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Ulli in Nöten

 

„Bayern-Manager Uli Hoeneß dementiert den Wechsel von Sebastian Kehl nach München. Laut dem Bayern-Manager gibt es überhaupt keine Vereinbarung mit dem Nationalspieler vom SC Freiburg.
Zehn bis 15 Millionen Mark sollen die Münchner angeblich bieten, um den Abwehrspieler aus seinem bis 2003 laufenden Vertrag herauskaufen zu können. Die "Sport-Bild" hatte sogar über ein Handgeld in Höhe von zehn Millionen Mark berichtet.
Der 21-jährige Kehl stellte klar, dass noch keine Entscheidung gefallen sei: ‚Ich habe also auch kein Geld von irgendeinem Verein bei mir auf dem Konto rumliegen.’“

 

Das war am 12.12.2001.

 

„Bayern-Manager Uli Hoeneß war da schon deutlicher. Hoeneß unterstrich nochmals, dass ihm die feste Zusage von Sebastian Kehl vorliege und dieser auch einen Scheck in Höhe von zwei Millionen Mark erhalten habe, der nun aber wieder nach München zurück geschickt wurde: ‚Das sind die Fakten. Wir werden nun prüfen, wie dies arbeitsrechtlich aussieht. Die Frage ist nur, ob der FC Bayern einen Spieler mit einem solchen Charakter überhaupt noch will’, sagte Hoeneß.
Kehl soll den Münchner Scheck über zwei Millionen Mark nicht nur angenommen, sondern auch eingelöst haben, das Geld aber später dann wieder an die Bayern zurück überwiesen haben.
Uli Hoeneß heute in der BamS: ‚Wenn Sebastian Kehl sagt, er habe uns nie eine Zusage gegeben und es sei nie Geld auf einem seiner Konten gewesen, dann könnte ich vor Wut mit dem Kopf gegen die Wand rennen! Es hat vier oder fünf Verhandlungsrunden gegeben, unter Zeugen! Wir hatten eine tausend-prozentige Zusage von Kehl, dass er entweder am 1. Juli 2002 oder am 1. Juli 2003 zu uns kommen wird.’“

 

Diese Mitteilung ist vom 15.12.2001.

 

Mehr braucht man in diesem Fall eigentlich nicht zu sagen. Ulli der Gutmensch Hoeneß hat wieder zugeschlagen. Laut seiner Aussage gab’s zunächst noch keine Zusage, drei Tage später fiel ihm ein: hach, da war ja noch was! Und zwar, wenn ich den Artikel komplett übernommen hätte, bereits im Mai 2001. Da er aber jeden Tag mit Millionären redet, die es gewohnt sind, nach seiner Pfeife zu tanzen, wird er diesen Jüngling wohl schnell wieder verdrängt haben. Ist ja noch Spieler des SC Freiburg, somit noch totes Kapital für den FC Bayern. Schnell 2 Millionen Mark in den Allerwertesten schieben und das Thema bis zum Ende der Saison vertagen. Doch als Herr Kehl seinen begrenzten logischen Verstand einsetzte und das Handgeld zurückzahlte...seitdem dreht der Ulli richtig auf, nennt den Kehl „Charakterschwein“ und „Lügner“ und sagt beleidigt: „Den wollen wir nicht mehr, der passt nicht zu uns.“ Doch, Ulli, dieser blondgefärbte Schwiegermuttertraum passt hervorragend zu euch! Der hat euch nämlich mit euren eigenen Waffen geschlagen und mal vorgeführt, was der FC Bayern unter dem Begriff „Wahrheit“ versteht. Nix nämlich. Im Gegensatz zu Kehl. Der mag zwar aufgrund dieser Pokerei auch jemand sein, bei dem ich in Zukunft in schallendes Gelächter ausbreche, wenn der in einem Interview noch mal den Begriff „...wegen der sportlichen Herausforderung...“ oder ähnlich konfuses Zeug in den Mund nimmt. Aber im Gegensatz zu Bull(i)terrier Hoeneß hat der gewusst, mit wem er sich anlegt. Man beachte das Zitat vom 12.12.: „Ich habe also auch kein Geld von irgendeinem Verein bei mir auf dem Konto rumliegen.“ Mal abgesehen davon, dass wir den Mann somit schnellstens bei der Sozialhilfe anmelden müssten, da anscheinend auch der SC Freiburg kein Gehalt überweist (ist ja auch bekanntermaßen der idealistischste Club in der Bundesliga), kam ja hinterher raus, dass doch Geld geflossen ist. Nur hatte er es zum Zeitpunkt, als er diesen Satz sprach, schon wieder zurückgezahlt. Keine Lüge also. Selbst die Zinsen, für die er ja nu wirklich nix konnte, hat er erstattet, so dass der FC Bayern sogar noch einen Gewinn verbuchen konnte (wieviel Prozent gibt’s eigentlich auf ne Einlage von 2 Mio? Muss ich bei Gelegenheit mal bei der nächsten CDU-Schatzmeisterei nachfragen), wohlwissend, dass sich der Ulli geifernd darauf stürzen würde. So ist er jetzt kein „Abzocker“, aber immerhin ein „Charakterschwein.“ Und als solches gehört man eigentlich zum FC Bayern. Wie man es macht, macht man’s falsch. Meine Prognose: spätestens zu Beginn der nächsten Saison sitzt Kehl beim BVB auf der Tribüne und jeder fragt sich, warum wegen einem solchen Bübchen so ein Wind gemacht worden ist.

Aber der Ulli: nicht nur von Kehl an der Nase herumgeführt, bekommt er jetzt auch von jedem Jura-Studenten des 1. Semesters um die Ohren gehauen, dass Arbeitsverträge der Schriftform bedürfen. Ja mei, wer hätte das gedacht? In Bayern zählt halt noch ein Mannswort. Oder aber ein „Ehrenwort“. Ein solches scheint der Kehl dem Ulli gegeben zu haben. Und wie unser Ex-Bimbes-Kanzler mannhaft bis zum heutigen Tage zu dem seinen steht, verlangt der Ulli jetzt, dass der Kehl seins auch hält. Und das zeigt wieder, auf welchem gesellschaftlich-demokratischen Boden der Ulli steht. In Bayern gehen die Uhren halt anders, und solch schöne Errungenschaften wie das Bürgerliche Gesetzbuch (Ersterscheinungsjahr 1900!) sind anscheinend noch nicht bis in die Säbener Straße vorgedrungen. Und außerdem weiß jetzt wohl jeder, wer des Ullis liebster Kanzler war und wo er in diesem Jahr bei der Bundestagswahl sein Kreuzchen machen wird.

Derart in die Enge getrieben, hat der Ulli dann noch was gesagt, was ich ihm nun wirklich nicht verzeihe: er warf dem BVB vor, den Kehl mit „Geld zuzuschütten“ und sagte – und zwar allen Ernstes! -, dass sein FC Bayern die „Moral in diesem Geschäft hochhält“. Und dafür, Ulli, solltest du wirklich zwangsentlassen werden! Ich-hab-zwar-noch-keine-Minute-gespielt-aber-schon-20-Mios-auf-dem-Konto-Deisler lässt grüßen. Der wird dann wahrscheinlich demnächst sagen, er gehe zu einer Mannschaft mit Perspektive, nicht mit Moral. Überhaupt, was ist das im heutigen Fußball-Geschäft: Moral? Kann der mir den Stammplatz wegnehmen? Oder kann ich das wenigstens zur Bank bringen? Was anderes kennen diese Herrschaften doch eh nicht mehr. Dass diese Sätze allerdings ausgerechnet vom Ulli stammen (früheres Zitat: „Ich würde auch lügen, wenn es dem FC Bayern nützen würde.“), unterbietet in der Tat jedes Niveau, das der FC Bayern noch nie hatte. Also weg mit diesem Heuchler!

Andererseits: wer solls denn sonst machen? Effenberg? Immerhin, wenn der in der Disco eine Frau niederschlägt, weil sie seinen Promi-Platz besetzt, dann gilt er als Typ mit Ecken und Kanten. Beckenbauer? Wenn der in der Debatte um den Neubau des denkmalgeschützten Olympiastadions meint, es müssten sich doch ein paar Terroristen finden, die das alte Stadion in die Luft sprengen, dann gilt er als Lichtgestalt. Alles ernstzunehmende Anwärter auf den Job. Oder Rudi Assauer, der sein Phalluszigarillo wohl auch im Bett trägt, oder Rainer Calmund, diese rekordverdächtig gedehnte ehrliche Haut, bei deren Anblick man einfach an ein gesundes Leben durch Sport glauben muss? Oder aber Möchtegernpräsident Mayer-Vorfelder, der mehr politische Skandale und Gerüchte über seine Trinkgewohnheiten ausgesessen hat als Helmut Kohl und Boris Jelzin zusammen? Knifflige Frage.

Da beim FC Bayern eh alles immer auf den „Kaiser!“ zurückfällt,  schlage ich folgendes vor: wenn der Kaiser nicht auch noch den Manager-Posten beim FC Bayern will, wie wäre es mit einem Prinzen: Verpflichtet Adel! Richtig: Ernst August von Hannover, der Elfenprinz, solls machen! Ein Mann, der zu den Bayern passt wie die Faust aufs Auge! Ein Tadeliger, stumpf mit Stil und sicherem Austreten. Ein Sportexperte mit Fachwissen im Bereich Urinproben! Ein Mann, der beim Spielerkauf auch kleinere Spieler wie z.B. Yildiray Bastürk (1,68 m) berücksichtigen würde, denn er weiß, wie man Knirpse am besten einsetzt! Ein Mann, der die Sprache der Spieler spricht und den durch den deutschen Spitzensteuersatz zur Zeit demotivierten Bayern-Leistungsträgern durch einen Wohnsitz in Monaco neue Impulse geben könnte! Ich könnte noch viele weitere Gründe aufzählen. Mach et, Ernst-August! Denn den Hoeneß kann ich langsam wirklich nicht mehr sehen und schon gar nicht mehr hören.

Was lernen wir daraus: Fußball ist und bleibt die verherrlichste Nebensache der Welt. Und Ulli der Gutmensch Hoeneß hat mal wieder bewiesen: Rufmord ist im Verein am schönsten.

 

Es grüßt ins neue Jahr, janus

 

copyright by janus 2003