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Kleines Hopping Wochenende

 

Endlich! Zwei Monate Winterpause sind vorbei. Und wie es der Zufall so wollte, ergab sich ausgerechnet zum verspäteten Rückrunden-Start der Fortuna die Möglichkeit, ein verlängertes Hopping-Wochenende quer durch die Ligen einzulegen. Samstag, Sonntag und Montag Stadionbesuche – und danach wohl erst mal drei Wochen Curling, weil ich keinen Ball mehr sehen kann, wie ein Arbeitskollege süffisant formulierte. Hat der ne Ahnung – was Fußball angeht, bin ich hart im Nehmen und scheue auch vor dem Äußersten (wieder mal) nicht zurück, was allein schon an dem Montagstermin dieses Berichtes zu erkennen sein wird. Aber fangen wir doch zweckmäßigerweise vorne an...

 

Zunächst unbändiger Groll über die Regionalliga. Deren Winterpause dauert nämlich noch bis 01.03. Schade, sonst hätte ich vielleicht auch noch den Freitag voll bekommen, Uerdingen (gegen Aue) oder Münster (gegen RWE) hätten da auf dem Programm stehen können, letztere Partie allein schon aufgrund der letzten Saison interessant: da RWE derzeit Tabellenführer in der Regionalliga Nord ist, hätte mich dann doch brennend interessiert, ob sie zur Feier des Tages all die Gegenstände wieder zurückgebracht hätten, die sie am letzten Spieltag der letzten Saison aus Frust über den in letzter Sekunde verpassten Zweitliga-Aufstieg aus selbigem Stadion abmontiert hatten. Naja, diese Frage wird frühestens am 01.03. beantwortet werden, und ich hatte Freitag frei. Man soll es ja auch nicht übertreiben...Immerhin wurde mir der Freitag dann doch noch fußballerisch versüßt. Verantwortlich hierfür: Werner Hofmeister. Steht zwar, soweit mir bekannt ist, bei keinem der 181 Vereine der ersten vier Ligen unter Vertrag, ist aber trotzdem ein ganz Großer. Und zwar Moderator im Hörfunk, beim WDR 2. Als solcher in der dortigen Sportsendung mit der Übermittlung der Zwischenstände der Freitagsspiele der 2. Liga beauftragt, bemerkte er ein klitzekleines Bisschen zu spät, dass die Partie SSV Reutlingen-Eintracht Braunschweig bereits am Donnerstag abgesagt worden war. Und das klang dann so: „Nach zehn Minuten steht es bei Mannheim-Mainz 1:1, Burghausen-Duisburg 0:0, und 0:0 steht es auch bei der Abstiegspartie SSV Reutlingen-Eintracht Braunschweig.“ Kurze Pause, wahrscheinlich heftiges Schlucken, dann „...und dort wird es noch etwas länger 0:0 stehen, denn das Spiel ist ausgefallen.“ Großes Kino, danke, Herr Hofmeister.

 

Aber Samstag ging’s dann los. 1. Bundesliga, eine Liga, die von mir nur selten frequentiert wird, denn mit der Bahn als Reisemittel lohnt sich vom Zeitaufwand her eigentlich nur Leverkusen und dort ist es als Auswärtiger relativ schwierig, an Karten zu kommen. Da Bayer aber der Verein in der Bundesliga ist, den zu beobachten (neben Kaiserslautern) derzeit am interessantesten ist, und ich zudem ein Auto nebst Fahrerin (Arbeitskollegin) zur Verfügung hatte, wählten wir als Spiel VfL Bochum-Bayer Leverkusen. Schönes Stadion, ordentliche Stimmung, und was das Gute war – keine der beiden Mannschaften interessiert mich wirklich sonderlich, so dass man ganz entspannt ein Spiel gucken und auf Tore, egal für wen, hoffen durfte. Hin und zurück 250 km, das ging auch noch. Die Lebensgefährtin zuckte nur mit dem Achseln, sagte aber nichts .

 

Aber vor ein Fußballspiel hat der liebe Gott eine Anfahrt gesetzt, die in diesem Fall auf dem Papier ganz einfach war: A 565, A 59, A3, A 52, A 40, fertig. Also, eine simple Sache. Um halb eins losgefahren.

Diese simple Sache währte genau bis zum schönen Örtchen Rath. Tausendmal dran vorbei gefahren, nie was dabei gedacht. Diesmal hatten wir doch etwas länger Zeit zum Nachdenken, denn genau dort erwischte uns ein zwei Kilometer langer Stau, der direkt in den 4 km langen Stau am Heumarer Dreieck einmündete, der wiederum in keiner Verkehrsdurchsage im Radio auftauchte, weil ein 4-km-Stau am Heumarer Dr(ei)eck so was von normal ist, dass es die zuständigen Staumelder nicht mal mehr zum erstaunten Hochziehen ihrer Augenbrauen verleiten kann. Normal halt. Nachdem die Fahrspuren in Höhe Kölner Ostring endlich tapfer von sechs auf drei verringert worden waren und dem Stau somit das Ende bevorstehen sollte, war exakt an dieser Stelle aber noch eine Fahrbahn gesperrt, und zwar von einem dieser Autos mit den orange leuchtenden Vorbeifahr-Pfeilen nebst zwei Männeken in Leuchtend-orange, die daneben standen und rauchten. Was sie da arbeiten mussten, blieb leider unklar. Egal, eine Stunde, nachdem wir aus heimischen Gefilden aufgebrochen waren, erreichten wir Köln-Dellbrück und damit das Ende des Staus. Von da ab gings zügig weiter bis zum Breitscheider Kreuz, dann auf die A 52, die wir aus alter Verbundenheit fast in die falsche Richtung, nämlich nach Düsseldorf, genommen hätten, aber wir bemerkten unseren Irrtum rechtzeitig, um noch korrigierend, wenn auch vielleicht nicht ganz verkehrsgerecht, eingreifen zu können.

Auf der 52 ging’s dann bis zum Autobahndreieck Essen-Ost, dort in die A 40 über und dort wiederum an der Ausfahrt Bochum-Ruhrstadion hinaus. Tja, und dann ist das ganze ein Kinderspiel: einmal links einordnen, und wenn man dann nicht rechtzeitig bremst, fährt man den Kassierer für’s Parkhaus über den Haufen. Dieses Parkhaus dient als Sammelparkplatz für Stadion- und StarLightExpress-Besucher, da die diesbezügliche Halle direkt neben dem Stadion liegt. Kostet zwar drei Euro Pauschale, aber besser, als sich irgendwo auf der Hauptstraße einen Parkplatz zu suchen und dann (bei Nieselregen) unter Umständen noch meilenweit zu Fuß laufen zu müssen. Einfache Sache.

Noch besser, dass wir nach kurzem Fußmarsch tatsächlich sogar auf der richtigen Seite des Stadion an der Nordtribüne ankamen. Das bin ich nicht gewohnt, normalerweise muss ich immer mindestens ein Viertel Rundgang um das Stadion in Kauf nehmen. Von diesem Moment an glaubte ich, dass dies heute fußballerisch ein glücklicher Tag werden könnte. Also nix wie rein.

 

Erstmal eine kleine Enttäuschung. Unsere Karten waren für Block I, das ist der Block rechts von der Haupt-, VIP- und Ehrentribüne, würde ich nach kurzer Übersicht sagen (auf jeden Fall sind da in der Mitte die Karten am teuersten). Wenn man durch den Eingang reinkommt (keine Visite) geht’s nach rechts fünf Meter bis zum seitlichen Zaun, nach links noch mal deren drei. Fertig. Weiter kommt man nicht. Auf diesem kleinen Areal befinden sich dann auch nur ein Getränkestand (Fiege Pils, Cola, Fanta etc. 2,20 € + 0,80 € Pfand, dieselben Becher wie im FB – bisschen happig, aber welches Stadion ist schon billig?), ein kleiner Döner-Stand und eine Bude, an der man Bratwurst und sonst nix bekommt. Raus kommt man aber leider auch nicht mehr. Aus der Traum, mal festzustellen, ob Herbert Grönemeyer in den 80ern vielleicht genau an dieser Stelle zu seinem genialen „Currywurst“-Lied inspiriert wurde. Doppelt ärgerlich, weil wir auf dem Weg vom Parkhaus zum Stadion nicht nur an zwei fahrbaren HotDog-Ständen, sondern auch an einer Würstchenbude vorbeikamen, an der definitiv Currywurst gereicht wurde. Ein Stadionbesuch in Bochum ohne Currywurst – ein erstes Minus im Service-Bereich, neutralisiert jedoch durch die beiden netten Mädels, die die Bratwürstchen verkauften. Da verweilte man gern ein wenig länger. Das Würstchen an sich ist hingegen keiner weiteren Erwähnung würdig, ziemlich normal, das heißt ohne Geschmack, das Brötchen dabei von fragwürdiger Qualität. Immerhin: 1,80 €, über diesen Preis lässt sich reden.

Es ließe sich auch über die Toiletten des Blocks eine Menge reden, ich verzichte darauf und beschränke mich auf das diesbezügliche Schlagwort: sehr funktional. Lieber verteile ich noch einen ausgleichenden Pluspunkt für das Stadionheft „Mein VfL“, nicht weil es irgendwie toll oder unterhaltsam ist, sondern weil es am Bierstand tatsächlich kostenlos ausliegt. Hat man ja auch nicht alle Tage.

 

Aber nachdem wir erst mal die Stufen ins Innere erklommen hatten, überwog doch der positive Eindruck: ein sehr schönes Stadion, komplett überdacht, die Tribünen reichen bis unmittelbar ans Spielfeld heran, wenn man ganz unten sitzt, ist man maximal fünf Meter vom Geschehen entfernt. Wie ich sogleich selbst feststellen konnte, denn direkt unten an der Bande stellten zwei Männlein drei riesige Buchstaben auf, die den Namen einer wohlbekannten Werbesendung wiedergaben, und dahinter bauten sich zwei Gestalten zum Interview auf, die hatte ich doch schon mal gesehen...nach längerem Nachdenken kam ich drauf, es war Thomas Helmer, der in seiner neuen beruflichen Eigenschaft als SAT.1-Pausenclown Leverkusens Nationalspieler Carsten Ramelow, heute gelbgesperrt, interviewte. Große weite Fußballwelt! Etwas verwirrt war ich allerdings, als Herr Ramelow anschließend sofort zum premiere-Interview weiter gereicht wurde. Arbeiten die nicht eigentlich zusammen? Und zweimal „Äh ja, ich sach ma...“ ergibt immer noch keine gerichtsverwertbare Aussage. Aber gut, so kriegt man die Zeit bis Spielbeginn wenigstens rum. Denn ansonsten wird man nur mit Werbung beschallt.

 

Erst kurz vor Spielbeginn wurde es auch musiktechnisch etwas besser, zunächst natürlich die Vereinshymne des VfL, die irgendwie wie alle Vereinshymnen der Bundesliga-Clubs klingt, man muss nur den Text austauschen, fertig. Dann jedoch die heimliche Vereinshmyne, die schon eher erträglich war, natürlich Grönemeyers „Bochum“, das irgendwie ganz gut zur Stadionatmosphäre passt, kommt ordentlich rüber. Beim Einlaufen der Mannschaften war dann auch etwas für mich dabei, da spielen sie nämlich „O Fortuna“, den Einleitungsteil der „Carmina Burana“. Immer wieder schön, immer wieder zu kurz. Dann begann endlich das Spiel, vor 20.000 Zuschauern, etwas enttäuschend, wie ich fand, denn es passen 33.000 rein, und ich hatte eigentlich ein ausverkauftes Haus erwartet. Immerhin, der ungemütliche Gäste-Fanblock in der Südwestkurve war pickepackevoll, einige Leverkusener mussten sogar auf die Westtribüne ausweichen, die ansonsten halbleer war, im Gegensatz zu ihrem direkten Gegenüber, der Osttribüne, wo sich der harte Kern der VfL-Fans aufhält. Dort wird auch ordentlich Stimmung gemacht. Unter anderem erinnerten sie sich doch gerne an ihren Ex-Trainer Toppmöller, der heute als Noch-Chefcoach von Leverkusen zu Gast war: „Toppi, ab heute bist du arbeitslos!“ bzw. unmittelbar nach dem 2:1-Siegtreffer „Schade, Toppi, alles ist vorbei!“

 

Überhaupt, die Zuschauer: wieder mal Volltreffer in unsere unmittelbaren Umgebung: rechts von mir ein uraltes Mütterlein, die so aussah, als würde sie zu den Gründungsmitgliedern des VfL zählen. Sie guckte nicht nach links, guckte nicht nach rechts, tat keinen Mucks, stand in der Halbzeitpause auf, ging und kam nie wieder, wahrscheinlich musste sie heim, das Kartoffelwasser aufsetzen, damit der Alte auch was zu essen hat, wenn er aus der Kneipe nach Hause kommt. Typisch Ruhrpott halt.

 

 Aber in der Reihe direkt unter uns: ganz großes Tennis! Sieben zum größten Teil langhaarige Bombenleger, die in einem solch merkwürdigen Idiom quatschten, dass ich schon ins Grübeln geriet: Du bist im Dezember das letzte Mal in Bochum gewesen (nicht im Stadion) – haben die in der Zwischenzeit einen neuen Dialekt erfunden? Nach nochmaligen Hinhorchen hatte ich aber des Rätsels Lösung: es waren samt und sonders Holländer, vielleicht der persönliche Fanclub von Bochums Torwart Rein van Duijnhoven, was ich jedoch nicht recht glauben kann, denn nach dem, was ich halbwegs von deren Gerufe verstand, möchte ich bezweifeln, dass die Herren wussten, bei welchem Spiel sie sich befanden. Ihre Tätigkeit über den gesamten Spielverlauf bestand dann auch weniger im Zuschauen als darin, dass im Wechsel jeweils zwei Mann alle fünf Minuten aufstanden und frisches Bier für die ganze Meute holten. Die haben während des gesamten Spiels mindestens sechs Bier pro Mann weggeschluckt. Dafür möchte ich wetten, dass sie bei Spielschluss erst mal auf die Anzeigetafel schauen mussten, um zu wissen, wie es ausgegangen ist. Nette Unterhaltung. Dass sich die einzigen drei Leverkusener Fans, die sich auf die Nordtribüne verliefen, natürlich direkt hinter uns setzen mussten, war ja klar. Und so vergingen auch kaum zwei Minuten, ohne dass irgendeiner von ihnen oder den neben ihnen sitzenden Bochumern nicht die sattsam bekannten Diskussionen aller Heimtrainer dieses Landes angezettelt hätten, die hin und wieder auch durch besonderes Fachwissen bestachen. Unvergessen das Gemeckere eines Leverkuseners nach einem Einwurf: „Abseits, abseits!“ Ja – einfach nur schön.

Noch schöner allerdings, dass Herr Ramelow kurz nach Spielbeginn erschien, einige Autogramme schrieb und unmittelbar über meinem Sitz zwei Reihen höher Platz nahm. Da direkt hinter mir niemand saß, hatte ich somit freies Schussfeld, um diesen bewegenden Moment meiner Stadionkarriere fotografisch festzuhalten. Leider unterschätzte ich die hinter ihm stehende Fernsehkamera und die dazugehörigen Scheinwerfer, die doch gewaltig zurückstrahlten. Aber trotzdem kann man auf dem Foto die sorgenvolle Miene des Nationalspielers erkennen. Ein großer Schnappschuss, wie ich finde!

 

Das Spiel selbst war in der ersten Halbzeit recht unterhaltsam, nur die Tore fehlten, Chancen waren auf beiden Seiten vorhanden. Das war allerdings nichts gegen die zweite Halbzeit, die wirklich klasse war. Leider stand dazwischen noch eine Halbzeitpause. In dieser wurde man gnadenlos mit Werbung zugepflastert, dann gab’s noch einen Ringelpiez mit Anfassen von 36 (!)Hupfdohlen irgendeiner Trachtentanzgruppe, die im und am Mittelkreis mal wieder versuchten, Britney Spears und Konsorten tänzerisch zu kopieren, was natürlich voll in die Hose ging, die Mädels zum Glück jedoch nicht dazu animierte, auch noch singen zu wollen. Daher gab es am Ende denn auch höflichen Applaus. Über diese ganzen Tanz- und Werbeeinlagen hatte man jedoch leider versäumt, die Halbzeitergebnisse der anderen Spiele mitzuteilen, was man somit zu Beginn der zweiten Halbzeit tun musste. Ja, die entscheidenden Herren in den Vereinen wissen immer ganz genau, was der Fan will: lieber kleine Tanzeinlagen und Werbung anstelle von Fußballergebnissen, denn dafür kommt ja eh keine Sau ins Stadion, nur der (oder „das“? Ich rätsele immer noch) Event zählt. Die hierfür Verantwortlichen sollten mal lieber zu Rhein Fire (oder ArenaAssholes oder wie immer die demnächst heißen mögen) gehen, da wären sie dann richtig gewesen. Bei so etwas verstehe ich keinen Spaß, deshalb auch hier wieder ein Minuspunkt für Service.

 

Überhaupt: Werbung. Wie ich bei meinen beiden 1. Liga-Spielen, die ich in der letzten Saison gesehen habe (HSV-Bayern, Bremen-Wolfsburg) schon gemerkt hatte, kann man auch alles übertreiben. Jede Einblendung des Spielstandes auf den beiden kleinen Anzeigetafeln (der SV Meppen lässt grüßen, die dortige ist auch nicht kleiner) wurde von „RewirPower“ präsentiert, wobei sich die Stadtwerke Bochum für das aussagekräftig Schlagwort einen Dreck um die deutsche Rechtschreibung kümmern, wie üblich heutzutage, die Anzeige des Eckenverhältnisses, vom Informationsgehalt ungefähr so bedeutsam wie der Wetterbericht von vorgestern, durfte ich nur dank der gütigen Genehmigung von HolidayInn genießen und die Krönung war die Anzeige der Gelben Karten: da erschien Folgendes in Reihenfolge auf der Anzeigetafel: Name der Firma (habe ich vergessen), dann „Edles, wem Edles gebührt“, sodann „Die gelb-goldene Karte“ (scheint wohl irgendne Rabattkarte zu sein) und schlussendlich eben diese Karte mit dem Namen des verwarnten Spielers dahinter. Das ganze sollte dann auch noch ironisch gemeint sein, denn diese Art von Anzeige tauchte nur bei verwarnten Leverkusenern auf, als Bochums Schiendzielorz Gelb sah, erschien ganz schlicht nur das letzte oben beschriebene Bild. Sehr sportlich.

 

Sehr gewagt auch, beim Einlauf der beiden Teams zur zweiten Halbzeit den Triumphmarsch aus „Aida“ zu spielen. Das weckt Erwatungen! Heute allerdings, das muss man sagen, durchaus gerechtfertigt, denn es wurde ein Klassespiel hüben wie drüben, mal traf der Berbatov die Latte, dann rettete der Gudjonsson auf der Linie, dann köpfte der Placente den Ball von der Torlinie, bekam dabei aber von  Mitspieler Cris das Nasenbein gebrochen, dann vergab Berbatov gegen van Duijnhoven, dann nahmen sich Freier und Gudjonsson völlig frei am 5-m-Raum den Ball gegenseitig vom Fuß, im Gegenzug köpfte Berbatov aus 5m völlig freistehend über das Tor, dann parierte Butt einen Bombenschuss von Wosz prächtig, zur Abwechslung vergab mal wieder Berbatov freistehend vor van Duijnhoven (also was der Berbatov an Chancen versiebte...kein Wunder, dass der Toppi graue Haare hat), dann scheiterte Gudjonsson aus 8m an Butt, dann fielen noch drei prima Tore, die allesamt allein das Eintrittsgeld Wert waren, besonders die beiden Bochumer Treffer durch Hashemian waren wirklich toll, und und und...A propos Wosz: der erfreute sich liebevoller Betreuung durch die gesamte Leverkusener Abwehr, der bekam wirklich gut was auf die Socken, und auch immer schön von hinten auf die Knöchel, manchmal ganz unauffällig, klein, aber unfein, so dass es die VfL-Fans in meiner näheren Umgebung des öfteren von den Sitzen riss, allerdings nicht für Begeisterungsstürme. Nur Herr Ramelow blieb fast die ganze Zeit zusammen gesunken in seinem Sitz hocken, mit einem Gesichtsausdruck, als würde er sich weit fort wünschen. Nicht ganz unverständlich. Denn was müssen ihm (und seinen Mitspielern) die Ohren geklungen haben, als die Bayer-Fans unmittelbar nach dem Ausgleich durch Babic (und auch nach Spielschluss) trotzig „Niemals 2. Liga!“ sangen. So schnell geht das also mit den Ansprüchen, vor noch nicht mal 9 Monaten CL-Finale gegen Real Madrid, jetzt sind sie froh, wenn sie nächstes Jahr nicht gegen Wacker Burghausen antreten müssen.

Nach dem Ausgleich dachten die Leverkusener, die heute wirklich gut spielten, dass hier wohl noch was drin wäre und spielten weiter nach vorn. Was bei so einem Spiel einer Mannschaft, die unten drin steht, passiert, weiß natürlich jeder: sie fingen sich vier Minuten vor dem Ende einen Konter (!) ein und verloren das Spiel mit 1:2. Da hielt es auch Herrn Ramelow nicht mehr auf seinem Sitz, vielleicht waren ihm auch nur die Füße eingeschlafen. Tja, und dann war das Spiel auch schon vorbei, Herr Ramelow weg und wir bedauerten den Schlusspfiff. Das war eins der Spiele, die durchaus in die Verlängerung gehen dürfen, weil es halt so einen Spaß macht, zuzusehen.

 

Bemerkenswert danach noch, dass auf dem Rückweg zum Parkhaus ein gewisser Herr Kirsten mit einem Kumpel ca. fünf Meter vor uns ging, immer mal wieder „angesprochen“ von Bochumer Fans hinter uns, so dass ich nur darauf gewartet habe, dass der „Schwatte“, der ja für seine gute Laune beim Fußball durchaus berüchtigt ist, einem von diesen Deppen mal zeigt, wie man per Volleyschuss auch wunderschöne Treffer ohne Ball landen kann. Aber er verkniff es sich. 

Und da die Rückfahrt ohne besondere Probleme verlief, war dieser Tag denn auch schnell rum, fußballtechnisch gesehen, um 19.45 Uhr waren wir nach einem kleinen Abstecher zu McD (denn die Bratwurst allein war nicht wirklich sättigend gewesen) wieder in heimischen Gefilden.

Fazit: bequeme, weil einfache Anfahrt (abgesehen von der Strecke Rath-Dellbrück, aber irgendwas ist ja immer), sehr schönes Stadion, tolles Spiel, prima Atmosphäre, gerne mal wieder. Minuspunkte für den ganzen Schnickschnack drumherum, den man anscheinend aus Bundesligastadien nicht mehr weg bekommt. Und natürlich für die Currywurst. Denn auch da lasse ich nicht mit mir spaßen.

Der Amateur: 


den Heiligenschein
eines Nationalspielers
unterschätzt. 


Üben, üben, üben!

Am Sonntag dann um 13 Uhr los zum Heimspiel der Fortuna gegen den 1. FC Bocholt. Nachdem in der letzten Woche das erste Spiel nach der Winterpause, wie bereits Mitte Januar gemutmaßt, den Witterungsbedingungen zum Opfer fiel, war dies also das erste Spiel der Fortuna im Jahr 2003. Also nix wie hin. Die Lebensgefährtin schüttelte nur den Kopf, sagte aber nichts.

 

Sonntags ist alles anders als sonst. Sogar auf der Autobahn. Diesmal keine 6 km Stau, sondern nur 1 km. Immerhin, ein Fortschritt. Und Wiedersehen durfte ich auch feiern: es waren nämlich derselbe Baustellentransporter und dieselben orangefarbenen Männchen, diesmal sogar um vier weitere verstärkt, die den Verkehr aufhielten. Diesmal war sogar deutlich zu erkennen, worin ihre Tätigkeit bestand, nämlich im Zersägen des Gestrüpps, das an der Leitplanke zwischen den Fahrbahnen wuchs. Durch diese aufopferungsvolle Tätigkeit hatten sie sich immerhin im Vergleich zum Samstag 50m weiter nach vorne gearbeitet. 50m in 24 Stunden! Ist auch ne Leistung. Zum Glück kam danach nix mehr, so dass wir freie Fahrt hatten.

 

Das Spiel an sich ist schnell erzählt. Fortuna wie üblich wunderbar, überragend, pfeilschnell und alles niederwalzend, fegte den Gegner, der vor dem Spiel immerhin satte acht Punkte mehr auf dem Konto hatte, locker 4:0 vom Feld, das Stadion war ausverkauft und alle jubelten und freuten sich, wie üblich. Naja, zumindest kann ich mich an solche Szenen noch erinnern, ist allerdings doch schon ein paar Jährchen her. Aber das Ergebnis stimmte, und die Bocholter hatten eigentlich nach dem ersten Tor zu keiner Zeit eine echte Chance. Das konnte schon die ein oder andere Erinnerung wecken, siehe oben. Ausführlicher werde ich wohl auf das Spiel eingehen, wenn die nächste Zusammenfassung der Fortuna-Spiele der nächsten Wochen fällig ist. 

Auf jeden Fall machte es Spaß, endlich mal einen ungefährdeten Heimsieg ganz gemütlich und ohne irgendwelches Zittern verfolgen zu können. Auch waren bei unserer Rückfahrt sämtliche Good-Will-Besuche bei allen Schwiegereltern in Nordrhein-Westfalen bereits erledigt (diese ganzen Kaffeetrinker, Blümchenmitbringer und Enkelvorzeiger würde ich alle mal zwangsweise auf die Schiene setzen, wenn ich was zu sagen hätte!), so dass die Autobahn frei und ich schon um 18.30 Uhr wieder zu Hause war.   Der Analyst:

 in Erwartung des 2, 3
oder 4:0 auf der Düsseldorfer
Promi-Tribüne. 

Vorne Heribert Faßbender,
links hinten Mario Basler

 

Am Montag stand dann noch das rheinische Derby der 2. Liga an, Spitzenreiter 1. FC Köln gegen Verfolger Alemannia Aachen. Und da ich im November schon mal in der Hölle, sprich im Müngersdorfer Stadion war, dachte ich todesmutig, das könnte ich mir noch mal antun, zumal meine Arbeitskollegin ja unbegreiflicherweise Fan dieses merkwürdigen Tieres mit den Hörner ist, das immer auf die Tartanbahn köttelt. Die Lebensgefährtin sagte diesmal etwas, sogar einiges, und es war auch sehr gut zu verstehen. Ich zog es vor, mal eben kurz wegzuhören, eine Eigenschaft, die man sich in meinem Beruf erstaunlich schnell aneignen kann. So überhörte ich auch gewiss geäußerte Bedenken gegen meinen Geisteszustand und zog um 17 Uhr los gen Bonner Hauptbahnhof, von wo aus wir um 18 Uhr die Fahrt in die verbotene Stadt antraten.

 

Ich habe es in einem früheren Beitrag (nämlich im November, als ich das Spiel Köln-Freiburg mit gleichem Anfahrtsweg besuchte) schon einmal geschrieben: was merkwürdige Gestalten in U-Bahn-Schächten angeht, kann Bonn durchaus mit Köln oder Düsseldorf mithalten. Besonders Highlight an diesem Abend war eine Gruppe von fünf Herren, die beieinander standen und ihr Abendbrot in flüssiger Form sowie relativ lautstark einnahmen. Einmal kurz weg geguckt und wieder hin, zack, warens nur noch vier. Aber nicht, weil einer gerade mal austreten war, sondern weil er seine Position von der Vertikalen in die Horizontale verlagert hatte. Dies schien jedoch so was von alltäglich zu sein wie ein Stau am Heumarer Dreieck, denn nicht nur, dass es seine Kumpels nicht im geringsten interessierte, nein, er selbst lallte auch vom Boden aus noch gut hörbar weiter, und es war nicht ein Tröpfchen des kostbaren Gerstensaftes verschüttet worden. Wohl dem, der seinen Körper so gut im Griff hat! Wir verzichteten jedoch auf weitere Demonstrationen der wie auch immer gearteten Bewegungsmöglichkeiten dieses Filigrantechnikers und fuhren lieber mit der U-Bahn Richtung Köln/Neumarkt. Dort war mal wieder Umsteigen zum Stadion angesagt, die weitere Fahrt verlief störungsfrei, wenn man von den zwei Aachenern absah, die zwischenzeitlich die Bahn enterten, beide mit Körpermaß „Hoch wie Breit“, Letzteres entsprach auch dem Allgemeinzustand der Herren, und die auf den restlichen Stationen zum Stadion rheinisches Liedgut vom Feinsten zum Besten gaben: „Wenn ich einmal schwuler Prinz wär, in eurem Karneval...“-„Könnt ihr euch erinnern? 0:8, 0:8“ usw. Mit zwei Mann die ganze Bahn zum Beben gebracht – das nenne ich mal gelungene Animation!

 

Eine ausführliche Beschreibung zu Stadion und Umfeld kann meinem diesbezüglichen Artikel vom November entnommen werden. Neu nur dies: beim Spiel im November war die meinem Sitzplatz gegenüber liegende Westtribüne ein einziges Baugerüst. Die ist mittlerweile fertig, sieht ganz schmuck aus. Dafür glänzte nunmehr die Nordtribüne durch Abwesenheit. Und zwar durch völlige. Das Teil ist komplett abgerissen worden, hinter dem Tor steht nur noch eine niedrige Baustellenmauer, mit Werbung bepflastert, dahinter eine riesige Baugrube mit entsprechenden Materialien, Baggern und Kränen. Zum Glück aber waren keine orangefarbenen Männchen in Sicht, die irgendwelche Sträucher kappen wollten.

 

Da auf der Nordtribüne normalerweise die Gästefans sitzen, müssen diese notgedrungen an den Rand der Osttribüne umziehen. Und da musste diesmal einiges umziehen, es waren geschätzt 5.000 Aachener Fans mit von der Partie. Provisorisch hat man den rechten Teil der Tribüne mit einem Zäunchen gegen die restlichen Sitzplätze abgesperrt, aber hier lag nicht das Problem, das lag ganz woanders: gleiche Tribüne = gleicher Eingang ins Stadion. Am Eingang war es knüppelvoll, es ging nur langsam vorwärts und es lag eine gewisse Aggressivität in der Luft, auch wimmelte es nur so von grünen Uniformen und zusätzlicher Security. Vom Neumarkt zum Stadion hatten wir mit der Bahn eine knappe Viertelstunde gebraucht, nun dauerte es noch mal 20 Minuten, bis wir die fünf Meter von „vor dem Eingang“ bis „hinter den Eingang“ schafften. Immerhin blieb bis auf die üblichen Pöbeleien alles friedlich.

 

Nachdem wir allerdings so lange gebraucht hatten, um uns Zutritt zu verschaffen, war es schon kurz vor Spielbeginn, also kein Würstchen, kein Döner, nix mehr, noch nicht mal was zu trinken, wär auch schlecht möglich gewesen, da die Leute an den entsprechenden Buden teilweise zehn Reihen tief standen. Auf so einen Andrang war man augenscheinlich nicht vorbereitet.

Egal, also war Frieren bis zum Exzess angesagt, ohne auch nur irgendeine Möglichkeit, von innen zu heizen. Ab auf die Osttribüne, Plätze im Unterrang gesucht. Es waren Plätze in der letzte Reihe, hinter uns nur noch ein Zaun, der die Tribüne vom Vorfeld trennte. Hatte den Vorteil, dass man aufstehen konnte, wenn man es vor lauter Kälte nicht mehr aushalten konnte, man stand niemandem im Weg.

 

Sensationelles Vorprogramm: was kann in Köln bei einem Heimspiel kurz vor Karneval schon aufmarschieren? Natürlich das Dreigestirn, Prinz, Bauer und, ähm, Jungfrau (also das mit der Jungfrau kapier ich nie...), die im Rahmen der Völkerverständigung noch so einen Dauerverwirrten im Gepäck hatten, nämlich den Karnevalsprinz aus Aachen. Da für mich vier Karnevalisten genau vier zu viel sind, habe ich nicht zugehört, was sie zum besten gaben, ich wette, die waren eh blau, anders kann ich mir das gar nicht vorstellen, so einen Heckmeck freiwillig mitzumachen. Nachdem sie ihre salbungsvollen Grußworte zum besten gegeben und das Feld geräumt hatten, traten noch die WiseGuys auf, das ist eine sehr gute A-cappella-Band, die ich im Rahmen eines Kabarettfestivals schon einmal live gesehen und eigentlich gemocht hatte. Bis gestern. Okay, das erste Lied war noch schön selbstironisch: „Ich möchte einmal Deutscher Meister sein...“ (alles jubelte) „...doch wir sind nur ein Karnevalsverein.“ (alles kratzte sich am Kopf und versucht, den Sinn dieser Bemerkung zu ergründen). Aber dann! „Unsere Liebe durfte nicht sein, denn sie kam aus der verbotenen Stadt am Rhein.“ Jaja, die kölschen Minderwertigkeitskomplexe... Aber fair waren sie wenigstens, denn nachdem der Held des Liedes seine Angebetete verschmähte, weil sie aus Düsseldorf stammte (und damit ist ganz leicht zu erkennen, woher die WiseGuys eigentlich stammen, wusste ich vorher auch nicht), lachte er sich eine Neue in --- Bielefeld an. Das nenn ich eine gerechte Strafe!

 

Nachdem wir noch ein wenig Werbung über uns ergehen lassen mussten, fing dann tatsächlich auch das Spiel an. Ich hoffe, jeder Fußballinteressierte hat es gesehen, es war das beste, was ich seit langer Zeit live verfolgen konnte, ein 3:3, das auch 5:5 hätte ausgehen können, es ging hin und her, sogar der Schiri wollte noch mitmischen und verteilte zwei Rote Karten, kurz: ein tolles Derby. Wenn es nur nicht so kalt gewesen wäre. Und wenn die Zuschauer nicht gewesen wären...

 

Vor uns ein Dreiertrupp dicker Jungs, zwischen zehn und zwölf Jahre alt, schätze ich. Man braucht kein Diplom-Pädagoge zu sein, um diese Brut schnell zu analysieren: klein, dick, sonst keine Freunde, da kann man ja im Fußballstadion mal so richtig die Sau rauslassen. Klassische Konditionierung. Zum Totlachen. Da fielen Ausdrücke, die sogar mir relativ neu bzw. noch nicht ganz so vertraut waren. Auch wurde von diesen drei Bengeln immer wieder gerne gegen den ca. 10m entfernten Aachener Block gepöbelt, untermalt von diversen Fingerspielen. Da auch bei uns einige Aachener im Block saßen, dauerte es nicht lang, bis einer dieser Leute den drei Pummelchen anbot, ihnen bei der nächsten Verbalinjurie mal den Fanblock so richtig von innen zu zeigen. Das wiederum brachte Papi auf die Palme, der die ganze Zeit daneben gesessen und kräftig gelacht hatte. Schon war der schönste Wortwechsel im Gange, alt gegen Jung, oben gegen unten, Köln gegen Aachen, jeder wollte mal seine Erziehungsmethoden verständlich an den Mann bringen. Währenddessen war es auch den drei kleinen Dickerchen zu kalt geworden, und sie hatten eine riesige Decke ausgepackt, die sogar für Reiner Calmund gereicht hätte. Und da saßen sie nun: alle drei mit Mütze, Schal, Handschuhen, und gemütlich gemeinsam in ihre Decke eingehüllt. Und so, dachte ich im stillen, können sie gleich 60 Jahre sitzen bleiben, denn sie sahen jetzt schon so aus wie die Rentner auf der Ehrentribüne. Gute Unterhaltung.

Übrigens, wie feuern Kölner Fans ihre Mannschaft an, wenn es nach 30 Minuten noch 0:0 steht? Genau: „Wir wollen euch kämpfen seh’n!“ Aha. Aber wenigstens „Wir steigen auf und Bayer ab!“ war ganz brauchbar.

Nach zwanzig Minuten lag Aachen mit 7:2 klar in Führung. Beim Eckenverhältnis, ohne dass sie eine besonders große Chance dadurch gehabt hätten. Zehn Minuten später waren die Kölner bereits uneinholbar auf und davon gezogen, ein Kantersieg bahnte sich an, es stand 9:0. Nach Abseitspositionen. Insbesondere die Herren Kurth und Springer scheinen so einiges bezüglich dieser Regel erfolgreich verdrängt zu haben. Endstand beim Abseits war übrigens nach 90 Minuten ein lässiges 13:1. Da kann man nur staunen.

 

Bevor das Spiel in der zweiten Halbzeit so richtig abgehen sollte, gab es hier leider dasselbe wie am Samstag in Bochum: die Halbzeitpause. Sofort prasselte ein Werbegewitter sondersgleichen auf einen nieder. Hier wurde aber auch das absolute Highlight gesetzt: wir vernahmen deutlich Werbung für – Schöller Eiskrem! Werbung für Eis - und das bei gefühlt 20 Grad unter Null! Eine merkwürdige Art von Humor.

An Würstchen oder ähnliches war weiterhin nicht ranzukommen, die Schlangen vor den Büdchen waren womöglich noch länger als vor dem Spiel. Die drei dicken Pöbels nutzten die Zeit, um eine riesige Geschenkpackung Merci zu vernichten. Und zwar komplett. Wohl dem, der in jungen Jahren schon solch einen gesegneten Appetit hat.

 

Natürlich klappte auch hier der Zeitplan aufgrund der Werbung nicht. In einem der beiden Strafräume wurde ein Torwandschießen durchgeführt, in dem kleine Jungs binnen 90 Sekunden auf eine dreilöchrige Torwand schießen durften, wobei jeder Schuss mit 30 Euro für eine gemeinnützige Einrichtung belohnt wurde. Immerhin kamen so 90 Euro zustande, eine nette Sache. Die war allerdings durch die Werbeeinblendungen soweit nach hinten geschoben worden, dass man erst, als die Spieler wieder den Platz betraten, bemerkte, dass die Torwand noch ziemlich dumm im 5-m-Raum von Alexander Bade herumstand. Sponsoring – okay. Aber muss es denn wirklich so übertrieben werden wie am Samstag in Bochum und gestern in Köln? Also ich weiß nicht, man kann die Leute auch mit so etwas vergraulen. Mich auf jeden Fall.

Die zweite Halbzeit mit fünf Treffern und zwei Roten Karten war dann aber auch wirklich aller Ehren Wert. Als die Kölner das 3:0 erzielten, begannen die Fans zu singen „8:0, 8:0“ und die ersten Aachener quetschten sich an uns vorbei Richtung Ausgang. Das war zuviel des guten, plötzlich drehten die Aachener in Gestalt von Emanuel Krontiris auf. Der hatte heute Geburtstag, wurde 20, durfte zur Feier des Tages zum ersten Mal in der 2. Liga ran (kam von den BVB-Amateuren), wurde in der 56. Minute eingewechselt und schoss in nur zwanzig Minuten noch unglaubliche 3 Tore zum Ausgleich. Währenddessen strömten die Aachener Fans, die ihre Plätze schon verlassen hatten, wieder zurück, man hatte sie wohl noch rechtzeitig per Handy informiert. Und als das 3:3 fiel, explodierte der ganze Fanblock in gelb-schwarzen Jubelstürmen. Selten so eine tolle Stimmung bei einem Zweitligaspiel gesehen. Die Kölner hingegen, die vom Oberrang herunter kamen, demonstrierten, was sie von ihren Lieblingen hielten, in dem sie mehrfach von außen gegen den Tribünenzaun traten und somit unsere ganze Sitzreihe zum Schwingen brachten. Es macht jedoch viel Spaß, sich vorzustellen, wie deren Füße heute ausgesehen haben, mit kalten Knochen gegen relativ festes Material treten ist nämlich nicht so der Hit, ich weiß es aus eigener Erfahrung.

Und die drei vermummten Dickerchen? Die heulten. Ja, und heute ist dann wieder Schule, wo sie sowieso keiner mag...Life’s hard and then you die.

 

Übrigens muss ich jetzt doch noch eine Lanze für die Werbung brechen. Geradezu genial der Einfall, den man für diese Baustellenmauer hinter dem einen Tor hatte. Nein, nicht die vier Banner dieses DSF-Schädelbräus, die dort hingen, sondern ein einsamer Banner, direkt gegenüber der Südtribüne und somit gut für die ganzen Gestalten zu lesen, die dort herumturnten. Und da kann man nur sagen: dieser Verein kümmert sich um seine Fans.

In allen Belangen. Denn da stand: www.anwalt-suchservice.de Da randaliert sich’s doch gleich entspannter.  

Die Rückfahrt verlief diesmal ein wenig besser als im November, wir fanden die Sonderbahnen, die zum Hbf fuhren, allerdings mit einem klitzekleinen Umweg, so dass wir im Endeffekt auch nicht viel schneller waren, als wenn wir auf die reguläre Bahn gewartet und bis Neumarkt gefahren wären (es sei denn, es wäre dort zufällig wieder ein Hindernis auf den Schienen gewesen – siehe November-Bericht). Vom Hbf jedoch konnten wir dann mit einer Regionalbahn weiter fahren, die wesentlich fixer als die U-Bahn war, auch wenn sie noch an so bedeutenden Orten wir Sechtem und Roisdorf anhielt, das sind Dörfer, da haben sogar die Leute, die dort wohnen, selbiges verge

Der Aufwiegler: 

konsequenter Sitzstreik beim Abspielen der Kölner Vereinshymne. Null Toleranz für Geißbock-Gegröle!

Was bleibt: drei schöne Tage, zweieinhalb Klassespiele (für volle drei Klassespiele war Bocholt zu schwach), beste Unterhaltung, merkwürdigstes Publikum in Bochum und Köln, und der schönste Ausgleich, den ich seit langem gesehen habe, weil dieser 19jährige Bubi fast das komplette Kölner Publikum mit offenem Mund da stehen ließ. Aber alles auch leicht anstrengend, auch wenn keine größere Entfernung zu überwinden war. Nur die Lebensgefährtin guckt noch ein bisschen komisch. Ich weiß gar nicht, warum.

Und denjenigen unter euch, die jetzt verständnislos mit dem Kopf schütteln und denken: warum schreibt der sowas denn auf, das machen wir jedes Wochenende!, denen möchte ich sagen: Schön für euch – aber ich habe noch andere Hobbys. Manchmal.

 

13 Tore in 54 Stunden live gesehen hat: janus

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