sich Starke nicht zu grämen – der ist wirklich
unhaltbar. Ein Traumtor zum 2:0. Harnik tritt
vor Freude anschließend noch die Eckfahne aus
ihrem Geläuf und hat Glück, dass es dafür nicht
Gelb gibt, wegen Beschädigung von Spielmaterial
oder so. 2:0 nach 24 Minuten, hochverdient, denn
von Duisburg kam weiterhin nichts. Und über
Gegentreffer drei oder vier hätten sich die
Duisburger auch nicht beschweren können, die
waren in der 1. Halbzeit nur zum Foulen auf dem
Platz.
Anfang der 2.
Hälfte kamen die Gäste etwas besser auf,
besonders durch die Einwechslung von Caiuby, der
diversen Fortunen öfter mal Knoten in die Beine
spielte. Da darf sich MSV-Trainer Sasic gerne
mal fragen lassen, warum er ihn nicht von Anfang
an spielen ließ, der war auch beim Hinspiel mit
Abstand bester Mann. Aber soll mir natürlich
Recht sein, wenn er sein Juwel lieber schont.
Caiuby hatte auch die einzig klare MSV-Chance in
der 2. Halbzeit, schoss aber volley am Tor
vorbei. Fortuna verpasste es recht routiniert,
mal wieder einige Konter auszuspielen, das kennt
man ja schon, spielte die Partie aber souverän
nach Hause, endgültig durch war das Spiel nach
Gelb/Rot für Duisburgs Bodzek zehn Minuten vor
Schluss. Fortuna schaukelte das Spiel lässig ins
Ziel, und Torwart Ratajczak musste während der
gesamten Partie keine einzige Parade zeigen. Es
passte nicht alles, aber vieles, und es wurde
beste Werbung für den Verein gemacht. Oder um
mit den Worten des wie immer völlig
euphorisierten und quasi ausrastenden Trainers
Norbert Meier zu sprechen: „Insgesamt bin ich
nicht unzufrieden, und das ist bei mir eher
selten der Fall.“
Bleiben noch
einige Personalien aufzuarbeiten: der 21jährige
Kai Schwertfeger spielte für den gesperrten
Weber rechter Verteidiger und degradierte
Christian Tiffert zur Bedeutungslosigkeit, eine
souveräne Leistung in einer nicht immer sicheren
Abwehr, die allerdings wenig gefordert wurde.
Vor dem Spiel wurde zudem bekannt, dass Marco
Christ und Andreas Lambertz ihre Verträge um
jeweils zwei Jahre bis 2012 verlängert haben.
Oliver Fink erhielt die fünfte Gelbe Karte und
ist somit im nächsten Spiel gesperrt, dafür kann
Christian Weber allerdings wieder auflaufen.
Einziger dicker Wermutstropfen an diesem schönen
Nachmittag: Ranisav Jovanovic erlitt ohne
Einwirkung des Gegners einen Muskelfaserriss im
linken Oberschenkel, das dürften wohl zwei bis
drei Wochen Pause werden.
Einige der ca.
7.200 Zebras im Stadion machten ihrer
Enttäuschung dahingehend Luft, dass sie drei
Bengalen zündeten und auch den einen oder
anderen Gegenstand aufs Spielfeld warfen. Da bin
ich jetzt mal gespannt, ob der DFB seine
Androhung wahr macht, und Fortuna ein
„Geisterspiel“ verpasst, denn man weiß ja, dass
der Heimverein immer Mitschuld an solchen
Vorfällen trägt. Eine Geldstrafe dürfte auf
jeden Fall wieder einmal geben.
Fortuna festigte
Platz 5, ist jetzt punkt- und torgleich mit
Arminia Bielefeld (jeweils 37 Zähler), die
Ostwestfalen haben allerdings ein Tor mehr
erzielt, und nehmen daher Platz 4 ein. Man steht
nur einen Punkt hinter dem FC Augsburg auf Platz
3. Genau dorthin müssen wir am nächsten Sonntag.
Für mich sind die Augsburger die derzeit
stärkste Mannschaft in der Liga. Außerdem ist
noch Karnevalssonntag. Und Valentinstag.
Eigentlich also kein Tag, den man als
Düsseldorfer in der Fremde verbringen sollte.
Außerdem haben wir schlechte Erinnerungen an
letztes Jahr: da fuhren wir auch am
Karnevalswochenende nach Bayern, allerdings nach
Unterhaching, und verloren mit 1:2.
Aber in Augsburg
hat man wirklich nichts zu verlieren, eine
Niederlage würde niemanden sonderlich
überraschen. Vielleicht können wir sie ja ein
wenig ärgern, wie Union Berlin am letzten
Spieltag, die gegen Augsburg ein 0:0 holten. Wir
werden sehen.
Und wenn wir dort
tatsächlich etwas holen sollten...dann beginnt
es langsam, mulmig zu werden. Trainer Meier
hatte nach dem Spiel gegen den MSV zwar noch was
zu lachen, als er sagte: „Uns fehlen noch drei
Punkte, dann haben wir die ominösen 40 Punkte
für den Klassenerhalt erreicht“ Tja, bei einem
Sieg in Augsburg hätten wir die – allerdings
wären danach noch zwölf Spieltage übrig. Und
wohin es dann gehen kann – wer weiß das schon?
Spannend wird es auf jeden Fall!
Möchte dieses Jahr
an Karneval nicht wieder die Pappnase in Bayern
geben: janus |