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Intermezzo: Von einem Testlauf mit
Richtfestcharakter
Okay,
okay, ich hatte zwar angekündigt, dass bis zu meinem nächsten Beitrag noch etwas
Zeit vergehen würde. Aber da wir gestern ein Aufsehen erregendes Event hatten,
das derzeit Tagesgespräch in allen Gazetten rund um Düsseldorf und teilweise
sogar darüber hinaus ist, komme ich nicht umhin, auch hier mal schnell darüber
zu berichten. Man will ja wenigstens einmal quasi tagesaktuell berichten.
10.09.2004: erstes Spiel der Fortuna in der neuen Multifunktionsarena
Düsseldorf. Um dieses Spiel hatte es bereits im Vorfeld viel Wirbel gegeben. Die
Arena ist noch gar nicht fertig, offizielle Einweihung ist erst im Januar 2005.
Aber Fortuna durfte vorher schon mal gucken, wie es sich denn so anfühlt,
zumindest in einem erstklassigen Stadion zu spielen. Beziehungsweise in einer
Arena. Dies wird von den Betreibern immer wieder gerne betont. Es handelt sich
um eine Multifunktionsarena, in der nebenbei auch Fußball gespielt werden kann.
Mit diesem Argument wurden übrigens von Anfang an keinerlei Stehplätze auf den
Rängen eingeplant. Im Innenraum stehen schließlich genug Leute rum, das muss
reichen. Das wiederum passt natürlich einigen Fans nicht, was diese gestern mit
einem Spruchband „Pro Stehplätze“ auch deutlich zum Ausdruck brachten.
Auch
ansonsten haperte es ein wenig mit der Organisation vor dem Spiel. Wer wann wie
und wo seine Dauerkarte vom Flinger Broich in eine Arena-Karte umtauschen
konnte, blieb ziemlich lange im Dunkeln. Den Dauerkartenbesitzern wurden dann in
den einzelnen Blöcken die Plätze zugewiesen, was zur Folge hatte, dass sie, wenn
sie noch Bekannte und Verwandte zum Spielbesuch animiert konnten, diese leider
nicht neben sich unterbringen konnten, sondern irgendwo anders im Stadion.
Diejenigen, die keine Dauerkarte haben, hatten dann noch etwas mehr Pech: die
Kartenpreise für dieses Drittliga-Spiel lagen zwischen 15 und 30 Euro. Der
allgemeine Aufschrei dagegen wurde vom Arena-Chef in einem Zeitungsinterview mit
dem Satz „Ich kann die Aufregung gar nicht verstehen, die Preise sind doch noch
moderat“ kommentiert, klares Anzeichen dafür, dass die Preise noch
Entwicklungspotenzial nach oben besitzen. Dann konnte man online Tickets
bestellen, deren Blocknummer sich auf dem ebenfalls online verfügbaren
Belegungsplan leider an ganz anderen Stellen befanden wie in der realen Arena.
Wenn dies nicht rechtzeitig bemerkt worden wäre, hätte es einigen Besuchern
wenigstens eine lustige Schnitzeljagd vor dem Spiel garantiert. Die gab es
trotzdem, aber dazu später mehr.
Auf
Intervention der Fortuna, die an diesem Abend auch nur Gast war, Veranstalter
war der Arena-Betreiber, kamen dann wenigstens noch einige Tickets für 10 Euro
in den Umlauf. Diese wurden aber bevorzugt zum Gegner nach Berlin abgegeben, um
von dort noch einige Fans anzulocken. Denen passte der Termin nämlich auch nicht
besonders, klar, freitags nachmittags nach Düsseldorf, das kriegt auch nicht
jeder hin. Überhaupt, Berlin: diese Partie wäre ja eigentlich erst am 12.
Spieltag fällig gewesen. Normalerweise hätten wir gestern Abend gegen die
Amateure des 1.FC Geißbock antreten sollen. Die hatten aber abgesagt, weil sie
einen oder zwei Spieler ihres Teams an diesem Wochenende für den U20-Länderpokal
in Duisburg abstellen mussten. Ich warte ja immer noch auf eine logische
Erklärung, warum dies die Amateur-Mannschaften von Bundesligisten dazu
berechtigt, Spiele verlegen zu lassen. Wegen mangelnder Chancengleichheit kann
es nun wirklich nicht sein. Schließlich liefen die Kölner am letzten Samstag
beim Duell mit der Dortmunder Reserve schon mit fünf Profis auf. So mussten die
Berliner herhalten, die an diesem Wochenende eigentlich spielfrei gehabt hätten.
Die fühlten sich, wie ich finde, nicht ganz zu Unrecht, ein wenig „missbraucht“,
da sie am 1. Spieltag schon für die Neueröffnung des Berliner Olympiastadions
beim Spiel gegen Hertha BSC Amateure als „Eröffnungsfans“ eingekauft wurden,
ohne gefragt zu werden, mit der Folge, dass sie so ein lustiges Vorspiel
bestreiten durften, bevor der Main Act Hertha BSC die Bühne betreten durfte. Man
sieht, die Stimmung war vor dem Spiel nicht die beste.
Das Kind
hatte zuvor viele Namen: von einem Soft Opening wurde gesprochen, von einer
Pre-Premiere, ich persönlich sah gestern Funktionspersonal, auf deren Ausweis
beide Worte sprachlich genial zusammen gezogen wurden, Pre-Opening also, und der
Arena-Betreiber selbst beehrte uns einige Wochen vor dem Spiel noch mit den
Worten, es handele sich um einen Testlauf mit Richtfestcharakter. Man wolle mal
so sehen, wo es noch Mängel gebe und wie diese abzustellen seien. Nun, wenn sie
dies Ernst gemeint haben, dann müssten sie nach gestern Abend eine ellenlange
Liste ihr Eigen nennen.
Um eins
vorweg zu nehmen: die Arena war ausverkauft, das heißt, so weit wie zum
derzeitigen Zeitpunkt baupolizeilich zugelassen. 38.123 Zuschauer bedeuten
Rekord für ein Spiel in der Regionalliga Nord. Es standen noch etliche Zuschauer
vor dem Eingang, die keine Karten mehr bekamen (allein am Spieltag wurden an den
24 Kassen vor der Arena noch 14.000 Tickets verkauft). Es standen allerdings
beim Anpfiff auch noch etliche Zuschauer vor der Arena, die sehr wohl Karten
hatten, aber noch nicht bis zur Spielstätte vorgedrungen waren. Schuld daran war
ein komplettes Verkehrschaos bei der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln,
die auf die Menschenmassen allem Anschein nach nicht eingerichtet waren und
zusätzlich – wenn’s schon schief geht, dann auch richtig – noch unter einem gut
einstündigen Stromausfall der Oberleitungen zu leiden hatten. Aber getreu dem
Motto, das ich eigentlich nur von der Deutschen Bahn AG kenne: Hauptsache, die
haben bezahlt, wie die von A nach B kommen, kann uns ja egal sein, wurde das
Spiel pünktlich um 19.30 Uhr angepfiffen. Es hatte fast den Eindruck, die
wollten nicht so viele Zuschauer auf einmal auf dem Gelände haben. Dazu trug
auch die pfiffige Maßnahme bei, für 38.000 Zuschauer genau zwei Einlassbereiche
zur Verfügung zu stellen. Wie sich das auf diejenigen auswirkte, die 30 Euro für
ein Drittligaspiel hingelegt hatten und nun erst eine halbe Stunde nach Anpfiff
in die Arena kamen, kann man sich lebhaft vorstellen.
Mit dem
Auto war es hingegen endlich wieder wie in alten Rheinstadion-Zeiten: da die
Parkplätze am Rheinufer zum Teil aus mir nicht bekannten Gründen gesperrt waren,
wurde ein Großteil der Wagen auf die Parkplätze des alten Rheinstadions
umgeleitet. Wie hatte ich das vermisst: endlich mal wieder drei Euro für’s
Parken bezahlen, hinterher die Karre in dem unübersehbaren Blechchaos nicht
wiederfinden, weil an der Beleuchtung der Parkflächen auch gespart wurde und
anschließend über eine Stunde brauchen, um vom Parkplatz wieder runter zu
kommen, weil für die riesigen einzelnen Parkfelder jeweils nur eine
Abgangsstraße zur Verfügung steht. Da konnten einem schon mal Tränen der
Nostalgie in die Augen schießen.
Nachdem
man jedoch Eingang und Sicherheitskontrolle passiert hatte, war das Gröbste
geschafft. Die einzelnen Blöcke sind übersichtlich und gut ausgeschildert,
Fragen dürfte es da keine geben. Und wenn doch, war das mal wieder Pech für die
Zuschauer. Die netten Damen, die an den einzelnen Aufgängen postiert waren,
bekannten nämlich freimütig, „nur von Farben Ahnung“ zu haben. Dies bezog sich
auf die stolzen Besitzer von Arbeitsausweisen, deren fachliche Zuständigkeiten
und Genehmigungen auf einer auf dem Ausweis befindlichen Farbpalette angekreuzt
waren, deren Bedeutung dann auf der Rückseite erläutert wurde. Da wussten die
Mädels Bescheid, bei allem anderen leider nicht. Aber hier soll ein Lob nicht
verschwiegen werden, eine der aparten Damen in dunklen Kostüm gestand zwar
lächelnd: „Ich hab etwas den Überblick verloren“, allerdings bemühte sie sich
auch wirklich, ihn wiederzufinden und man wurde nicht mit einem Achselzucken und
einem geraunzten: „Weiß ich auch nicht.“ abgespeist.. Die gaben sich wirklich
alle Mühe. Dafür einen aufrichtigen Dank.
Schon
weniger nett war, dass an einem Einlass Kameras einkassiert wurden, weil
Fotografieren angeblich nicht gestattet sein sollte, allerdings eben nur an
diesem einen Einlass (Tausende hatten ihre Kameras mit im Stadion), und an einem
anderen Durchgang Rucksäcke und Handtaschen mitsamt Inhalt einkassiert und in
einem Container mit Aufschrift „Fundbüro“ gelagert wurden, wo es nach dem Spiel
bei der Rückgabe aufgrund der dort anstehenden Menschenmassen und des etwas
überforderten Personals zu turbulenten Szenen kam.
Im
Inneren der Arena ist noch vieles Baustelle, nackter Beton glänzt neben ebenso
nackten Holzgeländern, aber das sieht nur lustig aus und stört mich persönlich
eigentlich weniger. Auch die Verpflegungsstationen, die ich gemäß dem neben
jeder Theke angebrachten Schild jetzt auch nicht mehr „Würstchenbude“ sondern „Counter“
nennen darf, mussten noch improvisieren. Bratwurst wurde gar keine ausgegeben,
sondern nur Bockwurst und eine daraus zusammen gestückelte Currywurst zu 2,-
Euro, über die ich lieber schweige, dazu noch Brezeln und Süßigkeiten. Zum Glück
war Herbert Grönemeyer nicht vor Ort, der soll nämlich mit seinen fast schon
ausverkauften Konzerten am 07./08.01.2005 die Arena offiziell einweihen. Wie er
dann aber seinen Hit „Currywurst“ schmettern soll, ohne dass ein Haufen
aufgebrachter „Bochum“-Fans anschließend sofort den Counter zerlegt ob dieser
Fälschung, die da angeboten wird, ist mir allerdings nicht ganz klar. Aber das
ist sicherlich steigerungsfähig, da will ich die Messlatte nicht allzu hoch
ansetzen. Altbier wurde nicht ausgeschenkt, sondern nur alkoholfreies Pils, was
in Düsseldorf eigentlich verwundern sollte, aber nicht tut, da es sich um
diejenige Brauerei handelt, die einer der Sponsoren der Arena ist und daher auch
einer kompletten Hintertor-Tribüne ihren Namen gegeben hat. 0,5 Liter Cola für
3,- Euro ist okay (plus 1 Euro Pfand), aber diese großen Becher störten nicht
nur mich. Das ist wieder dieses typisch amerikanische Event Feeling. Ich will
mir doch nicht gleich einen halben Liter Flüssigkeit reingießen, und wenn ich es
mir ein wenig einteilen möchte, wird es schal. Kleinere Portionen wären durchaus
angemessen gewesen. Auch sollte man sich etwas wegen der Pfandbecher einfallen
lassen, die nur an den Buden selbst wieder abgegeben werden konnten, was zu noch
längeren Schlangen führte. Da sollte man vielleicht über die Einführung
zumindest eines „Extra-Counters“ pro Tribüne nachdenken.
Toilettenräume hingegen sind reichlich vorhanden, quasi alle zwanzig Meter lacht
einen so ein Schild an, sehr ordentlich. Trotzdem kam es auch hier in der
Halbzeit zu den üblichen Schlangen, weil die Bewegungsfreiheit des Einzelnen
nach rechts und links vor den Urinalen doch sehr großzügig bewertet wurde. Aber
natürlich kein Vergleich zum Flinger Broich, wo es zum Beispiel für die
komplette Westtribüne einen einzigen Raum gibt.




Arena-Impressionen
Betritt
man die Halle (das Dach war gestern offen), so ist man durchaus beeindruckt. Das
Teil sieht für jemanden, der die Fortuna in den vergangenen zwei Jahren nur auf
Oberliga-Spielplätzen gesehen hat, absolut gigantisch aus. Die Schalensitze
haben immer abwechselnd sämtliche Farben, die auf der Farbpalette zu finden
sind, eine psychologisch raffinierte Auswahl, denn dadurch sieht es auch bei
halb gefülltem Stadion so aus, als seien die restlichen Plätze ebenfalls
besetzt. Über bzw. hinter beiden Toren je eine elektronische Anzeigetafel,
leider war mir der Blick auf den größten Teil derselben verwehrt, weil ich ganz
oben unter dem Dach Platz nahm und das Dachgestänge den Blick auf die Tafeln
teilweise verwehrt. Dafür kann man hervorragend auf den Rasen hinunter sehen,
was ja wohl die Hauptsache ist. Auch ganz oben ist man nicht kilometerweit vom
Rasen entfernt wie noch im Rheinstadion, da die Ränge relativ steil nach oben
ansteigen und unten sehr dicht am Spielfeldrand abschließen. Die Klappsitze sind
halbwegs gemütlich, die Beinfreiheit ist leider etwas eingeschränkt, was einen
bedauerlichen Nachteil hat: nein, nicht, dass ich dafür einen Minuspunkt für
mangelnden Komfort verteilen würde, das ist mir bei einem Fußballspiel so was
von egal, aber es können in dem schmalen Zwischenraum zwischen besetztem
Klappsitz und davor befindlichem Geländer keine Leute vorbei gehen. Also muss
auch hier die ganze Reihe aufstehen, wenn jemand sich vom Gang aus auf Sitz 53
begeben will. Kaum sind alle aufgestanden, sieht die Reihe dahinter gar nix
mehr, wie im Kino. Schade.
Das
Vorprogramm, welches ab 17 Uhr laufen sollte, konnte ich mir schenken, aufgrund
der oben angeführten Anreisebedingungen war ich erst im Stadion, als sich beide
Teams schon warm liefen. Zum Show-Programm kann ich daher nix sagen, was aber
auch besser so ist, ist dies doch eine der Gegebenheiten, die ich auch in
fremden Stadien nicht sonderlich mag. Wenigstens waren keine Cheerleader zu
sehen.
Nach
einigen offiziellen Begrüßungsworten durften dann auch die Spieler endlich los
legen (nur zur Erinnerung: während noch einige Tausend Zuschauer draußen vor den
Eingängen standen), und nachdem das Spiel angepfiffen wurde, da vergaß man den
ganzen Ärger, denn die Akustik in dem Laden ist einfach atemberaubend, wenn die
Fans ordentlich Stimmung machen. Und dazu hatten sie auch allen Grund, denn die
Fortunen, sichtlich motiviert bis in die Haarspitzen, legten los wie die
Feuerwehr gegen einen, so schien es, ängstlichen und hypernervösen Gegner.
Zum Glück
dauerte es bis zur 20. Minute, ehe diese Überlegenheit auch in den
Führungstreffer umgesetzt werden konnte. Zum Glück für diejenigen, die zu spät
kamen, denn so bekamen wenigstens einige von ihnen noch dieses historische erste
Tor in der Arena mit. Wenn auch nur im Stehen, denn unter der Menge, die circa
eine Viertelstunde nach Anpfiff bei mir in den Block geströmt kam, waren einige,
auf deren Eintrittskarte groß und deutlich „Reihe 30“ aufgedruckt war. Diese
Reihe existiert aber auf der Westtribüne (noch?) nicht! Bei 29 oben unter dem
Dach ist Schluss, danach kommt nur noch eine Art breite Terrasse auf der man
stehen kann. Also nicht nur ein Zuschauerrekord sondern auch ein Eintrag ins
Guinness-Buch für die wahrscheinlich erste Arena, die Eintrittskarten mit
Platzangaben druckt, die noch gar nicht existieren. Immerhin durften sich diese
Leute irgendwo im Block ein freies Plätzchen suchen, was dann doch noch zur
eingangs erwähnten Schnitzeljagd führte, die nur selten von Erfolg gekrönt war,
da die übrigen Reihen ja gut besetzt waren. Diese Leute hätte man ja vielleicht
auch noch auf die anderen Blöcke verteilen können. Dazu hätte ihnen aber ein
Ordner etwas sagen müssen. Dies war aber nicht möglich, erstens weil das keine
Ordner mehr sind, sondern, wenn ich dem Aufdruck auf der Rückseite ihrer
T-Shirts glauben darf, „Scouts“, zweitens war kein einziger „Scout“ bei uns im
Oberrang zu finden, der die Leute hätte aufklären können. Etwas verwirrend, das
Ganze, und eindeutig steigerungsfähig.
Aber
zurück zum historischen ersten Tor. Fortuna-Trainer Morales hatte ein wenig
umgestellt nach der Niederlage in Kiel, für den bisher in der Meisterschaft
erfolglosen Stürmer-Neuzugang Marcel Podszus hatte er den bisher überhaupt
erfolglosen Stürmer-Neuzugang Gustav Policella gebracht. Und der Gustav, der bei
seinen bisherigen Kurzeinsätzen in der Liga durch eine, sagen wir, eher passive
Leistung aufgefallen war, nahm sein Herz in beide Hände und zeigte, warum er
dann doch die erhoffte Verstärkung werden kann, die er bisher nur ansatzweise
war. Noch nie gesehene Dinge konnten gesichtet werden: der kann den Ball
freiwillig abspielen! Der kann sogar gute Pässe schlagen! Und verdammt noch mal,
er kann sogar mal Zweikämpfe gewinnen! Eine ganz starke Vorstellung von
Policella, gekrönt mit dem 1:0 in der 20. Minute, als er nach einer Ecke von
Ndjeng mit dem Kopf schneller am Ball war als sein Bewacher und die Kugel per
Aufsetzer in den rechten Winkel setzte. Ein schönes Tor und dazu hoch verdient.

Gustav
macht’s. Policella netzt zum ersten Arena-Treffer für Fortuna ein.
Wie
überhaupt die gesamte Fortuna-Mannschaft sich stark verbessert zeigte und dem
Gegner keine Chance ließ. Der Zweitliga-Absteiger besaß in der erste Halbzeit
nicht eine einzige Gelegenheit, ja, er schoss auch nicht einmal aufs Tor! Dafür
glänzten sie durch eine eher rustikale Spielweise und Bundesliga-Schiri
Gagelmann, dem ich dieses Prädikat nach diesem Spiel eigentlich absprechen
möchte, drückte manchmal nicht nur beide Augen, sondern wahrscheinlich auch noch
alle Hühneraugen zu. Zwei glasklare Tätlichkeiten ließ er in der ersten Halbzeit
ungeahndet (wobei ich dem Herrn von Union aus Reihe 26 Sitz 5 gerne auf diesem
Wege zurufen möchte, dass auch der Versuch einer Tätlichkeit mit Rot zu ahnden
ist), bemerkenswert insbesondere die zweite, als Matthias Straub, ein Giftzwerg
der besonderen Art, dem am Boden liegenden Frank Mayer mit voller Absicht
kräftig auf das Schienbein stieg. Dies geschah unmittelbar vor den Augen des
einen Assis auf der Westtribünenseite, der auch hektisch mit seinem Fähnchen
wedelte, was Herrn Gagelmann, zwanzig Meter vom Geschehen entfernt, jedoch nicht
weiter interessierte, denn er hatte sowieso alles besser gesehen. Und dies war
nicht der einzige Fall, in dem er mit seinen Linienrichtern nicht konform ging,
der Mann scheint eine Anlage zum Alleinunterhalter zu haben. Dann ist er aber so
ziemlich im falschen Geschäft.
Wie
gesagt, in der ersten Halbzeit die Fortuna bärenstark, die Berliner schon
weniger als harmlos, mir fällt dazu allerdings auch kein weiteres Adjektiv ein.
Aber da Fortuna mal wieder gute Torchancen ausließ, konnte man zur Halbzeit auch
nur vorsichtig optimistisch sein, denn eine 1:0-Führung ist bei Fortuna ja
bekanntlich noch lange nicht die halbe Miete. Und fast, fast hätte es sich
bewahrheitet, direkt in der 46. Minute, mit dem allerersten Torschuss der
Berliner, 10 Meter rechts vor dem Tor, Drehschuss aufs lange Eck. Aber an diesem
Abend wollten auch die Berliner die Feierlichkeiten nicht weiter stören. Der
Ball strich Zentimeter am linken Eck vorbei, und es war die erste und letzte
Torchance der Hauptstädter in diesem Spiel, in dem sie auf ganzer Linie
enttäuschten.
Im
Gegensatz zu ihren Fans übrigens. Circa 650 von ihnen hatten den Weg in die
Landeshauptstadt gefunden, waren in der ersten Halbzeit ziemlich sprachlos ob
der Vorstellung ihrer Lieblinge, forderten dann „Wir wollen euch kämpfen sehen!“
und setzte dies, als sie sahen, dass es die Mannschaft nicht sonderlich
kümmerte, gleich selbst in die Tat um, indem sie fast die gesamte zweite
Halbzeit durchsangen. Eine starke Leistung, an der sich deren Mannschaft mal
schleunigst ein Beispiel nehmen sollte, damit es nicht ganz schnell noch ein
bisschen weiter runter geht. Die können sich ja mal bei uns erkundigen, wie
schnell so etwas gehen kann.
Aber
kommen wir doch zur 50. Minute, die Minute, die den Fußball-Fan das ganze
Kuddelmuddel, das rund um die Partie geherrscht hätte, vergessen ließ. Oder um
es mit einem dummen Spruch zu sagen: das war Fußball!
Freistoß
für Fortuna, circa 22 Meter vor dem Union-Tor. Fortunas neuer Regisseur Mariano
Pasini legt sich in seinem allerersten Heimspiel für den Aufsteiger den Ball
zurecht. Die Union-Mauer sortiert sich noch, da zirkelt Pasini die Kugel fast
aus dem Stand rechts oben in den Winkel. Klasse-Tor!
Aber
nicht für Herrn Gagelmann aus Bremen. Der hatte den Ball noch nicht frei gegeben
und fühlte sich heftigst übergangen. Und nachdem er zuvor schon bei der ein oder
anderen Blutgrätsche der Unioner Gnade vor Recht ergehen ließ, war dieses
Vergehen von Pasini so schlimm und Besorgnis erregend, dass er ihm direkt Gelb
zeigen musste. Ja, solche Selbstdarsteller sehe ich immer wieder gerne. Da
können bei irgendwelchen Grätschen bewusst Verletzungen des Gegners in Kauf
genommen werden – egal, Fußball ist ja ein Kampfsport. Aber wenn man mal nicht
auf den Pfiff des Schiris wartet – an die Wand! Peinlich, peinlich.
Pasini
bekommt also Gelb und fasst sich erst einmal fassungslos an den Kopf (zur
Erinnerung: in der Oberliga wäre er damit bei so manchem Schiri direkt vom Platz
geflogen). Dann aber denkt er sich wohl achselzuckend „Na und?“, legt sich die
Kugel ein zweites Mal zurecht und haut sie dann zur Abwechslung links oben in
den Winkel! Unglaublich, ein Sahne-Tor, und diesmal konnte auch Herr Gagelmann
beim besten Willen nichts dagegen sagen. Ganz großes Kino in der Arena!

Gute Haltungsnoten für Sejna,
aber die Kugel geht trotzdem rein – 2:0
Damit war
das Spiel natürlich entscheiden, es tat sich nicht mehr viel, die einen wollten
nicht mehr und die anderen konnten nicht mehr. Bemerkenswert noch, dass Andy
Lambertz mal wieder bester Fortune war, der Bengel ist derzeit in einer
Riesen-Form und spielt alles, manchmal inklusive sich selbst schwindlig, eine
famose Leistung, die in eine Auswechslung mündete, bei der er von einem Betreuer
gestützt werden musste, weil er so platt war! Ein großes Lob auch an Pasini, der
in seinem Heimdebüt alles gab und auch einige tolle Pässe spielte, deutlich zu
erkennen gab, dass er der erhoffte Regisseur im Mittelfeld werden kann und kurz
vor Schluss mit Wadenkrämpfen ausgewechselt werden musste. Und wenn er sich
heute wieder erholt hat, dann darf ihm mal jemand erklären, dass er ab Mittwoch
bis auf weiteres im Flinger Broich antreten darf. Ich hoffe, der glaubt das auch
und hält das nicht für eine Verarsche, dürfte ihm unsere „normale“ Heimstatt im
Vergleich zur Arena doch eher wie ein Trainingsplatz vorkommen.
Abschließend zum Spiel verleihe ich noch zwei „Arena-Eumels des Monats“ bzw.
direkt „...des Jahres“, da wir ja in 2004 nicht mehr dort auflaufen werden. Der
eine geht an Nicolaj Hust. Der Däne ist endlich Vater geworden (Glückwunsch
hierzu), und ich hatte ja im letzten Artikel diesbezüglich die Hoffnung
geäußert, dass er nun ein wenig ruhiger werden würde. Und dann das: kurz vor
Schluss für Pasini eingewechselt, rannte er von der Seitenlinie in die eigene
Hälfte, haute mit seiner ersten Berührung (nicht „Ballberührung“) direkt mal
einen Gegenspieler um und kassierte nach geschätzt 10 Sekunden auf dem Platz
Gelb. Dazu fällt mir vor lauter Kopfschütteln überhaupt nix mehr ein.
Ebenso
wenig wie zur Wertung von Gästetrainer Frank Wormuth nach dem Spiel. Der
Übungsleiter der bis dato eindeutig schwächsten Mannschaft, die ich in dieser
Saison gegen Fortuna haben spielen sehen, behauptete glattweg, der Fortuna-Sieg
sei unverdient gewesen, seine Mannschaft habe das Spiel in der zweiten Halbzeit
kontrolliert und Fortuna sei ja auch in der ersten nur so gut gewesen, weil
seine Spieler ihnen immer die Bälle in die Füße gespielt hätten. Ja, nee, is
klar. Bezeichnend, dass ihm niemand widersprach, wer so eindeutig das falsche
Spiel gesehen hat (und sehen wollte), den soll man nicht noch reizen. Aber etwas
ungläubig bin ich schon, wie man so etwas ernsthaft behaupten konnte. Sollte es
allerdings Ironie gewesen sein, gratuliere ich ihm aufs Herzlichste für den
gelungenen Gag.
Beim
Abmarsch vom Arena-Gelände kam es dann natürlich noch zum selben Chaos wie vor
dem Spiel, zwar kamen die Bahnen pünktlich und auch in ausreichender Anzahl, die
Fans wurden jedoch teilweise von den „Scouts“ durch ein derart ausgeklügeltes
Abwanderungssystem vom Verlassen des Geländes abgehalten, dass einem der
Verdacht kommen konnte, das Ganze sei ein Probelauf für eine militärische
Verschleierungstaktik. Unter anderem musste eine Gruppe, die sich bis auf 300
Meter an die U-Bahn-Station heran gepirscht hatte und vor einem Bauzaun stand,
sich dann auf Anweisung des Ordnungspersonals über Unter- und Oberrang „einmal
ums Karree“ zurück ziehen, um schließlich von der anderen Seite auf den
U-Bahnhof zu gelangen. Sensationell.
Zusammenfassend kann man sagen: natürlich muss auf einer Baustelle mit
Behinderungen gerechnet werden. Das war von vorneherein klar. Ebenso klar ist,
dass bei einer Premiere nicht alles rund laufen kann. Das wird auch jeder
einsehen und verschmerzen können. Allerdings gibt es auch Dinge, die weiß man
mit gesundem Menschenverstand schon, bevor ein Probelauf gestartet wird. Zum
Beispiel, dass zwei Eingangsbereiche für 38.000 Zuschauer doch ein bisschen
wenig sind. Und noch so einiges mehr. Ein bisschen Nachdenken bei der Planung
kann also nicht schaden. Aber hoffentlich nimmt man die doch sehr mannigfaltigen
Beschwerden über An- und Abreise, auch in der Presse, ein wenig Ernst und
versucht, daran zu arbeiten. Die kleineren Mängel in der Arena selbst sollten
ohnehin bis Januar Geschichte sein, wenn sie komplett fertig gestellt ist.
Und die
Arena selbst? Ich persönlich fand Stimmung und Atmosphäre klasse, wie das
allerdings aussieht, wenn die Arena mal nur halb gefüllt sein sollte, steht auf
einem anderen Blatt. Und da Fortuna ein Verein ist, der auch in den vergangenen
erfolgreichen Zeiten in der 1. Liga selten mehr als 50.000 Zuschauer angezogen
hat, lautet mein persönliches Fazit: die Arena ist toll – aber eine Nummer zu
groß. Wie immer bei Fortuna.
Und
natürlich waren gestern Abend auch sehr viele „Arena-Touristen“ zugegen, die
sich für den Fußball eigentlich weniger interessierten. Die waren auch
unübersehbar, zumal eine Menge von ihnen das Stadion zum Teil erheblich vor dem
Schlusspfiff schon verließ, obwohl sie eigentlich sehr zufrieden waren. Das
konnte man überall hören. Diese Leute gilt es natürlich jetzt, für Fortuna zu
begeistern und zu animieren, damit sie wieder kommen. Dieses Zuschauer-Potential
gilt es zu nutzen.
Das ist
gestern Abend teilweise gelungen. Zumindest hörte ich es beim Abmarsch von einer
Menge Leute, die vor mir gingen, wie begeistert sie waren. Und dass man sich
jetzt auf jeden Fall Karten besorgen wolle.
Nicht für
das nächste Heimspiel der Fortuna gegen die Amateure des 1.FC Köln am kommenden
Mittwoch, 19.30 Uhr, im Flinger Broich. Sondern für das „offizielle“
Arena-Eröffnungsspiel der Fortuna gegen Bayern München Ende Januar. – Typisch
Düsseldorf.
Ich
fand’s trotzdem toll und halte jetzt endgültig die Klappe für September: janus
PS. Beim
http://duesseldorfer-sportportal.de/visitenkarte/fortuna/foto/index.htm gibt es
übrigens noch mehr schöne Bilder als nur diese 6, die ich hier eingestellt habe.
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