|
Samstag,
30.03.2002
Hamburger
SV-Bayern München 0:0
Zuschauer:
55.360
Tja,
eigentlich sollte dieser Bericht der zweite
einer „Fischkopp“-Trilogie sein, denn ich
wollte auch vom Gastspiel unserer Fortuna
letzten Sonntag in Bremen auf dem Nebenplatz 11
des Weserstadions berichten und zudem in zwei
Wochen noch ins „richtige“ Weserstadion zur
Partie Werder-Schalke. Letzteres hat sich
aufgrund organisatorischer Defizite derzeit
leider erledigt und zu ersterem fiel mir nach
der Rückkehr nun wirklich nix mehr ein. Dafür,
es seien alle Freunde ein- bis dreizeiliger
Postings vorgewarnt, wird dieser Bericht eben
ein wenig ausführlicher, sehr ungewöhnlich für
mich;)
Regelmäßige
Besucher des Boards wissen, dass ich dieses
Wochenende in Hamburg inkl. An- und Abfahrt,
Hotelunterbringung und Eintrittskarte durch
Abliefern einer grandiosen Beschreibung des bis
heute unvergessenen Jahrhundert-Spiels SV
Waldhof Mannheim gegen Wattenscheid 09 aus dem
Jahre 1995 für einen Fanzine-Wettbewerb dreier
namhafter deutscher Firmen, die hier nicht
weiter genannt seien, gewonnen habe. Dieser
Wettbewerb wurde mir und allen anderen (noch im
alten Board) von unserem Zlapster zugänglich
gemacht, der somit indirekt eine gewisse
Teilschuld daran trägt, dass ich heute das 0:2
unserer Super-Truppe gegen Magdeburg sowie die
ja anscheinend anschließend deutlichst geäußerten
„Unmutsbekundungen“ der anwesenden Zuschauer
nicht live Ort verfolgen konnte/musste, da ich
mich zu diesem Zeitpunkt noch auf der Rückreise
befand. Lieber Zläppi: herzlichen Dank, dass du
mich indirekt vor diesem „Highlight“ bewahrt
hast!
Bonn,
Karfeitag, 8.45 Uhr:
Abfahrt
am Bonner Hbf Richtung Hamburg. Leider nur laut
Fahrplan. Die Deutsche Bahn AG, immer für eine
Überraschung gut (wir werden noch darauf zurück
kommen), schafft es selbst, an einem Feiertag frühmorgens
schon 10 Minuten Verspätung herauszufahren. Wäre
der Zug pünktlich gewesen, wäre ich
wahrscheinlich, misstrauisch wie ich bin, gar
nicht erst eingestiegen, da ich das Ding vor
meiner Nase wohl für eine Fata Morgana gehalten
hätte. Aber 10 Minuten Verspätung – das muss
der richtige Zug sein. Somit inklusive
weiblicher Begleitung eingestiegen und der Dinge
geharrt, die da kommen mögen. Die Fahrt verläuft
überraschend problemlos, bis auf die Tatsache,
dass die Bahn spätestens ab Münster knüppelvoll
ist, weil bei den Bahn-Verantwortlichen wieder
mal keiner die Statistiken der letzten 100 Jahre
gelesen hat, wonach die Auslastung der Züge vor
und an Feiertagen immer besonders hoch ist. Was
soll’s, wir haben reserviert und sitzen, da kümmert’s
mich nicht so sehr, dass sich einige Leute im
Großraumabteil tatsächlich in die Gepäckablagefächer
rechts und links neben den Abteiltüren
quetschen, um mitfahren zu können. Die wollen
doch nicht etwa alle zum Fußball?
Ca.
14 Uhr Ankunft in Hamburg Hbf. Vom Cousin der
weiblichen Begleitung, der praktischerweise in
Geesthacht wohnt und in Hamburg arbeitet,
abgeholt und zum Hotel gebracht. Eine schöne
Geste, die eigentlich überflüssig ist, das
Hotel liegt ca. 5 Gehminuten vom Hbf entfernt.
Sauber ausgesucht. Hotel ibis Alster, direkt
gegenüber dem berühmten Hotel Atlantic. Aus
dem Wagen ausgestiegen, pflichtgemäß den
Portier vor dem Atlantic mit goldbetresster
Uniform und lustig verziertem Zylinder
ausgelacht und im ibis eingecheckt.
Schönes
Zimmer mit Blick aufs Atlantic und (viel
wichtiger) auf die Alster, auf der sich bei
strahlendem Sonnenschein unzählige Segelboote
tummeln. Zimmer nur etwas klein. Beim Studium
der Hotelinformationsschrift festgestellt, dass
es sich um Zimmer der niedrigsten Kategorie (ich
vermeide hier den Ausdruck „billigsten“, dafür
war es zu sauber und die Aussicht zu gut)
handelt. Naja, wenn man sich bei einem
„Preisausschreiben“ als Fan von Fortuna Düsseldorf
zu erkennen gibt und der dazugehörige Artikel
von ebensolchen Übermannschaften wie Waldhof
Mannheim und Wattenscheid 09 handelt – was
will man da erwarten? Die Präsidentensuite im
Atlantic?
Egal.
Klamotten aufs Bett und erst mal ab in die
Stadt. Und wohin geht man, was ist der schützende
Hort in der feindlichen, weil unbekannten Großstadt?
Richtig, McDonald’s. Zur Filiale am Gänsemarkt
gegangen, darüber gestaunt, dass diese Filiale
anscheinend über einen Türsteher verfügt. Den
ärgsten Hunger gestillt, auf jeden Fall
billiger als im Zug. Dann weiter. Wunderschönes
Panorama an der Binnenalster, sehr viel los.
Nach ausgedehntem Spaziergang kleinere
Stadtrundfahrt mit dem Auto angetreten. Ein
bisschen über die Reeperbahn gezockelt,
Dutzende (Oster-)Häschen gesehen, aufgrund
kritischer Begleitung und mangels finanzieller
Masse nicht eingehender studiert. Über die
Fingerfertigkeit dreier Rauschgifthändler bzw.
–konsumenten mitten vor der Nikolaikirche
gestaunt, konnte man wegen roter Ampel direkt
vor der Kirche prima beobachten: mit der linken
Hand wild wegen irgendwas gestikuliert, mit der
rechten das Piece fachmännisch in die Empfänger-Jackentasche
verarbeitet. Überlegt, ob ich aussteigen und
die drei als Torwarttrainer verpflichten soll.
Wenn der Bitzer einen Monat bei denen im
Training war, dann kann er endlich mit der
rechten Hand zehn Minuten wüst Richtung Schiri
gestikulieren, während er gleichzeitig mit der
linken die Bälle aus der Gefahrenzone fischt
(in der 1. Halbzeit noch aufnahmefähige
Bremen-Fahrer wissen, wovon ich rede). Leider
sprang die Ampel auf „Grün“, so dass sich
der durchaus reizvolle Gedanke erledigt hatte.
Nach kleiner Rundfahrt durch den Hamburger
Hafen, proppenvoll an diesem Tage, da ist
richtig was los, zum Abendessen eingekehrt und
den Tag nett ausklingen lassen.
Ostersamstag,
9.00 Uhr
Jetzt
geht’s los. Erstmal in die Stadt, wieder an
die Binnenalster (ca. 15 Minuten vom Hotel
entfernt). Direkt an der Alster ein Café
gefunden, bei dem man draußen und direkt am
Ufer sitzen kann. Wir wollen frühstücken. Die
Kellnerin leider nicht. Hoffnungslos überfordert
mit der Tatsache, dass noch mehrere andere Gäste
zu so früher Stunde den gleichen Wunsch wie wir
verspüren, irrt sie verzweifelt zwischen den
Tischen umher und verschwindet zeitweise völlig.
Nach 20 Minuten dummen Rumsitzens tiefe
Ratlosigkeit bei meiner Begleiterin und mir.
Warum werden wir nicht bedient – wir tragen
doch beide kein Fortuna-Trikot? Nachdem die
Kellnerin dann in vollem Galopp noch ein
beladenes Tablett abräumt, das sie eine Sekunde
zuvor noch in ihren Händen hielt, beschließen
wir zu gehen, die Gefahr des Verbrühens durch wüst
durch die Gegend „fliegenden“ Kaffee ist uns
zu groß. Kamps beim nächstgelegenen Karstadt
tut’s auch (nein, nein, auch hier leider keine
Fortuna-Brötchen). Schnell noch Erinnerungsfoto
vor dem historischen Rathaus unter erstauntem
Bemerken, dass drei ordentliche Hamburger Prolls
auf dem Rathausmarkt bereits beim dritten
Holsten angelangt sind. Respekt, es ist noch
nicht mal 10 Uhr.
Dann
ein wenig in der Stadt umhergewandert bis ca.
12.30 Uhr und ordentlich Geld ausgegeben.
Abmarsch zum Hotel zwecks Verstauens der
eingekauften Sachen vorgeschlagen. Leichte
Irritationen bei der weiblichen Begleitung, die
ganz offensichtlich die Sportarten verwechselt,
anscheinend der Meinung ist, bei diesem
Wochenende handele es sich um „Extreme
Shopping“ und gar nicht weiß, warum wir uns
jetzt zu diesem öden Fußballstadion aufmachen
sollen. Diskussion unter Hinweis auf die noch von
irgendjemandem zu bezahlende zweite Übernachtung
(Gewinn beinhaltete nur eine Übernachtung)
abgewürgt. Nach Besuchen der Dame bei
InterSport (Schuhe), Tack (Schuhe) und Deichmann
(zur Abwechselung mal: Schuhe) schwer bepackt
das Hotel erreicht, alles abgeladen und wieder
weg, zum Fußball.
Ca.
13 Uhr am Hbf. Erste bayrische und Hamburger
Menschentrauben im Bahnhof, alle in vollem
Ornat, die Bayern zum Teil komplett mit Seppelmütze
und diesen lustigen Kniestrümpfen. Laute Gesänge,
der Bahnhof bietet ein prima Echo. Erster
Abtransport eines Bajuwaren durch den
Rettungsdienst. Da kein HSVer und auch keine
Polizei in der Nähe ist, bleibt die Vermutung,
dass ihm das erste Holsten in Feindesland nicht
bekommen ist. Alles friedlich.
Ab
zur S-Bahn, Linie 21 (Elbgaustraße), die
sechste Haltestelle ist „Stellingen
(Volksparkstadion)“. Den Haltestellennamen hat
AOL also noch nicht gekauft. Rein in eine
wirklich proppenvolle Bahn (zur Erinnerung: es
ist ca. 13.15 Uhr, mehr als 2 Stunden vor
Spielbeginn!), alles HSV-Fans, bei den meisten
glänzt schon ordentlich die Birne. Aber jetzt
wird’s Hardcore: als die Bahn grad losfahren
will, steigen noch 50 Seppels in voller
Kriegsbemalung zu. Wieder keine Polizei in
Sicht. Brauchen wir auch nicht, es passiert gar
nix, man „singt“ sich gegenseitig „an“,
ein paar lockere Sprüche, das war’s. Staunend
vernehme ich „heimisches“ Liedgut, frei nach
den Toten Hosen: „Es kommt die Zeit, in der
die Bayern untergeh’n“. Vielleicht hätte
ich doch ein Fortuna-Trikot anziehen sollen?
Nach
exakt 12 Minuten kommt die Bahn an oben
genannter Haltestelle an. Alles raus und runter,
dann durch einen Tunnel auf den Vorplatz, wo
neben einigen grünen Mannschaftswagen auch
Busse mit der Aufschrift „HSV-Shuttle“
stehen, die die Fans kostenlos zum Stadion befördern.
Kaum sind wir aus dem Tunnel raus, knallt es
zweimal mächtig, Bayern-Fans haben im Tunnel
zwei Bengalen gezündet. Sieht von draußen nett
aus, ich hoffe, die Fotos sind was geworden. Über
den (Un-)Sinn dieser Aktion braucht wohl nicht
weiter diskutiert zu werden, andererseits sollen
die Kontrollen im Stadion ziemlich streng sein,
und in der Tat sehe ich während des gesamten
Spiels auf den Rängen keine einzige Bengale.
Schade.
Da
wir noch viel Zeit haben, entscheiden wir uns für
den Fußweg zum Stadion durch den Altonaer
Volkspark (falls jemand schon immer wissen
wollte, woher das Stadion seinen ursprünglichen
Namen hat). Ziemlich finstere Gegend, ich kann
mir vorstellen, dass es hier z.B. bei Spielen
gegen St. Pauli oder Bremen öfter mal
scheppert.
Am
Stadion angekommen, festgestellt, dass wir in
den genau entgegengesetzten Eingang müssen.
Also einmal ordentlich ums Stadion rumgelaufen.
Kontrolle am Eingang ist dann exakt so, wie ich
es mir vorgestellt habe: ich werde einmal
abgetastet und darf rein. Die weibliche
Begleitung braucht etwas länger, denn sie hat
leider einen Rucksack dabei. Aber schließlich
sind wir drin.
Ein
gigantischer Bau, alles spielt sich drinnen ab.
Die Tribünen sind auf vier verschiedenen Höhenniveaus
angesiedelt, im „Erdgeschoss“ und im „2.
Stock“ befinden sich unzählige Fress- und
Getränkebuden sowie Fanshops und Toiletten. An
den Würstchenbuden (Krakauer, Bratwurst,
Currywurst, Bockwurst, Schnitzel, Frikadellen,
Steaks, Getränke) holt nicht Oma Kaluppke
einsam das nächste Würstchen vom Grill,
sondern man kann direkt in eine „Großküche“
sehen, in der 6-8 Leute an den Grills und der
Getränkeausgabe arbeiten, der Anblick erinnert
ganz stark an die McDonalds-„Küchen“ hinter
den Verkaufstresen. Fischbuden stehen separat,
Lachsbrötchen, Krabbenbrötchen, Backfischbrötchen
und so einiges mehr. Aber auch hier heißt es
vor dem Spiel: wer zuerst kommt, mahlt zuerst,
denn um 14.45 Uhr sind in unserem Abschnitt
erstmals die Würstchen ausgegangen, Nachschub
kommt erst zur Halbzeit. Aber man kann sich ja
auf seinem Sitz eine Brezel oder eine
Laugenstange servieren lassen, die Verkäufer
laufen die ganze Zeit (auch während des
Spiels!) durch die Reihen. Ein bisschen zuviel
des Guten, wie ich finde.
Unsere
Sitze sind in Block 25, d.h. Nordtribüne direkt
hinter einem Tor, Abschnitt C, d.h. „Oberstes
Stockwerk“, Reihe 18, d.h. genau unter dem
Dach. Da kann einem am Anfang schon mal ein
wenig schwindelig werden, aber die Sicht ist
erstaunlich gut und der Anblick wahrhaft
atemberaubend. Die Zeit bis Spielbeginn wird mit
den üblichen Fisimatenten überbrückt, Werbung
bis zum Abwinken (zwei Videoleinwände, hinter
jedem Tor eine), eine Trommlergruppe in T-Shirts
des „Sponsor of the Day“ (kein Witz!) lässt
es richtig krachen, nicht schlecht die Jungs und
Mädels, Livemoderation mit stadioneigenem
Fernsehen (ArenaTV), dann wieder so eine
Dauerverwirrte, die neben dem NDR-Moderator bei
den Trainerbänken steht und ihrem
Herzallerliebsten, der ahnungslos auf
irgendeiner Tribüne hockt, per Videoleinwand
einen Heiratsantrag macht, was aus der
HSV-Fankurve tief unter mir mit einem
entschlossenen „Ficken, ficken, ficken!“
beantwortet wird. Wieder zehn Minuten Musik und
Werbung, bis man den Unglücklichen nach unten
gezerrt und zum „Ja“-Wort überredet hat,
wahrscheinlich mit einer Dauerkarte.
Dann
Einlaufen der heimischen Mannschaft zum
Warmlaufen durch ein Spalier zum
Fahnendienst abgeordneter Mitglieder diverser
HSV-Fan-Clubs, während die Lautsprecheranlage
„We will rock you“ und das HSV-Lied spielt.
Mein Gott! Aber vor dem „richtigen“
Einmarsch beider Teams wird noch eins drauf
gesetzt, der Moderator wird auf einem
ausfahrbaren Gestell vor der Nordkurve ca. 10
Meter in die Höhe gefahren und verliest von
dort vor dem HSV-Fanblock die Aufstellung, während
Queen wieder „We will rock you“ zum Besten
geben. Die Stimmung, die jedoch dann bei
Spielbeginn herrscht, lässt diesen ganzen
Firlefanz schnell vergessen, das Stadion ist
ausverkauft und oben unter dem Dach herrscht
eine Bombenakustik. Wahnsinn! Mag sein, dass das
„Auf Schlacke“ noch lauter ist, aber das
brauch ich gar nicht. Beeindruckend.
Das
Spiel haben sicher die meisten in Ausschnitten
gesehen, daher erübrigt sich eine große
Analyse. Zwei Dinge, die mir aufgefallen sind:
zum einen machen die Spieler einen derartigen
Heckmeck, dass manchmal der Eindruck hochkommt,
das sind gutbezahlte Schauspieler. Da wird bei
jedem Pfiff mit den Armen gefuchtelt, mehrere
„sterbende Schwäne“ können gesichtet
werden, bei sämtlichen Entscheidungen wird
gemeckert und ständig wird provoziert. Ab und
zu spielen sie dann auch mal Fußball, und das
wahrlich nicht schlecht. Wer mir sehr unangenehm
aufgefallen ist (kein Wunder), ist Effenberg,
von ganz oben ist das sehr gut zu sehen (im
FC-Bayern-Sender SAT.1 wahrscheinlich nicht),
der klammert, hält und schubst immer schön
hinter dem Rücken des Schiedsrichters. A propos
Schiri: in der ersten Halbzeit ganz klar
Bayern-lastig, nicht dass ich meine, der pfeift
für Bayern, aber man hat stark den Eindruck,
die Stars können sich so einiges mehr
rausnehmen. Zum Beispiel erhält
HSV-Stinkstiefel Barbarez wegen Meckerns völlig
zu Recht Gelb und meckert dann so lange weiter,
bis Herr Fandel schon drohend an die Gesäßtasche
mit der Roten Karte greift, dann erst ist Ruhe.
Bayerns Super-Duper-Brasilianer Elber hingegen
stänkert sogar, wenn für Bayern
gepfiffen wird und darf das ungestraft machen.
Und noch so einige andere Sachen. Aber im großen
und ganzen war es ein gutes Spiel, vielleicht
nicht hochklassig, aber spannend bis zum
Schluss. Stimmung kommt auch immer dann auf,
wenn die Tore, die der schärfste
Meisterschafts-Konkurrent der Bayern, Bayer
Leverkusen, zeitgleich in Kaiserslautern schießt
(4:2 gewonnen)
von der Anzeigetafel vermeldet werden,
und so sind die HSV-Fans auch mit dem 0:0 am
Ende zufrieden. Der Bayern-Fan-Block hingegen
zeigt, was er von dem Ergebnis und der Leistung
seiner Lieben hält, in dem der Block nach
Schlusspfiff noch ein wenig unter Rauch gesetzt
wird.
Bei
unserer etwas späteren Abfahrt (mit Auto) gegen
ca. 18 Uhr über die völlig verstopfte Straße
kommen uns dann noch drei Löschwagen der
Feuerwehr entgegen, die zum Stadion fahren. Was
da gebrannt haben soll, war nicht rauszukriegen.
Vielleicht hat der ein oder andere Bazi
angesichts des Leverkusener Sieges mal kurz
seinen Schal verbrannt.
Aber
ich wollte ja noch kurz auf die Deutsche Bahn AG
eingehen. Heute, Ostersonntag, vormittags, also
die Rückfahrt. Der Zug, den wir ab Hamburg Hbf
nehmen, kommt aus Hamburg-Altona. Der Bahnkenner
weiß, dass nach Altona noch Hamburg-Dammtor und
dann der Hbf kommt. Die Entfernung AltonaàHbf
beträgt laut dem im Zug ausliegenden Faltblatt
„Ihr Zugbegleiter“ (jaja, tausend Mal gehört,
diese Durchsage, ich kann sie auswändig) 6000
Meter, oder kurz 6 Kilometer. Die Deutsche Bahn
AG schaffte es am heutigen Vormittag, auf dieser
Strecke von 6 (in Worten: sechs) Kilometern eine
Verspätung von 43 (in Worten: dreiundvierzig)
Minuten herauszufahren. Schuld daran waren
angeblich mehrere Baustellen im Hamburger Großraum.
Stimmt: die entsprechenden Ankündigungen konnte
man schon Karfreitag am Bahnhof auf kleineren
Plakaten lesen. Nur die Bahn selbst hat’s
anscheinend nicht gelesen. Daraufhin wurden sie
auch noch zickig und beendeten die Fahrt dieses
Zuges, der eigentlich bis nach Basel fahren
sollte (und zwar über so unwichtige Dorfbahnhöfe
wie Mainz, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe,
Freiburg und mehr), kurzerhand in Koblenz.
Listigerweise kam die Durchsage exakt in dem
Moment, als der Zug aus dem Bahnhof
Solingen-Ohligs hinausfuhr, so dass alle, die
dort eingestiegen waren und die nicht nur nach Köln/Bonn/Koblenz
wollten, in Köln direkt wieder aus- bzw.
umsteigen durften. Ja, ich fahre gern mit der
Bahn. Immer wenn man denkt, es geht nicht
schlimmer, setzen die noch eins drauf. Insoweit
doch eigentlich der ideale Sponsor für Fortuna.
Insgesamt
ein tolles Wochenende, das ich gerne irgendwann
mal wiederholen würde. Dazu müsste ich
allerdings noch mal so etwas gewinnen, denn die
Kosten sind doch exorbitant. Wenn ich dieses
Wochenende selbst hätte bezahlen müssen, wäre
folgendes dabei herausgekommen: Fahrkarte
Bonn-Hamburg hin und zurück für 2 Personen
(Sparpreis!) € 191, Übernachtung für 2
Personen/ 2 Tage € 77 pro Tag (okay, kriegt
man in einer Pension sicherlich billiger, aber
wenn man in ein Hotel möchte, ist das fast
schon der niedrigste Preis in Hamburg),
Eintrittskarten für’s Stadion € 25,50 pro
Stück. Da sind wir bei € 396,00 allein für
die organisatorischen Details! Ganz schön
happig. Aber zum Glück war es ja ein Gewinn...
Abschließend
möchte ich mich auch noch bei der Firma Böning
& Yamaoka International Consultings (in
Hamburg!) bedanken, die für die Abwicklung des
Gewinns zuständig war. Ihr habt meinen Glauben
an meinen Beruf bestärkt. Wenn bei euch für
die drei verschiedenen Komponenten des Gewinns
(Hin- und Rückfahrt, Unterbringung,
Eintrittskarten) drei verschiedene
Sachbearbeiter zuständig sind – wie kann man
dann noch behaupten, wir Beamte wären bürokratisch??
Aber es hat ja nach anfänglicher Verwirrung
noch alles geklappt – danke schön!
Und
natürlich ist das ganze etwas positiv
ausgefallen, da ich ja HSV-Anhänger bin. Aber
bitte bedenkt auch, welch ein Kulturschock das
ganze für mich war: letzten Sonntag mit 900
anderen auf dem Nebenplatz 11 des Weserstadions
bei der 0:2-Blamage der Fortuna gegen Werder
Bremens Amateure, gestern mit 55.000 anderen in
einem der modernsten Stadien Deutschlands. Da
kann einen schon mal die Überwältigung packen.
So,
das war’s, ich hoffe, es sind noch alle wach.
Es war ein tolles Wochenende, und trotz des überflüssigen
Brimboriums drumherum (das muss wohl heutzutage
in der Bundesliga so sein) auch ein spannendes
Spiel und ein beeindruckendes Erlebnis in der
Arena. Jederzeit gerne wieder! Auch mit der
Bahn...:-)
janus
|