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Weihnachtsopfer
Wir
warten aufs Christkind
Alle
Jahre wieder fragt sich der geneigte Fußballfan,
wie er denn die anstehende Winterpause überstehen
soll. Besonders kurz vor und während
Weihnachten, wenn der letzte Torjubel noch im
Ohr nachhallt, die letzte Enttäuschung über
die Niederlage des geliebten Clubs noch nicht
verraucht ist und der Tag des Wiederanpfiffs
noch unendlich weit entfernt scheint, hilft nur
eines – das Fernsehen mit seinen Rückblicken,
Konserven, Best-ofs, Classics oder wie sonst
diese Sendungen verschämt und zeitgeistgerecht
genannt werden, um bloß das teuflische Wort
"Wiederholung" zu vermeiden!
Was einem nach Fußball lechzenden kleinen
Schreiberling jedoch allein im Zeitraum
22.-25.12.2001 zugemutet wurde, schreit geradezu
nach Rache, Aufstand, Rebellion und erstickte in
mir auch den kleinen noch vorhandenen
Begeisterungsfunken für die Berichterstattung
der Fernsehsender. Aber lest selbst:
SAT.1-BL-Rückblick
22.12.2001
Habe
mir soeben den 15-minütigen Pausenfüller bis
zum nächsten Werbeblock, sprich den
Bundesliga-Rückblick auf SAT.1, angetan. Mit
diesem "Rückblick" ist ja nun
glasklar, dass Onkel Kirch vom aufmüpfigen (=mündigen)
Zuschauer wirklich nix mehr hält. Früher hätte
man daraus mindestens anderthalb Stunden mit
drei Werbeblöcken gemacht. Natürlich ab 20.15
Uhr. Aber so: wenn der Zuschauer nicht springt,
wie Kirch es will, dann gibt’s noch nicht mal
etwas, das den Namen "Rückblick"
verdient. Vor meinem geistigen Auge sehe ich
Kirch an seinem Schreibtisch sitzen und vor sich
hin murmeln: "Bei meinem guten Freund
Helmut hätte es das nicht gegeben. Und dafür
hab ich nun soviel gespendet, dass der Zuschauer
weiterhin frecherweise von der Fernbedienung
Gebrauch macht."
Der "Rückblick" erschöpfte sich in
vier kurzen Bildberichten und relativ
anspruchslosem Geschwafel der Herren Welke und
Breitner, wobei insbesonders Pavian-Paule mit
seinen Standardsätzen: "Wie gesagt"
und "Ich habe das schon vor der Saison/vor
Wochen/vorgestern
festgestellt/gesagt/klargemacht usw."
deutlich machte, dass nix Neues zu erwarten war.
Da hätte man sich den Kommentar auch sparen und
die Sendung auf siebeneinhalb Minuten verkürzen
können.
Aber die Bildberichte: drei über den Tabellenführer,
den Tabellenzweiten und den Tabellenletzten. Das
ist in Ordnung. Und der vierte: SAT.1, Kirch und
Springer müssen natürlich noch die Pflicht
absolvieren, den von ihnen insgeheim zum einzig
berichtenswerten Verein gekürten Kaiser-Club
auch mit genügend Sendezeit darzustellen. Nicht
dass der Franz und der Ulli morgen schlechte
Laune haben könnten. Also ein Bildbericht über
den Tabellen-5. Hat’s, so glaube ich, in der
Ära guter bis mittelschlechter SAT.1-Rückblicke
auch noch nicht gegeben, einen Bericht über den
Tabellen-5. Aber SAT.1 ist halt verpflichtet,
der Meinung zu sein, dass wirklich alles, was
von diesem Club kommt, im Bild zu sein hat. Naja,
wenigstens mussten sie ja auch ein bisschen was
Negatives äußern. Da trifft es sich ja gut,
dass man zunächst mal mit der
"Wahnsinnsserie" von 11 Spielen ohne
Niederlage protzen konnte. Und: "Noch
besser: neun Siege nacheinander." Das freut
den Franz und den Ulli, da kommt morgen kein Weißwurst-Donnerwetter
von der Isar. Dass Bayern in dieser Saison,
insbesondere in den letzten Wochen,
erfreulicherweise schlicht und ergreifend Scheiße
spielt, wurde dann eher brummig in den letzten
30 Sekunden des Beitrags erwähnt und natürlich
an Stefan Effenberg festgemacht, damit SAT.1
sagen kann, der Verein FC Bayern München an
sich, also der beste Verein der Welt, hat ja
eigentlich nix damit zu tun. Sehr auffällig: da
wurde über die bayerische Schwächephase
gesprochen – es wurde aber kein einziges Tor
gegen Bayern gezeigt! Den höchstbezahlten Fußballgöttern
diese Schmach auch noch anzutun, wäre dann wohl
doch zuviel gewesen! Überhaupt waren nur Tore
von Leverkusen, Dortmund und Bayern zu sehen.
Dass auch andere Mannschaften aus dem
Tabellenkeller oder der grauen Mittelmäßigkeit
schöne Tore schießen können, ist SAT.1 völlig
entgangen. Mir als HSV-Sympathisant fällt da
natürlich spontan der Treffer von Präger gegen
Freiburg ein, aber es gab noch genug weitere schöne
oder kuriose Tore. Kein einziges! Stattdessen
wurde extra eine Psychologin bemüht, um uns
Dummbeuteln mal zu erläutern, warum ein
Zuschauerkiller für SAT.1, da keine Weltstars
und noch nicht mal ein paar hübsche Skandale, nämlich
der FC St. Pauli, völlig zu Recht am
Tabellenende steht: die Totenkopf-Flagge ist es
also! Weil die so negative Strömungen
ausstrahlt. Da haben sie diese Fußballfachfrau
wohl vor Abgabe ihrer Stellungnahme so lange im
Schnee stehen lassen, bis sie sich das Hirn
erfroren hat. Immerhin, die
SAT.1-Kirch-Springer-Rummenigge-Philosophie hat
sie gut rübergebracht: so kleine Dorfclubs
haben in der Bundesliga nix zu suchen! Die könnten
ja glatt den heiligen Rasen im Münchner
Olympiastadion oder im Dortmunder
Westfalenstadion beschädigen. Und gegen Bayern
(in der momentanen Verfassung) vielleicht sogar
punkten. Woraufhin die Bayern- und
BVB-Vertragspartner ihre Werbespots bei
"ran" reduzieren könnten. Ist zwar
absoluter Schwachsinn, aber SAT.1-Logik. Ulm und
Unterhaching wurden ja auch systematisch
abgewertet, nach dem Motto: "Wir wollen ja
nix sagen, aber wir haben gelesen, dass..."
oder "Unsere Statistik sagt uns, dass
solche Clubs auf Dauer eh keine Chance haben,
weil..."
Absoluter Höhepunkt war dann die gnädige Erwähnung
des SV Werder Bremen als beste
Bundesliga-Mannschaft im gesamten Kalenderjahr
2001, ohne auch nur ein einziges Tor geschweige
denn überhaupt eine Spielszene zu zeigen...
Doch: im Hintergrund lief etwas, während die
beiden Herren vorn munter weiter drauflos
sinnierten. Hätte man mit einem Fernglas sogar
erkennen können...
Ja, nee, is klar, der Tabellen-5. ist wichtiger.
Ist ja bestimmt auch vertraglich festgelegt.
Wie stümperhaft und lustlos muss die
Berichterstattung eines Senders sein, wenn eine
Sendung zum ehemaligen Themen-Flaggschiff Fußball
so kurz ist, dass zwischendurch noch nicht mal
mehr Werbung eingeblendet werden muss?
Aber trotzdem werd ich kein Fan von
Kirch-premiere – und wenn die Rückblicke da
drei Stunden dauern würden.
ARD-BL-Rückblick
23.12.2001
...zweiter
Versuch. Diesmal ARD, heute 18.10 – 18.40 Uhr.
Und wieder bleibt mir die Spucke weg, bei dem,
was das Fernsehen heutzutage unter "Rückblick"
versteht.
Die erste Viertelstunde, okay. Da ging’s um
die Nationalelf, die mich in diesem Jahr nur äußerst
mäßig interessiert hat. Mein Fehler –
deshalb sag ich, das war in Ordnung.
Aber dann: Dr. Jürgen "Ja Äh" Emig kündigt
den BL-Rückblick mit der ihm üblichen
sprachlichen Eloquenz an, mit der er sich seine
Sätze immer qualvoll zusammenkleistert. Hat der
Mann schon mal was von "Vorbereitung"
gehört? So’n alter Hase wie der sicherlich
nicht. Ich hoffe nur, sein ungleich begabterer
Kollege Herbert Watterot rempelt ihn im Sommer
bei der nächsten Tour de France mal
"unabsichtlich" den Touuurmallleeeet
runter – dann ist endlich Schluss mit dem
hessischen Altmeister, der den Charme einer
politischen Diskussion im Gemeindehaus zum Thema
"5. Änderung des Änderungsgesetzes
zum Müllabfuhrgesetz" verbreitet.
Und was kommt dann?? Dann bekomme ich noch
einmal eine Kurzfassung der Geschehnisse des 11.
September zu sehen, propagandistisch schön
untermalt von der musikalischen
Herzensbrecher-Schmonzette, die die Amis, die
sich wirklich für nix zu schade sind, passend
zum Fest komponiert und auf den Markt geworfen
haben, in der Erwartung, dass dieses Trauerstück
auch noch den Verkaufsrekord von "Candle in
the Wind" bricht.
Nun braucht man mit mir nicht über die Anschläge
vom 11. September zu diskutieren. Die verurteile
ich genauso wie jeder andere. Ich habe mich aber
damals schon gefragt, aus welchem Grund Fußballspiele
in Deutschland abgesagt werden, wenn 3000
Seemeilen entfernt zwei Türme umfallen. Noch
mehr frage ich mich, was das jetzt in einem
Bundesliga-Rückblick zu suchen hat. Natürlich
rührt das daher, dass für die Amerikaner bis
heute unbegreiflich ist, dass in god’s own
country genau das passiert ist, was sie sonst in
ihren abendlichen Nachrichten im Fernsehen
betrachten können, und zwar gleich nach den
neuesten Informationen aus der NBA. Verstehen
kann man das schon, sind die Amis doch so
ziemlich die einzige Nation der Erde, die in
zwei Weltkriegen munter mitgemischt hat, ohne
dass dem Volk in der Heimat auch nur eine Minute
Pulverdampf um die Nase geweht wäre. Die Russen
kennen sich da besser aus. A propos: als letztes
Jahr mitten in Moskau zwei Hochhäuser in die
Luft gesprengt wurden (angeblich von
tschetschenischen Terroristen), mit Hunderten
von Toten – hab ich da was verpasst oder war
das tatsächlich im letzten BL-Rückblick kein
Thema? Nein? Warum auch? Eben! Man kann’s nämlich
auch übertreiben.
Und wenn jetzt jemand fragt, warum dieser
Trottel janus hier so auf läppischen Fußballspielen
und Rückblicken (verglichen mit den Attentaten)
rumreitet, dem darf ich sagen: genau diese
Lappalien sind es, die mich ein wenig Abstand
nehmen lassen, von dem, was die Krone der Schöpfung
jeden Tag so anrichtet. Wenn ich nämlich den
ganzen Tag über Attentate, noch größere
Attentate, Überschwemmungen als Folge von
Flussbegradigungen oder Erdrutsche als Folge von
Waldkahlschlägen grübeln und trauern müsste,
wär ich schon längst im Irrenhaus. Meine
Schultern jedenfalls sind zu klein für diesen
Ameisenhaufen, der emsig
Ameisenvernichtungsmittel herstellt. Ich möchte
jedenfalls ab und zu einfach nur mal unterhalten
werden.
Neben einigen schönen Aktionen der Fans und
Bildern von händchenhaltenden Bundesliga-Profis
am Mittelkreis wurde dann auch von verschärften
Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien
berichtet. Heike Marx (eine vom
WDR-Regionalliga-Traumduo) kommentierte überraschend
fehlerfrei Bilder von Personendurchsuchungen an
den Stadiontoren. Wenn das die verschärften
Sicherheitsvorkehrungen sein sollen, dann hat
man uns leider betrogen, denn dann muss das WTC
bereits 1977 eingestürzt sein. Damals, so
erinnere ich mich nämlich, wurde ich im zarten
Alter von 8 Jahren beim Betreten eines Stadions
erstmals kontrolliert (Fortuna Düsseldorf gegen
Frankfurt, wenn mich mein Gedächtnis nicht ganz
täuscht). Überhaupt nutzt so eine
Personenkontrolle ja unheimlich viel, wenn einer
von diesen Spinnern während des Spiels nen
Jumbo aufs Spielfeld krachen lässt. Überflüssiger
Beitrag.
Ach ja, BL-Rückblick, das heißt ja Fußball,
jubelnde Fans – und Tore! Dem trug die
ARD-Sportschau auch Rechnung. Es wurden 4 (in
Worten: vier) Tore gezeigt. Und die auch noch
alle in Zeitlupe. Da dies auch regelmäßig
passiert, wenn z.B. in SAT.1 in der
Sonntagssendung von einem Samstagsspiel
berichtet wird, macht es mich langsam stutzig.
Sind die Sender der Meinung, der gemeine
Zuschauer kann der Schnelligkeit des
Spielflusses nicht mehr folgen und liefert
sozusagen als Service die Treffer nur
verlangsamt? Ich glaube kaum. SAT.1 hat sich
noch nie um die Bedürfnisse seiner Zuschauer
gekümmert und der ARD können die auch herzlich
egal sein, schließlich gibt’s die Gebühren
ja auf jeden Fall, ob einer guckt oder nicht.
Nein, der Paranoiker in mir vermutet etwas ganz
anderes: die zeigen die Tore nur noch in
Zeitlupe, um die Beiträge zu strecken! Ganz so
unsinnig ist diese Überlegung nicht, denn diese
Zeitlupenstudien kommen auf allen Sendern immer
mehr in Mode. Achtet mal drauf.
Kleines Schmankerl am Rande: während des Rückblicks
wurden Auszüge aus Interviews mit Ottmar
Hitzfeld und Volker Finke gezeigt. Volker Finke
sagte in einer Passage: "Und wenn wir vor
Spielbeginn zehn nackte Friseusen aufs Spielfeld
stellen – deswegen kommen die Leute nicht ins
Stadion. Die kommen ins Stadion, um Fußball zu
sehen." Und das in einem Bundesliga-Rückblick,
in dem 4 Tore aus 162 Spielen gezeigt wurden!
Ich wusste gar nicht, dass die ARD zu solcher
Selbstironie fähig ist.
Tja, und das war’s dann auch mit diesem Rückblick.
Als kleine Anekdote gab’s nach dem Rückblick
noch die Vorstellung der Kandidaten für das
"Tor des Monats", wobei in zwei
Minuten mehr Tore (nämlich fünf) gezeigt
wurden als im gesamten BL-Rückblick. Das nenn
ich Effizienz.
Mein Vorschlag: da wir auch weiterhin
anscheinend zur Trauer verpflichtet sind,
schlage ich vor, aus Solidarität nach jedem größeren
Anschlag oder jeder größeren Naturkatastrophe
die BL-Spieltage abzusagen. Stattdessen gibt’s
dann jeden Samstag von drei bis um sechs eine
Expertenrunde, die darüber diskutiert, wie
diese Spiele denn hätten ausgehen können. Da könnte
sogar die ARD wieder bei den
Erstverwertungsrechten mitbieten, wetten? Und
dann würde bei sogenannten "BL-Rückblicken"
genauso viel gelabert und so wenig Fußball
gezeigt wie gestern und heute.
An mir kann man wieder mal sehen, wie sich arme
Würstchen wie ich so sehr über die
Minimalleistungen des Fernsehens aufregen, dass
sie Beiträge verzapfen, deren Erstellung länger
als die angesprochene Sendung dauert und mit
denen man sich auch bei 10 cm-Schneedecke in
Bonn ordentlich die Finger verbrennen kann.
Ja
is denn heut scho Weihnachten???
Ich
klage an: das DSF hat versucht, den
Weihnachtsmann zu erschießen!
Anders kann ich mir das, was ich heute (am 1.
Weihnachtsfeiertag) entdeckte, nicht erklären!
Nachdem ich nunmehr aus dem Bett gefallen bin
und bei einem Blick aus dem Fenster festgestellt
habe, dass es pünktlich nach dem Heiligen Abend
auch mit dem erschreckend weißen Winter wieder
vorbei ist und wieder das übliche deutsche
Weihnachtswetter vorherrscht, nämlich grauer
Himmel und Regen, Regen, Regen, fragte ich mich
ernsthaft, ob bei dieser Witterung der
Weihnachtsmann seine jährlichen Dienstreisen
nach Deutschland wegen Unbespielbarkeit des
Platzes nicht langsam einstellt. Da zudem mein nächster
"Einmal-im-Jahr-haben-wir-uns-alle-lieb"-Termin
erst morgen ansteht, warf ich einen Blick in die
Programmzeitschrift, um zu sehen, mit welch
banaler Unterhaltung ich mich im Hintergrund
berieseln lassen könnte, während ich die mir
gestern Abend applizierten drei Bücher mal
durchlesen würde. Und da durchfuhr mich ein
wahrhaft "eisiger" Schreck...
Denn mein Blick blieb auf dem heutigen
Tagesprogramm des DSF hängen. Was bietet mir
der Sender mit den
Zweitliga-Erstverwertungsrechten und ebensolchem
-Niveau heute? Ich darf aus diesem
Horrorszenario zitieren:
18.30
Bayern Classics - Rückblick auf die Saison
97/98
19.30 Bayern Classics - Rückblick auf die
Saison 98/99
20.30 Bayern Classics - Rückblick auf die
Saison 99/00
21.30 Vier Minuten im Mai - hui, worum es da
wohl geht??
21.45 Reportage: Weltpokalfinale FC Bayern-Boca
Juniors
Ach,
lieber Weihnachtsmann, was haben sie dir
angetan?
Warum konntest du das nicht verhindern? Kam da
etwa der Beckenbauer-Franz, die
Lichtjahre-von-der-Realität-entfernt-Gestalt
und hat dir gedroht: "Entweder Bayern
total, oder ich lad dich zu unserer nächsten
Weihnachtsfeier ein! Und dann musst du erst mit
mir in's Büro und dich nach einer Weißwurst bücken
und danach darfst du 'versehentlich' auf dem für
Stefan Effenberg reservierten Platz sitzen, bis
der vom Klo zurückkomt!" Oder war es noch
schrecklicher, schickte er seinen Bull(i)terrier
vor, der locker mit den Fingern schnippte und
sagte: "Also hör mal, wir unterstützen ja
gerne die kleinen Vereine, sogar so kleine wie
deinen, obwohl du nie zu den ganz Großen
aufsteigen wirst, wenn du nicht endlich dieses
2000 Jahre alte Rentiergespann mal austauschst.
Aber zur Sache, alter Hippie (oder warum trägst
du dieses fürchterlichen Bart? In meiner Heimat
sind schon Leute für weniger verhaftet
worden!): hier hast du 20.000.000 Euro Handgeld,
um dein Gespann mal schön aufzumotzen, dafür
verkaufst du dich uns am 1. Weihnachtsfeiertag.
Und wag es ja nicht, dir das ganze nochmal zu überlegen
und das Geld etwa zurückzuzahlen, sonst werde
ich dich in aller Öffentlichkeit als üblen,
charakterlosen Burschen darstellen, dich so
kaputtmachen, dass die Leute im nächsten Jahr
ihre Schornsteine dichtmachen, wenn du
kommst!" War es das, Weihnachtsmann? Oder
war es tatsächlich, wie zu Anfang vermutet,
Rudi Brückner, der glänzende DSF-Techniker,
Beherrscher des bayerischen Doppelpasses und der
bayrischen Viererkette (ein Katsche
Schwarzenbeck würde allein bei der Erwähnung
dieser Worte in seinem Tabakladen umfallen), der
zu dir kam, erst winselte, man müsse die
vertraglichen Verpflichtungen, die ein neutraler
Fernsehsender gegenüber dem "größten und
besten Verein der Welt" nunmal habe,
einhalten und grad zum Fest der Nächstenliebe
nach dem Motto "Wes' Brot ich ess, des' Lob
ich sing" agieren? Bliebst du hart und
wolltest nicht, so dass Eckfahnen-Rudi (kommt
bestimmt auch noch...) dann wirklich
Waffengewalt anwenden musste? Liegst du daher
schon tiefgefroren in der läppischen Steppe
guter Fernsehunterhaltung (nee, wollte sagen, in
den Steppen Lapplands...)? Ist wirklich alles
dahin, was ich immer unter Weihnachten verstand?
Ich bin erschüttert
Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt mir. Ich
glaube, du lebst, lieber Weihnachtsmann! Ich
glaube, du hast dich dem Druck gebeugt, wie auch
fast jeder Fernseh-Mensch vor den Bayern kuscht,
aber du hast dir im Gegensatz zu diesen Duckmäusern
einen Rest Unabhängigkeit bewahrt. Du hast sie
geleimt! Hast ihnen eingeflüstert: "Komm,
dann zeigen wir ab 13.30 Uhr noch die Bundesliga
Classics 93/94, satte zwei Stunden lang, mit
Bayern als Meister. Dafür lassen wir die
nachfolgenden drei Jahre, in denen Dortmund
Meister wurde, einfach weg und fangen erst 97/98
wieder an." Und der Franzl, der Ulli, der
Rudi, alle haben sie sich den Dortmund-Geifer
von den Lippen gewischt und gesagt: "Jawoll,
das ist eine prima Idee, so wirds laufen, siehst
du, Weihnachtsmann - der FC Bayern macht halt
nur Angebote, die man nicht ablehnen kann!"
Und haben in ihrem Wahn gar nicht gemerkt, dass
sie ja '97 Meister waren und nicht '98, so dass
man jetzt innerhalb der insgesamt 5 3/4stündigen
Bayern-Orgie am heutigen Tage sogar 5 Minuten
lang einen Deutschen Meister 1.FC Kaiserslautern
zu sehen bekommt (oder auch nicht)!
Diese kleine Spitze wird natürlich ausreichen,
dass du fliehen musstest, lieber Weihnachtsmann.
Die Bayern haben ja bekanntlich so ihre
Eigenarten, mit unerwünschten Ausländern
umzugehen.
Falls dir also die Flucht gelungen ist, lieber
Weihnachtsmann, wünsche ich dir alles Gute und
ein starkes Nervenkostüm im nächsten Jahr. Ich
hoffe, dir wird die Gnade beschert werden, nächstes
Jahr ab ca. September nicht zu erschauern, wenn
dich eine bekannte Stimme mit noch bekannterem
Gesicht dran im Fernsehen drohend unablässig
fragt: "Ja is denn heut scho
Weihnachten?"
Aber Lebbe geht weider, lieber Weihnachtsmann.
Denn jeder hat in seinem Leben seinen ganz persönlichen
Alptraum zu bewältigen. Meiner heißt FC Bayern
München. Ganz besonders heute, am 1. Weihnachtsfeiertag.
Tief
erschüttert, janus
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