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Schrolli,
Prinz Eisenherz und ein Zimbo
Die wirklich
wichtigen Ligen im TV
Manchmal
hat der Dienstherr Mitleid mit einem. Zur
Motivation gelangweilter Mitarbeiter werden, so
man sich denn weiterbildungswillig zeigt,
diverse Lehrgänge im gesamten Bundesgebiet
angeboten, die dann wichtig als „Seminare“
bezeichnet werden und deren
Teilnahmenbescheinigungen sich aufgrund dieser
seriösen Bezeichnung auch gut in jeder
Personalakte machen. Unter uns Mitarbeitern
allerdings mit dem zumeist zutreffenderen Namen
„Kaffeetrinker-Lehrgang“, auch kurz KL
genannt, versehen.
Einen solchen KL durfte ich nun in der letzten
Woche in Koblenz besuchen. Da es sich um ein
Aufbauseminar handelte und ich das dazu
gehörige Grundseminar schon im August
absolviert hatte, war mir die Stadt Koblenz
bereits einigermaßen vertraut, weshalb ich am
Anreisetag nicht hektisch das Zentrum nach
Einkaufsmöglichkeiten absuchen musste, sondern
es mir in meinem Hotelzimmer gemütlich machen
und mal die 36 Kanäle des dort installierten
Kabelfernsehens überprüfen konnte. Und auf
Kanal 20 wartete Unterhaltung par excellence.
Bei dem auf diesem Kanal eingespeisten Sender
handelte es sich nicht, wie man anhand des
letzten Satzes vermuten könnte, um „Red Hot
Dutch“ oder ein ähnlich unterhaltsames,
vielleicht etwas eintöniges Angebot, sondern um
„TV T1 – Regional TV Koblenz“, am ehesten
wohl mit dem bei uns eingespeisten „tv.nrw“
zu vergleichen. Als ich ihn einschaltete, sah
ich als erstes einen rollenden Ball auf einem
Fußballfeld, weshalb ich beschloss, mal dran zu
bleiben. Und bekam fußballerische und
journalistische Unterhaltung der ersten
Kategorie geboten.
Auf dem Sender läuft nämlich freitags, montags
und dienstags (man sieht schon: halbe Sachen
gibt’s da nicht!) eine Zusammenfassung der
Spiele der regionalen Amateurligen unterhalb der
Regionalliga. Die fahren wirklich mit ihren
Kameras zu jedem Aschenplatz in der Region,
filmen die Spiele und bringen in der Sendung
dann die Zusammenschnitte. Für einen
„Auswärtigen“ wie mich also ein
interessanter Blick über den Tellerrand OL
Nordrhein, RL Nord und Süd, 2. und 1. Liga
hinaus, dargeboten von einem wirklich
sensationellen Reporterteam, das alles gibt.
Zeit also für einen Überblick über die
wirklich wichtigen Ligen – zumindest, was den
Großraum Koblenz angeht.
Erste Irritationen beschlichen mich zunächst
beim Anblick des Studiomoderators, der sah
nämlich original wie dieser Praktikantenidiot
Elton von Stefan Raab aus. Doch während ich
noch grübelte, ob diese hinrissige Sendung sich
jetzt wirklich überall breit macht, erfolgte
durch die Ansage des Moderators schon die
Aufklärung: der sah ehrlich nur so aus, dieser
hervorragende rheinland-pfälzische Dialekt
konnte nur angeboren sein, und der gute Elton
stammt ja aus Hamburg. Also: Erleichterung und
weiter gucken, denn das, was er sagte, war ja
dann wohl doch ernst zu nehmen.
Als ich einschaltete, wurde gerade eine
Verbandsliga verhackstückt. Sehr putzig: jede
Mannschaft hat anscheinend einen eigenen
regionalen Sponsor, der die Heimspiele
präsentiert, was auch hier mittels kurzer
Einblendung vor dem Spielbericht geschieht. Aber
nix „T-Online präsentiert die 1. Liga in
‚ran’“, nein: „Spedition Alfter in
Koblenz, Schloßsstraße, präsentiert die
Heimspiele der Rot-Weiß Koblenz“ – das nenn
ich noch Werbung, mit dem sich der kleine Mann
in Koblenz und Umgebung identifizieren kann!
Danach folgte somit als erstes Spiel die Partie
RW Koblenz - SCG Mülheim-Kärlich 2000. Und wer
jetzt schon über den Vereinsnamen der
Gastmannschaft staunt, der warte erst mal
weitere Partien ab.
Das Spiel wurde in atemberaubend schlechter
Qualität gezeigt, fand auf einem Aschenplatz
statt und endete „leistungsgerecht“ 2:2.
Warum das leistungsgerecht gewesen sein soll,
wenn der Bericht ein Chancenverhältnis von 2:10
in Wort und Bild zeigte, mag dahingestellt
bleiben, auch ein Wontorra haut ja in der
Spielanalyse des öfteren daneben. Nach dem
Spiel dann ein Interview (ja, das machen die
auch) mit dem Trainer der Rot-Weißen, einem
Herrn Gerry Schierenboom, seines Zeichens
Niederländer, mit der schärfsten Frisur, die
ich seit dem Afrolook gesehen habe, ein
1a-zurecht gestutzter
Prinz-Eisenherz-Haarschnitt, veredelt durch die
Tatsache, dass Herr Schierenboom bereits nahezu
vollständig ergraut war. Also der echte Prinz
Eisenherz hätte sich wohl mit Recht diesen
Vergleich verbeten, aber zu meinem Glück kann
der sich nicht mehr wehren und eine andere
Bezeichnung für diese Zotteln fiel mir echt
nicht ein.
Dann begann das Interview, und ich horchte auf:
der Reporter sprach den Trainer mit „Gerry, Du
hast vor dem Spiel gesagt...“ an, was mich
erneut in schwerste Zweifel stürzte. Objektive
Berichterstattung? Man kennt sich anscheinend,
aber woher? Vom gemeinsamen Bierchen in der
Stadionpinte? Vielleicht hat man sogar denselben
Job in derselben Stadt (denn wirklich alle
Akteure, die in den Berichten gezeigt wurden,
waren reine Amateure, inklusive der
„Kameramänner“ und der „Reporter“)?
Aber das schöne ist ja, dass in solchen Klassen
kein Blatt vor den Mund genommen wird. Frage des
Reporters: „Du wolltest deine Mannschaft zum
Essen einladen, wenn sie das Spiel gewinnt. Nun
haben sie zwar nicht gewonnen, aber immerhin ein
0:2 aufgeholt. Was nun?“ Welche
journalistische Meisterleistung, dieses „Was
nun?“ – das ist mal ne prima Frage, wie ich
finde. Aber auch Prinz Eisenherz hatte harte
Seiten, und somit befand sich Gerry historisch
in bester Gesellschaft, als er kurz und bündig
antwortete: „Einladung galt nur für Sieg. Wir
haben nicht gewonnen. Also habe ich Geld
gespart.“ Aus die Maus. Nix von wegen „Die
Mannschaft war bemüht...“, „Der Schiri war
Schuld...“, „Wir haben die Zweikämpfe nicht
angenommen...“ usw. – nein, nur Fakten,
Fakten, Fakten! Kein Sieg, kein Essen, so
einfach ist das. Kommentar eines Koblenzer
Spielers, auf diese Antwort angesprochen:
„Schade, aber wir wollten heute sowieso bei
Ulla den Geburtstag von Matthes feiern.“ Wer
Ulla, wer Matthes ist, blieb offen – also
nicht gerade das, was ich „investigativen
Journalismus“ nennen würde. Oder aber war ich
der einzige Zuschauer (weil „Auswärtiger“),
dem bei Nennung dieser Namen nicht sofort die
dazu gehörigen Legenden einfielen?
Weiter ging’s („OBI Langenhahn, direkt an
der B Soundso, präsentiert Ihnen...“) in der
Verbandsliga Rheinland-Süd. SG
Langenhahn/Rotenbach – SG Dreis/Dörbach. Die
Vereinsnamen erweckten gewisse Phantasien, die
dazu führten, dass ich mir die dahinter
stehenden Dörfer, die anscheinend sogar zu
klein sind, um eine eigene Fußballmannschaft
auf die Beine zu stellen, gar nicht näher
vorstellen wollte. Das sind weiße Flecken auf
der Fußball-Landkarte, da müssten die selbst
ernannten Fußballmissionare mal tätig werden,
irgendein abgehalfteter Ex-Profi, Ex-Trainer
oder Ex-Funktionär wird doch wohl aus diesen
Gegenden kommen und der Begeisterung mal
ordentlich Leben einhauchen. Wer für so etwas
in Frage käme und wie das ganze dann ausgehen
kann, sehen wir später im Programm.
Die Heimmannschaft verlor das Spiel 0:1
(übrigens auf Rasenplatz), wobei sich der
Mittelstürmer der Truppe besonderer Beachtung
durch den Kameramann erfreuen durfte, filmte
dieser doch glatt alle sechs 100%igen, die der
Herr mit Namen Olli Meuer im Spiel vergab. Und
da waren Chancen dabei, mein lieber Schwan! Ich
glaube, die hätte ein Frank Mayer nicht in
einem Spiel vergeben dürfen, das dann auch noch
verloren gegangen wäre, der wäre auf seinem
Rückweg noch nicht mal bis zur
Kleingartensiedlung gekommen. Ja, das Leben im
Amateurfußball kann hart sein, denn während
ein Viorel Ganea beim VfB Stuttgart vom Trainer
Magath nach der vierten Großchance wieder vom
Platz genommen wurde, musste der Olli
durchspielen und eine Großchance nach der
anderen vergeben. Zur Strafe wollte man ihn
hinterher nicht mal interviewen. Gnadenlose
Medien, die immer nur den Glanz, den Glimmer
suchen!
Ab zum nächsten Hammer: Roßbach/Fährscheid
– Metternich. Es war ein torloses
Unentschieden übelster Treter-Art, dem nur der
Schiri mit drei Platzverweisen Farbe verlieh.
Besonders amüsant: die beiden Roten Karten für
zwei Gegenspieler, die sich mit dem
Halbzeitpfiff noch auf dem Rasen (!) in die
Haare gerieten und dafür vom Schiri das Ticket
zur vorzeitigen Duschbenutzung erhielten. Bzw.
es hätte amüsant sein können – aber wie der
Außenreporter verschämt zugab, hatte der
Kameramann unmittelbar nach dem Abpfiff
abgeschaltet! Der wollte wohl nicht so lange an
der Würstchenbude warten. Ja da darf man sich
doch nicht wundern, wenn es nicht für die
großen Einschaltquoten reicht! Als
Wiedergutmachung wurde dann aber das harmlose
Allerweltsfoul, das in der 2. Halbzeit dieser
Brutalo-Partie zur Gelb/Roten Karte führte,
dreimal hinter einander gezeigt. Zweimal Rot und
einmal Gelb/Rot – ein ganz normales
Verbandsligaspiel halt, auch wenn man beim
Einsatz einiger Akteure schon auf die Idee
kommen konnte, von „internationaler Härte“
zu sprechen.
Interessant übrigens hinterher ein Interview
mit dem Metternicher Spielertrainer. Da wurde
der Unterschied zwischen großen und kleinen
Vereinen deutlich. Die Metternicher sind
anscheinend so gut wie pleite. Das wirkt sich in
einen Umstand aus, den ich bisher noch keinem
Fast-Pleite-Club so gelesen oder gehört habe:
in Metternich ist anscheinend kein geregelter
Trainingsbetrieb möglich, da der Verein immer
mal wieder darauf angewiesen ist, einen
Trainingsplatz im Umfeld billig zu ergattern und
sich dabei sogar mit dem Schulsport abstimmen
muss! Also frei nach dem Motto „Kommt morgen
mal, entweder ist Training oder nicht.“ So
„spielten“ die Jungs aber auch. Außerdem
hatten sie genau die elf Mann dabei, die auf dem
Platz standen, mehr gibt’s wohl nicht mehr,
was den Trainer nach dem Spiel bereits
vorausschauend auf den nächsten Spieltag
blicken ließ – schließlich fehlen ihm
nunmehr noch zwei gesperrte Spieler. Unter
diesen Umständen bekommt natürlich auch so ein
0:0 eine ganz andere Bedeutung. Schade, dass ich
nie erfahren werde, ob an diesem Sonntag noch
der Vereinspräsident und der Platzwart
auflaufen werden, um wenigstens einen geregelten
Spielbetrieb zu garantieren. Großes Kino!
Am Schluss des Verbandsliga-Geschehens stand die
Partie Oberwinter – Eintracht Glas/Chemie
Wirges 2, wobei ich von letzterer Truppe gerne
mal den dazugehörigen Fanschal sehen würde.
Auch dieses Spiel, das erstaunlicherweise auf
Kunstrasen statt fand, lebte eher vom
kämpferischen Einsatz und endete ebenso
schiedlich-friedlich wie die Vorgängerpartie
unentschieden, nämlich 1:1. Bemerkenswert
hierbei lediglich die Kulisse: 150 Zuschauer,
das war Rekord für alle Spiele, die bisher
gezeigt wurden.
Aber TV T1 kennt keine Tabus, man ging sogar
noch weiter und wechselte noch eine Liga tiefer
in die Landesliga Süd, wo nun endgültig der
Bereich anfängt, in dem die Spieler sonntags
direkt vom Frühschoppen auf den Platz taumeln,
auf der Ersatzbank gerne mal ein Zigarettchen
rauchen, um sich vor einer möglichen
Einwechslung optimal zu entspannen und wo
entweder übertriebener oder gar kein Ernst
bezüglich des Spielgeschehens herrscht.
Das erste Spiel war ein echtes Lokalderby,
Brohltal – SG Andernach, noch dazu eine echte
Hammer-Partie, der 3. gegen den 2. Nie ward der
Fachbegriff „Lokalderby“ treffender
eingesetzt als bei diesem Spiel, schließlich
standen bei Brohltal 11 Leute auf dem Platz, die
in der letzten Saison noch das Trikot der SG
Andernach getragen hatten! Da hat wohl ein
kompletter Stammtisch in Bierlaune am Samstag
Abend mal eben den Verein gewechselt! Der
Reporter griff dieses Unikum denn auch dankbar
auf und sprach während des Beitrags wiederholt
von „Andernach 2 gegen Andernach 1“. Um dem
Zuschauer aber eine diesbezügliche
Unterscheidung auch näher zu bringen,
bezeichnete er die „Original-Andernacher“
immer mal wieder gerne als „Grünlinge“, da
der Trainer der SG Andernach auf den Nachnamen
„Grün“ hört. Das könnte man doch auch mal
auf den „etwas größeren“ Sport umsetzen.
Demnach wären die Gladbacher alles „Meyerlinge“,
sehr schön auch die „Geyerlinge“ von
Energie Cottbus und geradezu perfekt passt es
auf die „Jünglinge“ des GFC Düren. Eine
nette Idee, wie ich finde.
Die Grünlinge hingegen verloren 0:1 bei einem
Spiel, das am letzten Freitag Abend bei
strömendem Regen auf Asche statt fand, bei
einem „Flutlicht“, für das diese
Bezeichnung ein besserer Witz war, was jedoch
ein wenig Spannung ins Spiel brachte, da es
äußerst schwierig war, den Ball fehlerfrei in
diesen Regenschauern zu erkennen, und sich auch
die Spieler beider Teams aufgrund diverser
Rutschpartien im Schlamm zunehmend ähnlicher
sahen. Da wäre eigentlich mehr als nur ein Tor
drin gewesen!
Wie bitter diese Niederlage für die Grünlinge
war, zeigte TV T1 direkt anschließend bei der
Partie Sportfreunde Höhr/Grenzhausen – SG Bad
Breisig, bei der Truppe mit dem
Zungenbrecher-Namen handelte es sich nämlich um
den Spitzenreiter, der locker 4:1 gewann und
seinen Vorsprung in der Tabelle ausbauen konnte.
Das Spiel „Auf dem Flürchen“,
erstaunlicherweise ein Rasenplatz, hatte einen
Superstar: Mittelfeldspieler Zimmerschied, laut
Reporter „Der Älteste mit der hohen Stirn“,
37 Jahre jung, nicht nur bester Mann auf dem
Platz, sondern auch Torschütze des „Tor des
Monats“ zum 3:1, einem Solo über den halben
Platz, bei dem er sechs Gegenspieler wie
Slalomstangen stehen ließ und erfolgreich
abschließen konnte. Okay: „über den halben
Platz“ bedeutete in diesem Fall wirklich nur
knapp die Hälfte der Länge eines normalen
Bundesligaspielfeldes, und die Gegenspieler
ließ er auch nicht wirklich stehen, die blieben
einfach stehen, weil sie keine Lust mehr hatten,
neben ihm herzulaufen, aber das hielt TV T1
nicht davon ab, mit „Zimbo“ ein
Exklusiv-Interview nach dem Spiel zu führen,
worin Zimbo allerdings gar nicht viel zum Spiel
sagte, sondern schon vorausschauend auf das
blickte, was in der großen weiten Fußballwelt
gerne als „Auslaufen“ bezeichnet wird:
„Wir gehen gleich einen trinken.“ Sprach’s
und zog von dannen, so bereitet sich der
Tabellenführer auf das nächste Spiel vor –
getreu dem Motto „Der nächste Gegner ist
immer der Schwerste – trinken wir ihn uns erst
mal leicht“.
Jetzt wollte man sich aber nicht weiter mit
Ligen herumschlagen, in den das Ganze nicht mit
dem nötigen Ernst gehandhabt wird, jetzt kam TV
T1 zum Highlight, zu Namen, die die ganze Region
kennt, zur höchsten Spielklasse, die in dieser
Sendung gezeigt werden darf, zu der Liga, bei
der auch wir erfahrungsmäßig mitreden können:
Oberliga Südwest!
Erstaunlich zunächst, dass dort wirklich vier
Vereine spielen, mit denen unserer Fortuna vor
langer und noch nicht allzu langer Zeit „die
Klingen gekreuzt“ hat: zunächst SC
Idar-Oberstein, FSV Salmrohr und FK Pirmasens,
alle noch bestens bekannt aus der
Regionalliga-Südwest-Saison 1999/2000. Wer
erinnert sich nicht an die überragenden
1:1-Unentschieden, die die Gelsdorf-Truppe bei
den damaligen Tabellenletzten und –vorletzten
Idar-Oberstein und Salmrohr errang? Auch schön
der 8:0-Rückrunden-Erfolg gegen Salmrohr, als
ein gewisser Oleg Poutilo 5 Tore schoss und wir
hinterher mitleidig den Gästen aus dem Salmtal
einen Ehrentreffer wünschten. Und an den FK
Pirmasens haben wir eh nur erfreuliche Gedanken:
5:1 im Hinspiel im (*schnüff*) Rheinstadion,
allerdings erst, nachdem nur noch neun
Pirmasenser auf dem Platz standen, und das
sensationelle 4:0 im Rückspiel, als der
österreichische Freischwimmer Ganiyu Shittu
innerhalb der ersten halben Stunde alle vier
Treffer erzielte.
Bei einem Verein könnten unsereins aber
wirklich Tränen der Rührung in die Augen
treten, das ist der FC Homburg. Die jüngeren
unserer Mitglieder mögen sich von uns alten
Säcken unterweisen lassen, wie das damals in
den 80er Jahren war, F. Düsseldorf gegen den FC
Homburg – in der 1.
Fußball-Bundesliga...Heutzutage kaum zu
glauben, daher für alle Jüngeren noch mal –
ja, das war damals ein Erstligaspiel.
Drei Spiele der Oberliga Südwest wurden
gezeigt, das erste eins der eher unbekannteren
Art: VfL Hamm – TuS Koblenz, klar, das Zentrum
hat Vorrang vor der Region. Langweiliges Spiel,
das die Gäste 1:0 gewannen, wobei sich der
Reporter beim Siegtreffer darüber beschwerte,
dass der Torschütze sich das Trikot vom Leibe
riss: „Sowas gehört nicht hierher, ich weiß
auch nicht, warum er das immer macht.“ Lustig
war es aus einem ganz anderen Grund: kurz vor
Schluss vergaben die drückend überlegenen
Koblenzer die Entscheidung ganz besonders
eindrucksvoll: ein Spieler überlief die bis zur
Mittellinie aufgerückte Abseitsfalle der
Gastgeber, lief vierzig Meter alleine auf den
Torwart zu und platzierte dann, allein auf
weiter Flur, seinen Schuss in etwa Richtung
Eckfahne. Kommentar des Reporters: „Typisch
Akademiker.“ Was das ganze noch lustiger
machte, war die Tatsache, dass der Spieler nicht
nur Akademiker ist, sondern auch noch auf den
Nachnamen „Doktor“ hört und somit
tatsächlich Dr. Rolf Doktor mit vollem Namen
heißt. Der wurde natürlich vom Reporter nach
dem Spiel ins Kreuzverhör genommen, hatte aber
für diesen nur ein herzhaftes Lächeln übrig:
auf die strenge Frage, wie man denn eine solche
Chance versieben konnte, antwortete er nur:
„Ja, das war ja nicht einfach, da waren ja
noch drei, vier Spieler hinter mir“ (kleine
Anmerkung: ca. 15 Meter hinter ihm), „und der
Torwart hat ja auch noch Druck gemacht...“, um
gleich darauf vor Lachen aus dem Sichtbereich
der Handkamera zu taumeln. Man stelle sich eine
solche Antwort bei einem Spieler von Hans Meyer
vor, der zwar mit Niederlagen leben kann, aber
es gar nicht schön findet, wenn einer seiner
Spieler lustiger ist als er. Oder bei einem
Akteur eines Friedhelm Funkel, der am Montag
nach dem Spiel seines 1.FC K*** bei St. Pauli
mit verkniffenem Gesicht sagte, der Matthias
Scherz habe an diesem Tag ziemlich
durchschnittlich gespielt - Herr Scherz hatte im
soeben zu Ende gegangenen Spiel alle drei
Treffer zum 3:2-Sieg der Domstädter erzielt.
Nach dem Statement von Dr. Doktor ging es weiter
mit der Partie Eintracht Glas/Chemie Wirges –
FK Pirmasens, und siehe da: da sind sie, die
Protagonisten, die den Dorffußball wieder hoch
bringen wollen: Trainer beim FKP ist nämlich
kein geringerer als Norbert Nachtweih, uns
älteren noch bestens aus seinen Zeiten bei
Eintracht Frankfurt und Bayern München bekannt,
ich persönlich habe ihn Mitte der 90er Jahre
noch live bei Waldhof Mannheim gesehen. Der
Nobby macht also in Pirmasens jetzt den Trainer,
was den Elton-Verschnitt zu folgender Ansage
veranlasste: „Den Glaschemikern gegenüber
stand dann plötzlich auf der FKP-Ersatzbank
Norbert Nachtweih“. Aber ich hab’s mit
eigenen Augen gesehen, er durfte sich auch
setzen.
Manager des FKP ist übrigens Ex-FCK-Profi-Axel
Roos, und der hat auch anscheinend auch gleich
Betzenberger Spielkultur mitgebracht, der FKP
verlor nämlich sang- und klanglos 0:3,
allerdings auch bedingt durch glas-chemische
psychologische Kriegsführung. Die Pirmasenser
standen nämlich zunächst 10 Minuten alleine
auf dem Platz, von den Hausherren weit und breit
nichts zu sehen. Des Rätsels Lösung: der
Schiri hatte vor dem Spiel darauf bestanden,
dass die Heimmannschaft die Trikots wechseln
möge, der Koffer mit den Ausweichtrikots war
aber abgeschlossen, und der dazu gehörige
Betreuer musste erst von der Würstchenbude weg
geholt werden.
Ein Abwehrspieler von Wirges machte das 2:0 und
wurde nach dem Spiel befragt, ob er jetzt nicht
auf Stürmer umsatteln wolle. Antwort des
Spielers, einer Mischung aus Erkan und Stefan
mit dazu gehörigem „Dialekt“: „Isch habe
Trainer gesagt, er soll mich konkret vorne
spielen lassen, isch kann das, nit wie die
Gurken da vorne“ Schön, dass hier auch noch
eine durchaus kritische Bewertung der eigenen
Mannschaftskameraden erlaubt ist, ohne dass man
sich Gedanken über seinen Stammplatz machen
muss. Das Schlagwort „intern geregelt“
existiert hier aller höchstens, wenn man sich
in der Kabine darauf einigt, wer nach dem Spiel
die erste Runde bezahlt.
Wie so etwas von Profis gemanagt wird, zeigte
anschließend Norbert Nachtweih. Sein
Mannschaftskapitän flog nämlich kurz vor der
Pause vom Platz, als er einem Gegenspieler, der
ihm, von einem anderen FKPler gefoult, vor die
Füße fiel, mal eben kurz gegen den Kopf trat.
Da hatte er wohl den Sponsor der Heimspiele von
Wirges zu sehr verinnerlicht („Metzgerei
Hermes präsentiert Ihnen...“) und bereits zur
Notschlachtung angesetzt. Im Interview klang
Nachtweih dann so, wie Bundesliga-Manager es
gerne haben: tausend Floskeln, aber keine
Erklärung. Was hätte wohl Prinz Eisenherz, der
Gerry vom Beginn des Artikels, auf die Nachfrage
zu seinem Kapitän gesagt? Wahrscheinlich:
„Hau mir ab mit dem Arsch!“ oder eine
ähnlich griffige Formulierung.
Zu guter Letzt gab es noch das 1:1 des TuS Mayen
gegen die FSV Mainz 05 Amateure, von dem nichts
weiter erwähnenswert ist außer dem Spielfeld,
ein Kunstrasenplatz, der anscheinend als
Mehrzweck-Sportplatz verwendet wird, was dazu
führt, dass auf dem Spielfeld ein derartiges
Sammelsurium von unterschiedlichen Linien für
wahrscheinlich zehn verschiedene Sportarten
gezogen ist, dass ich den Schiri und die Spieler
der Gästemannschaft für ihren
Orientierungssinn bewunderte. Ach ja, und noch
zwei Rote Karten für die Mainzer, was deutlich
werden lässt, welche Art von Spiel auch diese
Partie war.
Als Abschluss dann noch ein journalistisches
Highlight der besonderen Art, ein Interview mit
dem Torjäger des Oberliga-Abstiegskandidaten FV
Engers, Thorsten Schroll, für den Reporter kurz
„der Schrolli“. Der Schrolli will aus
beruflichen Gründen seine Karriere nach der
Saison beenden, deshalb das Interview. Die
folgende Frage des Reporters ist natürlich
wieder ein Zitat, die eigentliche Frage wurde
semantisch dermaßen geschickt platziert, dass
sie in Verbindung mit dem vorherigen Geschwafel
einen ganz neuen Sinn ergibt: „Man munkelt,
der Schrolli will nächste Saison aufhören. Du
bist jetzt gerade 30 geworden, da muss ich doch
fragen: stimmt das?“ Und der Schrolli hatte
die Frage auch genauso verstanden wie ich, er
versicherte nämlich zuerst, dass es wirklich
stimme, dass er 30 geworden sei. Sensationell.
Leider war die Sendung damit ebenso zu Ende wie
diese Nacherzählung. Mein Fazit: vergesst
„ran“, „Sportschau“, SAT.1, ARD,
premiere, DSF – TV T1 rules! Ein unglaublich
inkompetentes Team an Moderatoren und Reportern
sorgt für echte Sternstunden der
Fußball-Berichterstattung, soviel kann man bei
jeder „Ran“-Sendung gar nicht lachen, weil
da ja zwischendurch immer Werbung kommt. Und wer
sind Olli Kahn, Andy Möller oder Matthias
Sammer gegen die Schrollis, Dr. Doktors, Gerrys
und Zimbos der rheinland-pfälzischen
Fußball-Niederungen? Und, mein Gott: Fortuna
Düsseldorf, Fortuna K***, SW Essen, Wuppertaler
SV – uralte, verstaubte Namen! Glas/Chemie
Wirges, Langenhahn/Rotenbach oder Roßbach/Fährscheid
– das sind die Teams, denen die Zukunft
gehört! Mehr davon – und gleichzeitig die
Frage, ab wann wir so etwas bei „tv.nrw“
oder einem anderen regionalen Sender bewundern
können. Ich würde nur zu gerne „meine“
alte Wülfrather Thekentruppe auf Kalksandstein
mal im Fernsehen sehen, wie sie der
Spielvereinigung Radevormwald die Lederhosen
auszieht. Also: „Oberliga TV“ (so heißt die
Sendung nämlich) muss kommen!
Und dass die Jungs einen prima Job machen,
wissen sie selbst. Dies drückte auch der
Moderator aus, als er bei der Abmoderation für
Zuschauerbriefe warb, sich dann aber
verhaspelte, als es um die Begriffe „Lob,
Anregung, Kritik“ ging. Er wollte die
„Kritik“ dann doch nicht zu positiv
darstellen („Wir freuen uns über Ihre
Kritik“), korrigierte sich und endete dann wie
folgt: „Ihre Kritik liegt uns zwar nicht am
Herzen, wir würden uns aber trotzdem freuen,
von Ihnen zu lesen.“
Dem habe ich nichts, aber auch gar nichts
hinzuzufügen.
Kompetenzzentrum Informationstechnologie der
Bundeswehr Koblenz ermöglichte und
präsentierte Ihnen diesen Bericht von:
janus
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