Weiter geht`s mit
dem Abenteuer 2. Liga! Auch nach 25 Spieltagen
steht Fortuna immer noch glänzend da, auch wenn
es bei den letzten vier Spielen, von denen diese
Zusammenfassung kündet, durchaus Licht und
Schatten gab. Aber in der Gesamtheit können wir
sagen: die magischen 40 Punkte sind
überschritten, der Klassenerhalt, der eh nur
noch theoretisch gefährdet war, ist eingetütet,
jetzt geht der Spaß erst richtig los! Und wer
nix mehr zu verlieren hat, der kann vielleicht
doch noch für die eine oder andere Überraschung
sorgen. Hier also die Zusammenfassung der Spiele
gegen Augsburg, Ahlen, Aachen und Fürth, nebst
der nicht neuen Erkenntnis, dass nichts mehr so
ist wie früher. Zum Beispiel erwarteten uns bei
den beiden Auswärtsspielen dieses Berichts nicht
diese nostalgischen, traditionsumwehten
Bruchbuden, in denen beide Clubs noch bis
letztes Jahr gespielt haben, sondern blitzneue
Arenen, die eine mitten in die Landschaft, die
andere mitten an die Hauptstraße gesetzt. Hat
alles seine Vor- und Nachteile. Außerdem glaube
ich, dass in dieser Zusammenfassung ein sicherer
Aufsteiger vorkommen wird. Leider sind das nicht
wir, aber: eine Saison ist erst zu Ende, wenn
der Schiri pfeift. Oder so ähnlich.
Same Procedure as
four days before
Am 14.02.2010 war
es an der Zeit, ein neues Stadion kennen zu
lernen. Es ging nämlich zum FC Augsburg, der
seine Heimspiele seit Saisonbeginn
bekanntermaßen in einer so genannten „impuls
arena“ austrägt, die als Ersatz für die völlig
veraltete Rosenau flugs auf irgendein Feld an
irgendeiner Bundesstraße gestellt wurde.
Augsburg ist für mich nicht nur heißester
Aufstiegskandidat, sondern hatte unter der Woche
vor dem Spiel auch mal eben den 1.FC Köln aus
dem DFB-Pokal geworfen. Hierbei erheiterte
besonders die Leistung des kölschen
Hoffnungsträgers Lukas Podolski, dem es nur acht
Minuten nach seiner Einwechslung offenbar zu
kalt wurde, woraufhin er sich mittels Gelb und
Gelb/Rot binnen acht Sekunden zügig ins Warme
verabschiedete. Und da die Kölner zuvor in drei
Meisterschaftsspielen ohne ihren Poldi schlappe
sieben Punkte geholt hatten, werden sie ihn auch
an jenem Abend nicht zwingend vermisst haben. Er
selbst wird sich auch nicht auf dem Spielfeld
vermisst haben, in der Kabine war es bestimmt
muckelig warm, und außerdem kann er soviel nicht
spielen wie er will, zur WM muss er auf jeden
Fall, da hat der Bundestrainer ja schon ein
Machtwort gesprochen. Also ist es völlig egal,
ob der in dieser Saison überhaupt noch mal gegen
einen Ball tritt. Wenn er es jedoch tatsächlich
macht und dann einen solchen Abgang hinlegt wie
in Augsburg, dann ist das aller Ehren wert und
sollte ruhig erwähnt werden. Weiter so!
Augsburg also in
der aktuellen Form klarer Favorit, auch im
Hinspiel war dies die einzige Mannschaft, die
aus der esprit-Arena verdient drei Punkte hätte
mitnehmen müssen. Damals scheiterte insbesondere
Torjäger Thurk ein ums andere Mal an unserem
Keeper Ratajczak, und auch wenn er doch einen
Treffer markierte, reichte es nur zu einem 1:1,
was auch folgerichtig von jedem Augsburger als
Punktverlust angesehen wurde. Damals waren sie
noch nicht eingespielt, sie ließen zu Beginn der
Saison sehr viele Punkte durch unnötige
Unentschieden liegen. Dies ist mittlerweile
nicht mehr der Fall. Eine Nuss, von der mir
schon vor dem Spiel schwante, dass sie zu hart
für uns sein würde. Aber frisch gewagt ist halb
gewonnen, also auf nach Augsburg!
14.02.2010,Valentinstag und Karnevalssonntag.
Ein Tag also, an dem man sich erst auf
irgendeiner Sinnlos-Veranstaltung mit Pappnase
im Gesicht die Birne zukippt, um anschließend
zuhause noch halbwegs unfallfrei und
verständlich eine Liebesbezeigung zu murmeln,
ohne dass man zur Strafe auf der Couch nächtigen
muss. Man kann natürlich auch um halb sechs
aufstehen und nach Augsburg zum Fußball fahren.
Ich hielt das für eine prima Idee, also tat ich
es auch. Meine furchtlose Fahrerin wollte mich
um 6.30 Uhr am vereinbarten Treffpunkt abholen.
Leider wurde es etwas später, denn sie reist ja
aus Aachen an, und auf der A 4 waren irgendwie
keine Fahrspuren mehr vorhanden. Alles unter
einer schönen Schneedecke und nix geräumt. Der
kreative Fahrer macht sich die Spuren selbst und
hofft, dass es irgendwie gut geht. Es ging gut,
allerdings eben nicht im erhofften zügigen
Tempo. Deshalb richtete ich den ersten
Schützengraben seit Menschengedenken auf einer
deutschen Brücke ein, indem ich, um mich am
Treffpunkt warm zu halten, immer dieselbe kurze
Strecke hin und her wanderte, was nach relativ
kurzer Zeit dazu führte, dass sich mein
Trampelpfad deutlich gegen die Schneemassen auf
dem Rest des Bürgersteigs abhob. Bevor ich auf
die Idee kommen konnte, einen Iglu zu bauen,
traf die Fahrerin glücklicherweise ein, und es
konnte losgehen.
Zunächst waren die
Straßenverhältnisse eher schlecht, was sich
allerdings änderte, als wir die Landesgrenzen
nach Rheinland-Pfalz überschritten. Hier scheint
man etwas vom Schneeräumen zu verstehen, ebenso
in Baden-Württemberg und Bayern. Zwar türmten
sich auch hier die Schneemassen am Rand, aber
die Fahrbahn war überraschend frei. Recht zügig
ging es über die A 61, die A 6 und die A 5 nach
Karlsruhe, und dort dann auf die A 8, die mit
einigen der schönsten Steigungen brilliert, die
man als Beifahrer genießen kann. Etwas strange
wird es dann zwischen Stuttgart und Ulm, beim
Aufstieg zur Schwäbischen Alb. Da führt die
Autobahn um den Aichelberg herum. Und zwar
rechts herum, während sich die Gegenfahrbahn auf
der anderen Seite am Hang entlang schlängelt. So
fehlte plötzlich nicht nur der Seitenstreifen –
ein auf der A 8 völlig normales Phänomen –,
sondern auch der Gegenverkehr komplett, sodass
man den Eindruck gewann, sich eher auf einem
hochalpinen Gebirgspass denn auf einer Autobahn
zu befinden. Passend dazu hatte zuvor ein Schild
auf „Urweltfunde in Holzmaden“ hingewiesen.
Außerdem verkündete eine Tafel, dass es sich bei
der Brücke, die wir überquerten, um den
„Franzosenschluchtviadukt“ handele. So langsam
war ich mir unsicher, ob wir nicht versehentlich
durch den zuvor passierten leichten Dunst auf
der Strecke in eine andere Dimension vorgestoßen
waren, in eine Urwelt, in der Holzmaden durch
Franzosenschluchten kriechen und sich
anschließend in Drachenlöchern verstecken. So
hießen nämlich Tunnel und Brücke, die es
anschließend und auf der Rückfahrt zu bezwingen
galt. Der erfahrene A 8-User mag angesichts
dieser Schilderungen gähnen, aber für mich war
das alles ziemlich neu. Im Gedächtnis geblieben
ist mir auch noch das Auto, das mit
funktionierender Warnblinkanlage am Straßenrand
stand, auf einem flachen Teilstück der Autobahn,
auf dem es erstaunlicherweise zwar einen
Seitenstreifen gab, allerdings sonst absolut
nichts. Rechts und links neben der Autobahn
befand sich wirklich nur leicht hügelige,
schneebedeckte Landschaft, das Bild wurde
lediglich unterbrochen durch einen verschneiten
Holzstoß, der mitten im Feld auf den Frühling
wartete. Wenn du da mit dem Wagen liegen
bleibst, kannst du wirklich nur noch hoffen,
dass der ADAC dich schnell findet. Und zwei
tapfere Ski-Langläufer sind mir noch in
Erinnerung, die ihrer Loipe parallel zur
Autobahn folgten. Alles in allem eine recht
idyllische Anfahrt ohne größere ungeplante
Aufenthalte.
Man verlässt
irgendwann die A 8 an der Ausfahrt Augsburg-West
und folgt anschließend der B 17 mehrere
Kilometer durch die Stadt bis zur Ausfahrt, die
praktischerweise wie die Arena heißt. Man kann
das Stadion auch von der Bundesstraße aus sehen.
Viel mehr gibt es dort leider nicht zu sehen.
Das Teil wurde quasi mitten in die Landschaft
gesetzt, mit nix drumherum. Und natürlich kann
niemand etwas dafür, dass es an jenem Sonntag
arschkalt und rund um das Stadion nur ebene
Schneewüste zu besichtigen war. Bei dieser
Witterung entstand somit ein etwas trostloses
Bild dieses grauen Betonkastens.
In der Arena
selbst gibt es dann allerdings ziemlich wenig zu
meckern, ein schönes Fußballstadion für 30.000
Zuschauer, das aufgrund seiner Bauweise bei
Bedarf auch relativ zügig erweitert werden kann.
Man sieht, der Strahle- und Zahlemann des FCA,
Walther Seinsch, hat nicht vor, länger in öden
Zweitliga-Gefilden zu dümpeln. Dementsprechend
sieht ja auch die Mannschaft aus, die er vor der
Saison hat zusammenstellen lassen. Das alles
wurde jedoch in so kurzer Zeit aus dem Boden
gestampft, dass es doch wiederum ein wenig
künstlich wirkt. Alles Andere als ein Aufstieg
von Augsburg wäre wirklich eine Überraschung.
Wäre nur schön,
wenn das im Umfeld auch ein paar Leute
mitkriegen würden. Da spielt die Mannschaft in
ihrer nagelneuen Arena seit Wochen erfolgreichen
Fußball, hat unter Anderem kurz vor Weihnachten
den 1.FC Kaiserslautern mit 4:1 aus dem Stadion
geschossen, nach der Winterpause auch noch
Arminia Bielefeld geschlagen, den 1.FC Köln aus
dem Pokal gekegelt, ist Tabellendritter, und es
kommt eine wenigstens dem Namen nach durchaus
klangvolle Truppe, zudem noch ein direkter
Verfolger mit nur einem Punkt Rückstand, man
könnte glatt meinen, ein Spitzenspiel stünde an
– und es kommen gerade mal 15.000 Zuschauer,
abzüglich ca. 1.500, die der Fortuna zuzurechnen
waren. Enttäuschend. Viele Fortuna-Fans, die
nach dem Spiel noch in der Augsburger Innenstadt
waren, wurden von Einheimischen nach dem
Ergebnis befragt. So recht zu interessieren
vermag der Verein anscheinend noch nicht. Bei
welchem Spiel wollen die denn die Hütte voll
kriegen, wenn nicht bei so etwas? Naja,
wahrscheinlich überschätze ich die
Anziehungskraft unserer Fortuna ein wenig. Da
dachten die Leute wohl, da kommt so ein kleiner
überschätzter Aufsteiger, das lohnt nicht den
weiten Weg zum Stadion raus. Womit sie im
Nachhinein durchaus nicht Unrecht hatten.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der
Verein, zumindest, was die Eintrittspreise
angeht, schon längst erstligareif ist. 36 Euro
Eintritt für einen Sitz auf der Haupttribüne
außen, also schon halb in der Kurve, das ist
wirklich stark. Zumal ein vergleichbares Ticket
in der letzten Saison im alten Stadion wohl noch
um die 20 Euro gekostet hatte. Ich tippe schon
darauf, dass es in der nächsten Saison ein
sicherlich spannendes Spiel zwischen dem FC
Augsburg und der TSG „1899“ Hoffenheim geben
wird – das Traurige daran ist, dass es sich
dabei um ein Erstliga-Spiel handeln wird. Und
ich möchte wetten, dass nicht wenige
Erstligisten dies genauso sehen werden.
Wie beim letzten
Auswärtsspiel in Koblenz, so wurde auch dieser
etwas ausschweifende Vorbericht gewählt, weil es
anschließend vom grünen Rasen (der alles, nur
nicht erstligareif war) nicht viel zu berichten
gab. Ich saß noch nicht richtig, da war das
Spiel schon durch. Es waren gerade 60 Sekunden
verstrichen, da spielten zwei Augsburger auf der
linken Seite Doppelpass auf engstem Raum,
Hegeler lief mit der Kugel in den Strafraum und
zwirbelte sie technisch einwandfrei mit dem
Außenrist an den Fünfmeterraum. Dort stand
Michael Thurk frei und markierte sein 20.
Saisontor. Da hatte man noch einige Tage zuvor
den Kopf geschüttelt, wie die Kölner
ausgerechnet diesen Stürmer, derzeit im siebten
Frühling, nach nur drei Minuten am Fünfmeterraum
dermaßen frei stehen lassen konnte – schwupps,
da kamen wir und brauchten für dieselbe
Glanzleistung nur 65 Sekunden. Die Weigerung der
Innenverteidigung, sich um Thurk zu kümmern,
hatte natürlich zwei ganz reale Hintergründe:
zum Einen hatte man sich innerlich wohl mit den
Kölnern geeinigt, an Karneval einfach niemanden
Ernst zu nehmen, wer weiß schon, ob das wirklich
der Thurk ist, der da rumläuft, hätte ja auch
ein Fan im Kostüm sein können. Zum Anderen ist
man sich durchaus der Vorreiterrolle bewusst,
die Düsseldorf gegenüber dem
Bahnhofskapellendorf ein Stück weiter südlich
genießt. Und wenn die drei Minuten brauchen, um
dem Thurk ein Tor zu schenken, dann brauchen wir
noch nicht mal zwei. Wir sind immer
schneller!
Das Spiel kann man
ansonsten zügig abhaken, da Augsburg klar
überlegen war und Fortuna nicht viel auf die
Beine brachte. Einmal, ein einziges Mal mussten
auch die Heimfans mal kurz die Luft anhalten,
dann aber richtig: in der 20. Minute spielte
Marco Christ einen Zuckerpass nach rechts in den
Strafraum, in den Lauf von Martin Harnik, den
die Augsburger hatten ziehen lassen, weil sie
auf Abseits spielten, wobei sie sich allerdings
gründlich verschätzt hatten. Harnik nahm den
Ball direkt aus der Luft, mit der Innenseite,
ca. zwölf Meter Torentfernung, und lupfte ihn
Richtung linkes Eck, gegen die Laufrichtung von
Torwart Jentzsch. Der konnte auch nur noch
bewundernd hinterher schauen, war völlig
chancenlos, ein echtes Tor des Monats – leider
flog der Ball Zentimeter am linken Pfosten
vorbei. Wenn das Ding gesessen hätte, hätten wir
vielleicht noch eine Chance gehabt. Zumal man
sehen konnte, wenn es schnell nach vorne ging,
hatte die Augsburger Abwehr durchaus ihre
Probleme, wirkte alles andere als sattelfest.
Die Stärke der Truppe von Jos Luhukay liegt
eindeutig in der Offensive, wenn die schnell
umschalten und einen überrennen, dann Prost
Mahlzeit. Aber die Fortuna war an jenem
saukalten Sonntag (minus vier Grad) viel zu
harmlos im Spiel nach vorne und brachte Augsburg
nicht ernsthaft in Bedrängnis. Als man zu Beginn
der zweiten Halbzeit ein wenig mutiger nach
vorne spielte, und der Reporter von Antenne
Düsseldorf bei seiner ersten Schalte nach der
Pause frohgemut verkündete „Liebe Zuhörer, es
sind schon fünf Minuten gespielt, und wir haben
noch kein Tor kassiert!“, da zog Augsburg mal
kurz das Tempo an und knipste die Fortuna aus.
Dann hast du auch keine Chance mehr, besonders
wenn in der gegnerischen Mannschaft, die eh
schon zu stark für dich ist, noch einer
mitspielt, dem im Moment alles gelingt. Dieser
eine ist natürlich Michael Thurk, dem es derzeit
sogar egal ist, wenn er selbst mal das Tor nicht
trifft, dann sattelt er eben auf Vorlagengeber
um. Und nachdem er seine zweite Riesenchance zur
Verblüffung aller ausnahmsweise nicht nutzen
konnte, und er den Ball völlig unbedrängt an
Keeper Ratajczak, aber auch knapp am Tor vorbei
zwirbelte, da legte er wenig später, als er
wieder einmal ziemlich alleine dem Fortuna-Tor
entgegen strebte, einfach quer auf Nando Rafael,
und der staubte das 2:0 in der 60. Minute ab.
Ende Gelände. Daraufhin konnte Trainer Luhukay
seinem besten Mann auch schon zur 65. Minute den
wohlverdienten Feierabend gönnen, die Augsburger
ließen nichts mehr anbrennen und schaukelten das
Spiel auf der linken Hinterbacke nach Hause.
Fortuna bemühte sich zwar noch, aber mehr als
ein leider glasklares Abseitstor von Martin
Harnik sprang dabei nicht heraus, ja, man muss
ehrlich sagen, dass das Team in der zweiten
Hälfte keine einzige gute Torchance heraus
spielte. Somit blieb es beim 2:0 für Augsburg,
völlig verdient. Diese Niederlage war wirklich
kein Beinbruch, zu überlegen war der Gegner. Als
Fazit bleibt, dass man sich das hätte sparen
können. Am Mittwoch zuvor gewann Augsburg gegen
Köln 2:0. jetzt gegen uns 2:0. Die Torschützen
gegen Köln waren Thurk und Nando Rafael.
Ähnlichkeiten zu unserem Spiel sind durchaus
beabsichtigt. Zumal auch noch die Reihenfolge
der Torschützen stimmte. Also, dies war ein
Spiel aus der Kategorie „DFB-Pokal reloaded“,
und mit diesem Hinweis vor dem Spiel hätten
einige Hundert Leute an jenem Sonntag
verdientermaßen länger schlafen können. Aber
hinterher ist man ja immer schlauer.
Dreizehn Minuten
für den Tabellenletzten
Am 19.02.2010 –
endlich wieder freitags – erschien der
Tabellenletzte Rot Weiss Ahlen in der
esprit-Arena. Die Rote Laterne im Gepäck, dazu
noch mit einer unübersehbaren
Rechtschreibschwäche behaftet, was die
Farbgebung im offiziellen Vereinsnamen betrifft
(kein Bindestrich, „weiß“ mit Doppel-s), ganze
15 Pünktchen bis dato auf dem Konto – was sollte
da schon schief gehen? Okay, das letzte
Auswärtsspiel hatten sie mit 1:0 bei 1860
München gewonnen, aber darüber konnte man doch
nur müde lächeln. Das Grinsen verging mir, als
ich, von diesem Ergebnis ausgehend, einfach mal
schauen wollte, wie hoch Ahlen zuletzt auswärts
verloren hatte. Die Suche zog sich nämlich ganz
schön in die Länge und offenbarte ziemlich
Verblüffendes.
Es war
einmal...unser Hinspiel am 19.09.2009. Fortuna
gewinnt in Ahlen mit 4:1, am nächsten Tag sind
im Münsterland Trainer und Manager ihre Jobs
los. Mit einem Interimstrainer fährt Ahlen am
darauf folgenden Freitag nach Berlin und
verliert bei Union mit 1:2. Und ob man es glaubt
oder nicht: das war sie, die letzte
Auswärtsniederlage der Ahlener bis zum Rückspiel
bei uns! Die kamen am 19.02.2010 als
Tabellenletzter und hatten ihr letztes
Auswärtsspiel am 25.09.2009 verloren! Oder
andersrum: unter ihrem neuen Coach Christian
Hock hatten die noch kein einziges Auswärtsspiel
verloren! Zwei Siege und vier Unentschieden in
der Fremde standen seitdem zu Buche. So etwas
denkt man ja gemeinhin nicht von einem
Tabellenletzten. Die sind halt zuhause zu
schlecht und spielen zuviel Unentschieden,
deshalb kommen sie da unten nicht weg.
Also, wenn man
nicht nur aufs Papier schaute, sondern sich
diese kleine Hintergrund-Info noch besorgte,
dann war dieses Spiel keineswegs eine so „klare
Angelegenheit“, wie mancher Fußballkenner im
Fernsehsessel oder in einer Zeitungsredaktion
meinte. Wurde es aber doch. Allerdings erst ab
der 31. Minute.
Fortuna putzte Rot
Weiss Ahlen vor 19.000 Zuschauern mit 4:0. Es
war eigentlich auch in dieser Höhe verdient,
weil man in der zweiten Halbzeit durchaus noch
das ein oder andere Tor mehr hätte machen
können. In den ersten 30 Minuten allerdings kam
man mit dem Gegner überhaupt nicht zurecht. War
aber auch gemein: Da kommen die als Loser vom
Dienst und erdreisten sich, Forechecking zu
spielen! Sie attackierten früh und machten die
Räume eng, und der Fortuna fiel nichts dazu ein.
Ahlen verbuchte den ersten Eckball nach sieben
Sekunden (!), dürfte auch neuer Vereinsrekord
sein, ihren zweiten Eckball erhielten sie nach
24 Minuten. Dazwischen passierte absolut nichts,
was schilderungswürdig gewesen wäre, und von der
Spielverteilung her war das fifty-fifty, wenn
überhaupt so günstig, aus Sicht der Fortuna. Wie
ein Absteiger spielte Ahlen wahrlich nicht.
In der 26. Minute
dann der erste (!) Torschuss auf die Bude von
Sascha Kirschstein, dem tapferen Recken im Tor
des Schlusslichts. Marco Christ hatte nach einer
schönen Kombination rechts von der
Strafraumgrenze abgezogen, Kirschstein konnte
die Kugel nicht festhalten, aber Harnik kam
nicht an den Abpraller ran. Fünf Minuten später
tauchten wir dann zum zweiten Mal vor dem
Ahlener Gehäuse auf und entschieden die Partie.
In der 31. Minute
setzt sich Fink auf der linken Seite schön gegen
Ahlens Kapitän Busch durch, wird aber von
Selbigem anschließend weggegrätscht. Es gibt
Gelb für Busch und Freistoß für Fortuna. Marco
Christ dreht die Kugel mit dem rechten Fuß schön
vor`s Tor, am Fünfmeterraum springen Harnik,
Innenverteidiger Anderson und der soeben
verwarnte Busch zum Kopfball hoch. Harnik
verfhelt, Anderson trifft und Busch fälscht
anschließend mit dem Rücken ein wenig ab – das
Ding schlägt als Aufsetzer in der langen Ecke
ein, keine Chance für Kirschstein, 1:0 für
Fortuna. Zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt
verdient, aber spielentscheidend. Denn mit
diesem Gegentreffer fanden die Ahlener wohl,
dass man für jenen Abend genug geleistet habe
und stellten die Abwehr-Arbeit ein. Es genügte,
um die Truppe in 13 Minuten aus dem Stadion zu
schießen. Einige Minuten später spielte
Christian Weber einen schönen Pass aus der
eigenen Hälfte auf den sträflich frei stehenden
Thorsten Oehrl, der nahm den Ball mit rechts
mit, legte ihn mit demselben Fuß noch mal kurz
vor und knallte ihn dann völlig humorlos aus 16
Metern, hablinke Position, mit dem linken Fuß
flach in die linke Ecke, mit Unterstützung des
dortigen Innenpfostens. Ein ganz linkes Ding
also, der erste Treffer des Leih-Bremers für
uns. Und in der 44. Minute wiederum spielte
Oehrl seinen Leih-Kollegen Martin Harnik
glänzend frei, der zog alleine auf Kirschstein
zu und den Ball anschließend flach an ihm vorbei
– 3:0 noch vor der Pause, Fisch gegessen. Selten
habe ich eine Mannschaft so schnell auseinander
fallen sehen wie die Ahlener, die an jenem
Freitag bis zur 31. Minute wahrlich nicht
schlecht gespielt hatten.
Nach dem 0:3 war
es damit allerdings vorbei, zwar mühten sie sich
in der zweiten Halbzeit redlich um den
Anschlusstreffer und hatten auch gegen Ende der
Partie ein, zwei Chancen, hätten sich den
Ehrentreffer durchaus verdient. Aber insgesamt
waren sie halt zu harmlos. Fortuna spulte ein
besseres Trainingsprogramm ab, machte
zwischendurch noch das 4:0 durch den
eingewechselten Heidinger – wiederum auf
Vorarbeit des an jenem Abend glänzend
aufgelegten Oehrl – und hatte durch Christ,
Oehrl und Harnik noch weitere Chancen, das
Ergebnis noch höher zu schrauben, was gegen die
tapferen Gäste allerdings des Guten ein wenig
zuviel gewesen wäre. Ein entspannter
Freitagabend für uns, der achte Heimsieg in
Folge, Einstellung des diesbezüglichen
Vereinsrekords. Für die Ahlener, die sich
aufgrund ihrer Auswärtsserie bestimmt etwas
ausgerechnet hatten, war es ab der 31. Minute
ein Desaster.
Rückwärtsseitfallziehlupfer
Am 01.03.2010 war
es mal wieder so weit: ein Montagsspiel stand
an. Die letzte Partie der Fortuna, die zu solch
einem richtig intelligenten Termin ausgetragen
wurde, endete 0:0. Das war das Hinspiel. Na
klar, Fortuna gegen Alemannia Aachen – das jazzt
Dir jeder schlagzeilen- und phrasenschwingende
Auflagen- und Quoten-Benötiger in Nullkommanix
zum so genannten „Westderby“ hoch. So war es
beim Hinspiel geschehen, so geschah es beim
Rückspiel. Grundlage dafür ist, dass beide
Städte in NRW liegen. Mehr nicht, noch nicht mal
in der Nachbarschaft. Aber wenn es halt ein
Derby sein soll, kann man auf solche
Belanglosigkeiten keine Rücksicht nehmen.
Unser erster
Auftritt im neuen Tivoli, das Stadion, in dem
die Alemannia seit Beginn der aktuellen Saison
residiert. Praktischerweise direkt neben dem
alten Tivoli, da braucht man sich keine neue
Anfahrt einzuprägen. Das Teil ist recht nett
geworden, vielleicht eine Spur zu schwarz-gelb
von innen und außen, aber Geschmäcker waren
schon immer verschieden. Es versprüht natürlich
nicht den Charme des leicht maroden alten
Stadions, sondern eher den Charme der großen
weiten Welt. Bestand die alte Hütte noch zu drei
Vierteln aus Stehplätzen, so sind diese im neuen
Stadion nur noch in der Fan-Kurve hinter einem
der Tore vorhanden sowie in kleiner Anzahl im
Gästebereich. Dafür haben sich die
Eintrittspreise ein wenig nach oben verändert,
Stehplätze 12 Euro, okay, aber mit Ausnahme
eines kleinen Blocks, in dem man für 18 Euro die
Wahl hat, sich hinzusetzen und nichts zu sehen,
oder wie die Vorderleute das Spiel stehend zu
verfolgen, gibt es Sitzplatzkarten erst ab 24
Euro aufwärts. Nicht schlecht für
Zweitliga-Mittelmaß. Die Alemannia muss das
Stadion abbezahlen und lässt erst einmal andere
zahlen. Das sind ganz schön happige Preise, und
vielleicht liegt es auch ein klein wenig darin
der Grund, dass der Funke aus dem alten Tivoli
noch nicht so recht überzuspringen scheint. Dies
scheint auch der Mannschaft so zu gehen, die vor
der Partie gegen die Fortuna bereits vier
Niederlagen in der neuen eigenen Hütte auf dem
Konto hatte. Vielleicht sehen es Einheimische
und Spieler ja ähnlich wie ich als Auswärtiger:
modernes funktionales Stadion und Alemannia –
das ist irgendwie ungewohnt, das geht nicht. Ich
kenne die Alemannia Zeit meines Lebens nur mit
Bruchbude, und es war immer schön. Aber in
diesem Bau...? Na gut, zum Glück muss ich mich
nicht daran gewöhnen, dafür bin ich zu selten
vor Ort. Aber wenn ich daran denke, wie lange
wir gebraucht haben, um uns mit unserer bunten
Turnhalle anzufreunden und in dieser Saison
endlich eine richtige Festung daraus zu
machen...kann sein, dass es auch in Aachen noch
ein wenig dauern wird.
Also, der Hattrick
der neuen Stadien bei Auswärtsspielen ging in
die zweite Runde. Nach Augsburg zwei Wochen
zuvor nun wiederum eine Arena, die erst seit
Beginn der Saison in Betrieb ist. Und in zwei
Wochen geht es zum FSV Frankfurt, der zwar kein
nagelneues Stadion besitzt, aber das alte am
Bornheimer Hang derart runderneuert hat, dass
der Verein die komplette letzte Saison in der
riesigen Commerzbank-Bank der Lokalgröße
Eintracht Frankfurt kicken musste. Da wird man
wohl auch kaum noch etwas von früher erkennen,
zumal ich dort zuletzt im Jahr 1994 war. Nicht
nur neue Gegner als Aufsteiger in dieser Saison,
sondern auch neue Buden, wohin man schaut.
Auf dem alten
Tivoli war Fortuna zuletzt ebenfalls im Jahr
1994 zum Pflichtspiel aufgelaufen. Allerdings in
der damals noch drittklassigen Oberliga
Nordrhein. Die Alemannia war in jener Saison
1993/94 der einzig Ernst zu nehmende Konkurrent
für den direkten Wiederaufstieg in die 2. Liga.
Dementsprechend war das Interesse der Fans:
20.000 Zuschauer wollten das Spiel sehen, so
ziemlich zu Beginn der Rückrunde, eine geradezu
unfassbare Zahl, wenn man bedenkt, dass in der
damaligen Oberliga vielleicht 500-800 Männeken
zu den Spielen pilgerten, an denen diese beiden
Vereine nicht beteiligt waren. Fortuna gewann
damals mit 1:0 durch ein Kopfballtor von Ralf
Voigt und legte den Grundstein für eine
ungefährdete Meisterschaft, die anschließend mit
der erfolgreichen Aufstiegsrunde und dem
Fahrstuhl in Richtung 2. Liga ein schönes Ende
nahm.
Seitdem ist
Fortuna nur noch ein einziges Mal auf dem alten
Tivoli zu Gast gewesen, nämlich im August 2002.
Es war das erste Auswärtsspiel nach dem Abstieg
in die zum damaligen Zeitpunkt viertklassige
Oberliga Nordrhein, und dementsprechend hieß der
Gegner auch nicht Alemannia Aachen, sondern
Alemannia Aachen II. Unfassbarerweise gewannen
wir mit 4:2 und konnten daher sagen, dass wir in
den letzten 16 Jahren nur Siege auf dem alten
Tivoli eingefahren hatten. Nun war es Zeit, den
neuen zu knacken.
Und es gelang.
Fortuna siegte mit 1:0 vor 27.000 Zuschauern und
holte sich den vierten Tabellenplatz wieder, den
man kurzfristig an Arminia Bielefeld abgeben
musste, weil diese tags zuvor doch etwas
überraschend beim FC St. Pauli ebenfalls mit 1:0
gewonnen hatten. So rückten beide Teams,
Bielefeld und die Fortuna, bis auf drei Punkte
an die Hamburger heran, die auf Platz 3 der
Tabelle standen.
Es war ein
glücklicher Sieg, wer würde dies verleugnen?
24:7 Torschüsse und 9:3 Ecken für Aachen
sprechen eine ziemlich deutliche Sprache. Die
Gastgeber, die in dieser Saison nur selten
attraktiven Fußball spielen, hatten nämlich
einen ihrer besseren Tage erwischt. Oder Fortuna
einen ihrer schlechteren. Wahrscheinlich beides
zusammen. Aachen war über die gesamte Spielzeit
klar überlegen und hatte ein halbes Dutzend
klarer Großchancen. Vielleicht auch mehr,
manchmal mochte ich nicht mehr hinsehen. Unsere
Abwehr, ansonsten gerade bei gegnerischen
Standards eine ziemliche Bank, hatte sich wohl
erinnert, wo man normalerweise den Montagabend
zu verbringen pflegt, nämlich daheim auf dem
Sofa, und die Spielweise der zu diesem Termin
ortsüblichen Tätigkeit angepasst. Irgendwie
kamen sie nie rechtzeitig vom Boden hoch. Aber
zum Glück war dann noch einer da, der der
Meinung war, wenn er schon mal auf dem Rasen
sein müsste, könnte er die Zeit bis zum
Feierabend wenigstens mit sinnvoller Tätigkeit
ausfüllen: Torwart Michael Ratajczak hatte einen
Sahne-Abend erwischt und brachte die Aachener
zur Verzweiflung. Kostprobe gefällig? Zunächst
nach einer Viertelstunde, als nach einem Eckball
von links der Aachener Mirko Casper völlig frei
am langen Eck auftauchte und den Ball aus
vielleicht fünf, sechs Metern Entfernung aufs
Tor köpfte. Mit einer spektakulären Parade war
Ratajczak noch in der Ecke und konnte abwehren.
Selbiges gelang ihm kurz darauf bei einem
Distanzschuss, der genau gepasst hätte,
abgefeuert von Patrick Milchraum. Bei einem
weiteren Geschoss von Milchraum wäre der Keeper
wohl machtlos gewesen, aber der Ball ging knapp
am Tor vorbei. Kurz nach dem Führungstreffer der
Fortuna tauchte Abwehrmann Nico Herzig nach
einer Ecke ebenfalls völlig verlassen am
Fünfmeterraum auf. Dessen wuchtiger Kopfball kam
zwar ziemlich genau auf Mann, aber aus dieser
Nähe noch einen Reflex rauszuholen und den Ball
ums Tor zu drehen und sich eben nicht selbst
rein zu werfen, ist auch schon eine ziemliche
Leistung. Nach der anschließenden Ecke von
rechts stand mal wieder Casper frei am Fünfer,
diesmal am anderen langen Eck des Tores. Auch
diesen Kopfball fischte Ratajczak noch aus dem
Eck. Bereits zur Pause rauften sich die Aachener
Spieler die Haare und konnten nicht verstehen,
warum sie 0:1 zurück lagen. Der Rest des
Stadions auch nicht, aber so ist Fußball. Nach
der Pause ging es dann munter weiter, zunächst
lupfte der eingewechselte Daniel Adlung die
Kugel in den fortunistischen Sechzehner, wo sie
von Babacar Gueye sensationell mit dem
Hinterkopf über seinen sichtlich verdutzten
Gegenspieler und über Ratajczak hinweg, der den
Ball gar nicht hatte sehen können, zum
hochverdienten Ausgl...nein, mit einer der
technischen Finesse des Stürmers angemessenen
rückwärtigen Flugeinlage konnte Ratajczak auch
diesen Ball noch über die Latte lenken. Und als
er dann doch den einzigen Fehler im Spiel beging
und nach einem Freistoß von links nicht an die
Kugel heran kam, weil ein Aachener vor ihm per
Kopf auf den langen Pfosten verlängert hatte, da
bekam er dann das Glück des Tüchtigen: wieder
war es Nico Herzig, der die Kopfballverlängerung
dankbar aufnahm und den Ball ebenfalls per Kopf
Richtung leeres Tor beförderte – nur war das gar
nicht mehr leer, weil sich inzwischen Johannes
van den Bergh auf der Torlinie eingefunden hatte
und klären konnte. Das waren nur die ganz dicken
Dinger, an die mich erinnere. Als in der
Nachspielzeit auch ein Schrägschuss von Adlung
knapp sein Ziel verfehlte, waren die Gastgeber
mit ihrem Latein am Ende, und wir hatten
gewonnen. Unverdient vielleicht, aber wiederum
auch nicht so ganz, denn solche Spiele haben wir
in der jüngeren Vergangenheit zuhauf
abgeliefert, besonders Heimspiele in der 3. Liga
seien hier genannt. Ich fand es nur fair, dass
wir diesmal auswärts auch ein wenig von dem
Glück hatten, das andere Teams zuvor schon so
oft bei uns hatten.
Fortuna hatte im
gesamten Spiel eigentlich nur drei große Szenen,
die allerdings jede für sich betrachtet, sowas
von groß waren, dass sie auch wesentlich zur
Unterhaltung an jenem Abend beitrugen. Die erste
war auch gleich die Szene des Spiels, nämlich
der Siegtreffer in der 25. Minute. Von links
schaufelt Thorsten Oehrl die Kugel aus ungefähr
25-30 Metern Entfernung zum Tor hoch in den
Strafraum, in dem drei Welten aufeinander
treffen: Abwehrhüne Olajangbesi im Laufduell mit
unserem Stürmer Martin Harnik sieht Torwart
Stuckmann aus dem Tor eilen und hält sich daher
im Zweikampf zurück. Stuckmann, bei dem kein
Mensch sagen kann, was er in dieser Situation so
weit vor der Linie zu suchen hat, sieht wiederum
Olajangbesi, denkt wohl, dass dieser an den Ball
kommen werde und hält sich daher ebenfalls
zurück. Und in der Mitte der beiden Aachener ist
Martin Harnik, der aus dieser Situation das
Beste macht, nämlich einfach ein Traumtor,
welches sich in der Schriftsprache so
kompliziert liest wie eine deutsche
Bedienungsanleitung für ein japanisches
elektrisches Gerät, die derjenige Japaner beim
Hersteller verfassen musste, der beim
Firmen-Karaoke jedes Mal den großen
Nena-Ähnlichkeitswettbewerb gewonnen hatte, wenn
„99 Luftballons“ gespielt wurde: Harnik legt
sich aus dem Lauf heraus quer in die Luft,
seitlich zum Gehäuse, und mit dem Rücken zum Tor
erwischt er den Ball mit dem rechten Außenrist
und spitzelt ihn über den sichtlich verdutzten
Stucki Stuckmann hinweg (und der ist 2 Meter
lang!), der Ball fliegt und fliegt und landet
rechts unten im Eck. Harnik springt wieder auf,
und man ist im ersten Moment froh, dass der sich
bei diesem Flug und diesen Verrenkungen nichts
gebrochen hat, bevor man realisiert, dass die
Kugel ja im Netz liegt. Das ganze hochkomplexe
Manöver von Harnik, griffig zusammengefasst,
ergibt übrigens die Zwischenüberschrift zu
diesem Abschnitt des Textes, nicht dass einige
Leser immer noch rätseln. Ein Sahne-Tor, welches
man auch bei bestem Bemühen in dieser Art
vielleicht einmal im Jahr erzielt, wenn
überhaupt. Das kann man sich gerne so fünf- bis
zehnmal ansehen. Pro Stunde.
Die zweite Szene
der Fortuna musste eigentlich die Entscheidung
sein. Als man sich Mitte der zweiten Halbzeit
zeitweise ein wenig aus der Umklammerung der
Gastgeber lösen konnte, gelangen einige
ordentliche Angriffe, und es sprang eine
Riesenchance heraus. Von links hatte Thorsten
Oehrl bei einem Konter mit flachem Ball in die
Mitte wiederum Harnik gesucht. am Fünfmeterraum,
in Höhe des kurzen Pfostens war Olajangbesi
verzweifelt in den Ball gegrätscht und hatte ihn
auch gestoppt, jedoch war er dabei natürlich zu
Boden gegangen und konnte die Kugel nicht mehr
spielen. Oliver Fink rauschte heran und musste
den Ball nur noch einmal mitnehmen und dann in
Richtung Tor stupsen. Tat er dann auch, aber
plötzlich gab es unfassbarerweise nur Ecke für
Aachen, und Fink fasste sich fassbarerweise an
den Kopf. Ich weiß bis heute nicht genau, was da
passiert ist, entweder hatte der am Boden
liegende Olajangbesi irgendwie noch ein Bein
dazwischen bekommen, oder Torwart Stuckmann, der
die Kugel eigentlich gar nicht sehen konnte,
weil sein Abwehrspieler zwischen ihm und dem
Ball lag, hatte irgendwie noch eine Hand an den
Ball bekommen. Sensationell.
Fast so
sensationell wie die dritte Szene des Abends.
Ein echtes Highlight – vorausgesetzt, man
befindet sich im Kindergarten. Heutige Lektion:
Zeitschinden, blöd gemacht. In der 80. Minute
rollt ein Ball an der Seitenlinie ins Aus,
Einwurf für Aachen. Fortuna-Kapitän Andreas
Lambertz trottet dem Ball hinterher, obwohl er
natürlich genau weiß, dass die Aachener von
einem Balljungen schon längst einen neuen Ball
zugeworfen bekommen haben. Aber da er dem
Geschehen den Rücken zudreht, kann man’s ja mal
probieren. Er nimmt also den Ball und wirft ihn
wieder ins Feld, um den Aachenern die Kugel für
den Einwurf, der längst ausgeführt worden ist,
zu überlassen. Oder aber, um einfach Zeit zu
schinden, denn mit dem zweiten Ball im Spiel
muss der Schiri Selbiges natürlich unterbrechen,
was auch geschieht. Anschließend mal kurz doof
gucken und überrascht tun, dass das Spiel hinter
seinem Rücken schon längst weiter gelaufen ist.
Und sich wahrscheinlich dann als Held feiern
lassen, weil man unfassbare zehn Sekunden Zeit
geschunden hat. Die Quittung kommt genau dann,
wenn man diese Aktion dermaßen übertrieben
durchzieht, dass einem niemand glaubt. Und wenn
man einen Schiri am Start hat, der schon den
ganzen Abend dadurch aufgefallen ist, dass ihn
eher die Kleinigkeiten im Leben zu interessieren
scheinen. Und genau deshalb war diese Lachnummer
von Lambertz mannschaftsschädigendes Verhalten.
Denn was anschließend passiert, muss er vorher
auch gewusst haben: selbstverständlich glaubt
ihm der Schiri nicht, dass er den neuen Ball im
Spiel nicht gesehen hätte, das hätte ihm in
dieser Situation die eigene Großmutter nicht
geglaubt. Folglich zeigt er Lambertz die Gelbe
Karte wegen unsportlichen Verhaltens, und weil
der Kapitän schon Gelb hatte, direkt noch die
Rote hinterher. Für mich die dümmste Gelb/Rote
Karte aller Zeiten, provoziert durch den
lächerlichen Gedanken, hier zehn Sekunden
rausholen zu können. Fortuna somit in den
letzten zehn Minuten in Unterzahl, und wenn sie
da noch den Ausgleich kassiert hätten, hätte ich
Lambertz zu Fuß nach Hause laufen lassen. Aber
zum Glück ging es ja gut. Und der
Mannschaftskapitän hatte am darauf folgenden
Wochenende alle Zeit der Welt, mal ein wenig
über den Begriff „jemandem einen Bärendienst
erweisen“ nachzudenken. Ich hoffe, es kam was
dabei rum.
Diese Hoffnung
habe ich übrigens bei den Aachener Parkplätzen
aufgegeben. Anderthalb Stunde brauchte ich nach
dem Spiel, nur um vom Parkfeld A auf die
Hauptstraße zu gelangen. Liegt daran, dass
sowohl dieses Parkfeld als auch das quer daneben
gelegene Feld C als auch ein Parkhaus in
nächster Nähe auf eine kleine Nebenstraße
geführt werden. Brillant. Es ging eine Stunde
lang weder vor noch zurück, dann zumindest
häppchenweise. Und das bei einem brandneuen
Stadion. Ich werde demnächst mal nachfragen, wer
für dieses Parkkonzept verantwortlich ist und
dann kritisch vergleichen. Nämlich mit
demjenigen Eumel, der für den Bau der Parkplätze
am ebenfalls noch nicht ganz so alten
Borussia-Park in Mönchengladbach verantwortlich
zeichnete. Entweder sind die beiden miteinander
verwandt – oder es ist praktischerweise direkt
ein und derselbe Mensch. Verkehrssystematische
Meisterleistungen in Ostholland, oder: warum es
diesen beiden Vereinen anscheinend völlig
schnuppe ist, wie ihre zahlenden Zuschauer nach
dem Spiel nach Hause kommen. Und vor allem wann.
Nullnummer im
Schneeregen
Am 05.03.2010 –
ja, es war ein Freitag – kam die SpVgg Greuther
Fürth in die esprit-Arena, im Gepäck den
waschechten Düsseldorfer Sami Allagui als
Torjäger, den Ex-Fortunen Mike Büskens als
Trainer sowie die beeindruckende Bilanz als
zweitbeste Rückrundenmannschaft zu diesem
Zeitpunkt. Ein in der Hinrunde abgestürzter
Aufstiegsfavorit, der sich nach dem
Trainerwechsel beängstigend schnell wieder
erholt hatte und im Rahmen seiner langsam
ansteigenden Normalform unter anderem den 1.FC
Kaiserslautern 3:0 weggeputzt hatte. Nur vier
Tage nach dem Kraftakt in Aachen war dieser
Gegner eine Nummer zu groß für die Fortuna. Bei
wirklich unwirtlichen äußerlichen Bedingungen
biss man sich vor 22.000 Zuschauern die Zähne an
dem unangenehmen Gegner aus, der sicher in der
Abwehr stand und nur selten nach vorne kam. Aber
wenn, dann brannte es auch gleich richtig. So
hätte der erwähnte Sami Allagui bereits nach 60
Sekunden fast das 0:1 erzielt, als er beim
ersten Fürther Angriff eine zu kurze
Kopfballabwehr aus 16 Metern volley nahm, aber
Fortuna-Keeper Ratajczak konnte den Ball
souverän unter sich begraben. Und nach einem
Fehler von Ratajczak, der einen Eckball völlig
falsch berechnete, sprang der erwähnte Sami
Allagui zu Beginn der zweiten Halbzeit mit dem
Ball quasi gemeinsam über die Torauslinie, zu
überrascht war er von dieser Chance, um den
Kopfball noch zu platzieren, das Tor war leer.
Und der erwähnte Sami Allagui war es auch, der
nach etwas über einer Stunde die größte
Möglichkeit für die Franken hatte, als er im
Mittelfeld prima frei gespielt wurde, mit einem
schönen Antritt drei Fortunen stehen ließ und
aufs Tor stürmte. Zum Glück fehlte ihm wohl am
Ende die Kraft zum gezielten Abschluss, der Ball
kullerte dann doch harmlos um einige Meter am
Tor vorbei. Alleine der Ur-Düsseldorfer hatte es
also in der Hand (bzw. im Fuß und auf dem Kopf),
die Heimmannschaft abzuschießen, gnädigerweise
tat er es nicht, wahrscheinlich war auch er, wie
ich, der Meinung, dass er sich diesbezüglich im
Hinspiel bereits genügend ausgetobt hätte (1
Treffer und 1 Assist beim 2:1-Sieg). Ansonsten
beschränkten sich die Gäste darauf, hinten gut
zu stehen, was sie dann auch so gut machten,
dass die Fortunen kaum einmal durchkamen. War
der Gastgeber in der ersten Hälfte noch bemüht,
fleißig nach vorne zu spielen und einige
gefährliche Situationen herauszuspielen, die
allerdings kaum mal zu echten Torchancen
führten, so musste man in den zweiten 45 Minuten
vorsichtiger agieren, als die Gäste auch etwas
zum Offensivspiel beitragen wollten. Besonders
ab der 75. Minute, dann war die Fortuna nämlich
plötzlich nur noch zu zehnt, Linksverteidiger
Johannes van den Bergh hatte Gelb/Rot gesehen.
Zu diesem Platzverweis nach zwei Allerweltsfouls
(wenn überhaupt) zitiere ich natürlich gerne den
Gästetrainer, der nach dem Spiel, auf van den
Bergh angesprochen, sagte. „Während meiner
aktiven Karriere hätte es beide Gelben Karten
nicht gegeben.“ Recht hatte er, aber die Zeiten
ändern sich. Heutzutage lässt so ein Schiri in
der ersten Halbzeit mal gerne alles Mögliche
durchgehen, um dann in der zweiten Hälfte den
Karton schon zu ziehen, wenn ein Spieler allzu
offensichtlich gähnt, weil dies ja als Affront
gegen den Schiri ausgelegt werden kann. Nicht
dass in diesem Spiel jemanden wegen dieses
„Vergehens“ belangt wurde, aber es war mal
wieder merkwürdig, welche Kartenflut (insgesamt
acht Gelbe, davon nur zwei vor der Pause) in der
zweiten Halbzeit zu besichtigen war, ohne dass
das Spiel irgendwie härter geworden wäre. Eine
Viertelstunde vor Schluss durfte van den Bergh
duschen gehen, und gegen diesen Gegner hieß das,
dass man froh sein musste, das torlose
Unentschieden über die Zeit zu bringen.
Ironischerweise gab es kurz darauf in Unterzahl
noch die beste Gelegenheit der Fortuna, das
Spiel doch noch zu ihren Gunsten zu entscheiden,
aber wie schon zuvor auf der Gegenseite Allagui,
so musste diesmal Martin Harnik anscheinend dem
hohen Tempo seines spektakulären Sololaufs
Tribut zollen, den er in der 80. Minute fast an
der Mittellinie begonnen hatte. Nachdem drei
Fürther ihn nicht halten konnten, fehlte auch
ihm schließlich die Kraft zum Abschluss, ein
Fürther Bein war wohl auch noch dazwischen, und
so konnte Fürths Keeper Max Grün den doch eher
harmlosen Schuss problemlos parieren.
Anschließend schaukelte man sich gegenseitig in
den Feierabend, und beide Seiten waren aufgrund
des Spielverlaufs nicht unzufrieden mit dem
torlosen Unentschieden. Das 13. Heimspiel in
dieser Saison für die Fortuna, weiterhin ohne
Niederlage. Hoffentlich ein gutes Omen für die
beiden kommenden Heimpartien. Denn dann
erscheint zunächst der 1. FC Kaiserslautern, und
anschließend kommt der FC St. Pauli. Für beide
Spiele sind jetzt schon jeweils über 20.000
Tickets abgesetzt, man darf sich also auf zwei
schöne Abende freuen, nur getrübt durch die
Tatsache, dass beides Montagabende sind.
Aber das nächste
Spiel ist immer das Schwerste, und deshalb gilt
die Konzentration nunmehr der Partie beim FSV
Frankfurt am kommenden Samstag, 13.03.2010. Die
sind zwar nur Tabellensechzehnter, sind
allerdings seit fünf Spielen ungeschlagen und
holten in der letzten Woche mal eben ein 1:1
beim 1. FC Kaiserslautern. Also vergessen wir
das mal ganz schnell mit dem Tabellenplatz, die
sind derzeit wesentlich besser drauf, als es
ihre aktuelle Platzierung aussagt.
Fortuna hat mit 44
Punkten durchaus noch Tuchfühlung zum
Relegationsplatz 3, es sind nur zwei Punkte
Rückstand. In den nächsten vier Wochen könnte
sich schon entscheiden, ob in dieser Saison noch
etwas nach oben geht, oder ob die grandiosen
Leistungen, die bisher zum Teil erbracht wurden,
für einen guten Mittelfeldplatz reichen. Erst
nach Frankfurt, und zwischen den beiden
Spitzenspielen daheim noch nach Karlsruhe, wo
der Erstliga-Absteiger derzeit trotz seines
überraschenden Sieges in Bielefeld am letzten
Spieltag doch eher von allen guten Geistern
verlassen zu sein scheint, sodass man sich auch
dort durchaus etwas ausrechnen darf. Mal sehen,
wo man nach dem Spiel gegen St. Pauli am
Ostermontag steht. Bis dahin wünsche ich schon
mal prophylaktisch einen schönen
Frühlingsanfang, und wem dieser Witz in diesem
Jahr schon reichlich geschmacklos erscheint, den
beglücke ich auch gerne noch mit einem: „Eier,
wir brauchen Eier!“
Und zwar, weil
Ostern vor der Tür steht, und fröhliche selbige
wünscht schon mal: janus |