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Ich hab sie alle gehabt
Es sind noch Karten da…
Der Friedhelm, der Edgar &
der Olli – ist das noch Fußball?
Alles hat ein Ende
Die verdiente Niederlage gegen
die Zweite Mannschaft des übermenschlich
kämpfenden Gegners. Oder so ähnlich.
Lange Abfahrt ins Aus
Hergeschaut! Zum letzten Mal im Jahr 2011 widme
ich dem besten Verein der Welt, Fortuna
Düsseldorf, ein paar Zeilen. Aufgrund des dicht
gepackten Programms war ja nach dem Gewinn der
Herbstmeisterschaft am 05.12.2011 in Duisburg
nicht Winterpause, sondern es kamen noch drei
Spiele, die es alle richtig in sich hatten. Und
die diese Voreinschätzung auch nahtlos
erfüllten. Darum nicht lang rumgelabert, ihr
wollt ja vor Neujahr mit dieser Zusammenfassung
durch sein!
In der Liga blieben wir nach der
Herbstmeisterschaft direkt im Ruhrpott,
wechselten nur die Autobahn. Am 10.12.2011 ging
es zum Rückrundenauftakt nach Bochum. Ganz harte
Nuss. Der VfL hatte den Saisonstart komplett
verpennt, was mich bei dem damaligen Trainer
allerdings auch nicht sonderlich wunderte.
Mittlerweile hat man sich von den Abstiegsrängen
entfernt und so um Platz 10 herum eingependelt.
Das ist immer noch ein schlechter Witz, wenn man
sich diese Truppe mal näher anschaut, die ist
erstligatauglich. Sie zeigt es nur zu selten.
Leider war einer dieser Nachweise vor unserem
Spiel gerade mal sechs Tage her, da hatte man
nämlich im letzten Hinrundenspiel den FC
Erzgebirge Aue mit 6:0 weggefidelt. Bochum war
also warm gespielt und natürlich auch heiß
darauf, die erste Mannschaft zu sein, die uns in
dieser Saison eine Niederlage zufügt. Und die
entsprechende Qualität hierfür war durchaus
vorhanden. Man durfte also von einem netten
Tänzchen ausgehen.
Das wurde es dann auch. Aber erst nachher.
Ich hab sie alle gehabt
Und zwar nach der Anfahrt. Die gestaltete sich
diesmal recht abwechslungsreich. Ich war
zunächst von Bonn nach Aachen gedüst, um die
Kollegin dort einzusacken, hatte also bereits
die A 565, A 555 und A 4 auf der Uhr. Dann wurde
es allerdings richtig lustig, aufgrund diverser
nicht so toller Verkehrslagen kam wurde uns
folgende Wegstrecke kredenzt: A 4, A 61, A 57, A
44, A 52, A 40. Oder umgekehrt, vielleicht hab
ich auch was vergessen, ich verlor irgendwann
den Überblick, von welcher Autobahn ich grad ab-
und auf welche ich wieder auffuhr. Dabei war es
doch nur Bochum, das ist eigentlich keine
Weltreise und auch kein Hexenwerk. An jenem
Samstag Vormittag allerdings führte diese
entspannte kleine Tour dazu, dass ich in punkto
Autobahnen wirklich sagen konnte: ich hab sie
alle gehabt!
Leider kreuzte dann ausgerechnet auf die
Zielautobahn A 40 kurz vor der Ausfahrt zum
Stadion noch eine Baustelle unseren Weg, mit 6
Kilometern Stau. Dies wollten wir uns nach
absolviertem Autobahn-Hopping allerdings nicht
bieten lassen. Somit verließen wir die Bahn in
Essen-Kray und schlugen uns durch. Und zwar
unter anderem quer durch Wattenscheid, immer
noch so anzusehen wie in den 1980er oder 1990er
Jahren, als wir des Öfteren mal dort
vorbeischauten, um uns eine Packung abzuholen.
Im Wattenscheider Zentrum scheint die Zeit echt
stehen geblieben zu sein, einige Gebäude sahen
derart rußgeschwärzt aus, als würde nebenan noch
immer eine Zeche Gewinn abwerfen. Anschließend
wieder auf die A 40 zurück, dann die Abfahrt
Bochum-Stadion runter, schön links einsortiert
für das Starlight Express-Parkhaus – aber was
war das? Als wir schwungvoll ins Parkhaus
einfahren wollten, kamen uns erst einmal
reichlich Autos entgegen, die das Parkhaus
fluchtartig verließen. Des Rätsels Lösung:
ausgerechnet an jenem Tag hatte Opel eine
Belegschaftsversammlung einberufen, und zwar im
benachbarten Ruhrkongress-Zentrum. Diese
Versammlung war dann wohl um Punkt 12 beendet,
weshalb die Opelaner das Weite samt
unterbrochenem Wochenende suchten. Und das
pünktlich zu der Zeit, als so langsam der
Verkehr der anreisenden Fußball-Fans zunahm.
Sauber gemacht, diese Organisation. Dies führte
zwar zu einigen Verwirrungen und kurzfristigen
Verkehrsstockungen, aber auch dies gab sich. Und
nach knapp zwei Stunden Fahrt von Aachen aus
konnten wir erleichtert sagen: Angekommen!
Es sind noch Karten da…
Was mir zunächst auffiel: der heimische VfL hat
in einem Punkt die Globalisierung schon
verinnerlicht. So etwas Simples wie „Ordner“
gibt es dort nicht mehr. Stattdessen erblickte
ich Jacken unterschiedlicher Farbgebung, auf
deren Rückseite die Funktion der jeweiligen
Damen und Herren dem internationalen Standard
angepasst worden ist. Ich sah „Stewards“, ich
sah „Security“, ich sah sogar einen „Volunteer“.
Den haben sie wohl gleich von der
Frauen-Fußball-WM im Sommer übernommen, da wurde
ja auch in Bochum gespielt. Aber auch der
Stadionsprecher konnte zur Unterhaltung
beitragen, indem er den Hinweis auf das Tags
darauf statt findende Regionalliga-Spiel der
Reservemannschaften zwischen Bochum und Dortmund
wie folgt verpackte: „Für die Partie Bochum II
gegen Dortmund II in Wattenscheid morgen gibt es
noch Karten!“ Clever gemacht, ich wette, die
Bude war bei dieser brisanten Partie ruckzuck
ausverkauft.
Selbiges hätte auch gerne für den Kick gelten
können, für den man hergekommen war. Nur knapp
über 17.000 Zuschauer, doch ziemlich
enttäuschend. Dürfte wohl daran liegen, dass man
in Bochum weiß, man kann in der Rückrunde
spielen, wie man will, für ganz oben wird es
wohl nicht mehr reichen. In etwa so wie wir in
der letzten Saison. Unter den Zuschauern vor Ort
zudem noch mindestens 4.000 Fortunen, das
einheimische Interesse somit eher gering. Genau
wie es bei uns Leute gibt, die nur auf das
Pokalspiel gegen Dortmund scharf sind, so
wartete man in Bochum statt auf den
Tabellenführer der 2. Liga wohl doch eher auf
den Pokalgegner am 21. Dezember – das war
nämlich der FC Bayern. Naja, schade halt. Das
Spiel hätte nämlich eine größere Kulisse
durchaus verdient gehabt.
Wer für solch ein verhältnismäßig nahe gelegenes
Auswärtsspiel solch eine Anreise hinlegt, der
darf dann auch nicht mit einem müden Kick
abgespeist werden. Schön, dass beide Teams
diesen Grundsatz beherzigten und eine äußerst
flotte Partie hinlegten. Eindeutig höhere
Zweitliga-Kunst. Und da die einen damit anfingen
und die anderen hinterher ein Schüppchen mehr
drauf legten, ging es natürlich unentschieden
aus. Fortuna holte mit dem 1:1 in Bochum einen
ganz wichtigen Punkt. Mit dem zumindest ich
zwischenzeitlich nicht mehr unbedingt gerechnet
hätte.
Denn der einheimische VfL begann vor 17.000
Zuschauern wie die sprichwörtliche Feuerwehr.
Nach gerade mal zwei Minuten und ein paar
Sekunden tauchte Mircan Aydin frei vor
Fortuna-Keeper Ratajczak auf, schön frei
gespielt von Giovanni Federico. Aydin schlenzte,
unser Torwart blieb stehen, bekam daher die Hand
an den Ball und konnte dann im Nachfassen
zupacken. Schon mussten wir uns den Schweiß
abwischen, trotz Temperaturen knapp über null
Grad. Und auch wenn Unsere ab und zu mal was
nach vorne versuchten, Lambertz beispielsweise
nach schöner Einzelleistung in der 12. Minute
flach aus 16 Metern am Tor vorbei schoss – in
der ersten Halbzeit waren die Gastgeber die
Spiel bestimmende Mannschaft. Hinzu kam, dass
sich unsere Arbeiter im Mittelfeld, Oliver Fink
und Adam Bodzek, recht früh selbst aus dem Spiel
nahmen, indem sie sich beide Gelb einfingen. Die
für Bodzek war berechtigt, die für Fink in
schlechter Witz, eindeutig Ball gespielt. Bodzek
disqualifizierte sich anschließend selbst, als
er wenig später bei einem Foul seines
Gegenspielers vehement den gelben Karton für
diesen forderte, was Schiri Wingenbach zum
Anlass nahm, sich den Polen ernsthaft zur Brust
zu nehmen. Und da auch Fink nach seiner
Verwarnung nochmals Foul gespielt hatte, musste
der Trainer beide in der Pause runter nehmen,
mindestens einer von ihnen hätte in der zweiten
Halbzeit das Ende des Spiels wohl nicht mehr auf
dem Platz erlebt. Wer weiß, wie „oft“ und wie
gerne der Trainer schon in der Pause
auswechselt, der kann dessen Gefühlslage
erahnen, als er nach 45 Minuten schon zweimal
wechseln und Dum und Juanan für die beiden
Gelbsünder bringen musste.
Da lagen wir allerdings schon zurück. Zwar
scheiterte erst einmal wieder Aydin an Torwart
Ratajczak, diesmal mit einem 16-Meter-Böller.
Aber in der 38. Minute konnte man sehen, warum
Bodzek dringend runter musste: an der
Sechzehnmeterlinie attackierte er den Ball
führenden Aydin nicht besonders Erfolg
versprechend, weil er eben keinen Platzverweis
riskieren wollte. Aydin spielte nach links zum
Japaner Inui, der narrte mit einfacher
Körpertäuschung gleich drei Fortunen, die sich
auf ihn stürzten wollten, und zwirbelte die
Kugel rechts oben in den Winkel. Ein Traumtor
zur 1:0-Führung der Gastgeber. Traumtor im
Hinspiel (Rösler mit Fallrückzieher, Tor des
Monats Juli), jetzt dieser Granatenschuss in den
Torwinkel – ja, bei beiden Teams spielen schon
einige feine Füßchen, wenn man ihnen genug Platz
lässt. Die Bochumer Führung, unhaltbar für
Ratajczak, völlig verdient zu diesem Zeitpunkt.
Und als der Schiri zum Pausengetränk mit Lob-
oder Strafpredigt bat, je nach Spielstand, da
dachte ich auch noch, dass es irgendwann ja mal
passieren müsse mit der ersten Niederlage, und
hier und heute sah es danach aus. Bochum
wirklich bärenstark.
Aber gut, bärenstark können wir in dieser Saison
auch, vielleicht mit etwas Anlauf. Denn zu
Beginn der zweiten Halbzeit spielten die
Fortunen endlich druckvoll nach vorne, es gab
einige Torchance, die dickste, als der Ball nach
Ecke von Rösler und Kopfballverlängerung
Langeneke am Fünfmeterraum vor die Füße von
Beister fiel. Der war allerdings dermaßen
überrascht, dass er die Kugel nicht richtig traf
und sie Bochums Torwart Luthe quasi in die Arme
spielte. Die Bochumer wiederum, nicht faul,
hielten entschlossen dagegen und versuchten
ihrerseits, mit einem zweiten Treffer alles klar
zu machen. Deren dickste Chance vergab erneut
Aydin, der zum dritten Mal an Michael Ratajczak
scheiterte, diesmal aus knapp sechs Metern und
spitzem Winkel. Es war ein Spiel, dass vom
Kicker vielleicht etwas altbacken, aber durchaus
zu Recht mit dem Attribut „rassig“ versehen
wurde. Es ging hin und her. Trainer Meier gab
nach 72 Minuten sogar einen Defensivpart auf.
Für Außenverteidiger van den Bergh wechselte er
Ken Ilsø ein. Und der Däne, sofort heiß wie
Frittenfett, zeigte gleich, dass man auch auf
ihn wieder bauen kann. Mit einer seiner ersten
Ballberührungen schickte er in der 74. Minute
Thomas Bröker auf die Reise, unser Wühler erlief
den Ball halb rechts und hatte dann das Auge für
den mitgelaufenen Sascha Rösler in der Mitte.
Querpass von Bröker, Rösler setzte sich gegen
Gegenspieler und heraus geeilten Torwart durch
und netzte im Fallen zum Ausgleich ein. Und das
alles, ohne einen Elfmeter zu schinden, Armin
Veh von Eintracht Frankfurt wird schlaflose
Nächste gehabt haben. 1:1 – verdient, Fortuna
hatte sich reingebissen und dem Gegner Contra
gegeben.
Bei diesem Ergebnis blieb es bis zum
Schlusspfiff, obwohl Bochum noch eine großes
Chance hatte, als der eingewechselte Freier auf
den eingewechselten Ginczek flankte, dieser per
Kopf jedoch nur das Außennetz traf. Fortuna
holte einen Punkt beim VfL Bochum und
verteidigte damit die Tabellenführung. Ein
schönes Spiel, und ich war heilfroh, diesen VfL
in dieser Saison nicht mehr sehen zu müssen.
Dafür habe ich allerdings die Hoffnung, dass die
Bochumer im neuen Jahr noch dem einen oder
anderen unserer Konkurrenten den einen oder
anderen Punkt abnehmen werden. Dass das
Potential dafür locker vorhanden ist, konnte man
an jenem Samstag sehr deutlich sehen. Und ein
paar Zuschauer mehr hätte dieses Spektakel auf
jeden Fall verdient gehabt. Aber hinterher ist
man bekanntlich immer schlauer.
Übrigens, die Rückfahrt verlief ohne
nennenswerte Erlebnisse, aber nahezu auf
derselben Strecke. Als glücklicher Spitzenreiter
im Sammeln von Autobahnen an jenem Wochenende
kehrte ich heim. Diesbezüglich mit derselben
Erfahrung wie Fortuna: es muss nicht immer alles
toll sein, um dennoch in der Tabelle ganz vorne
zu sein. Geht doch.
Der Friedhelm, der Edgar
& der Olli – ist das noch Fußball?
Anderweitig war an diesem Spieltag auch noch so
einiges gebacken. Zum Beispiel beim Spiel
Alemannia Aachen gegen Erzgebirge Aue. Der Kick
war keine zweieinhalb Minuten Fernsehübertragung
wert, das sage nicht ich, sondern so ziemlich
sämtliche Leute, die sich das Spiel in voller
Länge antaten. Da sport1 jedoch zehn Minuten
gebucht hatte, musste man den Rest der Zeit
natürlich mit etwas auffüllen. Und zum Glück
fielen ihnen da etwas auf, das ansonsten völlig
untergegangen wäre, und zwar völlig zu Recht,
weil es eigentlich niemanden interessierte: in
der 64. Minute erhielt der Gast aus Aue einen
Einwurf auf der rechten Seite des Spielfeldes,
aus diesem heraus fiel der Treffer zum
1:1-Endstand. Nun hatte jemand bei sport1 findig
beobachtet, dass der zuständige Aachener
Balljunge dem Auer Spieler, der den Einwurf
ausführte, den Ball verdächtig schnell
zugeworfen hatte. Na, und da hatte man ja was
für die Nachberichterstattung. Das Ganze dreimal
in Zeitlupe gezeigt und anschließend jeden, der
sich vors Mikrofon zerren ließ, darauf
angesprochen, dass dies ja wohl reichlich kurios
sei. Irgendeiner wird schon seine Klappe nicht
halten können, schlussfolgerte man wohl, und
natürlich behielt man Recht, schließlich kennen
sie ja ihre Pappenheimer. Zitat Friedhelm Funkel,
seines Zeichens Trainer und somit – hahaha –
angeblich Vorbild für die fußballernde Jugend in
diesem Land: „Das habe ich so in vielen Jahren
auch noch nicht erlebt. Als Balljunge einer
Heimmannschaft, die führt, muss man das Spiel
verzögern.“ Das habe ich so auch noch nicht
erlebt, dass ein Trainer einem Balljungen
vor einem Millionenpublikum verbal noch einen
mitgibt. Und der denkt mit Sicherheit noch,
seine Aussage wäre völlig normal. Würde mich mal
interessieren, ob jeder Aachen-Fan genau
dasselbe denkt. Sind wir echt schon so weit
runtergekommen? Wahrscheinlich. Bei sport1
werden sie sich wohl auf die Schenkel gehauen
haben vor Begeisterung. Beitrag gerettet, und
dazu noch ein tolles Trainer-Statement
eingefangen. Jetzt bringen sie also schon
Balljungen zur Strecke. Naja, wenns der
Volksbelustigung dient…
Einen Tag später werden sie ihr Glück kaum haben
fassen können. Montagsspiel Eintracht Frankfurt
– Greuther Fürth, praktischerweise (für uns) ein
0:0-Unentschieden. Unter anderem darauf
zurückzuführen, dass der Fürther Edgar Prib –
zwei Wochen zuvor noch gegen uns erfolgreich –
in der ersten Halbzeit seine gute fußballerische
Kinderstube vergaß. Nach Traumpass schön frei
gespielt, überlupfte er Torwart Nikolov und
brachte anschließend das Kunststück fertig, den
Ball mittels linker Fußsohle aus sechs Metern
vor dem absolut leeren Tor an den Pfosten zu
platzieren. Ich sage anerkennend: schafft auch
nicht jeder, wohl wissend, dass dieses Ding noch
in zwanzig Jahren bei jedem Rückblick auftauchen
wird. Hoffentlich lassen sie dann die Szene
durchlaufen. Denn richtig Slapstick wurde es ja
erst danach: Olivier Occean machte zwar den
Abpraller rein, was Prib eventuell in den
nächsten zwanzig Jahren zumindest ein wenig
getröstet hätte – dummerweise hatte aber auch
Occean in dieser Situation völlig den Überblick
verloren und den Ball zwischen Annahme des
Abprallers und Torabschluss ausgerechnet bei
Unglücksvogel Prib geparkt, der im Abseits
stand, da Torwart Nikolov noch im Strafraum
herum geisterte und deshalb nur ein Frankfurter
Abwehrspieler auf der Torlinie hinter Prib
stand. Das waren fünf Sekunden Comedy pur – ist
das überhaupt noch Fußball? Natürlich – es macht
ihn wunderbar menschlich, auch wenn den beiden
dies natürlich nicht das Geringste nutzen wird.
Was hätte wohl Friedhelm Funkel gesagt, außer
dass er das noch nicht erlebt haben dürfte?
Wahrscheinlich „Gut das Tor verzögert und damit
die Spannung hochgehalten. Warum sind die beiden
nicht Balljungen bei der Alemannia?“
Alles hat ein Ende
Am 16.12.2011 fand die Zweitliga-Saison ihr Ende
für das Kalenderjahr 2011. Ausgerechnet der SC
Paderborn erschient zum finalen Heimspiel in der
Esprit-Arena. „Ausgerechnet“ deshalb, weil
Paderborn zuvor der einzige Verein gewesen war,
der in eben jenem Kalenderjahr einen Punkt aus
Düsseldorf hatte entführen können – im März mit
einem ermauerten 0:0. Aber diese Paderborner
gibt’s schon etwas länger nicht mehr. Seitdem
ihr damaliger Trainer André Schubert in St.
Pauli wirkt, hat man in Paderborn festgestellt,
dass man es auch mal mit der Offensive versuchen
kann. Allein schon, um dem Ex-Trainer einen
reinzuwürgen. Denn der wurde ja nicht etwa im
Sommer gefeuert, nein, der ging von selbst, mit
der Ansage, er habe keine Lust, mit dem
vorhandenen Kader und einem eingeschränkten
Budget gegen den Abstieg zu spielen. Er ging
also nach St. Pauli, und der von ihm deklarierte
Absteiger steht unter dem neuen Coach Roger
Schmidt plötzlich punktgleich seinem neuen
Verein und dem Rest der Spitzengruppe in den
Schuhen. Aber einer wie Schubert kommt da nicht
ins Grübeln, ob das eventuell an ihm selbst
liegen könnte, da bin ich sicher.
Sei es wie es sei, auch der SC Paderborn spielt
derzeit die beste Saison seiner
Vereinsgeschichte und reiste mit richtig breiter
Brust an. Da müsste man nun annehmen, dass wir
als ungeschlagener Tabellenführer anhand des
kümmerlichen Brustkorbs des Gegners nur müde
lächeln würden – weit gefehlt. Die erste Hälfte
verpennte die Fortuna komplett, Paderborn war
klar besser und führte verdient mit 1:0. Nick
Proschwitz hatte mal wieder zugeschlagen. Nach
einem langen Pass an den Sechzehner versuchte
die Fortuna-Abwehr in der 37. Minute endlich mal
wieder so ein lustiges Abseits, prompt ging es
schief, Innenverteidiger Langeneke hob es auf.
Lukimya kam nicht mehr an Proschwitz ran,
Ratajczak kam zu zögerlich raus, und der
Paderborner Stürmer, der immerhin schon den FC
Vaduz aus Liechtenstein in seiner sportlichen
Vita hat, was sicherlich nicht viele von sich
behaupten können, schlenzte lässig zum
verdienten 0:1 ein – sein 12. Saisontreffer,
davon sieben in den letzten sechs Spielen. Das
nennt man einen Lauf, glaube ich.
Dass es erst das 0:1 war, verdankten wir nicht
umsichtiger Abwehrarbeit sondern schlicht der
Torlatte. Die hatte nämlich schon zu Beginn des
Spiels gerettet, als Ratajczak mal wieder
grandios einen hohen Ball, in diesem Fall einen
Eckball, verfehlt hatte, aber Paderborn
aufgerückter Abwehrspieler Sören Gonther war
wohl zu überrascht ob des Geschenks und wuchtete
die Kugel nur ans Gebälk anstatt ins leere Tor.
Spätestens da hätte unser Keeper auch merken
können, dass dies nicht sein Abend sein würde.
Aber der Rest der Mannschaft sah auch nicht viel
besser aus. Als einziges Highlight vor der Pause
ist mir in Erinnerung, dass Sascha Rösler
beinahe den Ausgleich erzielt hätte, und was für
einen: Nach schöner Flanke durch Tobias Levels
von rechts hatte der Stürmer den Ball in Höhe
Elfmeterpunkt mit dem Rücken zum Tor mit der
Brust angenommen und einfach mal wieder den
Fallrückzieher ausgepackt. Gut gezielt, aber zu
wenig Druck dahinter, Paderborn-Keeper Lukas
Kruse konnte abfangen. Ich glaube, dies war der
Moment, in dem mir schwante, dass diesmal nicht
viel gehen würde. Wenn Rösler, der in dieser
Saison schon mindestens vier „Tor des
Monats“-verdächtige Hütten fabriziert hat, schon
solche Todsicheren wie Fallrückzieher nicht rein
macht, dann ist was faul. War nur als Witz
gedacht, bewahrheitete sich dann aber
tatsächlich.
Also, das 0:1 zur Pause war schlicht verdient,
Paderborn in allen Belangen besser. Dann musste
noch Jens Langeneke in der Kabine bleiben, er
hatte Magen-Darm. Schade, dass ihn das nicht in
der 37. Minute in Höchstgeschwindigkeit Richtung
Lokus katapultiert hatte, hätte uns einen
Gegentreffer erspart. So hielt er also noch ein
paar Minuten durch und blieb in der Pause
draußen. Für ihn kam Juanan.
Und mit ihm kam Fortuna mit wesentlich mehr
Schwung aus der Kabine. Es dauerte dann auch nur
knapp zehn Minuten, bis der Ausgleich da war.
Vorbereitet durch den soeben eingewechselten Ken
Ilsø, der zwar in Höhe rechtes Strafraumeck wohl
eher volley aufs Tor zimmern wollte, aber als
Vorlage für Juanan war der Ball auch gut genug.
Der grätschte das Leder aus fünf Metern über die
Torlinie, Ausgleich. Das zweite Mal in Folge,
dass Ilsø mit einer seiner ersten Ballkontakte
nach seiner Einwechslung einen Treffer
vorbereitete. Alles wieder offen.
Blöd nur, wenn man das Spiel dann selbst zu
macht. Dass Paderborn saustark bei Standards
ist, dürfte ja eigentlich jedem bekannt gewesen
sein, der sich vor dem Spiel auch mit Paderborn
und nicht mit dem folgenden Pokalspiel gegen
Borussia Dortmund befasst hatte. Dass die
Ostwestfalen mit Alban Meha sogar einen ganz
vorzüglichen Freistoßschützen in ihren Reihen
haben, sollte bei konzentrierter Vorbereitung
auch nicht ganz spurlos an den Spielern vorbei
gegangen sein. Aber wenn man müde ist, dann
knirscht es auch schon mal in den Hirnwindungen,
und so taten wir das Dümmste, was man in dieser
Situation machen konnte – wir schenkten
Paderborn ein paar Freistöße.
Den ersten in der 60. Minute. Kapitän Andreas
Lambertz hatte den Ball völlig unnötig und
leichtfertig am Mittelkreis vertändelt. Trabte
anschließend nur recht mäßig motiviert nach
hinten. Da die Paderborner es allerdings auch
nicht besonders eilig hatten, spielten sie den
Ball gerade vom Sechzehner ein Stück nach
hinten, als Lambertz auf der Szene eintraf, die
er selbst mit seinem Fehler eingeleitet hatte.
Prompt grätschte er den Ball führenden Spieler
weg, Freistoß. Deutlich zu sehen, dass es ein
reines Frustfoul war, wegen seines Fehlers
zuvor. Und das 20-25 Meter vor dem eigenen Tor.
Zu so was fällt mir eigentlich immer recht wenig
ein, außer eben: „Wenn das schief geht, kriegt
der den Scorerpunkt!“ Fünf Sekunden später bekam
er ihn, Meha hatte Maß genommen und die Kugel
links halbhoch ins Eck gesetzt. Ratajczak war
noch dran, und einige ganz besondere Leuchten,
angeblich als Fans getarnt, konnten zuhause nach
Betrachten der Zeitlupe zum Thema tatsächlich
auch hier einen Torwartfehler feststellen. Da
kann man nur dankbar sein.
Apropos Torwartfehler: knapp 13 Minuten später
gab es tatsächlich einen, der die Partie dann
auch entschied. Allerdings muss sich Ratajczak
den Scorerpunkt für das 1:3 mit Abwehrhüne
Lukimya teilen. Der hatte nämlich völlig
unmotiviert (oder übermotiviert) seinen
Gegenspieler auf der linken Außenbahn mit dem
Ellenbogen weggecheckt, weithin sichtbar, bis
unters Tribünendach. Völlig überflüssig, Ball
und Gegenspieler bewegten sich vom Tor weg,
vielleicht wollte der ein Tänzchen an der
Eckfahne aufführen, was weiß ich. Aber Lukimya
erstickte jeden Stangentanz im Keim, es gab den
fälligen Freistoß, Meha sagte danke und brachte
den Ball scharf nach innen, dort sagte Mohr
danke, dass er vor Juanan per Kopf an den Ball
kam und dass kein Torwart mehr im Tor stand, der
flog gerade hinter ihm durch den Fünfmeterraum
ins Leere – 1:3 in der 73. Minute.
Und jetzt kommt das, was Hoffnung machen muss:
Mit diesem Treffer war das Spiel ja eigentlich
durch. Jetzt erst rappelte sich die Mannschaft
auf und zeigte, warum sie in den vergangenen 22
Heimspielen nicht verloren hatte. Man benötigte
nur zwei Minuten bis zum Anschlusstreffer, und
wieder war es ein Einwechselspieler, der erst
sieben Minuten zuvor eingewechselte Jovanovic,
der aus dem Gewühl heraus kurz entschlossen Maß
nahm und die Kugel aus zwölf Metern halbhoch ins
Paderborner Gehäuse zimmerte. Nun rollte
wirklich ein Angriff nach dem anderen auf das
Tor der Gäste, die so gut wie gar nicht mehr
nach vorne kamen. Mehrfach lang der Ausgleich in
der Luft, hätte nur ein langes Bein den Ball
über die Linie grätschen müssen, fehlten die
berühmten Zentimeter, die wenigsten bei einem
Kopfball von Jovanovic rechts am Tor vorbei.
Aber wenn dein Name auf der Kugel steht, dann
bist du dran, wie einst ein zweitklassiger
Revolverheld in einem drittklassigen Western zu
sagen pflegte. Passend dazu auch die
Schlussszene, als Beister rechts im Strafraum an
Gonther vorbei ziehen wollte und dieser ihm gut
sichtbar die Hand mitten im Gesicht platzierte,
um sich im gemeinsamen Sprint den erforderlichen
Raumvorteil zu verschaffen. Für so etwas gibt es
gerne schon mal Elfmeter, und jeder andere
Spieler hätte ihn wohl auch bekommen, aber es
war halt Beister, der bekanntermaßen bei Fouls
schon mal zu etwas theatralischen Stürzen neigt.
So auch diesmal, er drehte seinen dreifachen
Toeloop und wunderte sich anschließend, dass der
Pfiff nicht ertönte.
Ich hingegen wunderte mich nicht, es war mal
wieder zu auffällig gemacht, klar war diese
Berührung regelwidrig, da können die stahlharten
Jungs unter den Fans noch so sehr behaupten, man
spiele ja schließlich nicht Hallenhalma. Nein,
tut man nicht, sondern Fußball, das ist das
Spiel mit so doofen Regeln, und eine Hand im
Gesicht des Gegners gehört sicherlich nicht zu
dem, was man „korrektes Spiel“ nennt. Ist
sicherlich ein Elfmeter, den man geben kann,
aber nicht muss. Wenn der derart gehinderte
Spieler dann aber auch gleich wie vom Blitz
getroffen zusammensackt, darf er sich auch nicht
wundern, wenn der Pfiff ausbleibt. Bei dem
Schiedsrichter-Assistenten schon mal gar nicht.
Es winkte nämlich in unmittelbarer Nähe des
Geschehens der Mini-Collina Thomas Frank, uns
bestens an der Pfeife bekannt. Einige seiner
schönsten Fehlentscheidungen hat der in der
Regionalliga gegen Fortuna abgeliefert, die
schönste sicherlich direkt am ersten Spieltag
nach unserem Wiederaufstieg im Jahr 2004, als er
in letzter Minute beim Stande von 1:0 für
Preußen Münster und Handspiel auf der
Münsteraner Torlinie zwar pfiff, aber damit
eigentlich nur das Spiel beendete. Nun bin ich
weit davon entfernt, ihm eine gewisse gelebte
Abneigung gegen Fortuna zu unterstellen. Im
Gegenteil, die Tatsache, dass er 2004 ein
drittklassiges Spiel pfiff und siebeneinhalb
Jahre später eine Liga höher immer noch nur den
Fahnenschwenker geben darf, lässt eher vermuten,
dass er sich auch auf anderen Plätzen schon
lustige Klöpse geleistet hat. Auf jeden Fall
sagte Schiri Weiner nach dem Spiel, er habe auf
ein Zeichen seines Assistenten gewartet, der in
diesem Fall genau auf die Szene drauf guckte.
Der angesprochene Assi war Frank, die Fahne
blieb unten, das Spiel war verloren. So geht’s
halt.
Fortuna verlor nicht unverdient gegen den SC
Paderborn mit 2:3 vor 25.200 Zuschauern. Es war
die erste Saisonniederlage, die erste Niederlage
nach 27 Pflichtspielen (25x Meisterschaft, 2x
Pokal), die erste Heimniederlage seit dem
27.09.2010. Es war übrigens auch das erste Mal
in dieser Saison, dass ein Gast bei uns
überhaupt in Führung ging. Zuvor hatte lediglich
Dresden den zwischenzeitlichen Ausgleich
erzielt, für alle anderen Gegner, die bei uns
antraten, hatte es nur zu Anschlusstreffern
gereicht. Irgendwann trifft es halt jeden mal.
Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es uns
lieber in der Woche zuvor in Bochum getroffen,
wenn wir dann Paderborn geschlagen hätten. So
rückte uns ein direkter Konkurrent noch dichter
auf die Pelle, außerdem war es ausgerechnet das
letzte Liga-Spiel vor der Winterpause, sodass
man die jetzt sechs Wochen am Stück mitnimmt,
keine Chance auf vorzeitige Wiedergutmachung.
Aber wir wollen mal nicht gleich ganz so
schwarzsehen.
Denn Fortuna beendet das Jahr 2011 als
Tabellenführer, mit wahnsinnigen 42 Punkten nach
19 Spielen. Wie viele Vereinsrekorde wir in der
Zwischenzeit gebrochen haben, ist eigentlich
nicht so wichtig, zeigt aber, wie
außergewöhnlich die Saison bisher gelaufen ist.
Unglücklicherweise nicht nur bei uns, auch
Eintracht Frankfurt, Greuther Fürth, der FC St.
Pauli sowie natürlich der SC Paderborn lieferten
jeweils die besten Hinrunden ihrer
Vereinsgeschichte ab. Und deshalb ist auch
nichts entschieden, trotz dieser unglaublichen
Punktausbeute, kein Team hat sich entscheidend
absetzen können, wir haben nur lächerliche drei
Punkte Vorsprung auf Paderborn als Fünfter.
Platz 1 und Aufstieg sind also ebenso in
Reichweite wie Platz 5 und Arschkarte. Dies
garantiert spannende 15 Spiele nach der
Winterpause, los geht es am 4. Februar 2012 beim
FC Ingolstadt. Und im anschließenden Heimspiel
kommt Eintracht Frankfurt…Man kann der Fortuna
zu ihrer besten Hinrunde aller Zeiten
gratulieren, aber jubeln darf man noch nicht.
Das passt irgendwie schon wieder.
Die verdiente Niederlage gegen die
Zweite Mannschaft des
übermenschlich kämpfenden Gegners. Oder so
ähnlich.
Bevor es in die wohlverdiente Winterpause ging,
stand aber noch ein vorgezogenes
Weihnachtsgeschenk an: Das
DFB-Pokal-Achtelfinale. Der amtierende Deutsche
Meister gab sich die Ehre, Borussia Dortmund
trat am 20.12.2011 in der ausverkauften
Esprit-Arena (54.500 Zuschauer) an. Und da hatte
man ja wirklich nicht viel zu verlieren.
Über das Spiel muss man nicht viele Worte
verlieren, nach dem Getöse, welches auch medial
dazu veranstaltet wurde. Derjenige, den es
interessiert, der hat es eh gesehen und braucht
sicherlich jetzt nicht mehr seitenlang von mir
gelangweilt zu werden. Und derjenige, den es
nicht interessiert, der liest hier eh nicht.
Wenn man mich zu meiner persönlichen Meinung zum
Spiel befragt, kann ich nur sagen: ich bin stolz
auf unsere Mannschaft, über den BVB kann ich
seit jenem Dienstag in weiten Teilen leider nur
noch lachen.
Man erinnere sich: die Partie endete 0:0 nach
120 Minuten, Dortmund gewann das
Elfmeterschießen mit 5:4. Deren Trainer Jürgen
Klopp nahm dies zum Anlass, von einem Spiel zu
sprechen, „das in die Geschichte des Vereins
eingehen wird.“ Er bezog sich natürlich darauf,
dass die Borussia ab der 36. Minute, und somit
über knapp 90 Minuten, mit einem Mann weniger
auf dem Feld auskommen musste, nachdem Patrick
Owomoyela Gelb/Rot gesehen hatte. Des Weiteren
konnte schon im Vorfeld – und hinterher
natürlich umso intensiver – nachgelesen werden,
wie viele Ausfälle die Meister-Truppe zu
verkraften gehabt habe. Es las und hörte sich
teilweise so an, als würde die Zweite Mannschaft
kommen, die bekanntermaßen mit unserer Zwoten in
der viertklassigen Regionalliga West unter
ferner liefen kickt. In derjenigen Zweiten
Mannschaft, die Klopp an jenem Abend aufs Feld
schickte, standen denn auch nur noch acht
Nationalspieler. Da kann einem als Deutscher
Meister gegen einen Zweitligisten schon mal das
Jammern ankommen, das finde ich auch. Was für
Weicheier.
Und zum Platzverweis: selbstverständlich war das
eine gute kämpferische Leistung der Dortmunder,
über solch einen langen Zeitraum mit einem Mann
weniger auskommen zu müssen. Andererseits war
dies nicht unbedingt der stärkste Spieler, der
da vorzeitig Feierabend hatte. Und da man in
Mats Hummels den überragenden Spieler des Abends
stellte, der als Ein-Mann-Innenverteidigung
wirklich alles wegräumte, was ihm vor die Flinte
kam, fiel das Fehlen von Owomoyela spielerisch
absolut nicht ins Gewicht. Dies gilt auch für
die andere Seite des Spielfelds, und das ist es,
was mich auch stolz auf die Leistung der Fortuna
macht. Denn den Owomoyela werden sie ja wohl an
jenem Abend nicht aufgestellt haben, um uns mit
einem Hattrick aus dem Stadion zu schießen. Für
die Einleitung und den Abschluss von Angriffen
wird der eigentlich eher weniger benötigt.
Dennoch spielte der BVB im gesamten Spiel kaum
eine gefährliche Tormöglichkeit heraus, ab der
zweiten Halbzeit sah man von denen offensiv
nahezu gar nichts mehr. Wenn man bedenkt, dass
in der Ersten Liga nur eine Woche zuvor der FC
Bayern München den 1.FC Köln in 60-minütiger
Unterzahl locker 3:0 aus dem Stadion geschossen
hatte, und ich auch dem BVB durchaus eine
ähnliche spielerische Qualität unterstelle, dann
war das eine tolle Leistung unseres gesamten
Teams. Aus dem eventuell einer noch besonders
heraus stach, Assani Lukimya, mit einer Leistung
zum Zungeschnalzen. Andererseits: der Luki ist
ebenfalls Innenverteidiger, und wenn zwei
Innenverteidiger die besten Spieler des Spiels
sind, dann sagt das schon einiges. Kein Wunder
eigentlich, dass es 0:0 ausging.
Chancen, das Spiel zu entscheiden, hatte Fortuna
genug in den 120 Minuten. Man scheiterte an
fehlender eigener Durchschlagskraft oder an
Roman Weidenfeller. Der BVB-Keeper hielt einige
schöne Sachen, hatte in einer Szene, als es
nichts mehr zu halten gab, Glück, dass
Blaszczykowski den Ball per Kopf an ihm vorbei
nicht ins eigene Tor, sondern an den Pfosten
setzte, und feierte nach Abpfiff den Sieg derart
euphorisch, dass er im Überschwang der Freude
noch in der Fortuna-Kabine erschien, um sich mit
Sascha Rösler spontan zu verbrüdern, in
exorbitanter Lautstärke. Nun braucht mir niemand
zu erzählen, was für einer der Rösler während
der 90 Minuten auf dem Platz ist, allerdings ist
Weidenfeller anerkanntermaßen genauso. Auch er
fiel während des Spiels durch großflächiges
Gemotze auf, forderte mehrfach beim Schiri Gelbe
Karten für gegnerische Spieler, pflaumte diese
an, wenn sie sich erdreisteten, in seinem
Strafraum mal hinzufallen und zog seine ganze
Nummer schlecht anerzogener Gerry
Ehrmann-Psychospielchen auch beim
Elfmeterschießen ab, wofür er leider nur Gelb
bekam. Das kann man als Anhänger des Teams, in
dem derjenige wütet, natürlich ganz okay finden,
das kenne ich ja selbst. Wenn aber so einer nach
dem Spiel noch in der Kabine des Gegners
erscheint und ausgerechnet „Respekt“ einfordert,
sorry, das ist schon nicht mehr einfach nur
lächerlich. Das ist hochnäsig und arrogant und
zeigt, dass der Eine oder Andere dieser
Millionentruppe wohl doch etwas die Bodenhaftung
verloren hat. Sahen die Fortuna-Spieler wohl
ähnlich, auf jeden Fall entfernten sie den
Schwätzer grußlos und unverzüglich aus dem
Allerheiligsten. Respekt – vor jemandem wie
Weidenfeller? Zum Glück sind wir noch nicht so
weit runtergekommen, einem die Füße küssen zu
müssen, nur weil der seinen Job beherrscht und
auf seine alten Tage (sportlich gesehen) aus
Versehen Deutscher Meister geworden ist.
Dass die vereinseigene Website der Borussia sich
nach dem Spiel als „verdienten Sieger“ feierte,
ist zwar nun wirklich eine Lachnummer, aber
durchaus verständlich, die leiden eh seit Jahren
an verschärftem Norbert Dickel, da kommt auch
nix mehr. Dass sich eine Zeitung wie die FAZ
nicht entblödet, in die Jammertirade
einzustimmen und dem BVB nahezu eine
überirdische Leistung bescheinigte, nur weil die
es geschafft hatten, in 90-minütiger Unterzahl
gegen einen Zweitligisten kein Tor zu kassieren,
das ist leider auch normal. Geschichte wird halt
von Siegern geschrieben, und da wollen die
meisten Neutralen auch nicht gerne im Abseits
stehen. Owomoyela nach wiederholtem Foulspiel
schon früh vom Platz, Klopp später wegen
Meckerns auf die Tribüne, Weidenfeller pöbelt
nach Spielende noch in der Gegnerkabine – aber
sie sind doch halt alle sooo nett.
Nein, ich sehe das ganz pragmatisch. Aus dem
ganzen Gewinsel vor, während und nach dem Spiel,
aus dem überschwänglichen Jubel nach dem
gewonnenen Elfmeterschießen, aus der Reaktion
eines Weidenfeller, der in des Gegners Kabine
noch unbedingt etwas loswerden muss, aus der
Äußerung des Trainers, diese Spiel werde in die
Vereinshistorie eingehen, aus all diesen
Verhaltensweisen lese ich nur eins heraus – die
pure Erleichterung. Die hatten einen
Riesenbammel, sich bei einem Zweitligisten zu
blamieren. Kein Wunder, in den letzten beiden
Jahren hatte man jeweils bei einem Drittligisten
die Segel gestrichen (Osnabrück, Offenbach). Man
war also recht blamageerfahren. Und es wäre auch
wieder drin gewesen, wir hatten klar mehr vom
Spiel und gute Chancen. Wenn man dann ein
Elfmeterschießen gegen Fortuna gewinnt, was
selbst schon solch einem Verein wie dem
Wuppertaler SV gelungen ist, da sind wir ganz
England, ich kann mich an kein wichtiges
Elfmeterschießen in den letzten 15 Jahren
erinnern, das wir gewonnen hätten – wenn man
also so etwas Übermenschliches fertig bringt,
dann ist das die pure Erleichterung, die sich
Raum verschafft. Und das wiederum macht mich
stolz auf unser Team. Wir hatten sie am Rande
einer Niederlage, und sie haben es genau
gespürt. Auch die Damen und Herren Deutsche
Meister auf den Rängen, die zum Teil mit einer
Großkotzigkeit und Selbstherrlichkeit auftraten,
wie wir es nicht besser hinbekommen könnten,
wenn wir alle täglich mehrere Stunden Kö-Bummel
absolvieren würden. Der Malocher-Verein aus dem
Ruhrpott, haha. In der Arena waren größtenteils
nur verwöhnte Bengelchen zu sehen. Denen sei die
Jubelfeier nach dem Sieg aber ausdrücklich
gegönnt, es zeigte sehr schön, dass auch sie
zuvor Blut und Wasser geschwitzt hatten. Und das
kann sich die Mannschaft der Fortuna stolz an
die Brust heften und in die Winterpause
mitnehmen: man hatte den Deutschen Meister zwar
nicht auf den Knien, dafür war deren
spielerische Qualität trotz Unterzahl einfach zu
groß; aber ordentlich ins Wanken hat man sie
gebracht. Kein schlechtes Ergebnis für einen
Zweitliga-Tabellenführer, denke ich. Ich
persönlich kann damit sogar gut leben. Auch wenn
es natürlich ärgerlich ist, wenn man sieht, dass
tatsächlich etwas drin gewesen wäre.
Dem armen, gebeutelten, übermenschlich
kämpfenden aktuellen Deutschen Meister wünsche
ich zum Jahresübergang natürlich nur das Beste.
Falls sie den DFB-Pokal in dieser Saison
gewinnen, werden sie natürlich ihren Enkeln noch
erzählen, dass sie den ja quasi mit der Zweiten
Mannschaft geholt haben. Was man bei den
bisherigen Partien bzw. Auslosungen gegen solche
Gegner wie Sandhausen (3. Liga), Dresden,
Düsseldorf (jeweils 2. Liga) und kommend
Holstein Kiel (Regionalliga Nord) ja auch
durchaus nachvollziehen kann, was sollten sich
da die Stars mehr als nötig anstrengen. Genau so
würde es in 10 bis 15 Jahren erzählt werden, da
bin ich sicher. Aber ich vergesse auch nicht das
nackte „P“ in den Augen einiger dieser
Herrschaften, als der Schiri zum
Elfmeterschießen pfiff. Das kann mir keiner
nehmen, und damit kann ich den DFB-Pokal für
diese Saison eigentlich recht positiv
abschließen.
Lange Abfahrt ins Aus
Natürlich sind auch die äußeren Umstände bei
einem solchen Spiel etwas Besonderes. Im
Pressebereich war die Hölle los,
Berichterstatter aus der ganzen Welt schwirrten
umher, selbst Al Jazeera hatte Leute vor Ort,
die das Spiel für den arabischen Sprachraum
kommentierten. Sehr schön auch die Japaner, die
wegen Shinji Kagawa vor Ort waren. Also nicht
Japaner aus Düsseldorf, größte europäische
japanische Kolonie, sondern tatsächlich extra
aus Tokio eingeflogen, um über ihren Superstar
zu berichten. Den konnten sie sich dann fünf
Minuten beim Warmlaufen anschauen, dann hatte er
sich verletzt und musste vom Spielberichtsbogen
gestrichen werden. Für ihn lief übrigens ein
gewisser Lucas Barrios auf, falls der Eine oder
Andere den Namen schon mal gehört haben sollte.
Wieder nur so einer aus der Zweitvertretung, das
sind aber auch arme Schweine, diese gebeutelten
Dortmunder. Auf jeden Fall konnten die Japaner
auf der Pressetribüne schon vor Spielbeginn die
Arbeit einstellen und sich ganz dem Verjubeln
ihres Spesenkontos widmen, ist doch auch mal
eine nette Sache.
Weniger nett war die Abfahrt nach dem Spiel, als
mal wieder ein raffiniertes Verkehrsleitsystem
vom Parkplatz herunter an Tausenden unschuldiger
Autofahrer ausprobiert wurde, mit der Folge,
dass über eine Stunde nichts mehr ging,
Stillstand der Rechtspflege. Ich weise immer
gerne darauf hin, wenn ich bei anderen Vereinen
mehr Zeit auf dem Parkplatz verbringe als beim
Spiel, dann ist es klar, dass der eigene Verein
keine Ausnahme darstellt, wenn es mich dort
erwischt. Ich weise ebenfalls immer gerne darauf
hin, dass in Düsseldorf ein Problem darin
besteht, dass man die jahrzehntealten
Abfahrtswege nicht erweitern kann – auf der
einen Seite der riesigen Parkfelder liegt nun
mal die Messe, die sich ein raumordnendes
Wegsprengen einiger ihrer Hallen mit Sicherheit
verbitten würde, auf der anderen Seite befindet
sich der Rhein, dessen parkflächenerweiternde
Betonierung sicherlich auch auf den einen oder
anderen Widerspruch stoßen würde. Insoweit ist
man dort schon gehandicapt. Das entschuldigt
allerdings nicht die wirklich rätselhafte Art
und Weise, wie dort der Verkehr nach einem Spiel
manchmal abgeleitet wird. Um das zu beschreiben,
was man sich für das Pokalspiel ausgedacht
hatte, bräuchte ich eigentlich eine Zeichnung.
Obwohl es in der Beschreibung eigentlich noch
besser ist, weil es so schön panne klingt wie es
in Wirklichkeit auch war: in Richtung
Rheinuferstraße macht man aus vier
Abfahrtsspuren plötzlich zwei, das heißt die
beiden anderen hören gleichzeitig auf, und
ebenso gleichzeitig trifft man genau an dieser
Stelle rechtwinklig auf eine andere
Abfahrtsspur, deren Fahrer fünfzig Meter zuvor
noch auf zwei Spuren standen, von denen eine
plötzlich aufhört und die durchgehende – wie
gesagt rechtwinklig – genau an der Stelle auf
die vier anderen trifft, an der sich zwei davon
in Luft auflösen. Klar soweit? Ich wette, ein
herrliches Bild. Also zumindest aus der Luft.
Wie das dann ausgeht, wenn doppelt so viele
Zuschauer als sonst da sind, mag man sich
lebhaft vorstellen, und deren Laune
wahrscheinlich auch. Immerhin war ich schon
gegen 1.30 Uhr in Bonn, was angesichts des
Spielschlusses ca. 23.15 Uhr gar nicht mal so
schlecht war. Und dafür, dass ich um 6 Uhr
wieder raus musste, kann ja der Parkplatz
nichts. Aber wenn man beim letzten Spiel des
Jahres noch eine solch entspannte Abfahrt hat,
sollte man dies auch nicht unerwähnt lassen.
Somit kann ich nunmehr für das Jahr 2011 sagen:
Aus, aus, aus, das Spiel ist aus. Ich bin am
Ende, und tatsächlich, ganz am Ende hat es mich
erwischt: meine erste Zusammenfassung aus der
Saison 2011/12, in der kein einziger Sieg
vorkommt! Rechtzeitig zu den Feiertagen zieht
somit auch bei mir ein wenig Demut ein.
Andererseits war ich nie jemand, der die richtig
große Brötchen gebacken hat, insoweit bin ich
auch nur wenig enttäuscht. Klar war es schade,
ausgerechnet die letzten beiden Spiele in diesem
Jahr zu verlieren, aber außer der wirklich
schlechten ersten Halbzeit gegen Paderborn habe
ich jetzt nichts gesehen, was mich denken ließe,
dass im kommenden Jahr nur noch Schrott
abgeliefert werden würde. Ganz im Gegenteil.
Freuen wir uns also auf der Saison im
Kalenderjahr 2012 und schauen nach, was am 6.
Mai unter dem Strich dabei rauskommt – und vor
allem, wer über dem Strich steht. Ich wäre schon
schwer begeistert, wenn wir das wären. Aber es
wird wirklich noch sauschwer, den Blick auf die
Tabelle erwähnte ich ja bereits.
Ich darf mich auch für das zu Ende gehende Jahr
bei meinen treuen Lesern bedanken, die immer
noch tapfer ausharren und die es weiterhin nicht
stört, dass es literarisch bei mir immer etwas
ausufert. Aber es sind halt die vielen kleinen
Facetten, die mich interessieren – zehn Zeilen
zum letzten Spiel kann ich schließlich auch im
kicker lesen. In diesem Sinne, vielen Dank! Ich
wünsche frohe, ruhige und entspannte Weihnachten
gehabt zu haben und einen guten Rutsch in ein
erfolgreiches Jahr 2012! Und dann ab dem 4.
Februar und dem Auswärtsspiel in Ingolstadt
wieder in die Vollen!
2011 was „not so bad“, thinks: janus |