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Ja, ich
bekenne es: die Saison der Oberliga Nordrhein 2002/03 ist für mich gelaufen. Die
letzten drei Spiele interessieren mich nur noch am Rande, obwohl es reizvolle
Partien sind, der Tabellen-3. und der Tabellenführer und designierte Aufsteiger
kommen noch zum Flinger Broich, es lockt zudem ein Auswärtsspiel in der Stadt
mit der komischen Kirche, bei dem wir den Gegner durchaus noch Richtung
Verbandsliga befördern können – es hätte also ein spannender Schlussspurt in
dieser Saison werden können. Na und? Interessiert keine Sau mehr. Die
Geschehnisse vom letzten Donnerstag und insbesondere von heute, da ich dies
schreibe (Dienstag, 06.05.2003) sorgen dafür, dass es wohl bis Saisonende keine
weiteren Gesprächsthemen geben wird. Aber der Reihe nach.
Zunächst
mal: danke, mein Urlaub in Ägypten war prima. Viel Sonne, viel Meer, tatsächlich
auch Kultur – alles drin in nur sieben Tagen. Und schön weitab vom Schuss. All
denjenigen, die von dem Angebot der Reisebüros Gebrauch gemacht haben, und
eventuelle Ägypten-Reisen im April umgebucht hatten aufgrund der großen
Massenvernichtungswaffen-Renovierung von Herrn Bush im Irak (hat nämlich
bestimmt schon welche gefunden und muss jetzt noch die Stempel „Made in USA“
abkratzen) auf Kosten einiger tausend Zivilisten, die dämlich genug waren, da
auch noch wohnen zu wollen, darf ich sagen: das gefährlichste Ereignis in meinem
Urlaub war, als mir beim Beobachten von Wasserschildkröten in ihrem Element
selbiges versehentlich in den Schnorchel geriet. Ansonsten nix. Achja, und noch
ein Tipp: wer nach Ägypten möchte, sollte Hurghada meiden. Dann lieber zum
Ballermann, sieht genau gleich aus, läuft auch dasselbe Volk rum, ist aber
billiger. Fürchterliche Stadt, musste ich aber zum Glück nur am Abflugtag
erleben.
So, nun
aber zum Fußball. Durch diesen Urlaub und die diesbezügliche Nachbereitung
gingen mir leider zwei Spiele der Fortuna durch, die aber dem Hörensagen nach so
was von langweilig waren, dass ich nicht viel verpasst zu haben schien. Zunächst
gab es ein 2:0 bei der A-Jugend von Fortuna Köln, oder wen dieser insolvente
Verein, der sich von Termin zu Termin hangelt (jetzt sind wir schon bei Ende Mai
gelandet), sonst noch so im Aufgebot hatte. Frank Mayer erzielte beide Treffer
bereits in den ersten 10 Minuten, danach erfreute sich alles, inklusive Spieler,
anscheinend am guten Wetter und war froh, als diese lästige Pflichtübung vorbei
war. Bemerkenswert war noch, dass Fortuna Köln in der 2. Halbzeit den
Ersatztorwart einwechselte – als Feldspieler, sie hatten keinen anderen mehr. So
verabschiedet sich die Mannschaft, die in der Hinrunde ganz klar den schönsten
Fußball spielte. Aber anscheinend gibt’s in der nächsten Saison ein Wiedersehen,
denn es scheinen wohl in Köln Investoren aufgespürt worden zu sein, die ein
Überleben des Vereins sichern können. Erstmal abwarten, das haben schon andere
gesagt.
Danach
kam die SSVg Velbert zum Gastspiel an den Flinger Broich und gewann dank der
Treffer der Ex-Fortunen Gensler und Lesniak 2:0. Das interessierte aber nun
wirklich niemanden mehr, da es ja zwei Wochen später, am 1. Mai, gegen denselben
Verein im ARAG-Pokal-Finale (Verbandspokal Niederrhein) um den Einzug in die 1.
DFB-Pokal-Hauptrunde ging. Ich habe ja schon früher mal geschrieben, dass ich
beim besten Willen nicht verstehe, wieso für ein solches Finale einer der beiden
Finalteilnehmer Heimrecht zugelost bekommt. Nun, mittlerweile weiß ich es, der
FVN macht das deshalb, weil er bei zwei unattraktiven Mannschaften auf neutralem
Platz kein „Geisterspiel“ haben möchte. Ich bin sicher, nach dem 1. Mai 2003
werden sie ein solches Spiel im nächsten Jahr herbei sehnen.
Ausgangslage war folgende: es waren insgesamt 6.000 Karten in Umlauf gegeben
worden, 3.000 davon gingen an die Geschäftsstelle von Fortuna. Die waren knapp
zwei Wochen vor dem Spiel ausverkauft. Die 3.000 in Velbert aber noch lange
nicht. Deshalb machten sich die motorisierten oder buskundigen Fortunen auf den
Weg nach dort und kauften ihre Tickets direkt vor Ort, so dass ich schätzen
möchte, dass vor dem Spiel ca. 4.000 Fortuna-Fans im Besitz von nicht
unterteilten Eintrittskarten waren. Dies war in Velbert und bei der Polizei auch
bekannt.
A propos
Polizei: zuständig für die Sicherheit bei diesem Spiel war natürlich die Polizei
des Kreises Mettmann, dem Velbert angehört. Aus dem Polizeipräsidium in
Düsseldorf kam zwar das Angebot, den Kollegen helfend unter die Arme zu greifen,
dies wurde jedoch abgelehnt. Klar, wer will schon dem Großen Bruder so etwas
überlassen, der sowieso alles besser weiß? Auch hatten die Velberter im Traum
nicht daran gedacht, ordentlich Polizei anzufordern, obwohl bekannt war, wie
viele Fans anreisen würden sowie dass sowohl einige verwirrte Düsseldorfer als
auch einige noch verwirrtere Velberter (die ja eindeutig eher der rechten
Minderheit dieses Landes zuzuordnen sind) am Tatort eintreffen würden,
schließlich hatte man sich ja schon im Oktober nach einem völlig unwichtigen
0:0-Hinrunden-Gekicke liebevoll auf der Hauptstraße vor dem Stadion „umarmt“.
Die Polizei wiederum, die das Spiel in ein anderes Stadion hätte verlegen
können, drückte anscheinend bei der Besichtigung dieser Bruchbude beide Augen
zu. Nur so kann ich mir erklären, was um 14.40 Uhr vor dem und im Gästeblock
geschah.
Den
Gästeblock (Gegengerade) erreichte man über einen einzigen steilen, abschüssigen
asphaltierten Weg inmitten eines Wohngebietes, der in ein einziges geöffnetes
Tor von der Breite meiner Wohnzimmertür mündete. Hier wurde versucht,
Einzeleinlass mit Kartenabriss und Personenkontrolle durchzuführen. Der Block
fasste allerdings, wohlwollend geschätzt, vielleicht 3.000 Personen. Eine halbe
Stunde vor dem Spiel war er voll (und ich froh, dass sich endlich mal meine
frühe Anreise gelohnt hatte). Nichtsdestotrotz warteten draußen noch mehrere
hundert Fortuna-Fans mit Eintrittskarten, die selbstverständlich nicht zum
Absingen der 1. Strophe der Nationalhymne im Velberter Block gezwungen werden
wollten. Da dies bei Velberter Offiziellen oder der Polizei jedoch niemanden so
recht interessierte, wurden die Leute weiter in den Block gepresst und es kam,
was kommen musste: vorne gings nicht weiter, von hinten wurde geschoben, das
Kassenhäuschen wurde als erstes aus dem Weg geräumt, dann der Zaun zum Eingang
eingedrückt, Hillsborough ließ grüßen, es gab einige Verletzte, Polizei war
nicht zu sehen, die Ordner suchten das Weite, mit der Folge, dass auch noch
etliche Leute ohne Karten in den Block gelangen konnte.
Aber
damit ging der Spaß erst richtig los. Da alles in den Block nachdrängte, dieser
jedoch voll war, wurde auf der linken Seite des Blocks der Zaun eingedrückt,
damit die Leute auf die daneben liegende Stehtraverse gelangen konnten, die
leider über keinerlei Absperrung zum Spielfeld verfügte, und hinter dem einen
Tor praktischerweise genau im gegenüber liegenden Block der Velberter endete.
Ich darf in diesem Zusammenhang auf die Fotos von
www.super-fortuna.de verweisen, wer sich die mal angeguckt, findet eine
Bestätigung meiner Beschreibung, insbesondere was den Zugang zum Block betrifft.
Tja, und
wenn es nur bis hierhin gekommen wäre, hätte man sagen können: danke Polizei,
danke SSVg Velbert, für dieses mir einmalige Erlebnis, zum ersten Mal in 25
Jahren Stadionbesuch im Stadion selbst leicht Angst bekommen zu haben. Dies war
nämlich einzig und allein auf die mangelnde Organisation zurückzuführen, da die
entscheidenden Fakten alle bereits mehrere Tage vor dem Spiel bekannt waren. Die
einen hatten dieses Spiel gewaltig unterschätzt, die anderen wollten ein
bisschen Geld sparen und deshalb nicht so viele von den einen im Stadion haben –
Augen zu und durch! Kostenminimierung auf Kosten der Gesundheit der Zuschauer.
Dass dabei „nur“ ein gebrochener Arm als schwerste mir bekannte Verletzung
heraussprang, ist reiner Zufall, es waren auch vielen kleine Kinder dabei, von
denen einige von anderen Fans unter den eingedrückten Zäunen weggezogen werden
mussten.
Aber nun
wollten einige Gestalten der Partie auch ihren Stempel aufdrücken. Sicherlich
gereizt durch die Zusammenpferchung und die unglaublichen Verhältnisse im Block
(ich sag nur: 7 Dixie-Klos für 4.000 Zuschauer!), aber auch weil es wochenlang
vorher ebenfalls schon angekündigt war, begaben sich einige Mutanten, die schon
immer mehr erlebnisorientiert als sportinteressiert waren, durch den zerlegten
Zaun über die Stehtraverse zum Velberter Block, um dort mal einige Erinnerungen
aufzufrischen, wobei allerlei Gegenstände in den Block hinein flogen. Polizei:
Fehlanzeige. Die beeilte sich hinterher, auf ihrer eigenen Homepage das
Verhalten der Velberter Fans als „besonnen“ zu loben. Da kann ich ja nur lachen.
Erstens wäre ich auch ziemlich besonnen, wenn eine Horde Randalierer auf mich
zustürmen würde, zweitens konnte selbst auf die Entfernung der ein oder andere
Baseballschläger ausgemacht werden, der dort drüben in aller Ruhe ausgepackt
wurde. Aha, bei uns Einzeleinlass mit Personenkontrolle, und dort drüben
handliches Schlagwerkzeug. Da es sich bei diesen Gestalten allerdings um
Mitglieder diverser „Fanclubs“ handelte, haben sie die Sachen vielleicht
ordnungsgemäß als „Arbeitsgerät“ angemeldet und so mit ins Stadion bekommen? Ich
für meinen Teil hätte mir gewünscht, dass dort drüben auch mal ein Blocktor so
leicht aufgeht, dann hätten sich nämlich die richtigen gegenseitig ordentlich
auf die Fresse hauen können. So musste die im Trimm-Trab herbei geeilte Polizei
die Blockseite frei halten, was natürlich nicht ohne Provokationen von beiden
Seiten abging.
Als die
Mannschaften das Spielfeld betraten, schickte der Schiri diese postwendend
wieder in die Kabine, da immer noch ca. 200 Leute auf der Stehtraverse zwischen
den beiden Blöcken standen. Das Spiel begann mit einer Dreiviertelstunde
Verspätung, weil die Velberter erst weitere Hundertschaften inklusive BGS herbei
telefonieren mussten! Das nenne ich vorausschauende Planung, die Partie stand ja
auch erst seit dem 01.03. fest! Dann der Hammer des Tages, gegen den wirklich
alles verblasste, nämlich die Durchsage des Einsatzleiters der Polizei, nachdem
die Verstärkung eingetroffen war: er sagte über Lautsprecher, dass das Spiel in
zehn Minuten beginnen würde. Die Verspätung begründete er damit, Zitat: „Wir
haben mit einem solchen Andrang nicht gerechnet!“ Klar, 6.000 Karten verkauft,
aber weil Velbert so eine hässliche Stadt ist, kommen nur 3.000 – so rechne
vielleicht ich als Ex-Nachbar dieses Schandflecks im Bergischen Land, aber dass
die heimische Polizei anscheinend schon genauso kalkuliert, sollte den
Stadtvätern dann doch zu denken geben. Für mich schon jetzt der Satz des Jahres,
der aber merkwürdigerweise am nächsten Tag in keiner der regionalen Zeitungen
auftauchte, bei denen war dann der komplette Fortuna-Anhang Schuld, also alle
4.000 Leute, die dumm genug waren, zu glauben, in diesem Stadion würde man Platz
finden, da sie im Besitz der entsprechenden Eintrittskarten waren. Wobei ich
eins ganz klar sagen möchte: diese knapp 50 Mann, die tatsächlich randalierten
und das ganze wahrscheinlich mit Suff, „Fortuna!“, Provokationen, Emotionen und
unglücklicher Kindheit erklären würden (wenn man sie denn festgenommen hätte),
die kann man meiner Meinung nach ruhig mal eine Zeitlang wegsperren und den
Schlüssel wegwerfen. Ich würde sie nicht vermissen. In die Zelle nebenan kämen
bei mir aber dann auch einige Offizielle des Gastgebervereins, die unverdrossen
nach dem Motto „Platz ist in der kleinsten Hütte“ 4.000 Leute in einen
3.000-Zuschauer-Block hinein pressen wollten, auch als sie sahen, dass es
wirklich nicht mehr ging. Oder die Herrschaften des Verbandes, die sich trotz
des Wissens, dass sich hier kein „Geisterspiel“ anbahnen würde, nicht von ihren
Statuten abbringen ließen und das Spiel nicht an einen neutralen Ort
zwangsverlegten (Wuppertal, zum Beispiel, ist von beiden Städten hervorragend
binnen dreißig Minuten zu erreichen und hat ein 30.000 Zuschauer fassendes
Stadion). Das heißt nee, in einer Gefängniszelle hätten diese Schlipsträger ja
noch richtig viel Platz im Vergleich zu uns an diesem schönen 1. Mai. Da müssten
wir dann schon auf 10-15 Personen aufstocken, damit das event feeling eines
ARAG-Pokal-Endspiels auch diesen Herren zugänglich gemacht wird.
Ach ja,
Fußball gespielt wurde auch noch, in der ersten Halbzeit aber fast nur als
Nebensache, da neben allen anderen geschilderten Begleitumständen auch das
Wetter mal wieder „echt bergisch“ war, vier dicke Schauern in der ersten
Halbzeit, Platzregen mit Hagel (!), sorgten für weitere Verstimmung, zumal die
Herrschaften, die vor mir residierten, alle diese praktischen Familienschirme
dabei hatten. Einmal aufgeklappt und zack! konnte ich den Spielverlauf nur noch
erahnen. Eingeschränkt wurde die Sicht zudem noch von ca. 200 Damen und Herren
der Grünen Fraktion, die an der Seitenauslinie längs unseres Blocks Aufstellung
genommen hatten und auch nach Aufforderung nicht Platz nehmen wollten.
Immerhin,
das was ich sehen konnte, sah nach einem guten Fußballspiel aus. Fortuna war die
bessere Mannschaft, aber es kam, wie es kommen musste: erst traf Tytarchuk nur
die Latte, dann köpfte Schön knapp vorbei, dann biggelte uns mit Andreas Gensler
wieder mal ein Ex-Fortune mit dem Knie (!) den entscheidenden Treffer in der 51.
Minute rein, dann blieb ein Ball von Mayer im Matsch auf der Torlinie stecken,
und dann war das Spiel aus, die SSVg Velbert zum ersten Mal in ihrer Geschichte
im DFB-Pokal und wir standen, wie üblich, mit leeren Händen und pitschnass
da...diesen 1. Mai konnte man durchaus mit dem Schlagwort „Tragödie“ abbuchen.
Wobei an einem solchen Tag selbst noch das Siegtor Anlass zu reichlich
Diskussionen gab: auf der rechten Angriffsseite der Velbert stießen zwei Spieler
zusammen, der Schiri zeigte deutlich weiterspielen an, aber da es denn Assi auf
dieser Seite in diesem Moment unter dem rechten Arm juckte, hob er sein
Fähnchen, woraufhin der Schiri seine Entscheidung korrigierte und Freistoß gab.
Und das, obwohl mindestens zehn Polizisten in unmittelbarer Nähe des Assis
standen! Hätten die den nicht kurzerhand wegen Störung der öffentlichen Ordnung
(denn das Spiel lief ja ordnungsgemäß weiter) einkassieren können? So kam es,
wie es kommen musste, die anschließende Freistoßflanke verwertete Gensler mit
einem der Körperteile, die man gemeinhin zum Fußballspielen nicht braucht, und
das war’s dann.
Velbert
hat nun den ARAG-Pokal sowie ein renovierungsbedürftiges Stadion, der DFB
hoffentlich die Gewissheit, dass in diesem Stadion nie wieder ein solches
„Großereignis“ ausgetragen werden darf. Was passiert da eigentlich, wenn in der
1. Runde Schalke kommt? Das war in allen Belangen ein Trauerspiel an diesem 1.
Mai.
Erheiternd wirkt auf mich wenigstens noch die Stellungnahme eines Velberters in
einer der zahlreich Internet-Foren, in denen über das Spiel immer noch
diskutiert wird: der meinte nämlich, Fortuna Düsseldorf sollte aufgrund seiner
rabiaten Fans (aller 4.000 wohlgemerkt!) endlich mal in die Kreisliga C
strafversetzt werden. Wenns danach ginge, wüsste ich von ihm gerne mal, wo er
die treudeutschen Velberter Kampfgenossen und den dazu gehörigen Verein nach
diversen Vorkommnissen in den letzten Jahren einordnen würde – Kreisliga F
gibt’s in Nordrhein-Westfalen leider noch nicht.
Mit
diesem Spiel war die Saison gelaufen, so denken viele. Alles in den letzten
Wochen war nur auf dieses Spiel gerichtet, jetzt ist es verloren, die Saison
kann abgepfiffen werden. Schön, dass Trainer und Mannschaft dies anders sahen
und nur drei Tage später geradezu sensationell auf dem Bökelberg 2:1 gegen
Gladbachs Amateure gewannen (Tore durch Hopp und Mayer), den Tabellen-2., der
sich noch Hoffnungen auf den Aufstieg machte. Okay, so sensationell war es
nicht, denn beide Teams zelebrierten bei schönstem Sommerwetter einen
ebensolchen Fußball, aber es war nicht unverdient, in der 2. Halbzeit war
Fortuna klar besser, Gladbach richtig schlecht. 1.500 Zuschauer sahen als
kleinen Nebeneffekt, wie wir ausgerechnet den Wuppertaler SV wohl zum Meister
und Aufsteiger machten, denn wenn die diesen Vorsprung jetzt noch vergeigen,
dann sind sie wirklich reif für die Anmeldung zur Kreisliga. Auch das kleine
Glücksgefühl, den WSV wieder mal als 2. der Abschlusstabelle begrüßen zu können,
ist mir also nicht vergönnt! Ich weiß, man kann nicht alles haben im Leben, aber
so wenig wie in dieser Saison sollte es wirklich nicht sein!
Dachte
sich auch der Vorstand und griff heute Mittag zum probaten Mittel: Trainer
Slavko Petrovic wurde drei Spieltage vor Saisonende entlassen. Das ist Fortuna!
Da legt der Mann im Herbst eine Serie von 11 Spielen ohne Sieg hin – und bleibt
im Amt. Da blamiert sich die Mannschaft bei den Unentschieden in Freialdenhoven
und Ratingen spielerisch bis auf die Knochen – der Mann bleibt im Amt. Da
verliert er das wichtigste Spiel des Jahres, in dem er zudem noch ziemlich
merkwürdig auswechselt – der Mann bleibt im Amt. Aber dann gewinnt er beim
Tabellen-2. – und wird gefeuert. Willi Entenmann und der 1. FC Nürnberg lassen
grüßen, wieder mal großes Kino in Düsseldorf.
Man kann
jetzt ellenlang hier darüber diskutieren, ob das gerechtfertigt ist oder nicht,
ob es zum jetzigen Zeitpunkt überraschend kommt oder nicht. Ich werde es mir
schenken, denn das Auftreten der Mannschaft, die Punktausbeute in dieser Saison,
durchaus mit Steigerung im Jahr 2003 (Platz 5 der diesbezüglichen Tabelle zur
Zeit), die Auswechselpolitik des Trainers oder die Tatsache, dass es nunmehr
heißt, er könne mit den jungen Spielern nicht umgehen, das alles kann sich ja
jeder so basteln wie er will, und wenn er/sie noch ein paar Anregungen dazu
braucht, kann man sich die prima im DiFo holen. Ich für meinen Teil finde es
schade, dass Fortuna anscheinend der Verein mit dem brüchigsten Geduldsfaden
aller Zeiten ist. Ich finde es auch deprimierend, dass hier wieder mal diejenige
Reißleine gezogen wurde, die fast alle sauber aus der Sache rauskommen lässt,
weil nun wieder einzig und allein der Trainer Schuld ist. Hätte vielleicht mehr
Elfmeter trainieren sollen, wäre mein Abgangssatz. Schade, dass er weg ist,
meine Meinung. Und das solls von mir zu diesem Thema dann auch gewesen sein.
Eingestellt wurde er von denselben Leuten, die ihn heute feuerten, weil er „das
schlüssigste Konzept vorlegen konnte“. Konsolidierung und Platz 5-8 im ersten
Jahr, Aufstieg im zweiten. Und nun? Fortuna ist 8. mit 43 Punkten, hat den
besten Zuschauerschnitt der Liga, hat das Pokalfinale erreicht, der Mann hat
alle Forderungen erfüllt. Das reicht aber hier nicht, weil nicht genug schöner
Fußball gesichtet werden konnte (wobei sich niemand ernsthaft fragt, ob das mit
dieser Mannschaft überhaupt möglich ist, es hat einfach so zu sein), wer sich
schon einen Oberbürgermeister im Aufsichtsrat eines Viertligisten leistet, der
muss in höheren Dimensionen denken. Also weg mit dem Mann, ungeachtet der
Tatsache, dass ihm noch zwölf Monatsgehälter zustehen, da er dummerweise sein
schlüssiges Konzept mit einem ebenso schlüssigen Zwei-Jahres-Vertrag
untermauerte. Vorläufig übernimmt Uwe Weidemann, momentan Trainer der
Verbandsliga-Mannschaft der Fortuna, das Traineramt, und dann darf man gespannt
sein, wer als Nachfolger im Sommer aus dem Hut gezaubert wird.
Ich hoffe
bloß, Aleks Ristic ist zu teuer. Denn wenn sie den hier noch mal anheuern, gehen
für mich wirklich die Lichter aus.
A propos
„Lichter aus“: Na, Lust auf einen Fußballverein? Der 1. FC Union Solingen, einer
unserer Gegner in dieser Saison, verkauft sich selbst nämlich im Internet. Kein
Witz, bei ebay unter der Artikelnummer
3607291744
könnt ihr bis
15.05., 14.08 Uhr, die Marketingrechte des 1.FC Union Solingen ersteigern,
inklusive 210.000 Euro Verbindlichkeiten, mit denen die Rechte noch belastet
sind. Artikelbeschreibung siehe dort, die beigefügten Fotos von der „vollen
Hütte“ Hermann-Löns-Stadion stammen natürlich aus dem Spiel gegen Fortuna. Zum
jetzigen Zeitpunkt, da ich diesen Artikel in den PC hämmere, liegt das höchste
Gebot bei 350.000,00 €. Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Und wenn es sich
für den Käufer lohnt, bitte eine kleine Spende an den Bonner SC. Wie ich gestern
in der Zeitung lesen durfte, hat die Sparkasse dort die Gehaltsschecks des
Präsidenten, Sponsors und Alleinherrschers mal wieder einkassiert – und zwar die
für Februar. Und ob der Trainer da noch mal (wie im letzten Artikel berichtet)
in die Privatschatulle greift? Was für eine Liga...
So, jetzt noch die drei letzten Spiele gegen Adler Osterfeld,
Viktoria Köln sowie die Aufstiegsfeier des WSV abbacken, dann kommt noch ein
besonderer Termin: am 29.05. stehen sich im Flinger Broich die jetzige
Oberliga-Mannschaft und die der Saison 1993/94 (die damals den Aufstieg in die
2. und anschließend den Durchmarsch in die 1. Liga schaffte) gegenüber, zum
sogenannten „Mythos-Spiel“. Die Partie dient einem guten Zweck, nämlich Fortuna
Düsseldorf, soll also ein paar Euro in die leeren Kassen spülen. Wer von euch in
der Nähe wohnt und Lust hat, unsere damalige Rentnerband mit so legendären
Gestalten wie Vlatko Glavas, Petr Rada, Ralf Voigt und vielleicht sogar Georg
Koch anzuschauen, ist herzlich eingeladen. Und da wir nicht die SSVg Velbert
sind, gibt’s wohl auch keine Probleme beim Einlass.
Ohne Pokal, ohne Trainer, ohne alles: janus
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