Kein Tag für
Großchancen
Am Samstag, den
13.03.2010, reiste man nach Frankfurt, um sich
beim dortigen FSV mal kurz vorzustellen. Mit
diesem „kurz“ meine ich eigentlich, dass ich von
Bonn aus natürlich eine relativ kurze Anreise
hatte, mit Müh und Not grad mal 200 km. Ein
Katzensprung also. Der Katzensprung war nach
zügiger Fahrt über die A 3 und anschließendem
Wechsel auf die A 661 am Offenbacher Kreuz dann
genau an der Ausfahrt zu Ende, die man zum
Stadion nehmen musste, da staute es sich nämlich
bereits anderthalb Stunden vor Spielbeginn bis
auf die Autobahn zurück. Sensationelle
Verkehrsführung in Frankfurt-Bornheim, besonders
für Auswärtige. Andererseits kann ich verstehen,
dass dort alles so eng und unübersichtlich ist,
mit zwei Abfahrtsspuren, die sich anschließend
auf drei erweitern, dann sogar auf vier, die
dann allesamt von einer roten Ampel gestoppt
werden, bevor es in Hauptrichtung nur noch
zweispurig weitergeht, dann aber nicht mehr
geradeaus, sondern mehr so halbrechts, zügig
durchzuführende Spurwechsel inklusive...da will
im Normalfall kein Mensch hin, deshalb braucht
man sich wohl auch keine Mühe bei der
Verkehrsführung zu geben. Das Stadion steht in
einem Gewerbegebiet, auch noch so unglücklich an
einer Stelle, an der die Straße einen Knick
macht, sodass ein wenig „Sackgassen-Feeling“
aufkommt, sobald sich mehr als vier Autos dort
um die Kurve quälen müssen, zusätzlich rechter
Hand noch eine fette Baustelle, also so richtig
anheimelnd sieht das nicht aus. Immerhin bekam
ich einen Parkplatz auf dem Gelände der
benachbarten Metro, welches übrigens
gleichzeitig auch der offizielle Parkplatz P 3
des FSV ist. Die Ordner waren alle nett,
allerdings sichtlich überfordert mit den
„Menschenmassen“. Am Ende waren es 8.000
Zuschauer, darunter ca. 4.500 Fortunen. Also
quasi ein Heimspiel.
Beim Anblick des
Stadions wusste ich nicht, ob ich lachen oder
weinen sollte. Das Ding heißt ja jetzt Volksbank
Arena und ist komplett umgebaut worden – dachte
ich. Tatsächlich scheint man aber nur an den
Tribünen gewerkelt zu haben, die Haupttribüne
wurde ein wenig aufgemotzt und die Stehränge
hinter den Toren sind auch neu gemacht. Meine
Frage, warum man dafür über ein Jahr brauchte
(der FSV musste in der gesamten letzten Saison
seine Heimspiele im Stadion von Eintracht
Frankfurt austragen), blieb allerdings
unbeantwortet. Vor dem Stadion außen und im
Unterbau ist nämlich absolut nichts geschehen.
Wer sich dort mal zum Beispiel die Toiletten
angeschaut hat, der kann das allerhöchstens
akzeptieren, wenn die unter Denkmalschutz
stünden. Aber in einem angeblich 10 Millionen
Euro schweren Um-/Neubau? Unglaublich
eigentlich. Und wie gesagt, ein Jahr Umbauzeit
für die paar Sachen, die dort augenscheinlich
nur gemacht worden sind? Ich dachte, so was gibt
es nur in Wuppertal. Aber vielleicht hat`s ja
für die neue VIP-Lounge so lange gebraucht, denn
die wurde, im Gegensatz zu den sanitären Anlagen
für Normalsterbliche, natürlich nicht vergessen.
Auch
organisatorisch wurde der ein oder andere
Kracher geboten. So hatte die Frankfurter
Polizei zuvor einen Offenen Brief an die
Düsseldorfer Fan-Szene verfasst, in dem die
wichtigsten Verhaltensregeln und
Anfahrtsmöglichkeiten mit Bus und Bahn sowie mit
dem Auto aufgezählt wurden. Eine gute Sache,
wenn man im Vorfeld schon mal mit den Infos
rüberkommt, finde ich. Besonders beeindruckend
fand ich dabei den Hinweis für Autofahrer, dass
das Stadion aufgrund des Umbaus noch nicht
ausreichend ausgeschildert sei. Da fragt man
sich natürlich schon, ob die mitbekommen haben,
dass das Stadion auch vorher schon an exakt
derselben Stelle stand, da es sich ja nicht um
einen Neu-, sondern eben um einen Umbau handelt.
Worauf die uns hinweisen wollten, war
wahrscheinlich die wirklich verdammenswerte
Tatsache, dass noch nicht auf allen Schildern
der neue Stadionname zu finden ist. Tja, wenn
man alte Schilder abnimmt und nicht, weil man
schon mal in der Gegend rumsteht, gleichzeitig
ein paar neue aufhängen kann, dann ist das
wirklich sehr bedauerlich. Aber es haben ja
trotzdem alle rechtzeitig hin gefunden.
Der nächste Witz
war ich selbst. Am bewussten Metro-Parkplatz P 3
erhielt ich nämlich einen Briefumschlag mit
Eintrittskarte. Die Karte war groß,
übersichtlich und enthielt alles an
Informationen, was ich brauchte – bis auf eins,
die nähere Bezeichnung von Block, Reihe und
Platz, die stand nicht drauf. Fürsorglich hatte
der Gastgeber dies jedoch nachgeholt und die
genaue Bezeichnung meines Sitzplatzes schön
deutlich – auf den Briefumschlag gemalt. Und so
stand ich anschließend erstmals in meinem Leben
mit einem Briefumschlag in der Hand auf
einer Tribüne, um einen Sitzplatz zu suchen. Ich
wette, die Einheimischen haben sich totgelacht.
Aber muss ja.
Abenteuerlich war
auch das, was die noch während des Warmlaufens
beider Teams mit dem Rasen veranstalteten. Ein
ganzer Trupp Ordner schwärmte aus, die eine
Hälfte mit einer überdimensionalen zweizinkigen
Gabel bewaffnet, die hier und da in den Rasen
gestochen wurde, die andere Hälfte trottete brav
mit Spaten hinterdrein und klopfte den Rasen
wieder fest. Also entweder war dies das
offizielle Torfstecher-Seminar der
Volkshochschule Frankfurt oder es wurde schon
mal der Sommerweizen auf traditionelle Art und
Weise gesät. Ich weiß es nicht, aber es sah
schon ein wenig komisch aus.
Bei so vielen
skurrilen Vorzeichen war schon klar, dass kein
normales Spiel folgen konnte. Nun war das 0:2,
welches die Fortuna anschließend kassierte, zwar
keineswegs unnormal, schließlich haben wir schon
so manches Auswärtsspiel in dieser Saison
vergeigt. Das Ungewöhnliche dabei war eher, dass
wir dieses Spiel, höflich geschätzt, 5:2 hätten
gewinnen müssen, eigentlich noch höher. Was die
Truppe diesmal an hochkarätigen Chancen vergab,
ging auf keine Kuhhaut mehr. Martin Harnik, seit
Monaten überragender Spieler mit Torriecher in
unseren Reihen, hätte fünf Buden machen müssen.
Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie
der Mann sich seine Chancen selbst erarbeitet,
aber diesmal versagten ihm die Nerven vor dem
Tor komplett. Allein dreimal tauchte er völlig
frei vor Torwart Patrick Klandt auf, dreimal
scheiterte er. Der hätte durch dieses Spiel den
Augsburger Michael Thurk in puncto
Torjägerkanone noch mal richtig zittern lassen
können. Allerdings war er nicht der einzige
Fortune, der an jenem trüben Samstagnachmittag
die Chancen vergab. Egal, wer aufs Tor schoss
oder köpfte – Klandt war schon da, oder die
Bälle gingen gleich am Tor vorbei bzw. drüber.
Und als einer dann tatsächlich mal alles richtig
machte, nämlich der eingewechselte Dmitri
Bulykin, da war es auch nicht richtig genug: in
der 75. Minute lupfte er nämlich die Kugel über
den aus dem Tor geeilten Klandt, der vor Harnik
zu kurz geklärt hatte, aus ca. 20 Metern
Entfernung wunderbar Richtung leeres Tor, nur um
die Latte zu treffen. Spätestens ab diesem
Zeitpunkt war klar, die konnten noch drei
Stunden weiterspielen, an jenem Tag würden sie
das Tor nicht mehr treffen.
Apropos „Tor
treffen“, da muss ich ja doch was über die
Gastgeber schreiben. Dies fällt eigentlich
schwer, denn genau genommen war von ihnen in
Strafraumnähe so ungefähr 88 Minuten nicht das
Geringste zu sehen. Musste an diesem Tag auch
nicht. Genau dreimal wurde es wirklich
gefährlich für das Fortuna-Tor, zweimal war der
Ball drin, auf nahezu identische Weise. Nach
einer Ecke und nach einem Freistoß bekamen die
Fortunen den Ball nicht weg, es wurde munter im
Strafraum gestochert und irgendwie der Ball
zweimal über die Linie gewürgt, einmal flach,
einmal hoch. In beiden Fällen hieß der
Torschütze Cidimar, einmal in der 23. Minute,
einmal in der 63. Minute, und das Ding war
durch. Charakteristisch für das Spiel war, dass
die dritte Chance der Frankfurter, Ende der
ersten Hälfte, eigentlich die größte war und
dementsprechend ebenso kläglich vergeben wurde
wie wir unsere Großchancen versiebten: nach
einem langen Ball gab es ein Missverständnis der
Marke „Nimm du ihn, ich hab ihn sicher!“
zwischen Innenverteidiger Anderson und Torwart
Ratajczak, welches dazu führte, dass Ratajczak
knapp außerhalb des Sechzehners mit dem Fuß
gegen Stürmer Mölders klären musste. Ratajczak
schoss den Frankfurter an, der Ball flog
Richtung leeres Tor, allerdings doch ein gutes
Stück rechts davon, Mölders sprintete hinterher
und brachte dann das Kunststück fertig, die
Kugel aus fünf Metern und zugegeben spitzem
Winkel gegen das Außennetz des leeren Tores zu
setzen. Warum er den Ball nicht ganz gemütlich
stoppte und mit ihm gemeinsam die Torlinie
überquerte, wurde er nach dem Spiel leider nicht
gefragt.
Erwähnenswert wäre
auch noch ein „Torschuss“ des Frankfurters
Alexander Voigt, der in der ersten Halbzeit aus
knapp 20 Metern, halblinke Position abzog.
Daraufhin gab es Einwurf auf der
rechten Spielfeldseite – und zwar auch
20 Meter vor dem Fortuna-Tor. So ein Spiel war
das, so schlecht waren die Gastgeber, und
trotzdem war der Sieg eigentlich relativ
ungefährdet, weil sich die Unsrigen diesem
Gekicke größtenteils anpassten und selbst wenn
sie mal die unglaublichen Löcher in der Deckung
der Gastgeber ausnutzten, dann trafen sie ja
doch nichts. Eine der überflüssigsten
Niederlagen, die ich in den letzten Jahren
miterleben musste – und dazu noch richtig
ärgerlich, weil Bielefeld am Abend zuvor in
Aachen verloren hatte (nachdem man zwei Tage
vorher Trainer Gerstner entlassen hatte, der
dürfte jetzt eigentlich auf deutschem Boden nie
wieder ein Team betreuen, wenn er sich selbst
Ernst nehmen würde). Am Tag darauf gewann St.
Pauli 5:3 gegen Oberhausen und stellte den
Abstand zu Platz 3 wieder auf fünf Punkte. Das
war es dann wohl mit dem Aufstieg.
Apropos „Das war
es dann wohl“: der ein oder andere Leser mag
erstaunt festgestellt haben, dass der Name
Dmitri Bulykin mal wieder gefallen ist. In der
Tat, nach fünf Monaten Verletzungspause war der
Russe am Start, allerdings auch eher
zwangsweise, denn er musste Mitte der ersten
Halbzeit für den verletzten Jovanovic rein.
Dieser spielte zum ersten Mal seit seinem
Muskelfaserriss wieder von Beginn an. Und dann
passierte exakt dasselbe wie Anfang Februar im
Spiel gegen Duisburg: ein Sprint, ein
plötzliches Abbrechen, ein Fall ohne Einwirkung
eines Gegenspielers, kurze Behandlung, aus.
Sogar die Position links in der gegnerischen
Hälfte war dieselbe. Da überrascht es nicht
wirklich, dass auch die Verletzung exakt
dieselbe war, Muskelfaserriss im linken
Oberschenkel. Die Feststellung, wer da jetzt
gepfuscht hat, dürfte interessant sein. Wieder
drei bis vier Wochen Pause für Jovanovic.
Und da Bulykin
sich in den letzten fünf Monaten im Gegensatz zu
Harnik und Jovanovic nicht in die Herzen der
Fans und der Medien hatte schießen können, wurde
er auch gleich von beiden Seiten mit größter
Selbstverständlichkeit zum Sündenbock erklärt.
Er gehört halt nicht zu der Knuddeltruppe, die
alle sooo lieb gewonnen haben. Ich selbst fand
ihn nach so langer Pause gar nicht mal so
schlecht, klar ist der eher ein Standfußballer,
sprinten lernt der nicht mehr, aber er gewann
die Mehrzahl seiner Kopfballduelle und legte
immer wieder gut zu den Mitspielern ab. Da dies
allerdings nicht ganz so spektakulär aussieht,
wurde ihm von allen Seiten mangelnder Einsatz
vorgeworfen. Ja nee, is klar. Dass bei einigen
Fans so langsam der Übermut hochkommt, kann man
ja noch verstehen, auch wenn ich persönlich
finde, dass es fast nichts Lächerlicheres geben
kann, als als Aufsteiger dermaßen weit die
Klappe aufzureißen. Dass die einheimischen
Medien dann aber noch mitspielen, ist schon eher
bedenklich. Der Heilige St. Lambertz mit einer
absoluten Grottenvorstellung, nicht die erste in
dieser Saison – kein Wort darüber. Der Heilige
St. Harnik vergab eine Hundertprozentige nach
der anderen – egal, wer so schön Selbstkritik
nach dem Spiel übt, der wird natürlich geschont.
Und was sich die Abwehr bei den Gegentoren
gedacht hat, hätte mich auch mal interessiert,
leider fragte keiner. Man hatte ja den
Reservisten, der zum ersten Mal seit einem
halben Jahr wieder ein Spiel machen durfte. Wie
einfach. Und wie erbärmlich.
Am 16.03.2010 zog
die DFL Arminia Bielefeld wegen Verstößen gegen
Bestimmungen der
Lizenzierungsordnung im Nach-Lizenzierungsverfahren der
Spielzeit 2009/2010 vier punkte ab und belegte
den Club außerdem mit einer Geldstrafe von
50.000 Euro. Bielefeld
akzeptierte die Strafe sofort, da liegt wohl
finanziell einiges im Argen. Und schon lagen sie
zehn Punkte hinter dem Relegationsplatz zurück.
Nicht übel für ein Verein, dessen (Ex-) Trainer
vor Saisonbeginn locker Platz 1 (nicht
„Aufstiegsplatz“) als Ziel ausgegeben hatte.
Offenkundig hatte man ihn Ernst genommen
und gleich die Fernsehgelder für die kommende
Erstliga-Saison mit verplant. Wohl dem, der
solch einen gesunden Optimismus hat…außer
natürlich, wenn es schief geht.
Damit nicht genug:
in derselben Woche verkündete Herr Hellmich,
Präsident des MSV Duisburg, dass man bei einem
Nichtaufstieg des Vereins in der nächsten Saison
nur noch mit einem Spieleretat von knapp fünf
Millionen Euro an den Start gehen würde. Dies
entspricht in etwa unserem Etat – letzte Saison
in der 3. Liga. Wo in Hellmich weit verzweigten
Unternehmen sich jetzt gerade diese Finanzlücke
aufgetan hat, ist mir zu komplex, um es näher zu
ergründen. Augenscheinlich wurde aber auch hier
vorsichtshalber schon mal die Erstliga-Kohle von
nächster Saison mit eingerechnet, bei den
markigen Worten des (Ex-) Trainers Peter
Neururer zu Beginn der Saison ebenfalls kein
Wunder. Immer wieder unglaublich, wie sich
angeblich wirtschaftskompetente Fachleute von
ihrer sportlichen Leitung blenden lassen, weil
sie selbst anscheinend nichts davon verstehen.
Ich weiß, wovon ich rede, von dieser Sorte
hatten wir schließlich in der Vergangenheit auch
genug.
Und weil`s so
schön ist…einige Tage später verkündete Michael
Meier, offizieller deutscher Rekordhalter, wenn
es darum geht, einen Verein an den finanziellen
Abgrund zu führen, im Nebenberuf Manager des
1.FC Köln, dass auch sein Club vor der nächsten
Saison eine neue Anleihe würde aufnehmen müssen,
würde man doch noch absteigen. Danach sieht es
ja derzeit nicht unbedingt aus, aber so wie ich
die kenne, haben die nicht nur vor der Saison
schon den sicheren Klassenerhalt, sondern auch
die zu erwartenden EuroLeague-Einnahmen für die
nächste Saison in die finanzielle Planung
einbezogen. Immer wieder diese verfluchte
Zockerei solcher Gernegroß-Fachleute, die
schließlich stets auf dem Rücken der Fans
ausgetragen wird. Denn wenn das Geld weg ist,
sind auch stets diejenigen weg, die es verzockt
haben. War ja nicht ihr eigenes, meistens
jedenfalls nicht. Nun, Duisburg kann noch
aufsteigen, und Köln dürfte trotz teilweise
unterirdischer Leistungen mit Super-Poldi nicht
absteigen, weil man in den Spielen ohne die
Prinzenrolle genug Punkte gesammelt hat. Die
könnten also beide mit einem blauen Auge davon
kommen. In Bielefeld muss man abwarten, ob man
vielleicht zur neuen Saison sponsorentechnisch
wieder etwas reißen kann. In der allgemeinen
Beliebtheitsskala werden sie sicherlich ein paar
Pluspunkte gesammelt haben, nachdem sie ihren
leicht verfolgungswahn-angehauchten Trainer in
die Wüste geschickt haben.
Ein 0:0 der
besseren Art – leider genauso nutzlos
Am 22.03.2010
wartete endlich mal wieder ein Montagsspiel auf
uns. Diese lustigen Partien um 20.15 Uhr, bei
denen zumindest das DSF noch nie gewagt hat, mal
öffentlich zu fragen, warum Spitzenspiele zu
diesem Termin regelmäßig nicht ausverkauft sind.
Eigentlich war das
Spiel Fortunas letzte Chance, noch mal oben dran
zu bleiben. Augsburg hatte gewonnen, St. Pauli
hatte gewonnen, der Rückstand auf Platz 3 betrug
vor dem Spiel acht Punkte. Bei einem Sieg hätte
man beide Teams im Blick behalten können, zumal
ja am Ostermontag noch der FC St. Pauli in der
Arena anmarschiert kommen würde.
Vor 35.100
Zuschauern holte Fortuna mit dem 0:0 einen Punkt
gegen Kaiserslautern. Eventuelle
Aufstiegsträume, die der ein oder andere
Zuschauer gehegt haben könnte, durfte man nach
diesem Spiel getrost ad acta legen. Aber darum
ging es auch nicht.
Ich schreibe extra
„holte einen Punkt“ und nicht „kam über ein 0:0
nicht hinaus“ oder ähnlichen Dünnpfiff, den ich
schon kurz nach dem Spiel in diversen
Online-Auftritten ebenso diverser Printmedien
lesen durfte. Solche Meldungen und Schlagzeilen
zeigen aber ganz gut, wohin wir gekommen sind:
da holst du als Zweiliga-Aufsteiger einen Punkt
gegen den designierten Erstliga-Aufsteiger, der
die Kleinigkeit von 13 Punkten Vorsprung vor dir
hat, bist besonders in der zweiten Halbzeit
eigentlich die bessere Mannschaft und hättest
den Sieg verdient gehabt, selbst der
Gästetrainer spart nicht mit Lob („Wir haben
gegen eine Wahnsinnstruppe gespielt“) – aber in
der Berichterstattung heißt es dann, Fortuna
verspielt wohl die letzte Aufstiegschance. Weil
die Leute nur aufs Papier schauen. Gerne wird
auch davon gesprochen, dass Fortuna einen
möglichen Aufstieg durch ihre grottigen
Auswärtsspiele verzockt habe, vorzugsweise von
Leuten, die auswärts gar nicht dabei waren, weil
es sich im Fernsehsessel halt viel gemütlicher
analysieren lässt. Ich löse ein solches Problem
eigentlich immer damit, dass ich solche Stimmen
nicht sonderlich Ernst nehme, weil diese Leute,
zusammen mit Presse und Fernsehen, eh nur zwei
Dinge wollen: Unterhaltung und was Zählbares.
Dass diese Einstellung allerdings in der 2. Liga
derart rasant zunehmen würde, das hätte ich
nicht gedacht. Auch nach dem Spiel gegen
Kaiserslautern verschwanden die meisten
Zuschauer unmittelbar nach Schlusspfiff, einige
sogar schon vorher, obwohl es gerade zum Schluss
richtig spannend wurde. Die fühlten sich
anscheinend auch nur mäßig unterhalten, wohl
weil nichts Zählbares dabei herumkam. Und weil
einen dann der Nachbar zuhause, der ebenso viel
Ahnung vom Fußball hat, nur mitleidig anguckt,
wenn man sagt, man habe an jenem Abend ein sehr
gutes Spiel zweier sehr guter Mannschaften
gesehen. „Sehr gut? Bei 0:0? Geht doch gar
nicht...“ Es macht müde und zermürbt einen.
Langsam, aber stetig.
In der ersten
Halbzeit war Kaiserslautern – mit 4.000
Gästefans angereist, eine schöne Kulisse – die
spielbestimmende Mannschaft, ohne dass viel
Gefahr in Strafraumnähe von ihnen ausging. Wenn
es mal brenzlig wurde, dann meist nach
Standardsituationen, die wir allerdings
souveräner bereinigten als noch in Frankfurt.
Fortuna kam im Spiel nach vorne eher selten
durch, hatte aber auch da schon drei dicke
Chancen. Zunächst scheiterte Harnik an Torwart
Sippel, als die Lauterer nach einer Ecke klären
konnten, der Ball aber wie ein Flummi wieder in
den Strafraum zurück kam und von
Innenverteidiger Rodnei beim Versuch, erneut zu
klären, Harnik vorgelegt wurde, der nicht im
Abseits stand und sich mit einem Lupferchen
versuchte. Allerdings war Sippel schon früh aus
dem Tor geeilt, konnte den Abstand zwischen sich
und dem Stürmer entscheidend verkürzen und den
Ball parieren. Des weiteren konnte sich Harnik
einmal rechts im Strafraum durchsetzen, wollte
von der Grundlinie aus in die Mitte passen, wo
Oehrl zum Abstauben bereit stand – leider
grätschte der andere Innenverteidiger, Martin
Amedick, noch in den Pass und konnte ihn zur
Ecke lenken. Und kurz vor der Pause schlief bei
einer guten Ecke durch Christ von links die
gesamte Lauterer Abwehr den Schlaf des
souveränen Tabellenführers, als Oehrl
heranrauschte und völlig frei aus fünf Metern
zum Kopfball gekommen wäre, hätte er die Kugel
nicht um Zentimeter verfehlt. Eine Führung war
also durchaus möglich, allerdings musste man gut
nach hinten absichern, weil Kaiserslautern immer
wieder selbst zu gefährlichen Vorstößen
ansetzte.
Dies änderte sich
nach der Pause, als man vom Tabellenführer kaum
noch etwas sah, und Fortuna mehr und mehr das
Heft in die Hand nahm. Schon erstaunlich, wie
die Truppe Kaiserslautern phasenweise hinten
rein drängte und sich eine gefährliche Aktion
nach der anderen erarbeitete. Dicke Chancen
waren auch dabei, und Pech natürlich ebenfalls,
oder soll man sagen, das sind so die Bälle, die
beim Spitzenreiter eben nicht reingehen, beim
Tabellenletzten jedoch schon? Christ hatte einen
Freistoß aus halbrechter Position nach innen
gebracht, einen dieser fiesen Bälle, die auf die
lange Ecke drehen und bei denen der Torwart
durch die Massen der vor ihm hoch springenden
Spieler irritiert wird, von denen niemand den
Ball berührt. Genau so kam es hier auch, Sippel
machte sich noch lang, erreichte den Ball aber
nicht mehr, der hüpfte gegen den linken
Innenpfosten und rollte dann auf der
Torlinie...auf der Torlinie...und weiter auf der
Torlinie entlang, bis von Abwehrspieler Bilek
geklärt werden konnte, dessen Fuß sich bei
dieser Aktion zwar verdächtig weit hinter der
Linie befand, der Ball allerdings eindeutig
nicht in vollem Umfang. Da fehlten vielleicht
fünf Zentimeter zum Siegtor. Aber selbst das
hätte der – ansonsten gute – Schiri Fritz wohl
auch nicht gegeben, denn das ist der Mann der zu
Beginn des Jahres das unglaubliche „Tor“ von
Christian Tiffert (MSV Duisburg) gegen den FSV
Frankfurt gegeben hatte, obwohl dessen Heber
gegen die Unterkante der Latte deutlichst vor
der Torlinie den Boden berührte. Kann mir nicht
vorstellen, dass ausgerechnet der bei einer
solch knappen Angelegenheit auf Tor entschieden
hätte, selbst wenn der Ball die erforderlichen
fünf Zentimeter „mehr“ hinter der Linie gewesen
wäre. Und man hätte es ihm auch nicht verübeln
können, war eh kaum zu erkennen.
Aus der
Rettungstat von Bilek und der anschließenden
Fortsetzung des Spiels ergab sich ein weiterer
Freistoß, nur Sekunden später, diesmal auf
halblinker Seite, aber in Höhe des Strafraums.
Diese Kugel zwirbelte Christ mal direkt als
Torschuss aufs kurze Eck. Damit hatte Keeper
Sippel zwar nicht gerechnet, aber mit einem
echten Becker-Hecht tauchte er noch rechtzeitig
ab, um den Ball mit beiden Fäusten von der
Torlinie zu schlagen. Zwei Riesendinger binnen
einer Minute. Es gab noch so manch weitere
Chance im Verlauf des Spiels, die dickste ganz
zum Schluss, als die Lauterer Abwehr nach
flacher Hereingabe von rechts den Ball nicht
schnell genug weg bekam, aber dann doch schnell
genug ein Bein dazwischen halten konnte, als
Fink aus fünf Metern einnetzen wollte. Auf der
anderen Seite schaffte es Kaiserslautern in der
zweiten Halbzeit genau einmal, aufs Tor zu
schießen, aber diese Chance hatte es in sich:
nach Ecke in der 92. Minute griff Ratajczak am
Fünfmeterraum daneben, wurde allerdings für
meine Begriffe zuvor auch unfair angegangen. Dem
Schiri war es egal, dem eingewechselten Lakic
auf Lauterer Seite auch, der setzte aus ca. acht
Metern einen Fallrückzieher an, Ratajczak lag
noch am Boden und war machtlos, aber zum Glück
hatten sich zwei Fortunen auf der Torlinie
postiert und einer konnte den Ball dann
regelkonform abwehren. Das wäre natürlich ein
ganz großer Witz gewesen, das Spiel in der
Nachspielzeit noch zu verlieren, aber es hätte
zum Verlauf gepasst. Alles in allem ein
spannendes, gutes Spiel, allerdings natürlich
mit dem unverzeihlichen Manko, dass es 0:0
endete. Das mag der Unterhaltungszuschauer eben
nicht. Und geht daher lieber zügig nach Hause,
anstatt der Mannschaft noch den Beifall zu
geben, den sie sich zum wiederholten Male in
dieser Saison redlich verdient hatte. Leistung
nur gegen Gegenleistung – und zwar gegen eine,
die man auf dem Papier sehen kann.
Fortuna nach
diesem Spiel sieben Punkte hinter St. Pauli
zurück, dazu noch seit über drei Spielen ohne
eigenen Treffer, da durfte man einen möglichen
Durchmarsch in die Erste Liga wohl endgültig ins
Reich der Träume verweisen. Obwohl es eine
richtig gute Leistung war. Ja, auch so etwas
kommt vor. Man nennt das „Fußball“, und es
scheint einige Leute sehr zu verwirren.
Für beide zu
wenig
Am 27.03.2010
eröffnete Fortuna den Reigen der Auswärtsspiele
gegen die Erstliga-Absteiger mit der Partie beim
Karlsruher SC. Die waren zu Beginn der Rückrunde
zunächst von allen guten Geistern verlassen,
fingen sich aber dann wieder, und meldeten sich
mit zwei Paukenschlägen zurück, indem sie erst
in Bielefeld und anschließend gegen Augsburg
gewannen. Karlsruhe somit auf dem aufsteigenden
Ast, Fortuna mit derselben Variante, nur in
absteigend.
Und da sich solch
entgegen gesetzte Kurven gerne mal in der Mitte
treffen, endete das Spiel denn auch
schiedlich-friedlich 1:1. Endlich wieder ein Tor
für Fortuna, das erste nach 403 Minuten, endlich
mal wieder auswärts nicht verloren, insoweit
alles ganz positiv. Im Endeffekt nutzte der
Punkt beiden Teams jedoch nicht viel. Karlsruhe
konnte sich nicht entscheidend von unten ins
Mittelfeld absetzen, und wir kamen oben auch
nicht näher an Platz 3 heran. Ein glanzloses
Unentschieden in einem Stadion, welches eine
kuriose Flickschusterei zwischen Altbau und
Neu-Anbauten darstellt und in seiner Gesamtheit
doch eher merkwürdig anzuschauen ist.
Ärgerlich war es
besonders deswegen, weil Fortuna in den ersten
zwanzig Minuten die klar bessere Mannschaft war,
Karlsruhe fand überhaupt nicht statt. Oder wie
Manager Wolf Werner es ausdrückte: „Eigentlich
müssen wir hier nach 20 Minuten mit zwei oder
drei Toren führen, dann kann man zur Pause schon
mal den Bus vorfahren lassen.“ Recht hatte er.
Die zwei dicksten Torchancen hatte dann auch
ausgerechnet einer, der das Toreschießen nicht
zwingend erfunden hat. Mittelfeldspieler Oliver
Fink, ein Saisontor, und das auch noch direkt am
1. Spieltag, hätte mindestens eine Bude machen
müssen. Einmal wunderschön per Außenrist-Flanke
von Harnik frei gespielt, kam er völlig
unbedrängt zum Kopfball und setzte die Kugel als
Aufsetzer neben das Tor; die noch größere Chance
bot sich ihm, als KSC-Torwart Miller eine
Freistoßflanke von der rechten Seite aufgrund
des Getümmels vor seiner Nase erst sehr spät sah
und flach nach vorne abwehrte. Die Kugel rollte
genau auf den völlig frei stehenden Fink zu, der
alle Zeit der Welt hatte und anschließend
versuchte, das Leder aus zwölf Metern aus dem
Stadion zu pöhlen. Da hätte er allein schon
frühzeitig für klare Verhältnisse sorgen können.
So allerdings fanden die Karlsruher langsam ins
Spiel und hatten gegen Ende der ersten Halbzeit
selbst zwei gute Chancen: eine tolle, schnell
gespielte Kombination in den Strafraum schloss
Lars Stindl, per Rückpass herrlich frei
gespielt, mit einem Schuss ab, der links neben
dem Tor ans Gestänge prallte und anschließend
hinters Netz rollte, was viele KSC-Fans in der
gegenüber liegenden Kurve animierte, die Führung
zu bejubeln, aber es sah halt von weitem nur so
aus, mehr nicht. Kurz vor der Pause nahm sich
Christian Demirtas ein Herz und zog aus ungefähr
20 Metern Torentfernung mal ab, ein tückischer
Aufsetzer, der gut gepasst hätte, wenn nicht
unser Keeper Michael Ratajczak rechtzeitig am
Boden gewesen wäre. Eine gute Aufwärmübung für
ihn, was die zweite Halbzeit betraf.
In dieser war noch
keine Minute gespielt, da lag Fortuna mal wieder
auswärts zurück. Man hatte den Karlsruhern am
Strafraum viel zu viel Platz zum kombinieren
gelassen, schließlich wurde der Ball links in
den Strafraum auf Gaetan Krebs gelegt. Der
wollte in die Mitte ablegen, damit Stindl
abstauben konnte, aber die Arbeit nahm ihm unser
Rechtsverteidiger Christian Weber ab, der retten
wollte und den Ball dabei dermaßen unglücklich
gut mit der Fußspitze erwischte, dass die Kugel
genau rechts gegen den Innenpfosten prallte,
bevor sie ins Tor trudelte. Um diese Präzision
wird ihn so mancher unserer Stürmer beneidet
haben. 1:0 für den KSC in der 46. Minute –
dümmer kann eine Halbzeit nicht beginnen.
In der Folgezeit
konnte sich die Mannschaft bei ihrem Torhüter
bedanken, dass der KSC den Sack nicht relativ
zügig zumachte. Alleine Ratajczak hielt die
Fortuna im Rennen, rettete einmal sensationell
gegen Stindl und nicht weniger beeindruckend
zweimal gegen Chrysanthos. Nach der Hälfte der
zweiten Hälfte hätte das Spiel schon durch sein
können. Dass es dann anders kam, verdankten wir
wieder mal dem Goldenen Händchen des Trainers,
bei dessen Einwechslungen es anscheinend
wirklich nur Sekt oder Selters zu geben scheint:
mal versteht sie kein Mensch, und genauso
effektiv sind sie dann noch, mal zaubert er
genau den Richtigen aus dem Hut. Mittelmaß ist
da nicht drin. Diesmal war es der 21-jährige
Jungspund Marcel Gaus, den Meier gemeinsam mit
Patrick Zoundi einwechselte und nach vorne
beorderte. Eine Maßnahme, die schon wenige
Minuten später, in der 68. Minute, Erfolg
zeitigte: nach einer weiteren Karlsruher
Großchance wird der Ball herausgeschlagen, in
der Nähe der Mittellinie setzt Harnik auf der
rechten Seite Heidinger mittels Rückzieher ein,
und huschhusch, läuft der Konter. Heidinger,
auch so ein Glücksgriff von Meier, ihn zum
ersten Mal seit Wochen wieder von Anfang an zu
bringen, spult die Meter in die gegnerische
Hälfte ab, hat vier Karlsruher gegen sich, und
schafft trotzdem genau im richtigen Moment das
Abspiel auf den einzigen mitgelaufenen Fortunen,
nämlich Marcel Gaus. der steht nicht im Abseits,
nimmt den Pass mit links an und schaufelt die
Kugel direkt mit rechts an Miller vorbei zum
Ausgleich ins Netz. Etwas peinlich für
Karlsruhe, sich in Überzahl auf eigenem Platz
bei eigener Führung auskontern zu lassen, aber
wir wollen uns natürlich nicht beschweren. Das
wiederum versuchten die Karlsruher vergeblich,
denn sie hatten auf Abseits gehofft, und es sah
auch recht kritisch aus. War aber ganz knapp
keins, somit ein reguläres Tor, völlig zu recht
von Schiri Sippel gegeben. Was so ziemlich das
Einzige war, das er an jenem Nachmittag richtig
machte. Eine echte Katastrophenleistung für
einen FIFA-Referee, allerdings schön auf beide
Seiten verteilt, sodass sich nun wirklich
niemand beschweren konnte, übermäßig
benachteiligt zu sein.
Und das war`s.
Ratajczak hielt noch ein, zwei dicke Dinger der
Karlsruher, Fortuna spielte ein wenig nach
vorne, am Sechzehner war allerdings stets Ende,
und ca. zehn Minuten vor Schluss einigten sich
beide Teams auf Unentschieden. Was in den
letzten Minuten an Fehlpässen produziert wurde,
war schon beeindruckend. Außerdem konnte man gut
sehen, dass alle Spieler völlig platt wirkten.
Es wurde wohl Zeit, dass die Saison so langsam
zu Ende ginge.
Vor dem
Spitzenspiel gegen den FC St. Pauli am
Ostermontag kam noch eine Personalie hoch,
leider mit dem negativen Ausgang, den man
befürchten musste: unser brasilianischer
Innenverteidiger „Bamba“ Anderson wechselt zur
kommenden Saison in die Erste Liga. Allerdings
nicht nach Leverkusen, das eine Transferoption
bei seinem Heimatverein in Brasilien hielt (zum
genauen Überblick der Besitz- und
Transferregelungen in diesem Fall bitte
Internationales Vertragsrecht studieren,
anschließend wiederkommen und es mir erklären.
Danke.), sondern nach Ostholland (vulgo:
Borussia Mönchengladbach). Es überraschte zwar,
dass Leverkusen diese Option abtrat, anscheinend
sind die geistig schon in der Champions League
und wollen sich nicht mit jungen, vielleicht
noch unfertigen Spielern belasten, dass aber die
Gladbacher anschließend in die Bresche sprangen,
verwunderte eigentlich nicht. Schließlich treibt
sich deren Sportdirektor Max Eberl seit
Saisonbeginn dermaßen oft bei unseren
Heimspielen in der esprit-Arena herum, dass er
fairerweise auch eine Dauerkarte hätte kaufen
können. Dann hätten wir wenigstens auch ein
bisschen was davon gehabt. So grinste der Eberl
nur lässig, haute während eines Heimspiels noch
den Spruch hinterher, die in Rede stehenden
Summen für Anderson und Harnik seien für
Gladbach derzeit „Kleingeld“ und zog den ersten
Spieler ab. Anderson erhält in Gladbach einen
Vier-Jahres-Vertrag, sicherlich auch mit
ordentlich „Kleingeld“ versehen, natürlich ein
Traum für den gerade mal 22-Jährigen. Es gönnt
ihm auch jeder, aber es hätte ja nicht unbedingt
Mönchengladbach sein müssen. Naja, Leverkusen
wäre auch nicht viel besser gewesen. Was soll’s,
weg ist weg, und Geld hätten wir für ihn sowieso
nicht gesehen, er war ja schließlich nur
ausgeliehen (von wem jetzt genau, dazu bitte
Internationales Vertragsrecht II studieren,
anschließend wiederkommen und es mir erklären.
Danke.). Anschließend keulten sich einige
Gladbacher in deren Foren vor lauter Freude
einen, weil sie uns einen Spieler abgeworben
hatten, der bislang exakt eine sehr gute
Zweitliga-Saison gespielt hat, mehr nicht. Ich
finde, das gibt deren Richtung für die nächste
Saison schon sehr schön vor. Und was passiert,
wenn es der rein brasilianischen
Innenverteidigung Dante/Anderson, die ja
anscheinend angestrebt wird, im Winter einfach
mal zu kalt ist, darauf darf man sich jetzt
schon freuen. Ich wünsche dem Bamba alles Gute
und hoffe natürlich, dass es ihm bald Leid tut,
zu den Langweilern vom Rübenacker gewechselt zu
sein. Immerhin nicht nach Bahnhofskapellendorf (vulgo:
1.FC Köln), aber dafür hat er in seinem jungen
Leben definitiv noch nicht genügend Kopfbälle
gemacht.
Netter
Nebeneffekt: die ersten, die diese Nachricht
online verbreiteten, waren die Jungs mit dem
tadellosen Leumund und der bekannt souveränen
journalistischen Sorgfaltspflicht. Natürlich
rede ich von der Zeitung mit den vier großen
Buchstaben. Die stellten die Mitteilung am 31.
März um sieben Minuten vor Mitternacht online.
Oder anders gesagt: sieben Minuten vor dem
Datum, welches im Allgemeinen zu Scherzen
jeglicher Art berechtigt. Natürlich sind sie gut
informiert, natürlich hatten sie die Story
exklusiv, das ist nicht zu leugnen. Es dauerte
Stunden, bis irgendeine andere Zeitung nachzog
bzw. eine entsprechende Meldung auf der
Gladbacher Homepage eingestellt wurde. Während
all dieser Stunden wurde die Nachricht von den
meisten Leuten allerdings tatsächlich als
Aprilscherz des bekannt seriösen
Boulevardblättchens angesehen. Falls die dort
ihren Job halbwegs seriös ausüben würden,
müssten sie sich eigentlich mal fragen, warum
niemand ihre Exklusivmeldung Ernst genommen hat.
Werden sie aber nicht, da bin ich mir sicher.
War ja auch nur ein kleines „falls“...
An Harnik sind die
Ostholländer auch dran, der kann ja zur neuen
Saison für die „Kleinigkeit“ von 350.000 Euro
aus seinem Vertrag bei Werder Bremen
herausgekauft werden. Dortmund und Schalke sind
angeblich auch interessiert. Kaum schreiben die
Gazetten das, trifft der Martin nicht mehr, sein
letzter Treffer war der legendäre
Seitfallrückziehlupfer vom 01.03. in Aachen.
Also, man merkt es doch – innerlich will der bei
der Fortuna bleiben! Äußerlich haben wir
natürlich keine Chance, wenn das Eberl mal
wieder ernsthaft mit seinem Kleingeld klappert.
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Ein Osterei für
Pauli
Am 05.04.2010
stand unser letztes Montagsspiel für diese
Saison an. Zum Glück. Noch mehr Glück, dass es
ein Heimspiel war. Der Tabellenzweite FC St.
Pauli kam, da war eine volle Hütte auch
garantiert. 47.200 Zuschauer kamen in die Arena,
mehr durften mal wieder nicht, weil Pufferblöcke
auf Anweisung der Polizei frei gelassen werden
mussten, die entsprechenden Karten somit nicht
verkauft werden durften. Same procedure as
Duisburg-Spiel. Aber auch so war es voll genug.
Mit dem Besucherandrang an diesem Abend
überholten wir in der Gesamtzahl aller
Heimzuschauer in dieser Saison den
Meisterschaftsanwärter und
Möchtegern-Champions-League-Teilnehmer Bayer 04
Leverkusen. Und der Verein, der bekanntermaßen
ausschließlich Talente aus der eigenen Region
einsetzt, die TSG Hoffenheim, war auch noch in
Sichtweite. Geradezu unglaublich.
St. Pauli kam mit
neun Punkten Vorsprung auf uns und ziemlich
großer Klappe, namentlich in Gestalt von Marius
Ebbers, der in der Vorwoche nach dem 2:0 gegen
Rostock direkt mal in die Fernsehkameras
gedampfplaudert hatte, dass man jetzt auch
Düsseldorf abschießen wolle. Da spart man als
Gegner-Trainer natürlich gerne an der eigenen
Motivationsrede, wenn schon solche Vorlagen
geliefert werden.
Wobei es zu Beginn
des Spiels durchaus schien, als sollte der Herr
Ebbers Recht behalten. Das lag allerdings nicht
an ihm selbst, der war völlig abgemeldet,
sondern eher an Rouwen Hennings, der mit Abstand
den größten Alarm in den Abwehrreihen der
Fortuna verbreitete. Er war es auch, der in den
ersten zehn Minuten zwei dicke Chancen hatte,
aber sein wuchtiger Schuss aus sechzehn Metern
kam genau auf Mann und war daher eher kein
Problem für Ratajczak. Kurz darauf wurde
Hennings schön im Strafraum frei gespielt, aber
sein Versuch eines Lupfer landete auf dem Netz,
da fehlte eindeutig die Feinjustierung.
Nichtsdestotrotz, in den ersten zwanzig Minuten
war St. Pauli ganz klar spielbestimmend, nur vor
dem Tor fiel ihnen nicht allzu viel ein.
Nur ganz langsam
konnte sich Fortuna vom Anfangsdruck des
design(ier)ten Aufstiegskandidaten befreien und
selbst mal nach vorne spielen. So ergab sich ein
munteres Hin und Her, das allerdings nicht
besonders prickelnd anzuschauen war, denn
Torchancen blieben weiterhin Mangelware. Die
beiden besten Gelegenheiten für Fortuna in
Durchgang eins hatte noch Linksverteidiger
Johannes van den Bergh, von Natur aus nicht zum
Goalgetter vorgesehen. Während man dies bei
seiner ersten Chance noch deutlich sehen konnte
– er drang links in den Strafraum ein und
zwirbelte die Kugel flach ein gutes Stück rechts
am Tor vorbei, oder sollte es doch ein Pass in
die Mitte auf Harnik werden? –, war er in der
zweiten Situation wesentlich näher dran, als
ihm, wiederum halblinks im Strafraum postiert,
eine weit gezogene und nur unzureichend geklärte
Flanke auf den Fuß fiel. Schöner Volleyschuss,
der hätte genau gepasst, aber auch schöne Parade
von Hain im Hamburger Tor. Viel mehr gibt es aus
der ersten Halbzeit dann auch nicht zu
berichten.
Dafür begann die
zweite gleich ordentlich. In der 48. Minute
bleibt ein Angriff von St. Pauli wieder einmal
am Fortuna-Strafraum stecken, der Ball wird
rausgespielt, und St. Pauli über drei Stationen
ausgekontert. An der Mittellinie nimmt Fink den
Ball auf, schaut ein-, zweimal in der Gegend rum
und spielt dann ein Zuckerpässchen über 30 Meter
nach rechts raus, in den Lauf von Harnik. Der
hat sich von seinen zwei Gegenspielern gelöst,
steht auch beim Pass nicht im Abseits, erläuft
den Ball rechts im Strafraum, passt flach in die
Mitte, und dort rauscht Sebastian Heidinger
heran, stört sich nicht daran, dass ein
Gegenspieler an ihm klebt und wemmst die Kugel
aus fünf Metern unter die Latte. Ein Sahne-Tor,
mit zwei Stürmern gegen drei Abwehrspieler
herausgespielt, vom Ballverlust der Hamburger
bis zum Einschlag in deren Tor keine zehn
Sekunden. Atemberaubend.
Fast wäre es kurz
darauf schon wieder vorbei gewesen mit der
Herrlichkeit. Bei St. Pauli wurde Deniz Naki
eingewechselt, und der Angreifer hätte mit einer
seiner ersten Ballberührungen beinahe direkt den
Ausgleich erzielt, aber Michael Ratajczak konnte
seinen Flachschuss von links aus spitzem Winkel
noch um den langen Pfosten lenken.
Eine weitere
brenzlige Situation musste Fortuna überstehen.
Bei einer abgefälschten Flanke von links, die
vor dem kurzen Pfosten ins Toraus zu fliegen
drohte, eilte Ratajczak heraus, um einen Eckball
zu verhindern. Hier war dann Marius Ebbers in
seiner einzigen guten Szene im gesamten Spiel
vor dem Keeper am Ball und verlängerte per Kopf
weiter nach innen auf Charles Takyi. Und warum
der den Ball aus weniger als fünf Metern nicht
aufs Tor brachte, sondern lieber noch mal quer
in die Mitte auf den ebenfalls eingewechselten
Richard Sukuta-Pasu legte, wird sein Geheimnis
bleiben. Will ich auch gar nicht wissen, war mir
ja sehr recht. Denn dadurch bekam die
Fortuna-Abwehr noch mal Zeit, mitzuspielen, und
der Schuss von Sukuta-Pasu konnte erst
entscheidend abgefälscht und damit verlangsamt
und anschließend ungefährdet vom ins Gehäuse
zurückgeeilten Torwart aufgenommen werden. Glück
gehabt.
Dies waren die
beiden einzigen Chancen, die St. Pauli in der
zweiten Halbzeit hatte. Nicht gerade viel für
einen Aufstiegskandidaten. Auch wenn St. Pauli
weiterhin mehr Ballbesitz hatte, Fortuna hielt
das Spiel offen und hatte auch die ein oder
andere Konterchance, zwischendurch zog man das
Spiel sogar mal kurz an sich und hielt sich
mehrere Minuten am Stück in der gegnerischen
Hälfte auf. Chancen ergaben sich auch, zum
Beispiel zwei Schüsse von der Strafraumgrenze
durch Christ, einen von Fink aus spitzem Winkel
und etwa zehn Metern von der rechten Seite, von
Hain gut gehalten. Und Johannes van den Bergh
hätte an jenem Abend zum Goalgetter des Jahres
werden können. Stand ihm beim ersten Versuch
noch die eigene Technik und beim zweiten
Gäste-Keeper Hain im Weg, so war es nun der
eigene Mann. Christ hatte von rechts eine Ecke
hoch an die Sechzehnmeterlinie geschlagen, dort
stand van den Bergh, nahm den Ball volley aus
der Luft und erwischte ihn genau richtig. Ein
Mörderschuss. Der hätte gepasst,
beziehungsweise, er passte auch – und zwar genau
auf den Kopf des armen Martin Harnik, der am
Fünfmeterraum nicht rechtzeitig aus dem Weg
hechten konnte und die volle Dröhnung abbekam.
Harnik konnte anschließend weiterspielen, aber
um diesen Schuss war es schade, der hätte Hain
ordentlich ins Schwitzen gebracht, wenn er ihn
denn überhaupt noch gesehen hätte. Auch der spät
eingewechselte Gaus bekam fast noch das 2:0 auf
den Schlappen. Er ging am Fünfmeterraum
dazwischen, als sich ein Verteidiger und Torwart
Hain nicht einig waren, wer den Ball denn nun
nehmen solle. Gaus übernahm das für die beiden,
hatte allerdings soviel Schwung drauf, dass er
den Ball nicht mehr kontrollieren konnte. Der
Stürmer flog ins Toraus, der Ball rollte am
Außennetz vorbei, und so war auch diese Chance
dahin. Kurz darauf allerdings auch das Spiel,
und so gewann Fortuna mal wieder gegen den FC
St. Pauli, der in allen vier Spielen, die er
seit 2005 in unserer Arena ausgetragen hat,
nicht ein einziges Tor erzielen konnte. Bester
Spieler auf dem Platz übrigens: „Bamba“
Anderson, fast schon mit dem Zusatz „wie üblich“
versehen. Ein paar Blitzbirnen pfiffen bei
Verkündung seines Namens in der
Mannschaftsaufstellung zwar, wurden aber rasch
vom Applaus der anderen übertönt. Nach
Spielschluss bekam der Brasilianer noch mehr
Applaus sowie eine eigene Humba und anschließend
ein zünftiges „Scheiß Mönchengladbach!“ mit auf
den Weg. Wär doch gelacht, wenn’s dem nicht
irgendwie ein wenig Leid täte...
Fortuna feierte
somit nicht ganz unverdient ein 1:0 gegen den FC
St. Pauli und verkürzte den Rückstand auf
Augsburg und Platz 3 auf fünf Punkte. St. Pauli
hatte vielleicht mehr Spielanteile, aber bei
weitem weniger Chancen, und wer nur bis zum
Sechzehner schön spielt und sich anschließend in
der gegnerischen Abwehr festrennt, oder wie bei
der Szene mit Takyi und Sukuta-Pasu die Kugel
möglichst noch ins Tor tragen will, der darf
sich nicht wundern.
Aber anschließend
durften wir dann anscheinend den „neuen“ FC St.
Pauli kennen lernen, einer, der mir gehörig auf
den Keks geht, und für den der Herr Ebbers ja
schon in der Woche vor dem Spiel einen
Vorgeschmack geliefert hatte. Und so
reihte sich deren Trainer Holger Stanislawski
nach dem Spiel in die Kette dampfplaudernder
Gegner-Trainer ein, die einfach nicht verlieren
können. In bester Wollitz- und
Gerstner-Tradition faselte er als solcher
unmittelbar nach Spielschluss etwas von „klarer
Überlegenheit über die gesamten 90 Minuten“ ins
sky-Mikro und brachte das Spiel seiner Meinung
nach mit folgendem Sinnspruch süffisant auf den
Punkt: „Hoher Ball schlägt Fußball“, was
natürlich heißen sollte, dass wir außer langen,
hohen Bällen überhaupt nichts drauf hatten,
während seine Zaubertruppe mittels feinster
Technik Dutzende klarer Torchancen
herausspielte, weshalb der Sieg für Fortuna ja
eigentlich ziemlich unverdient sei. Natürlich
katapultierten ihn diese Äußerungen auf meiner
Dummschwätzer-Liste ziemlich weit nach oben.
Leider, eigentlich mag ich den ja. Auch nicht
besser wird das zitierte Bonmot dadurch, dass
sämtliche Printmedien am nächsten Tag
ausgerechnet seiner Mannschaft
bescheinigten, zum Ende des Spiels hin mit
planlosen hohen Bällen nach vorn den
Ausgleich herbeizwingen zu wollen. Um nur ein
Beispiel aus dem kicker zu bringen: „In
der hektischen Schlussphase agierte St. Pauli
nur noch mit langen Bällen, was die sichere
Defensive der Gastgeber nicht weiter in
Verlegenheit brachte und den Düsseldorfern einen
verdienten Sieg bescherte.“
Da hatte der Herr
Stanislawski wohl mal zwischenzeitlich ein
anderes Spiel gesehen. Außerdem haben wir es
nicht gern, wenn so ein Hamburger Verlierer
versucht, einem unserer liebsten Gegner von
einst, nämlich Stefan Effenberg, nach dem Mund
zu reden. Der war damals in den 90ern von einer
Niederlage mit Ostholland dermaßen angetan von
fortunistischer Spielkunst Ristic’scher Prägung,
auf die so mancher Maurermeister stolz gewesen
wäre, dass er, also Effe, dies nach dem Abpfiff
in die legendären Worte kleidete: „Die können
nur weit werfen und feste schießen, sonst nix!“
Aber der Effe, der durfte das, schließlich hat
der sich auch im alten Rheinstadion schon mal in
der Halbzeitpause mit einem Ordner am
Spielfeldrand in der Wolle gehabt. Der hatte
ordentlichen Proleten-Style, bei Stanislawski
wirkte es nur wie eine beleidigte Leberwurst,
bei der doch eher der Wunsch der Vater des
Gedankens war. Peinlich, peinlich.
Welch einen Unfug er
da ins Mikro geballert hatte, begeistert
souffliert vom sky-Schergen, dem wirklich nur
noch ein St. Pauli-Fan-Schal gefehlt hätte,
hatte ihm aber wohl jemand aus der eigenen
Truppe anschließend gesteckt, denn auf der
Pressekonferenz zwanzig Minuten später klang das
schon sehr viel moderater, kein Wort mehr von
„klarer Überlegenheit“, „verdient“ oder gar
„unverdient“. Komisch, komisch. Ich sage es
immer wieder, auch diese leuchtenden Vorbilder
an der Seitenlinie sollten sich mal fünf Minuten
Auszeit nach einem Spiel nehmen. Macht unser
Coach ja auch. Vielleicht wollte Stanislawski
uns aber auch nur auf die beiden
Trainer-Highlights einstimmen, die wir in den
nächsten beiden Wochen erleben werden - Wollitz
und Lienen. Als Einstieg schon mal gar nicht
schlecht, muss man anerkennend sagen.
Der Lautsprecher
Ebbers, die beleidigte Leberwurst Stanislawski,
ein Takyi, der fünf Meter vor dem gegnerischen
Tor zum Ausgleich lieber noch mal quer legt, ein
Präsident, der durch seine verbalen Nettigkeiten
auch mit dafür gesorgt hatte, dass die Rostocker
in der Woche zuvor in Hamburg nur 500
Gästekarten erhalten hätten (die der FC Hansa
Rostock dann aber zurück gab, weil er eine
gerechte Verteilung für undurchführbar hielt) –
das scheint der neue FC St. Pauli zu sein. Ein
so genannter „Kult-Klub“, jetzt auch in der
Geschmacksrichtung „arrogant“. Naja, von mir
aus. Ich find sie ja ganz okay, bin auch gerne
dabei, wenn wir am Millerntor spielen, ist immer
eine schöne Atmosphäre. Nur authentisch ist bei
denen so gut wie nix mehr. Und falls sich jetzt
jemand versucht fühlt, mir deshalb zu mailen:
nein, von uns hab ich das auch nie behauptet.
Aber zumindest machen wir keine Werbung damit.
Ihr dürft euch auch gerne weiter abfeiern
lassen, wovon die Blitzbirnen bei DSF und sky an
jenem Abend reichlich Gebrauch machten. Aber
„Kult-Klub“? Steigt von mir aus auf, aber macht
euch nicht lächerlich.
Überhaupt war
abseits des Platzes eigentlich mehr los als auf
dem grünen Rasen. Drei Reihen über mir hockte
dieser Mensch, der sich selbst für unglaublich
witzig hält, dieser Elton von Stefan Raab, der
ist ja bekennender Pauli-Fan. Dagegen ist
natürlich überhaupt nichts zu sagen. Lustig
wurde es dann auch – man machte sich den Spaß,
ihn mal zu kontrollieren und siehe da: natürlich
hatte er keine eigene Akkreditierung, sondern
führte die des ehemaligen Fortuna-Spielers Dirk
Krümpelmann mit sich, der schon seit Jahren für
die Zeitung mit den vier großen Buchstaben
arbeitet, deren Hang zu Aprilscherzen ja bereits
weiter oben erläutert wurde. Die Akkreditierung
wurde mal sofort einkassiert, Elton erhielt eine
Tageskarte, und Herr Krümpelmann durfte mal auf
der Geschäftsstelle anrufen und schauen, wie er
seine Akkreditierung zurück bekam. Großes Kino.
Absolutes
nebenplatzliches Highlight für mich war
allerdings die Frage eines sky-Mitarbeiters (!)
an den Pressesprecher vor dem Spiel, warum wir
an jenem Abend keine Stehplätze anbieten würden,
ob das Auflagen von der DFL wären. Ich stand
direkt neben dem Mann und habe die Frage mit
meinen eigenen Ohren gehört. Auch der
Pressesprecher war etwas verwirrt und ließ sich
die Frage vorsichtshalber wiederholen.
Anschließend erklärte er diesem Fußball-Fachmann
so höflich wie möglich, dass wir so etwas wie
Stehplätze (noch) überhaupt nicht besitzen. Der
Typ hatte absolut keinen Schimmer von gar nix,
aber Hauptsache, die Ware Fußball verkaufen.
Wird echt immer besser bzw. schlimmer.
Aus die Maus
Am 10.04.2010 trat
Fortuna bei Energie Cottbus an. Man unterlag 2:4
und durfte sich damit wohl endgültig aus dem
Aufstiegsrennen verabschieden.
Es war eine verdiente
Niederlage, Energie spielte zum größten Teil
das, was der Vereinsname aussagt, war schon in
der ersten Hälfte klar überlegen und hatte
mindestens drei dicke Chancen zur Führung. Von
Fortuna in den ersten 45 Minuten überhaupt
nichts zu sehen, das 0:0 zur Pause war ein
besserer Witz. Nach der Pause ging es dann
richtig rund, und beiden Trainern darf man
bescheinigen, an jenem Samstag wieder mal ein
Goldenes Händchen für Einwechslungen zu haben.
Zunächst in der 56. Minute das 1:0 für Cottbus,
als Angelov links steil auf Rivic spielte, und
der beste Cottbuser, Dreh- und Angelpunkt seines
Teams, schlenzte überlegt ins lange Eck.
Anschließend gab es die erwähnten
Einwechslungen, und prompt es ging es rund: bei
Cottbus kam der Chinese Shao für Miatke, bei
Fortuna Gaus und Oehrl für Heidinger und
Lambertz, alles in der 62. bzw. 63. Minute.
Keine Minute später Folgendes: auf der linken
Seite kann sich Gaus gegen seinen Gegenspieler
durchsetzen, er bringt den Ball flach nach
innen, und Oehrl staubt aus fünf Metern zum
Ausgleich ab. Unglaublicher Wechsel von Meier.
Aber sein Gegenüber,
der sattsam bekannte, Claus-Dieter Wollitz,
hatte ja schließlich auch gewechselt. Wieder nur
vier Minuten später war sein Einwechselspieler
dran, bei einer Traumkombination, die jedem
Trainer die Tränen der Rührung in die Augen
treibt: von links marschiert wieder Rivic in den
Fortuna-Strafraum, spielt quer in den Strafraum,
hinter dem langen Pfosten kommt der erwähnte
Shao heran gerauscht – und der hat noch soviel
Übersicht, die Kugel nicht aus vollem Lauf aufs
Tor zu dreschen, sondern schön flach
zurückzulegen in die Mitte. Dort steht Niels
Petersen und macht den Ball aus acht Metern
flach rein. Tolle Kombination, 2:1 für die
Lausitzer.
Fortuna konnte
nochmals zurück schlagen. Zehn Minuten später,
79. Minute, ein weiter Pass von Marco Christ in
den Lauf des Marcel Gaus. Der hängt seine
Bewacher ab, scheitert im ersten Versuch noch an
Cottbus-Keeper Tremmel, kann sich aber den
Abpraller erlaufen und tatsächlich zum erneuten
Ausgleich im Netz unterbringen. Anschließend
spurtete der Jungspund direkt hinterher und
holte den Ball aus dem Netz. Er wollte eindeutig
noch etwas reißen, sorgte mit dieser Aktion aber
leider nur dafür, dass man sich den K.O. für die
Fortuna schneller ansehen konnte. Denn keine
zwei Minuten später nickte der schon erwähnte
Shao einen Freistoß von links als Aufsetzer zum
3:2 ein. Und während man hoffte, dass die
Fortuna vielleicht ein drittes Mal zurück käme,
war das Ding durch: wieder nur eine Minute
später langer Ball aus der Cottbuser Hälfte, die
Fortuna-Abwehr wollte wohl ein wenig Abseits
spielen, keine Ahnung, was das sollte, auf jeden
Fall war Emil Jula frei durch und netzte zum 4:2
ein, ein Treffer, der verblüffende Ähnlichkeit
mit seinem Tor im Hinspiel hatte. Von diesem
Doppelschlag erholte sich Fortuna nicht mehr,
und das Spiel war dahin. Bei einem
Torschussverhältnis von 21:11 für Cottbus nicht
gerade unverdient.
Fortuna hatte es
versäumt, in der ersten Halbzeit gegen die
unsichere Cottbuser Abwehr überhaupt etwas zu
reißen. Die hatte Cottbus-Coach Wollitz nämlich
unter der Woche komplett neu zusammen basteln
müssen. Dum und Kurth gelbgesperrt, Brzenska mit
Mittelhandbruch ausgefallen – das wäre für
Fortuna eine Chance gewesen, die neu formierte
Deckung zu Beginn des Spiels mal ordentlich
unter Druck zu setzen. Aber man kam ja kaum aus
der eigenen Hälfte heraus. Diese verdammte
Auswärtsschwäche in dieser Saison, immer
dasselbe.
Der Aufstieg kann
somit abgehakt werden. Natürlich ist rechnerisch
noch alles drin, aber es müsste schon sehr viel
Wundersames passieren in den letzten vier
Spielen, wenn das noch was geben sollte. Zumal
momentan nicht nur die eigenen Ergebnisse so
ziemlich alle zwei Woche nicht stimmen, sondern
auch die Schützenhilfe ausbleibt. Bestes
Beispiel hierfür die SpVgg Greuther Fürth. Die
spielte zuletzt in Duisburg und in Augsburg und
holte jeweils ein 1:1. Sehr respektabel
eigentlich – aber sie verschossen in beiden
Spielen noch jeweils einen Foulelfmeter. So
sieht das aus, wenn es eben nur teilweise rund
läuft, sowohl bei der eigenen Mannschaft als
auch bei denen, auf deren Hilfe man angewiesen
wäre. Und „teilweise“ ist für einen Aufstieg
halt zu wenig.
Ich werde mir davon
die letzten vier Spieltage nicht vermiesen
lassen. Es war eine überragende Saison bis
jetzt, auch wenn es das i-Tüpfelchen
„Durchmarsch“ wohl nicht geben wird. Aber selbst
wenn die letzten vier Partien allesamt verloren
gehen sollten (und das wollen wir ja nicht
ernsthaft hoffen), dann bleibt es immer noch
eine überragende Saison als Aufsteiger. Also
freu ich mich auf die letzten vier Partien, die
hätten auch unter ganz anderen Voraussetzungen
stattfinden können. Ich genieße die selige
Sorglosigkeit eines Tabellenvierten, der
rechnerisch noch nach oben schielen kann, nach
unten aber schon längst nicht mehr muss. Schlimm
wird’s schon wieder früh genug werden.
Bis zur letzten
Runde, grüßt: janus |