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So, nun haben wir uns ein wenig eingespielt in
die neue Saison. Sechs Spieltage sind rum, und
Fortuna hat immer noch nicht verloren. Auswärts
gewonnen allerdings auch noch nicht. Aber es
geht aufwärts, mittlerweile müssen die
Heimvereine schon Schiris abstellen, um
wenigstens einen Punkt zu behalten. Okay, das
ist natürlich übertrieben, aber diesmal hatten
wir wirklich Pech, und das gleich bei beiden
Auswärtsspielen dieser Zusammenfassung. Zum
Ausgleich gibt es aber glücklicher weise auch
noch zwei Heimspiele. Und los geht`s.
Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!
Am Freitag, 05.08.2011, kam der FC Ingolstadt in
die ESPRIT-Arena, vor der Saison wahlweise als
erster Abstiegskandidat oder als Geheimfavorit
eingestuft, es ist schon manchmal erstaunlich,
wie uneinig sich so genannte „Experten“ sein
können. Der FCI kam also, und alle, alle kamen
mit: hier mal die Angabe des Fan-Beauftragten
der Fortuna, der einen genauen Überblick
gewinnen konnte: „Im Block befanden sich: Zwei
Rentner, die sich an der Kasse verlaufen hatten,
ein Kölner plus zwei Fortuna Fans (in Begleitung
mit dem aus der anderen Stadt, weil der nicht in
die Fortuna-Kurve wollte), insgesamt vier
szenekundige Beamte (Betriebsausflug
anscheinend), 23 Ingolstädter Fans.“ Bei diesen
handgezählten 23 Fans konnte man noch darüber
spekulieren, ob sich in der Ingolstädter
Fan-Szene ein tiefes Zerwürfnis anbahnt, ähnlich
wie bei Preußen Münster. Die Gästefans machten
das Auswärtsspiel nämlich demonstrativ zu einer
Art fan-technischen 17 und 4, will heißen: 17
Fans standen auf einen Haufen in einer Ecke des
Gästeblocks, vier weitere sehr auffällig weitab
genau in der entgegen gesetzten Ecke, die
anderen zwei sonstwo. Wer weiß, worum es da
geht. Um die Berechtigung zur Zuteilung von
Auswärtstickets ja offenkundig nicht. Der FCI
verkaufte genau sensationelle null Tickets auf
seiner Geschäftsstelle vor diesem Spiel. Naja,
Düsseldorf zieht bei den Audi-Städtern wohl
nicht so sehr. Meinen Respekt haben diese 23
Unentwegten, aber auf den Verein bezogen muss
man doch mal sagen, dass dies mit Verlaub ein
wenig lächerlich ist. Vielleicht hatte Audi ja
auch Spätschicht und verhinderte damit die
Anreise von 1.000 weiteren begeisterten
Auswärtsfahrern. Oder es interessiert dort
wirklich keine Sau, grob gesagt.
Fortuna besiegte den FC Ingolstadt mit 4:1 und
erklomm an jenem Freitagabend die Tabellenspitze
der 2. Bundesliga. Viel erstaunlicher als diese
Tatsache war jedoch jene, dass die
Tabellenführung auch noch bestand, nachdem der
komplette Spieltag rum war. Zum ersten Mal seit
dem 18. Juni 1989 grüßten wir als Spitzenreiter
der 2. Liga. Damals gab’s die DDR noch, meine
Herren, ist das lange her. Und Statistiker, die
mit gefährlichem Halbwissen und unserem
Bundesligaaufstieg 1995 argumentieren, sind
raus: in der Saison 1994/95 waren wir zu keinem
Zeitpunkt Tabellenführer, sondern hielten uns
geschickt im Hintergrund verborgen, um ganz zum
Schluss auf Tabellenplatz 3 vorzuhuschen.
Also, zum ersten Mal seit über 22 Jahren
Tabellenführer in der 2. Liga, das ist doch
hübsch. Macht Spaß, sich die Tabelle
anzuschauen. Mehr aber auch nicht. Um zu wissen,
dass nach drei Spieltagen noch 31 weitere
folgen, dafür brauch ich den Trainer eigentlich
nicht, aber die Medien anscheinend schon. Gut
also, dass er es denen nach dem Spiel auch
sofort erzählte. Ist besonders für Konsorten wie
sport1 wichtig, die nach den ersten zwei (zwei)
Spieltagen schon eine Umfrage starteten, ob
Eintracht Braunschweig in die 1. Liga
durchmarschieren könne. Manchmal kann man noch
nicht einmal mehr lachen, besonders wenn man
bedenkt, dass diese Strategen für solchen Unfug
auch noch Geld bekommen.
In unserem Fall hätte sich der Trainer die
Euphoriebremse auch sparen können, falls
irgendjemand dieser „Fußball-Berichterstatter“
das Spiel gesehen hätte. Hatte aber wohl keiner;
ich würde gerne direkt nach dem Spiel mal eine
Umfrage unter der anwesenden Medienschar von
ARD/ZDF, sport1/sky starten, wer von denen
„zufällig“ weiß, was es im VIP-Raum zu essen
gab. Würde so manche Spieleinschätzung erklären.
Denn wer das Spiel gesehen hatte, der musste
ganz klar feststellen: bis kurz vor Ende der 1.
Halbzeit war Ingolstadt das bessere zweier
harmloser Teams, die sich größtenteils
gegenseitig neutralisierten. Von
„Spitzenleistung“ seitens der Fortuna keine
Spur. Ingolstadt ließ den Ball schön laufen,
störte früh und kam auch wiederholt mit
flüssigen Kombinationen in Strafraumnähe. Dort
war dann allerdings Feierabend, mehr als ein
Kopfball von Bambara neben das Tor sprang nicht
dabei heraus. Wir hatten allerdings auch nicht
viel mehr zu bieten, vielleicht noch einen
Schuss von Kapitän Lambertz übers Gehäuse.
Ingolstadt stand recht kompakt und ließ wenig
zu. Ein zähes Ringen.
In der 42. Minute dann allerdings ein
Geniestreich unseres Youngsters Maximilian
Beister: der wechselte einfach frech die Seite
und tauchte, nachdem ihm auf rechts bis dato so
gut wie nix gelungen war, plötzlich links am
Strafraum auf. Dort legte er den Ball an zwei
Gegenspielern vorbei und wollte dann wie üblich
mit dem Kopf durch die Wand. Da der eine
Gegenspieler gar nicht erst hinterher lief und
der zweite zu zögerlich agierte, gelang es
Beister sogar, sich durchzusetzen, Flanke von
der Torauslinie in die Mitte, Sascha Rösler
wurde am Fünfmeterraum quasi angeschossen, auf
jeden Fall wirkte er reichlich überrascht,
konnte die Kugel aber mit der Stirn noch drücken
– 1:0 für Fortuna, ein bisschen aus dem Nichts.
So schnell kann das also gehen, wenn einer
endlich eine gute Idee hat.
Zwei Minuten später hingegen ging es wohl zu
schnell. Nach einer Ecke für Ingolstadt hatte
Fortuna den Ball geklärt, schließlich spielte
van den Bergh ein 30-Meter-Pässchen an die
Mittellinie auf Bröker. Und als dessen
Gegenspieler plötzlich wegrutschte, war der Weg
für unseren Sturmtank mit dem breiten Gesäß
frei. Ball und Bröker stürmten allein auf
Ingolstadts Keeper Kirschstein zu, hinterher
hechelte noch Abwehrspieler Matip. Und als
Bröker dann am Strafraum anlangte, da war das
Ganze für ihn wohl zu schnell gegangen, auf
jeden Fall verstolperte er den Ball irgendwie,
bekam seine Füße wieder einmal nicht sortiert
und zögerte dann so lange, bis Matip den Ball
völlig regelkonform abgrätschen konnte. Und das
allein vor dem Torwart! Eine so genannte
Tausendprozentige, freiwillig selbst
verstolpert, bevor ein Gegenspieler eingreifen
konnte. Das konnte kaum jemand glauben. Bei
solch einem Ding muss doch mindestens ein
Torschuss folgen, wenn der Keeper den dann hält,
ist es eben so, aber ich muss doch zumindest den
Versuch eines Abschlusses hinbekommen.
Unfassbar. Und bei einem weniger geduldigen
Trainer als Meier hätte Bröker Sekunden später –
als nämlich der Pausenpfiff ertönte –
wahrscheinlich duschen gehen können, zumal ihm
in ersten Durchgang auch ansonsten nicht
überragend viel gelungen war. Aber unser Trainer
ist ja bekannt dafür, dass er sich mit seinen
Wechseln gerne mal Zeit lässt. Glück für Bröker,
Glück für uns Meckerköppe.
Die zweite Hälfte war dann auch wesentlich
munterer, sie brachte nämlich gleich einen
Dreierpack. Drei Tore binnen fünf Minuten ließen
Erinnerungen an den 10. Mai 2009 aufkommen (das
5:5 in Braunschweig, unter anderem mit vier
Treffern binnen fünf Minuten). 50. Minute:
langer Abschlag Ratajczak, Fink kommt mit dem
Kopf dran, in den Lauf von Bröker, der zieht aus
zwölf Metern ab, 2:0. Bröker hatte fünf Minuten
gebraucht, um uns Meckerköppen zu zeigen, dass
eine Auswechslung nicht das richtige Mittel
gewesen wäre, ihn daran zu erinnern wie man
Großchancen reinmacht. Allerdings unter gütiger
Mithilfe von FCI-Keeper Kirschstein, der anstatt
der Fäuste bei der Abwehr des hohen Balles
lieber die flachen Hände nehmen wollte. Schon
beim ersten Treffer der Fortuna hatte er nicht
zwingend souverän ausgesehen, diesmal war es
ähnlich: Die Kugel wischte zwischen den Armen
hindurch und kullerte ins Netz. Das wäre wohl
auch der Moment gewesen, in dem sich Kirschstein
am besten hätte auswechseln lassen sollen. Es
gibt halt gebrauchte Tage, da solltest du lieber
deinen 5-jährigen Sohn ins Tor stellen, macht
keinen Unterschied. Leider hat Kirschstein
meines Wissens keinen 5-jährigen Sohn, deshalb
musste er im Tor bleiben. Dumm gelaufen, wie
noch zu zeigen sein wird.
Drei Minuten später Ecke für Ingolstadt von
links, die Torwart Ratajczak genau auf
Eckentreter Stefan Leitl zurück faustete. Könnte
zur Not noch als „präzises Passspiel“ bezeichnet
werden, mehr aber auch nicht. Leitl freute sich
über die geschenkte zweite Chance, brachte die
Kugel aus der Luft sofort nochmals in die Mitte
und dort nickte Torjäger Moritz Hartmann per
Aufsetzer zum 1:2-Anschlusstreffer ein.
Kollektivschlaf der gesamten Abwehr bis hin zum
Keeper, der nicht nur diese Vorlage zum
Vorlagengeber zu verantworten hatte, sondern
auch beim Kopfball erst äußerst spät reagierte,
wahrscheinlich war er verblüfft, dass Abwehrhüne
Lukimya (gewonnene Zweikampfquote bis dahin: 100
%) mal nicht als erster an den Ball gekommen
war. Ingolstadt wieder dran.
Aber dann: Anstoß Fortuna Rückpass auf Lambertz,
der schaut einmal und spielt dann den Ball über
40 Meter in den Lauf von Fink, dessen
Gegenspieler sich wohl leicht verschätzt hat.
Fink wiederum sieht, dass Kirschstein irgendwo
in Höhe des Elfmeterpunkts herumgondelt, kleiner
Heber über den Keeper ins leere Tor, erledigt –
3:1, 54. Minute. Alter Abstand wieder
hergestellt, 45 Sekunden nach dem Gegentreffer.
Das ging so schnell, dass sich bei Gästetrainer
Benno Möhlmann noch nicht einmal die Mimik
änderte. Bevor er zu dem Entschluss kommen
konnte, aufgrund des Anschlusstreffers
vielleicht doch einmal während des Spiels zu
lächeln, war der Ball auf der anderen Seite
schon wieder drin.
Das alles ging übrigens dermaßen schnell, dass
mir persönlich Leute bekannt sind, die alle drei
Treffer verpassten, weil sie noch am
Getränkestand in der Schlange standen. Tscha,
wohl die falschen Prioritäten gesetzt, irgendwie
hält sich mein Mitleid in Grenzen.
Anschließend war die Ingolstädter Abwehr nur
noch ein besserer Sparringspartner mit
unglaublichen Fehlern und Blackouts. Und da an
solchen Abenden so gut wie alles läuft, machte
Bröker auch noch seine zweite Bude, und es wäre
schon fast tragisch gewesen, wenn Kirschstein
nicht wieder beteiligt gewesen wäre. Nach
flacher Hereingabe von links, wiederum durch
Lambertz, rasselten Bröker und Kirschstein am
Fünfmeterraum zusammen und spielten Billard mit
dem Ball, von Brökers Fuß an Kirschsteins
Körper, an Brökers Fuß, dann irgendwie an
Kirschstein vorbei ins Loch, äh, Netz gerollt.
Kirschstein bekam am Boden liegend noch was vor
den Kopf, aber es war kein Foul von Bröker, und
der Torwart hatte zu keiner Zeit die Hand
kontrolliert an der Kugel, somit ein
einwandfreies Tor, zu dem es auch keinerlei
Proteste gab. Anschließend vergab man noch
einige Hochkaräter, allen voran Beister aus
Nahdistanz, aber vielleicht war es auch Mitleid,
dass Kirschstein endlich mal einen halten
durfte. Schließlich musste er noch zwei Bälle
aus dem Netz holen, einen vom eingewechselten
Ilsø, einen von Rösler, aber es waren beides
ganz knapp Abseitstore, schade. Umgekehrt
erzielten auch die Ingolstädter, die sich nach
vorne hin keineswegs aufgaben, noch einen
Treffer, der wurde aber wegen vorherigem Foul an
Torwart Ratajczak ebenfalls zu Recht nicht
gegeben. Man sieht, es wäre noch einiges drin
gewesen in dieser zweiten Halbzeit. Ingolstadt
spielte nicht schlecht, konnte sich aber dafür
nichts kaufen, aufgrund der haarsträubenden
Abwehrfehler, die dann konsequent ausgenutzt
wurden. Und so konnte deren Abwehrrecke Marinko
Biliskov nach dem Spiel nur resignierend
feststellen: „Wir haben eine gute Leistung
gezeigt, aber vier Gegentreffer gefangen. Wir
haben halt auch gegen einen sehr guten Gegner
gespielt.“ So ist es, und deshalb waren wir
plötzlich Tabellenführer und blieben es das
gesamte Wochenende über. Und ich war einer der
22.000 Zuschauer, die bei diesem historischen
Ereignis dabei waren. Was will man mehr?
Zumal die 1. Bundesliga an jenem Wochenende auch
wieder ihre Pforten öffnete und direkt einiges
zum Lachen offerierte. Okay, dass der HSV in
Dortmund verlor, war für mich nicht schön, aber
vorhersehbar, von daher nix Dolles. Viel mehr
auf den Zeiger ging mir, wie die Dortmunder nach
einem einzigen Spiel schon wieder
dermaßen hoch gelobt wurden, dass einem nur
schlecht werden konnte. Diesbezüglicher
Höhepunkt war für mich die „Berichterstattung“
in der ARD-Sportschau am Samstag, die wohl ein
gewisser Marc Schlömer (?) zu verantworten
hatte. Was da an Lobeshymen und kniefälligen
Attributen verzapft wurde, was diese Truppe zu
dramatischer klassischer Musik im Hintergrund in
den Himmel, ach was, in den Olymp gehoben wurde,
das lässt sich eigentlich auch nur damit
erklären, dass der Kollege eindeutig zuviel
Norbert Dickel auf ex genossen hatte. Mit einer
irgendwie seriös gearteten journalistischen
Berichterstattung jedenfalls nicht. Und ich
hatte immer gehofft, wenigstens bei der ARD
hätten sie ab und zu jemanden dabei, der das
gelernt hat. Ein Trugschluss.
Denn anderswo zog man natürlich sofort nach, wie
nicht anders zu erwarten. Auf sport1, dem
Sender, bei dem ich immer darauf warte, dass er
endlich auch im FC Bayern-Fanshop verkauft wird,
hatte man sich natürlich schon dafür gerüstet,
am Sonntag zurückzuschlagen, und dann das: da
verlieren die Bayern ihr Heimspiel gegen
Mönchengladbach mit 0:1. Dazu hätte ich
vielleicht einen Tipp für den FC Telekom: man
munkelt, ihr hättet in der Sommerpause so einen
Nationalspieler für das Tor geholt, für ein
bisschen Kohle vom Festgeldkonto, nix Besorgnis
Erregendes, nur um die 22 Mio. Euro. Lasst den
doch einfach auch mal spielen! Und nicht diesen
armen Gymnasiasten, der den Gladbachern das
Siegtor schenkte…
Auf jeden Fall war man bei sport1 geschockt,
weil das Undenkbare eingetreten war und rief
sofort nach dem Spiel den Notstand aus. Die
Partie war gegen 19.20 Uhr beendet, um 19.21 Uhr
sprach die tapfere Moderatorin mitten in der
Zweitliga(!)-Sendung vom „Fehlstart“ der Bayern
und kündigte an, dass es die Stimmen zu diesem
Spiel „natürlich“ direkt im Anschluss an die
Zweitliga-Sendung zu sehen geben würde (ergo
20.30 Uhr), und nicht erst um 22.30 Uhr zusammen
mit den Bildern. Das Ganze wurde während der
Sendung dann noch dreimal wiederholt, damit es
auch jeder mitbekam, wie brandaktuell sport1
sich des Schicksals der allerbesten Mannschaft
der Welt annahm. Muss man doch Verständnis für
haben! Die sollen sich endlich mal öffentlich zu
„ihrem“ FC Bayern bekennen, dann überrascht
einen als Zuschauer auch nix mehr, und man
erwartet nicht das Geringste. Schon gar keinen
Zweitliga-Fußball in einer Zweitliga-Sendung,
wenn der große FC Bayern das erste Saisonspiel
verloren hat. Mein Gott, peinlicher geht’s echt
immer.
Und nachdem ich mich zuvor zunächst geärgert
hatte, dass der Helmes beim Spiel Köln gegen
Wolfsburg zweimal getroffen haben sollte, bis
mir einfiel, dass der ja mittlerweile für
Wolfsburg spielt, gab es also durchaus ein
Fußball-Wochenende, bei dem ich jede Menge
Anlass hatte, das Gesicht vor Freude zu
verziehen. Wer weiß, wie lange noch. Ich koste
solche Momente gerne aus.
Und nicht vergessen: Spitzenreiter,
Spitzenreiter, hey, hey!
Tor des Monats
Vor dem nächsten Spiel gab es noch etwas
Erfreuliches und historisch Wertvolles: der
Treffer von Sascha Rösler zum 1:0 gegen den VfL
Bochum am ersten Spieltag wurde in der
ARD-Sportschau zum „Tor des Monats“ gekürt.
Rösler erhielt über 40% der Stimmen für seinen
Fallrückzieher – man munkelt, über 90% „seiner“
Stimmen waren der Erleichterung der Fans
geschuldet, dass der alte Mann sich bei dem
Treffer nichts gebrochen hatte. Aber im Ernst,
ein schöner Lohn für ein tolles Tor. Rösler
löste damit Klaus Allofs als letzten Torschützen
des Monats in Reihen der Fortuna ab.
Klausi-Mausi hatte die Plakette im Jahr 1981 als
Spieler der Fortuna in Empfang nehmen können,
für seinen Treffer damals im DFB-Pokal gegen –
ausgerechnet – Werder Bremen. Nach 30 Jahren
wieder ein Fortune als Torschütze des Monats,
eine schöne Sache für den Verein und für den
Spieler. Und wenn der Rösler so weitermacht wie
bisher in der Saison, kann er auch in 30 Jahren
nochmal in die Auswahl kommen. Alter schützt
halt vor Traumtoren nicht.
Zu Gast beim FC Bayern
Am Montag, den 15. 08.2011, gab es ein wenig
Erstliga-Flair rund um Fortuna zu bestaunen.
Schließlich trat man beim FC Bayern an. Beim
selbsternannten. Genau, beim selbsternannten „FC
Bayern der 2. Liga“, Erstliga-Absteiger
Eintracht Frankfurt, der natürlich mit der
Maßgabe des direkten Wiederaufstiegs in die
Saison gegangen ist und sich aufgrund dieser
Vorgabe und eines Lizenzspieler-Etats von 19
Millionen Euro gleich mal vollmundig zum
Seriensieger gekürt hatte. Das ist natürlich
genau das, was solche Qualitätsmedien wie sport1
hören wollen. In punkto PR macht einem Profi wie
Heribert Bruchhagen eh niemand mehr etwas vor.
Unvergessen, wie er zur Winterpause der letzten
Saison noch mit Weitblick davon sprach, dass man
nunmehr, nachdem der Abstieg ja kein Thema mehr
sei, auch mal den Blick nach oben richten müsse.
Die Eintracht hatte die Hinrunde als
Tabellensiebter sensationell gut abgeschlossen.
Dann kam Herr Bruchhagen mit seinem flotten
Sprüchlein, die Eintracht holte in der Rückrunde
noch genau acht Pünktchen, schoss noch genau
sieben Tore und stieg sang- und klanglos ab. Ich
mag es ja, wenn die Lautsprecher unserer Zeit ab
und zu mal richtig auf die Glocke bekommen,
geschieht leider nur allzu selten, in allen
Bereichen.
Da man in Frankfurt aber lieber die die
beleidigte Erstliga-Wurst gibt, deren Abstieg
nur ein Betriebsunfall war, verpasste man sich
direkt das FC Bayern-Gütesiegel. Und Neu-Trainer
Armin Veh, der der Bundesliga eigentlich
versprochen hatte, dass er es sich ernsthaft
überlegen würde, als Trainer weiterzumachen,
wenn er beim HSV scheitern würde, was punktgenau
einige Wochen nach dieser Aussage der Fall war,
der Veh also sagte sich Beckenbauer-like „Was
geht mich mein Geschwätz vom letzten Satz an?“
und hängte sich flugs ebenfalls das FC
Bayern-Mäntelchen um.
Dass er sich damit in Frankfurt bester
Gesellschaft befindet, konnte man auch vor dem
Spiel gegen Fortuna beobachten. Aufsichtsrat
Axel Hellmann, der am Spieltag seinen 40.
Geburtstag feierte, hatte laut „Frankfurter
Rundschau“ nur den Wunsch, dass das Team am
Abend einen Sieg einfahren möge. Und da er
anscheinend nicht gerade zur Bescheidenheit
neigt, wie auch in diesem Umfeld, hatte er einen
entsprechenden Ergebnis-Tipp parat: „5:1“. Und
im Stadionheft zum Spiel fand sich der
Werbeslogan eines Kreditinstitut-Konzerns (doch,
so etwas gibt es): „Unser Lied für die Fortuna:
Wärst du doch in Düsseldorf geblieben.“ Der
zweitlangweiligste Kalauer nach diesen
Blitzbirnen von RW Essen, die sich bei unseren
Gastspielen dort stets dadurch erniedrigen, dass
sie „Viva Colonia“ spielen, weil sie der Meinung
sind, das würde Anhänger eines Fußballvereins
kurz vor einem Spiel so richtig ärgern.
Also, reichlich Maulhelden überall in Mainhattan,
und ein schöner Beweis, wie weit dieser ganze
Zirkus 1. Bundesliga schon runtergekommen ist.
Andererseits war die große Klappe gar nicht mal
fehl am Platze, sie verdeckte nämlich die schöne
Tatsache, dass die Eintracht zuletzt im April
irgendwann mal ein Heimspiel gewonnen hatte.
Auch beim ersten Heimspiel der neuen Saison
hatte es nur zu einem 1:1 gegen Mitabsteiger St.
Pauli gereicht, in einem schauderhaften Kick.
Die beiden Auswärtserfolge, das äußerst
glückliche 3:2 in Fürth und das souveräne 3:0 in
Braunschweig, bei dem man allerdings vom Gegner
auch nicht gefordert wurde, überdeckten die
Tatsache, dass die Eintracht derzeit noch um
einige Längen ihren eigenen Ansprüchen hinterher
hinkt. Bei dieser Eintracht musste man sich nun
wirklich nicht verstecken.
Wobei es zunächst so aussah, als wollten beide
Teams dies Lügen strafen. Vor der wirklich
tollen Kulisse von 42.000 Zuschauern – davon
knapp 5.000 Fortunen, an einem Montagabend! –
legte die Eintracht nämlich los wie die
Feuerwehr, und Fortuna kam kaum hinterher.
Vielleicht waren die Gastgeber auch motiviert
von der Show vor Spielbeginn. Da die Eintracht
ja so etwas Besonderes in der 2. Liga
darzustellen scheint, ließ man sich auch nicht
lumpen und bot mit Ralf Weber einen
erstklassigen Gesprächspartner für ein Interview
vor dem Spiel auf. Da stand er also nun auf dem
Rasen und sprach mit dem Stadionsprecher
ausführlich über den Gegner Fortuna Düsseldorf.
Das war schon aller Ehren wert, auch bei uns
geht man normalerweise nicht dermaßen
ausführlich auf den jeweiligen Gast ein. Gerne
hätte ich nun auch gehört, was Ralf Weber über
uns zu sagen hatte, leider verstand ich kein
Wort, was sicherlich an meinem Alter und dem
damit einher gehenden Hörverlust liegt und
weniger an dem hessischen Genuschel, welches
über die Lautsprecher drang. Einigen wir uns
also darauf, dass Weber fachkundig Auskunft gab
und vor Fortuna warnte, aber gleichzeitig der
Meinung war, seine Mannschaft könne es packen.
Ist ja auch logisch, was soll er sonst anderes
sagen? Dafür hätte man aber keine zehn Minuten
vertrödeln müssen. Man hätte die Zeit gehabt,
noch mehr so schöne Liedchen zu spielen wie die
Vereinshymne von Eintracht Frankfurt, im
Original abgespielt und damals ausgerechnet vom
Frankfurter Polizeichor eingesungen: „Im Herzen
von Europa liegt mein Frankfurt am Main!“ Im
Herzen von Europa! Da liegt meine Heimatstadt
Wülfrath auch, trotzdem ist noch nie einer auf
die Idee gekommen, Wülfrath irgendwie mit Europa
zu assoziieren. Sie hatten also auch damals
schon keinerlei Schwierigkeiten mit ihrem
Selbstbewusstsein, so möchte ich es mal
ausdrücken. Dass ausgerechnet die Frankfurter
Fans, die ja einen gewissen Ruf haben, den sie
analog zum Selbstbewusstsein ihrer Offiziellen
bereits im Mai diesen Jahres ganz bescheiden
mittels eines Transparents „Deutscher
Randalemeister 2011“ untermauert hatten, dass
also ausgerechnet dieses Völkchen anscheinend
vor jedem Heimspiel vom Frankfurter Polizeichor
beschallt wird, passt mal wieder wie die
sprichwörtliche Faust aufs Auge. Die blieb
übrigens auch während des gesamten Spiels
sprichwörtlich, es gab keinerlei Zwischenfälle,
und die Frankfurter machten stimmungsmäßig
zunächst auch ein ordentliches Fass auf.
Wozu sie auch allen Grund hatten. Es waren noch
keinen drei Minuten gespielt, da klingelte es
bereits im Fortuna-Kasten. Köhler hatte von
links geflankt, Weber noch leicht abgefälscht,
und der Flatterball verwirrte Torwart Ratajczak.
Die Kugel steuerte nämlich schnurstracks auf die
Tormitte zu, aus der sich der Keeper schon fort
begeben hatte, weil er doch eher eine Flanke
erwartet hatte. Mit einem Reflex konnte er den
Ball mit der rechten Hand noch unkontrolliert
nach vorne fausten, dann beging er seinen
entscheidenden Fehler: wie so oft sprang er nach
der Abwehr des Balles zwei Meter nach vorne,
überlegte es sich dann nochmal, blieb stehen und
wurde anschließend aus Nahdistanz per Kopf von
Sebastian Jung problemlos überlupft, 1:0 für
Frankfurt. In meinen Augen ein klarer
Torwartfehler, entweder muss er durchlaufen und
Jung den Helm abhauen, schließlich war es in
„seinem“ Fünfmeterraum, oder aber er bleibt auf
der Torlinie, dann kann er auf den Kopfball eine
Kappe werfen, war ja absolut kein Druck
dahinter. Scorerpunkt für den Treffer somit an
Ratajczak, kleiner Anteil noch für van den
Bergh, der sich im Kopfballduell von Jung
überspringen ließ. Toller Anfang.
Und in diesem Stil ging es weiter, Fortuna bekam
kein Bein auf den Boden. Nach knapp acht Minuten
wäre die Sache eigentlich schon erledigt
gewesen, als Lukimya ausrutschte und die Kugel
Eintracht-Stürmer Gekas überlassen musste. Dies
wäre jetzt nicht allzu tragisch gewesen, leider
war Lukimya letzter Mann und Gekas stürmte somit
alleine auf Ratajczak zu. Ob man sich von einem
0:2 zu solch früher Stunde erholt hätte, wage
ich mal zu bezweifeln. Zum Glück war Ratajczak
nach seiner Tiefschlaf-Phase in der dritten
Minute mittlerweile aufgewacht und konnte Gekas
im direkten Duell großartig den Ball vom Fuß
nehmen.
Nach einer Viertelstunde waren auch die
restlichen Fortunen aufgewacht und gedachten,
mitzuspielen. Und dies gelang dann richtig gut,
weil die Frankfurter Abwehr, alles andere als
sattelfest, zu soliden Chancen einlud. Das
Unglaubliche war nicht, dass die Fortuna so gut
nach vorne spielte, das Unglaubliche daran war,
dass es zur Pause immer noch 1:0 für Frankfurt
stand. Erst scheiterten Bröker und Lukimya mit
Doppelchance an der vielbeinigen Frankfurter
Abwehr, dann säbelte Lambertz völlig frei
stehend über den Ball, den van den Bergh im
Strafraum von links herrlich zurückgelegt hatte.
Kurz darauf machte der Fortuna-Kapitän es
besser, als er einfach mal von der Grundlinie
aufs kurze Ecke drauf hielt, aber der ewige Oka,
Frankfurts Keeper Oka Nikolov, seit 100 Jahren
im Eintracht-Dress, hatte aufgepasst und konnte
mit gutem Reflex klären. Der Mann hat schon Uli
Stein im Eintracht-Tor überlebt, mehr muss man
zu seiner Erfahrung wohl nicht sagen. Was ihn
allerdings kurz vor der Pause nicht daran
hinderte, mal so richtig schön schlecht an einer
raffinierten Rösler-Ecke vorbei zu fliegen. Mit
diesem Eckball wurde dann gleich die nächste
Doppelchance vergeben, zum Einen hätte Rösler
den Ball fast direkt ins Tor gedreht, da fehlte
nicht viel, zum Anderen sprangen am langen
Pfosten sowohl Bodzek als auch Bröker frei an
Ball und leerem Tor vorbei. Es war schon zum
Haareraufen.
Während dieser ganzen Zeit hatte man von der
Eintracht nichts weiter gesehen als einen
gefährlichen Angriff, allerdings brillant
vorgetragen, ruckzuck ging es nach vorne, der
Abschluss von Matmour mit vollem Risiko ging
allerdings in die Wolken. Fortuna hatte das
Spiel im Griff, lag aber zur Pause noch mit 0:1
zurück.
In dieser Saison anscheinend kein Grund, Panik
zu schieben. Denn zu Beginn der zweiten Halbzeit
– ein Zeitraum, den die Mannschaft in jüngeren
Zeiten gerne mal komplett verpennte – knüpfte
man einfach ans Ende der ersten an, mehr noch,
jetzt spielte man Frankfurt eine Viertelstunde
lang schwindlig. Besonders Maximilian Beister
drehte auf, bislang doch mit eher durchwachsenen
Einsätzen, noch kein Vergleich zu seinen
Leistungen in der letzten Rückrunde. Aber nach
drei Spielen und einer Halbzeit war er dann auch
endlich in der neuen Saison drin. Zunächst
allerdings animierte er zum Haareraufen: Rösler
hatte sich im Kopfballduell durchgesetzt und den
Ball in den Lauf von Beister gelegt, der hatte
nur noch Nikolov vor sich und ganz viel Zeit,
und was machte der? Wollte unbedingt mit einem
Lupfer von der Strafraumgrenze das Tor des
Monats erzielen. Es wurde ein Heber ins Nirwana,
eine wirklich 100%ige Chance wurde leichtfertig
vergeben. Aber dies stachelte den 20-Jährigen
nur noch mehr an. Zwei Minuten später spielte er
einigen Frankfurten Knoten in die Beine, bevor
sein Lauf an der Grundlinie unsanft gestoppt
wurde – ausgerechnet von Ex-Fortune Bamba
Anderson, der erst kurz zuvor in einer
Nacht-und-Nebel-Aktion von Borussia
Mönchengladbach ausgeliehen worden war. Bamba
traf eindeutig Beisters Bein, aber für Schiri
Robert Hartmann war dies internationale Härte,
er ließ weiterspielen. Beister fluchte kurz,
dachte sich wahrscheinlich, dass es in den
verbleibenden 40 Spielminuten noch genug
Gelegenheiten geben würde und nutzte einfach die
nächste, nur vier Minuten später: nach Traumpass
von Bodzek umkurvte er Schildenfeld und hämmerte
die Kugel flach mit links ins Netz.
1:1-Ausgleich in der 54. Minute, aber sowas von
verdient.
Und nur wiederum vier Minuten später hätte es
auch die Führung sein können, als Bröker sich am
Fünfmeterraum gegen Schildenfeld durchsetzte und
dieser zum Trikottest ansetzte. Eindeutiger ging
es nicht, das Ziehen am Trikot war bis unter das
Tribünendach zu sehen – Schiri Jürgen Hartmann
winkte ab und ließ weiterspielen. Selbst ein
Frankfurter hinter mir fragte völlig entgeistert:
„Warum pfeift der das nicht?“ Eines der größten
Rätsel der Menschheit. Vielleicht hatte Bröker
seine Pirouette zu schwungvoll gedreht, das ist
ja immer ein Problem, wenn Spieler auch bei
leichten Fouls den sterbenden Schwan markieren,
ein unsicherer Schiedsrichter neigt dann schon
mal dazu, auch bei echten Fouls weiterlaufen zu
lassen. Aber trotz der etwas übertrieben Einlage
war dies ein glasklares Foul, und das darf ein
Schiedsrichter nicht übersehen, so sehr ihn auch
die Schauspielerei des Stürmers nerven mag.
Nachdem die Fortuna eine Viertelstunde
Power-Fußball gezeigt hatte, kam Frankfurt
besser auf. Köhler prüfte Ratajczak mit einem
Fernschuss, und ausgerechnet Bamba Anderson
wollte in bester Tradition nahezu aller
Ex-Fortunen gegen uns auch mal einnetzen. Sein
Kopfball nach einer Ecke war auch für Ratajczak
unerreichbar, zum Glück stand van den Bergh auf
der Linie und konnte klären.
Und nachdem der eingewechselte Ilsø in der 81.
Minute mit einem überhasteten Abschluss den
möglichen Siegtreffer vergeben hatte, bekam ein
anderer ihn drei Minuten später auf den
Schlappen serviert. Nach einer Unachtsamkeit in
der Fortuna-Abwehr kam ausgerechnet Theofanis
Gekas aus zehn Metern frei zum Abschluss. Von
dem hatte man nach seinem gescheiterten Solo in
der achten Minute nichts mehr gesehen, ich
wunderte mich, dass der überhaupt noch
mitspielte. Und genau das ist die Stärke eines
Spielertyps wie Gekas. Völlig aus dem Nichts
tauchte der sechs Minuten vor dem Ende vor
Ratajczak auf und ließ seinen finalen Böller
los. Und der hätte auch gepasst, aber Ratajczak
konterte mit der finalen Glanzparade und konnte
den Ball abwehren. Er hatte im Lauf des Spiels
seinen Fehler aus der dritten Minute eh schon
reichlich wieder wettgemacht, aber das Ding war
dann die Krönung.
Fortuna verspielte einen möglichen Sieg in
Frankfurt und konnte sich zum Schluss bei
Ratajczak bedanken, dass man noch einen Punkt
mitnahm. Aber die Mannschaft zeigte eine
bärenstarke Leistung beim „FC Bayern der 2.
Liga“ und nahm den Punkt hochverdient mit. Das
beste Auswärtsspiel seit langem, und das auch
noch beim Top-Favoriten. Es gibt Tage, da kann
man sich nur verwundert die Augen reiben…
Medienkasper
Apropos „Augen reiben“. Hier noch zwei fachliche
Kommentare zum Spiel, von Leuten, die doch
Ahnung haben müssten. Vom Spiel, vom Fußball,
von einer Saison. Die Medien halt. Die bereits
zitierte „Frankfurter Rundschau“ bewertete Spiel
und Ergebnis wie folgt: „Es war ein
leistungsgerechtes Remis, das beiden Teams auch
weiterhin alle Möglichkeiten lässt.“ Den zweiten
Halbsatz gerne nochmal langsam zum Mitlesen:
„…das beiden Teams auch weiterhin alle
Möglichkeiten lässt.“ Nach dem vierten
Spieltag! Da bin ich aber heilfroh, dass wir
nicht verloren haben – denn dann wäre
selbstverständlich alles vorbei gewesen – nach
dem vierten Spieltag…mein Gott.
Das ARD-Morgenmagazin setzte am Tag darauf noch
eins drauf. Peter Grossmann resümierte, beide
Teams würden nach dem Remis „auf Platz 6 und 7
der Tabelle dümpeln.“ Dümpeln! Nach dem
vierten Spieltag, zwei Punkte vom
Spitzenreiter entfernt, dümpeln wir da so vor
uns hin. Ich nehme an, der weiß noch nicht mal,
was das Wort bedeutet, der liest ja eh nur ab.
Da der Grossmann zum WDR gehört und dieser in
seiner Sport-Redaktion bekanntlich eh nur über
Pflichtkölner verfügt, musste natürlich ein Haar
in der Suppe gefunden werden, und Pflichtkölner
Grossmann fand es: „Die Fortuna jetzt seit April
ohne Auswärtssieg.“ Das ist doch
Berichterstattung vom Feinsten. Fortuna seit
vier Monaten ohne Auswärtssieg! Okay, zwei davon
waren Sommerpause, aber egal, das ist doch mal
ne Schlagzeile. Natürlich ist jedem die
Lächerlichkeit einer solchen „Statistik“
bewusst, aber sie müssen so etwas ja bringen,
weil sie ansonsten gar nichts mehr zum Thema zu
sagen hätten. Und dass dies durch die Kölner
Brille geschah, ist auch keine Paranoia von mir,
sondern ganz leicht erklärbar: bei der sieglosen
Zeit, die Grossmann reißerisch verkündete,
handelte es sich nämlich um – vier Unentschieden
(Karlsruhe, Fürth, Paderborn und jetzt
Frankfurt). Klingt natürlich jetzt nicht so toll
wie „seit April ohne Auswärtssieg“. Im April gab
es übrigens den erwähnten Auswärtssieg in
Oberhausen. Das heißt, wenn man auf eine
reißerische Statistik scharf gewesen wäre, wäre
die andere Variante wesentlich beeindruckender
gewesen. Fortuna hat seit dem 18. März
(0:1 in Duisburg) kein Auswärtsspiel mehr
verloren! Man war überhaupt seit dem 18.
März ungeschlagen! Aber das darf ein Kölner
Sender anscheinend nicht verkünden, also wurde
es schön andersrum gedreht. Es bleibt die nicht
neue Erkenntnis: trau keiner Statistik, die du
nicht selbst gefälscht hast. Und außerdem: was
kümmert es die Düsseldorfer Eiche, wenn sich ne
Kölner Sau dran schubbert? Es ist eher
erheiternd. Wenn sich Kölner Redakteure schon
solche Sachen ausdenken müssen…dann sind wir
wirklich auf dem Weg nach oben.
A Drrraum!
Nur vier Tage nach diesem schönen Spiel wartete
direkt das nächste Match gegen einen klangvollen
Namen. Am 19.08.2011 kam der TSV 1860 München in
die esprit-Arena, mit solch breiter Brust, dass
ich mich wunderte, dass die Jungs beim
Aussteigen aus dem Mannschaftsbus alle durch die
Tür passten. Verständlich, in der Woche zuvor
hatte man Erzgebirge Aue 4:0 abgefertigt,
wiederum eine Woche zuvor bei Energie Cottbus
mal eben 5:0 gewonnen. Die „Löwen“ waren also
richtig gut drauf. Eine schöne
Standortbestimmung, zugleich auch eine
Generalprobe, denn gegen denselben Gegner geht
es am 25.10.2011 in der 2. Runde des DFB-Pokal.
Und ich sag es mal so: wenn die dann wieder
solch eine Leistung abliefern wie an jenem
Freitag, dann werden sie herzlich willkommen
sein. Oder andersrum: wenn unsere Spieler dann
wieder solch eine Gala abliefern wie an jenem
Freitag, dann werde ich erneut mit einem breiten
Grinsen im Gesicht auf der Tribüne sitzen.
Fortuna gewann mit 3:1. Aber das Ergebnis ist
ein Witz. 6 oder 7 Tore hätten es sein müssen,
und bitte, der langjährige Leser weiß, dass ich
nur ganz selten zur Übertreibung neige. Ich
meine das Ernst. Und selbst damit hätten die
„Löwen“ noch zufrieden sein können.
Es gibt viele Begriffe, um das Kräfteverhältnis
an jenem Abend auszudrücken: Fortuna überrollte
den Gegner. Spielte ihn an die Wand. Ließ ihm
keine Chance. Zerrupfte ihn. Demontierte ihn.
Führte ihn vor. Ver- ach, ich hör lieber auf,
bevor ich Sabber vorm Mund habe. Es war ein
Abend, an dem sich auch alte Säcke wie ich, die
der Meinung waren, schon alles gesehen zu haben,
mit offenen Mund anstarrten und nur einen Wunsch
hatten: „Bitte lass uns nicht morgen aufwachen,
und wir haben alles nur geträumt.“ Einfach
herrlich.
Wenn ich alle Chancen ausführlich schildern
würde, die wir in dieser Partie herausspielten,
ich könnte ein weiteres Buch herausgeben. Hier
nur mal ein kleiner Anschmecker in
chronologischer Reihenfolge:
Bröker umkurvt den gegnerischen Strafraum. Wie
ein Kreisläufer beim Handball zieht er mit dem
Ball vom linken Strafraumeck quer rüber zum
rechten, dann dort in den Strafraum rein. Auf
dem Weg von links nach rechts lässt er ca. vier
Gegenspieler wie Wegelagerer stehen. Dann die
Flanke von rechts auf den langen Pfosten, dort
ist Fink völlig frei. Der muss nur per Kopf zum
völlig blank stehenden Sascha Rösler
zurücklegen, schafft es aber nicht ganz, Torwart
Kiraly kann abfangen;
Lambertz dribbelt mal ein bisschen bis zum
Sechzehner. Als der Raum eng wird, dribbelt er
halt wieder ein paar Meter zurück, auch er hat
in der Zeit seines Ballbesitzes mal eben vier
Leute dumm aussehen lassen. Legt rechts raus zu
Weber. Der wird auch nicht angegriffen, legt
sich den Ball in aller Gemütsruhe vor und hält
dann aus 20 Metern Höhe rechtes Strafraumeck mit
voller Wucht drauf. Der Ball passt rechts oben
in den Winkel, Kiralys Hand leider auch. Mit
einem tollen Reflex wischt der den Ball über die
Latte;
Beister kurvt von rechts in Höhe des Strafraums
in die Mitte, auch unbehelligt von zwei
Gegenspielern, zieht von dort flach mit links
ab, Zentimeter neben das Tor. Dass das aussieht
wie bei Arjen Robben, schreib ich nicht, hat
jeder Fernsehsender und jedes Käseblatt schon
getan. Was interessiert mich auch ein
holländisches Püppchen, das ab und zu mal schöne
Tore schießt, dann wieder hustet und vier Wochen
verletzt ist?
Wieder Beister über rechts, bringt den Ball hart
vors Tor. Am kurzen Pfosten grätscht Bröker
Zentimeter am Ball vorbei, zwei Meter vor dem
Tor. Kiraly ist dadurch abgelenkt, der Ball
saust durch den Fünfmeterraum, hinter dem langen
Pfosten rauscht Rösler heran, um zu
vollstrecken, sein Schuss wird vor der Linie
aber mit beeindruckender Fluggrätsche von
Rukavina noch abgelenkt.
Alles gelesen? Dann lest es nochmal, und wenn
ihr damit durch seid, habt ihr quasi die
„Echtzeit“. Denn als Rösler die letzte der vier
Chancen vergab, waren gerade mal ganze acht (!)
Minuten gespielt. Die „Löwen“ wussten bis dahin
gar nicht, wo die Mittellinie war. Unglaubliches
Tempo.
Und in diesem Stil ging es weiter. Vor allem
Maximilian Beister machte das Spiel seines
Lebens, gab seinen Gegenspielern Feick und Stahl
unlösbare Rätsel auf. Auch wenn Gäste-Trainer
Reiner Maurer den Maxi hätte triplen lassen, an
jenem Abend hätte es nichts genutzt. Für Beister
waren das alles nur Slalomstangen. Auch Sascha
Rösler machte gegen einen seiner Ex-Vereine, was
er wollte. Und in diesem Stil ging es weiter.
Beister aus sechzehn Metern knapp drüber, Rösler
aus zwölf Meter am Tor vorbei geschlenzt,
Beister mal wieder gegen seine zwei
Gegenspieler, dann aber flach in die Arme von
Kiraly – und es war noch immer keine halbe
Stunde gespielt. Dass es noch 0:0 stand, war der
Witz der Woche. Die Gäste verdankten dies einzig
ihrem Keeper und der Ungenauigkeit der
Fortuna-Spieler beim Abschluss.
Also hatten die „Löwen“ ein Einsehen und halfen
dann auch kameradschaftlich mit. In der 29.
Minute tanzte Beister mal wieder Feick rechts an
der Grundlinie aus, drang in den Strafraum ein
und diesmal reichte dem Abwehrspieler die
Demütigung. Er rang Beister griechisch-römisch
nieder, Elfmeter, klare Sache. Da der etatmäßige
Elferschütze Jens Langeneke eh schon
angeschlagen in die Partie gegangen war, winkte
dieser ab, also machte Sascha Rösler die Kugel
rein. Wie, darüber breiten wir mal den Mantel
des Schweigens, wenn ich je einen Elfmeter der
Kategorie „haltbar“ gesehen habe, dann war es
dieser. Egal, der Ball war drin, und es war die
verdienteste Führung der Fußballgeschichte. Sag
ich einfach mal so. Rösler hatte somit in den
letzten sechs Heimspielen jeweils getroffen.
Aber noch war ja nicht Pause. Und siehe da, in
der 33. Minute konnte etwas Unerhörtes gesichtet
werden: der erste Torschuss der „Löwen“,
abgefeuert von Daniel Halfar aus 16 Metern, zum
Glück genau auf Torwart Ratajczak, denn die
Position war nicht schlecht, und gut getroffen
hatte er den Ball auch. Aber wie gesagt, kein
Problem, und dann war eh wieder Beister dran. Da
ihm an jenem Abend alles gelang, wundert auch
nicht, wie er die nächste Chance herausholte:
bei einem Eckstoß von der rechten Seite war er
auf der Grundlinie dem Eckenschützen Rösler
entgegen gelaufen, dieser hatte ihn flach
angespielt. Beister wollte wohl zurück spielen,
verhedderte sich aber irgendwie, blieb jedoch in
Ballbesitz. Und da Rösler nun nicht mehr frei
stand, machte der Maxi es einfach wieder selbst,
ringelte sich um seinen bedauernswerten
Gegenspieler herum, drang in den Strafraum ein,
ließ noch eine Slalomstange stehen und zog
wieder mal trocken ab, nur dass er diesmal die
lange Ecke anvisierte. Kiraly konnte nur
bewundernd hinterher schauen und sich
anschließend darüber freuen, dass die Tore so
klein sind, denn der Ball schepperte gegen den
Pfosten.
Aber der an jenem Abend unfassbare Max hatte
noch einen. Ecke für die „Löwen“, abgewehrt, am
eigenen Sechzehnermeterraum legt Lambertz die
Kugel in den Lauf von Beister und ab geht`s. Ein
Solo-Lauf fast über das ganze Feld, verfolgt,
gestellt und doch nicht gestoppt von fünf
Gegnern. Im gegnerischen Strafraum kommt er
sogar noch zum Abschluss, aber Kiraly kann den
Flachschuss halten. Trotzdem eine herausragende
Leistung von Beister. Dann, erst dann ist Pause.
Eigentlich kaum zu glauben, oder?
Man konnte es eigentlich kaum erwarten, bis es
weiterging. Und dass an jenem Abend alles gehen
würde, demonstrierte Stadion-DJ Opa, der das
Kunststück fertig brachte, zur Würdigung des
Gegners erst „Ich wünsch mir ne kleine
Miezekatze“ von Wum zu spielen, woraufhin dieser
Fetzer nahtlos in „Lovecats“ von The Cure
überging. Ob die „Löwen“-Fans die Anspielungen
verstanden, ist mir sowas von egal, ich weiß nur
– Loriot im Stadion, unerreicht!
Vielleicht hatten es aber die Gäste im
Spielertunnel gehört und verstanden, auf jeden
Fall setzten die „Löwen“ ihren Schmusekurs auf
dem Feld fort. Nachdem sie wieder aufs Grün
zurückgekehrt waren – es heißt, den beiden
Gegenspielern von Beister sei dies nur mit Hilfe
eines Kompasses gelungen –, machten beide Teams
da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört
hatten. Und wie sie weiter machten, lassen wir
doch gerne einen der Protagonisten selbst
erzählen, den neben Beister und Rösler
überragenden Kapitän Andreas Lambertz:
„Anstoß, ich spiel’ Rösi an. Der spielt mich
wieder an, Doppelpass mit Finki, Tor.“ So
einfach ist Fußball. In seiner Bescheidenheit
unterschlug Lambertz, dass er vor dem Doppelpass
mit Fink wieder mal eben vier Gegenspieler hatte
stehen lassen. Anschließend tunnelte er Kiraly
noch mit seinem Flachschuss, und als der Ball
zum 2:0 im Netz einschlug, hatte das Spiel
gerade mal wieder 19 Sekunden auf der Uhr! Da
hatte sogar unser Stadionsprecher Mitleid,
wollte den Gästen ein wenig unter die Arme
greifen und kündigte den Treffer mit einem lieb
gemeinten „Ja guten Morgen!“ an.
Nun begann die Zeit der Schönspielerei. Man
hatte den Gegner schon auseinander genommen, nun
wollte man auch zaubern. Das mag ich bei einem
solchen Spielstand nicht besonders, aber Fortuna
war derart turmhoch überlegen, dass es diesmal
nichts ausmachte. Besonders Rösler wollte noch
glänzen, fand aber zweimal in Kiraly seinen
Meister. Erst hatte er rechts im Strafraum
zweimal seinen Gegenspieler auf einem Bierdeckel
ausgetanzt, den harten Schuss aufs kurze Eck
konnte der Ungar aber parieren; wenige Minuten
später tauchte Rösler nach feiner Kombination
wiederum frei vor Kiraly auf und wollte ihn
diesmal überlupfen, doch der Keeper roch den
Braten und konnte den Heber abfangen. In beiden
Fällen wäre ein Pass in die Mitte zum besser
postierten Mitspieler die günstigere Alternative
gewesen, aber wir wollen mal nicht so sein.
Zumal sich die „Löwen“ anschlossen und Benny
Lauth (ja, der spielte auch noch mit) bei einem
der wenigen Angriffe der Gäste auch über
Ratajczak, aber auch neben das Tor lupfte.
Und Maxi Beister? Der machte immer noch, was er
wollte, wenn er auch nicht ganz so präsent war
wie in der ersten Hälfte. Bis zur 67. Minute. Da
kurvte er mal wieder in den Strafraum ein,
diesmal über links, kabbelte sich wieder mit
seinem Gegenspieler Stahl, der bekam die
Fußspitze an den Ball, konnte aber nicht klären,
Beister setzte nach und drosch die Kugel dann
aus spitzem Winkel hoch ins kurze Eck, als Stahl
für einen Moment die Lücke aufmachte und Kiraly
aufgrund der Nähe des Schützen den Arm nicht
mehr schnell genug hoch bekam. 3:0, und endlich
das verdiente Tor für Beister. Eigentlich hätte
der schon in der ersten Halbzeit die Führung der
Torschützenliste übernehmen müssen.
Nun war die Sache klar, Fortuna ließ es ein
wenig schleifen, die „Löwen“ spielten auch mal
ein bisschen mit. Während dessen wurde das
Kultobjekt von 60-Keeper Kiraly, seine graue
Schlabberhose, vom einheimischen Publikum
anerkennend mit „Zieht dem Torwart die
Jogginghose aus!“ gewürdigt – wen interessieren
an einem solchen Abend noch die Bayern oder
Lederhosen? Aber nix gegen Kiraly. Auch wenn er
für die einzige unfaire Szene des Spiels sorgte,
als er beim Schiri vehement eine Gelbe Karte
gegen Rösler forderte, nachdem der nach
Abseitspfiff den Ball trotzdem noch ins Tor
gespitzelt hatte – ohne diesen positiv
bekloppten Ungarn wären die „Löwen“
untergegangen. Ich mag den irgendwie, er spielt
halt nur immer bei den falschen Vereinen.
Ein Highlight gab es aber noch, eigentlich
tragisch, aber an jenem Abend entlockte es uns
höchstens noch ein anerkennendes Lächeln. In der
83. Minute Freistoß für die „Löwen“, etwa 30
Meter vom Fortuna-Gehäuse entfernt. Trainer
Meier nutzt die Gelegenheit, um Adam Bodzek
auszuwechseln, unser Sechser hatte nach wieder
mal sehr gutem Spiel bereits Gelb gesehen und
mehrfach gemeckert, da wollte Meier kein Risiko
eingehen. Es geht also Bodzek, und es kommt
Neuzugang Karem Aouadhi. Das erste
Zweitliga-Spiel für unseren Mann aus Tunesien.
Der klatscht Bodzek ab, läuft in den eigenen
Strafraum, der Freistoß wird frei gegeben, Lauth
bringt den Ball hoch in den Strafraum, und
plötzlich pfeift Schiri Florian Meyer Elfmeter.
Verursacht durch Karem Aouadhi, der seinen
Gegenspieler am Elfmeterpunkt festgehalten
hatte, worauf dieser zu Boden sank. Kann man
sicherlich geben, sah aber eher nach
Konzessionsentscheidung aus. Der arme Aouadhi.
Noch keine zehn Sekunden auf dem Feld, noch
keinen Ball berührt, aber schon einen Elfmeter
verursacht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass
auch dies ein Rekord ist. Getreu dem Motto: Wir
sind Fortuna – wir können alles! Lauth machte
den Elfer rein, und der Endstand war perfekt.
Apropos Rekord. Dieses 3:1 war das 17.
ungeschlagene Heimspiel in Folge,
saisonübergreifend hat die Fortuna also jetzt
eine ganze Saison kein Heimspiel mehr verloren.
Die geradezu unfassbare Bilanz dieser
Heimspiele: 16 Siege, 1 Unentschieden. Das ist
eigentlich kaum noch zu glauben. Wie der gesamte
Abend. Und deshalb grinse ich auch immer noch.
Ja, diese Schilderung war eine einzige
Lobeshymne. Man möge es mir nachsehen. Aber
anders war dieser Angriffwirbel der Fortuna
nicht zu beschreiben. Das beste Heimspiel der
letzten Jahre sollte auch entsprechend gewürdigt
werden. Auch wenn es auf dem Papier „nur“ ein
3:1 war.
Abschließend noch eine Anekdote, die zeigt, dass
nicht nur die Spieler auf dem Rasen und die
restlos begeisterten Fortuna-Fans unter den
28.300 Zuschauern alles gaben. Auch wer gerade
im Urlaub weilt, versucht derzeit natürlich
alles, um die Fortuna in voller Länge zu sehen.
Auch wenn dies manchmal bedeutet, in der Höhle
des Löwen zu agieren und erst einmal
Überzeugungsarbeit zu leisten. Hier also noch
der Bericht des Fortuna-Fans mit Nickname
„Altfortune Geldern“, der ausgerechnet an diesem
Spieltag im Urlaub war, sich das Erlebnis
Fortuna aber nicht nehmen lassen wollte. Was
nach einigen Schwierigkeiten auch gelang:
„Benni und ich im Urlaub im tiefsten
Nordfriesland. Sky-Receiver und Karte dabei, das
Ferienhaus hat laut Katalog Satelliten-TV.
Leider aber hat die Schüssel noch kein
Digital-LNB, somit nicht zu gebrauchen. Am
Montag Frankfurt-F95 auf Sport 1 geguckt, aber
gestern musste es ja Sky ein. Also gestern
Vormittag im Internet nach Sky-Sportsbar in
Niebüll gegooglet, 3 Treffer. Erste Möglichkeit
war ein Wettbüro, kam also nicht in Frage,
zweite Möglichkeit ein Bahnhofsbistro. Also dort
angerufen und gefragt, ob wir F95-1860 München
schauen könnten, Antwort: „Nee, sind ja 3
Spiele, da machen wir die Konferenz an“. Okay.,
wäre besser gewesen als nichts. Dritte
Möglichkeit ein Fitnessstudio außerhalb im
Industriegebiet, keiner geht ans Telefon.
Also gegen 17.00 Uhr losgefahren und das
Fitnessstudio angesteuert. Sah ziemlich
geschlossen aus, aber rein und zur Theke und
nachgefragt, ob a) hier die Sky-Sportsbar wäre
und b) ob wir Fortuna Düsseldorf-1860 München
schauen könnten. Fragt der gute Mann hinter der
Theke „Düsseldorf? Schaut euch doch mal um.“
Umgeschaut, hängt an der Wand ein Rahmen mit
unterschriebenem Podolski-Trikot, dazu jede
Menge weiterer Köln-Utensilien. Da waren wir
doch tatsächlich gelandet im „Clubheim“ des
Fanclubs der „Deichgeißböcke“. „Also Jungs“,
sagte der Mann hinter der Theke, „ihr seit hier
definitiv falsch, und außerdem schließen wir um
18.00 Uhr.“
Aber dann haben wir uns weiter nett unterhalten,
uns gemeinsam auf den Rautenclub als ärgsten
Mistclub der Liga geeinigt, und dann durften wir
uns im Heiligtum des Fanclubs per Beamer auf
Großleinwand mit fetten Lautsprechern das Spiel
reinziehen. Okay, seinem Chef darf er es wohl
nicht erzählen, aber es gibt sie doch wirklich
manchmal - nette Kölner.“
Und ich hoffe einfach mal, dass dieser Chef als
eingefleischter Kölner auch nicht auf meiner
Seite mitliest. An solchen Abenden klappt bei
uns sogar die Völkerverständigung. Einfach nur:
ein Traum.
Zum Glück bin ich nicht zwischendurch
aufgewacht.
Nullnummer mit 1,5 Schiri
Am Samstag, den 27.08.2011, war es dann so weit.
Jawohl, unser erstes Samstagsspiel in dieser
Saison stand an, gleichzeitig eine ziemlich
heiße Kiste. Die Fortuna trat bei Alemannia
Aachen an, die aktuell unsere letztjährige
Saison nachspielen. Nach fünf Spielen einen
einzigen Punkt und ein einziges Tor, ein wenig
wenig für die Ansprüche im Dreiländereck. Im
Gegensatz zu unserer Durststrecke im letzten
Jahr wackelt deren Trainer allerdings doch schon
ein bisschen, weshalb es für ihn oberstes Gebot
war, das Spiel nicht zu verlieren. Aber die
Aachener wollten nach zwei Heimpleiten auch
nicht plötzlich ein Auswärtsspiel auf ihrem
Tivoli haben. Und wenn schon Gästefans, dann
bitte sollte deren Stimmung auch nicht zu
euphorisch sein. Um diesen Wunschzettel auch mit
Leben zu füllen, hatte man sich allerhand
lustige Maßnahmen ausgedacht. Was dies für das
Spiel bedeutete, darf deren Trainer Hyballa gern
selbst sagen. Allerdings natürlich erst nach dem
Spiel: „Wir haben uns die ganze Woche darauf
vorbereitet, ich habe den Derbycharakter des
Spiels betont, wir wollten es so hart und
aggressiv. Wir haben intensiv daran gearbeitet,
wie man zwei Spieler wie Beister und Rösler aus
dem Spiel nehmen kann.“ Wir werden noch sehen,
was dies im Klartext heißt.
Und während die Spieler sich eh schon mental
darauf einstellen konnten, dass es ordentlich
was auf die Socken geben würde, schließlich war
ein Gastspiel in Aachen noch nie ein Kurzurlaub
auf dem Ponyhof, machten sich die Gastgeber
daran, diese Sache mit den Zuschauern mal auf
den Weg zu bringen. Zunächst wurde unmittelbar
nach dem vorherigen Spiel, in dem man mit einem
0:0 in Rostock den ersten Punkt der Saison
holte, schon verkündet, dass jeder
Dauerkartenbesitzer der Alemannia für dieses
Spiel eine zusätzliche Freikarte erhalten würde.
Liebe schlagzeilenverliebten und
recherche-resistenten Qualitätsmoderatoren bei
sky, sport1 oder Sportschau – über solche
Maßnahmen solltet ihr mal berichten. Da quatscht
ihr eine Woche lang permanent was von einem
„West-Derby“, „West-Schlager“ und wie eure
Begriffe für ein Spiel, dessen beteiligte Städte
90 km trennen, noch so lauten, um es interessant
zu reden. Was sagt ihr denn dazu? Der Trainer
von Aachen muss eine ganze Woche lang bei seinen
Spielern den „Derbycharakter“ betonen, damit die
überhaupt etwas davon mitkriegen, und der Verein
muss mehrere tausend Freikarten springen lassen,
um sein Stadion für dieses Spiel voll zu
kriegen. Also nehmt doch endlich mal zur
Kenntnis, dass das kein Derby ist. Nur ein Spiel
zweier Vereine, deren Städte nicht allzu weit
voneinander entfernt liegen, was den Fans der
jeweiligen Auswärtsmannschaft bei der Anreise
zeitlich zu Gute kommt. Aber der letzte Satz ist
keine Definition für ein „Derby“, auch wenn ihr
das anscheinend anders seht.
Nachdem Aachen nun dafür gesorgt hatte, dass man
auf jeden Fall in der Mehrheit sein würde,
wurden auch noch die Gästefans verarztet. Der
Gästeblock (ca. 3.000 Zuschauer) war eh schon
seit Wochen ausverkauft, der Sitzplatzblock
direkt daneben ging für 24 Euro auch wie
geschnitten Brot. Als die Nachfrage der
Fortuna-Fans nach der Gala gegen 1860 München
nochmals zulegte, machte man einfach den
nächsten Block auf, schenkte also die komplette
Hintertortribüne her – bloß kosteten die Karten
jetzt 32,50 Euro! Eine fluffige Steigerung, wenn
man bedenkt, dass hierfür dieselbe Aussicht
geboten wurde, nur ein paar Meter weiter rechts.
War wohl eher als abschreckende Offerte gedacht.
Und als dies trotz großen Frusts auf
Düsseldorfer Seite immer noch nicht den
gewünschten Effekt hatte und man mit 5-6.000
Gästefans rechnen musste, da dachte man sich
drei Tage vor dem Spiel noch einige zusätzliche
lustige Sachen aus, um den Gästen den Aufenthalt
so unangenehm wie möglich zu machen. Plötzlich
hieß es, dass beim Verlassen des Gästeblocks –
z.B. für einen Toilettengang oder einen Besuch
am Verpflegungsbüdchen, also auch in der Pause –
alle Tickets einkassiert werden würden und beim
Wiederbetreten erneut ausgehändigt werden
sollten. Wer sich diese Schnapsidee ausgedacht
hat, der kann auch nur von einem anderen Stern
sein. Ich hätte denjenigen ja dazu verdonnert,
es selbst mal auszuprobieren. Mal abgesehen
davon, dass auf solchen Eintrittskarten unter
anderem geschrieben steht, dass sie auf
Verlangen vorzuzeigen sind. Und die wollten die
dann einkassieren, von mehreren tausend Leuten
gleichzeitig? Super Idee. Noch besser war
allerdings das Verbot, andere Fan-Utensilien als
das, was man am Leibe trug, mit ins Stadion zu
bringen. Das heißt keine Fahnen, keine
Transparente, keine Zaunfahnen, keine Trommeln,
kein Megafon, kein nix, was man heutzutage so
braucht. Und warum? Nachdem beim letzten
Aufeinandertreffen beider Teams auf dem Tivoli
im Dezember letzten Jahres nach dem Spiel
im Gästeblock Pyro abgebrannt worden war, hatte
man uns kurzerhand diese Strafe aufgebrummt.
Gilt nur für Düsseldorfer Fans und für die
nächsten drei (!) Jahre. Aber schön, dass man
dies auch schon drei Tage vor dem Spiel erfuhr,
wie gesagt, im letzten Dezember…
Also, das alles roch geradezu nach Eskalation.
Man wollte die Gäste schon stinksauer ins
Stadion bringen und dort dann noch ein wenig auf
180 treiben. Das alles natürlich, nachdem man
sie schön ausgenommen hatte, denn die Preise in
Aachen sind wirklich erstligareif. Die lassen
ihre eigenen Zuschauer ihr vereinseigenes
Stadion abbezahlen, und die sind anscheinend
auch noch stolz darauf. Echt putzig.
Im Endeffekt mussten sie dann doch einlenken,
denn wenn es bei dieser Konstellation Ärger
gegeben hätte, wäre die Schuldfrage nicht ganz
problemlos einseitig zu verteilen gewesen, um es
mal so zu formulieren. Diese Albernheit mit der
Eintrittskartenabgabe wurde wieder verworfen,
und einige Fan-Clubs durften ihre Zaunfahnen
aufhängen, Schwenkfahnen allerdings konnten
nicht gesichtet werden. Lächerlich so was. Und
schon irgendwie erstaunlich, wie viel Angst man
anscheinend in Aachen vor dem Spiel hatte…jaja,
wenn die Nerven blank liegen, dann lässt man
halt gerne andere dafür büßen.
Somit begann das „West-Derby“ allgemein schon
nicht unter so richtig tollen Vorzeichen. Da mir
eh klar war, dass die Aachener zunächst Rasen
und Gegner umpflügen würden, ließ ich nach dem
Anpfiff mal die Uhr mitlaufen. Nach exakt 28
Sekunden senste Radjabali-Fardi an der
Seitenlinie in Höhe der Mittellinie, also
wirklich eine brandgefährliche Position,
Maximilian Beister um. Einfach mal so, zum
Kennenlernen. Entscheidend wäre hier natürlich
ein Schiri, der direkt von Anfang an durchgreift
und den Jungs sagt, wo es lang geht. Aber es war
ja nur ein gewisser Dr. Brych, was soll man da
erwarten? Noch nicht einmal eine Ermahnung.
Nach gespielten drei Minuten gab es einen
Freistoß für Aachen, halbrechts in der Hälfte
der Fortuna. Aachen linker Außenverteidiger Timo
Achenbach war das verständlicherweise nicht
genug, man muss die Feste schließlich feiern,
wie sie fallen. Und so lief er nach dem Pfiff
von seiner Position als linker Außenverteidiger
fünfzig Meter übers Feld, um sich rechts vorne
mit Sascha Rösler anzulegen und die erste
Rudelbildung zu provozieren. Nachdem ihm dies
erfolgreich gelungen war und acht, neun Spieler
im lockeren Plausch beieinander standen, lief
Achenbach im Dauerlauf hurtig die 50 Meter
wieder zurück, nicht dass der Schiri etwas
bemerken würde. Aber es war ja nur ein gewisser
Dr. Brych, was soll man da erwarten? Noch nicht
einmal eine Ermahnung.
Das müsste der Punkt gewesen sein, an dem der
Aachener Coach durchgeatmet haben dürfte.
Zweimal in der Anfangsphase so richtig zugelangt
und provoziert, zweimal mit nix davon gekommen.
War seine Taktik also anscheinend doch nicht so
schlecht! Fortan traten, schubsten und rempelten
die Aachener auf alles, was sich bewegte und
hatten in Herrn Brych einen mehr als
verständnisvollen Partner. Egal was sie machten,
der Mann weigerte sich standhaft, auch mal Gelb
zu zeigen. Dafür verwarnte er im Laufe des
Spiels natürlich souverän Langeneke und Rösler –
wegen Meckerns. Erst als es wirklich ein wenig
auffällig wurde, mussten auch zwei Aachener
daran glauben. Das Spiel war ungefähr 60mal
wegen Foulspiels unterbrochen und circa ein
Dutzendmal wurden die Mannschaftsärzte aufs
Spielfeld gewunken. So sieht das also aus, wenn
einer seiner Mannschaft mal erzählt, das nächste
Spiel sei ein „Derby“…
Es überrascht natürlich nicht, dass die Partie
0:0 endete. So richtig viel Fußball gab es auch
nicht zu sehen. Aus den ersten 40 Minuten
beispielsweise ist mir nichts weiter in
Erinnerung als die Ereigniskette „Foul – Pfiff –
Freistoß“. Dann hatte Fortuna den Fehler
gemacht, sich vom Gegner dessen Spiel aufzwingen
zu lassen, eigene Aktionen nach vorne waren
selten, vielleicht hatte man ja auch keine Lust,
permanent am Boden zu liegen. Auf jeden Fall
spielten die Aachener gegen Ende der ersten
Halbzeit tatsächlich mal flott nach vorne, und –
o Wunder! – sofort gab es Torchancen! Hatte der
Hyballa in seinem Konzept wohl nicht
berücksichtigt, deshalb wurden es auch nur drei.
Die hatten es allerdings in sich, allesamt
binnen fünf Minuten vor der Pause, man konnte
schon fast von einem kleinen Powerplay sprechen.
Zunächst zielte Reinhold Yabo aus circa zehn
Meter von halbrechts knapp links vorbei, nachdem
er zuvor hervorragend angespielt worden war. Das
war schon eng, war aber nix gegen das, was
anschließend folgte. Freistoß von links, schön
an den Fünfmeterraum gebracht, der Ball fliegt
über eine ganze Spielertraube hinweg und fällt
auf den Kopf von Benny Auer, der sich heimlich
um seinen Gegenspieler herum geringelt hat.
Eigentlich eine Frechheit, dass der da stand,
denn in Hyballas Konzept, welches er seit
Saisonbeginn fährt, spielt Auer anscheinend nur
eine untergeordnete Rolle. Vielleicht waren dem
Trainer ja 20 Treffer in der letzten Saison auch
zu wenig, wer weiß das schon. Und so setzt er
den Kapitän und erfolgreichsten
Zweitliga-Stürmer der letzten Jahre gerne
regelmäßig auf die Bank, um ihn im Lauf des
Spiels einzuwechseln oder eben nicht. Auch gegen
uns hätte Auer auf der Bank Platz nehmen sollen,
sein Name stand auf der Mannschaftsaufstellung
bereits an entsprechender Position. Allerdings
verletzte sich dann Kevin Kratz beim Warmmachen
(vielleicht auch versehentlich von einem
Mitspieler zum Aufwärmen weggegrätscht, keine
Ahnung, ich hab’s nicht gesehen), sodass Auer in
letzter Sekunde doch noch in die
Anfangsformation rutschte. Und ausgerechnet der
hat nun die dickste Chance, Kopfballaufsetzer
aus circa vier Metern Entfernung. So ein Ding
ist eigentlich drin, aber Fortuna-Keeper
Ratajczak hält den Ball mit einem
Wahnsinnsreflex. Und was ich schon über diverse
anderer Torhüter geschrieben habe, gilt
natürlich auch für ihn: wenn man den fragt, wie
er diesen Ball gehalten hat, müsste er
eigentlich sagen: „Keine Ahnung!“ Ein so
genannter Unhaltbarer, würde ich sagen.
Zeit, sich auf seine Lorbeeren auszuruhen, hatte
Ratajczak indes nicht, denn kurz darauf tauchte
Auer schon wieder vor ihm auf, diesmal sehr
schön rechts im Strafraum frei gespielt.
Ratajczak eilte aus dem Tor, Auer zog ab, aber
Lukimya hatte sich dazwischen geworfen und
konnte den Ball blocken. Leider gelangte das
Leder dadurch quasi wieder an die
Ausgangsposition, sprich: vor die Füße von Auer,
sodass dieser einen zweiten Versuch hatte, doch
nun war Ratajczak nah genug heran gekommen und
konnte parieren. Und wir konnten durchatmen,
denn das waren doch drei Hochkaräter binnen
kurzer Zeit.
Da wollten wir uns nicht lumpen lassen, und auch
noch etwas zum Nachdenken in die Pause mitgeben.
Nach Flanke von links konnte Rösler den Ball
relativ unbedrängt im Sechzehnmeterraum
annehmen. Anschließend legte er überlegt zurück
an die Strafraumgrenze auf Maxi Beister, der die
Kugel mit links und ordentlich Schmackes an den
linken Pfosten drosch. Aachens Torwart Waterman
hatte nur bewundernd hinterher schauen können.
So endete die erste Halbzeit doch noch recht
flott.
Apropos Rösler: der wurde übrigens an alter
Stätte besonders in der ersten Halbzeit, als wir
auf die Aachener Fankurve zu spielten, von dort
mit den liebevollen Rufen „Rösler ist ein
Hurensohn!“ bedacht. Das schreibe ich nicht, um
meiner Empörung darüber Ausdruck zu verleihen,
sondern um Herrn Hopp und seinen Leibsklaven zu
demonstrieren, dass man das auch ganz gut
aushalten kann, ohne gleich die Schallkeule zu
schwingen. Rösler lebt noch, ist auch nicht
traumatisiert und erzählt auch nicht weinerlich,
eigentlich müsse er ja „200-fache Klage wegen
Beleidigung“ einreichen wie die beleidigte
Leberwurst aus Hoffenheim. Wollte ich nur mal
kundtun. Aber ist ja auch nur 2. Liga.
Die zweite Halbzeit ist ebenso schnell erzählt.
Aachen hatte keine Torchance mehr, was auch
damit zusammenhing, dass Trainer Hybaklla seine
offenkundige Auer-Allergie dergestalt bekämpfen
musste, dass er seinen Stürmer schon nach etwas
über einer Stunde vom Platz nahm, nicht dass der
weiter Torgefahr verbreiten und so das ganze
schöne Konzept über den Haufen werfen könnte!
Wir waren nicht undankbar dafür. Und eigentlich
hätten wir die Partie auch gewinnen können, aber
so richtig viele Chancen spielten wir dann auch
nicht mehr heraus. Deren zwei sind noch
erwähnenswert. Zunächst grätschte Bröker eine
Hereingabe von rechts mit dem Knie an den linken
Innenpfosten, frecherweise sprang der Ball ins
Feld zurück, anstatt die läppischen paar
Zentimeter über die Torlinie zu hoppeln; schon
wieder Pfosten, schon wieder der linke, in
Aachen sind die Tore wohl kleiner als bei
unseren Jungs im Training. Auch Rösler hätte
noch eine Bude machen können, er erwischte eine
abgefälschte und vom Keeper unterlaufene Flanke
am langen Pfosten – leider nur noch mit dem ganz
langen Bein, er konnte die Kugel nicht mehr weit
genug herum ziehen, der Ball ging nur ans
Außennetz. Also, neben mangelndem
Durchsetzungsvermögen kam auch ein wenig Pech
hinzu. Und natürlich ließ sich Dr. Brych nicht
lumpen, auch in der zweiten Hälfte einige
Lachnummern zum Besten zu geben, leider konnten
wir darüber nicht lachen, da wir „zufällig“ in
jedem dieser Fälle die Gelackmeierten waren.
Seine Meisterleistung vollbrachte dieser
angeblich Erstliga-Schiri in der 75. Minute, als
er Beister einen klaren Elfmeter versagte,
nachdem dieser von Erb beidbeinig voran gefällt
wurde; Dr. Brych hatte beste Sicht und
entschied, dass Grätschen an jenem Tag das
normale Aachener Spiel und somit nicht zu ahnden
seien. Schade nur, dass er diese Einsicht
exklusiv hatte. Dann gab er in einer Szene
Abstoß vom Aachener Tor, als alle, auch die
Gastgeber sich schon auf den – völlig
berechtigten – Eckstoss für Fortuna eingerichtet
hatten. Eine eindeutigere Fehlentscheidung gibt
es kaum, aber Herr Brych dachte sich wohl:
„…weil ich’s kann!“ und gab unter johlendem
Gelächter Abstoß. Höhepunkt seines liebevollen
Schaffens für die Heimmannschaft war jedoch der
Zeitpunkt, als Tobias Feisthammel ausgewechselt
werden musste. Der hatte sich in einem Zweikampf
verletzt und lag im eigenen Fünfmeterraum. Er
wurde behandelt, und die Mannschaftsbetreuer
gaben das klassische „Auswechseln“-Signal zur
Trainerbank. Und nun wollen wir uns mal kurz
erinnern, wie dieses Problem normalerweise
völlig unspektakulär gelöst wird. Der verletzte
Spieler wird mal eben drei Meter hinter die
Torauslinie geführt (wie gesagt, er lag ja im
Fünfmeterraum), wo er weiter behandelt werden
kann, während dessen kann an der Mittellinie
sein Ersatzmann ins Spiel kommen. Aber Dr. Brych
wollte der Alemannia auf gar keinen Fall
zumuten, vielleicht kurzfristig in Unterzahl
spielen zu müssen. Und so gab es eine neue
Variante zu bestaunen: Feisthammel wurde erst
auf dem Platz behandelt, dann verließ er das
Feld humpelnd über den Weg Fünfmeterraum,
Eckfahne, Mittellinie, immer schön an den Linien
entlang, und immer auf dem Spielfeld. Während
dessen hatte die Aachener Ersatzbank nämlich die
Zeit, einen Ersatzspieler auszuwählen und diesen
für seinen großen Auftritt anzukleiden. Und
während der gesamten Zeit, nahezu volle fünf
Minuten, hielt Dr. Brych das Spiel sorgsam
unterbrochen! Vielleicht hatte er ja Angst,
ansonsten auch mal schwarz-gelb weggerätscht zu
werden, wenn er ihnen diesen Gefallen nicht
getan hätte. Eine der skurrilsten eindeutigen
Bevorzugungen einer Mannschaft, die ich je live
bewundernd durfte. Humpelstilzchen wandert vom
Platz und bewundert zwischendurch noch die
Aussicht, und der Herr Schiri nickt, lächelt und
wartet. Also dermaßen deutlich sollte man es
dann doch nicht machen…
Nach dieser Aktion war so ziemlich jedem im
Stadion klar, dass hier die Null stehen bleiben
würde. Aachen kam nicht mehr nach vorne, unsere
zwar schon, waren aber harmlos, außerdem spielte
ja noch ein Schiri mit. Nach dieser Bestleistung
war ich davon überzeugt, selbst wenn unser
Keeper Ratajczak mittels Abstoß aus der Hand in
der 89. Minute aus Versehen den Siegtreffer
erzielen würde, der gute Dottore würde an diesem
Tag mal locker Abseits pfeifen.
Auch unser Trainer schien mit dem Remis
zufrieden und zeigte mal wieder sein zweites
Wechselgesicht, indem er wieder mal zu spät und
völlig rätselhaft wechselte. So konnte ja nix
mehr rumkommen, und das Spiel endete mit dem
letzten schlechten Scherz des Schiris: der hatte
seinem vierten Mann zwei Minuten Nachspielzeit
angezeigt, an sich schon ein Witz bei all den
Unterbrechungen. Aber kaum hatte der
Stadionsprecher die Zeit durchgegeben, da pfiff
der Doktor auch schon ab, von den zwei Minuten
waren vielleicht gerade 30 Sekunden gespielt.
Natürlich muss sich ein Schiri nicht an seine
eigene Vorgabe halten, sie ist nicht
verpflichtend. Aber wie man das Spiel dermaßen
spontan beenden kann, hätte ich gerne mal
gewusst. Wahrscheinlich wollte er kein Risiko
mehr eingehen.
Übrigens hatte die Slapstick-Vorstellung von
Herrn Brych noch ein humoristisches Nachspiel.
Im Montags-kicker wurde die Leistung
dieses Spitzenmannes nämlich mit, na klar, der
Note 1,5 bewertet. Immerhin zum Teil mit einer
nachvollziehbaren Begründung: „…hielt dabei
seine Linie konsequent durch.“ Das war in der
Tat so…jetzt such ich noch den Schlaumeier, der
die „1,5“ in die Bewertung reingeschmuggelt hat.
Ich halte es für unmöglich, dass derjenige
tatsächlich im Stadion gewesen ist. Und wenn
doch, dann mit Alemannia-Mitgliedsausweis in der
Tasche…
Fortuna holte somit einen Punkt in Aachen.
Eigentlich kann man sagen, wir verschenkten
deren zwei, aber wer weiß, wozu es gut ist.
Solch ein Spiel mit solch einem Schiri verlierst
du auch ganz gerne mal mit 0:1. Insgesamt hatte
man eh zu wenig zwingend und zu drucklos nach
vorne gespielt. Okay, man hatte Pech mit zwei
Pfostentreffern und dem wieder einmal nicht
gegebenen Elfmeter, aber da die Aachener auch
drei große Chancen hatten, ist das Remis
vielleicht gar nicht mal ungerecht. Mal sehen,
ob sie demnächst auch wieder Fußball spielen,
oder ob der Hyballa von diesem Konzept so
angetan ist, dass er sie jetzt weiter treten
lässt. Hat bei mir einiges an Sympathie
eingebüßt, der Jungtrainer, der die Truppe
grätschen lässt, nur um seinen Job zu retten.
Mal sehen, wie lange.
Und so finden wir Fortuna nach sechs Spieltagen
in einer Spitzengruppe aus sieben Teams wieder,
die alle gut aus den Startlöchern gekommen sind.
Wir sind noch ungeschlagen, drei Heimsiege, drei
Auswärtsunentschieden, 12 Punkte, ein Punkt von
Platz 2 entfernt. Das hat sich doch ganz gut
angelassen, denke ich. Es gilt, die Form über
die nunmehr anstehende Länderspielpause zu
konservieren. Und mal wieder Wechsel zu üben, in
Aachen lag der Trainer wirklich voll daneben, da
darf es beim nächsten Mal gerne wieder das
Goldhändchen sein.
Nebenbei sind wir eigentlich schon durch, wenn
ich den „Gesetzen des Fußballs“ vertrauen darf.
Denn schließlich gleicht sich doch im Laufe
einer Saison alles aus, oder wie war das? Na
wenn das so ist…in den letzten drei Spielen
haben wir insgesamt dreimal den Pfosten
getroffen und drei Elfmeter zu Unrecht nicht
bekommen. Dann mach mal, lieber Fußballgott!
Guckt sich im September wieder alles an: janus |