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Goldener
Oktober
Ja,
so ein Goldener Oktober ist doch mal was Feines.
Das kennen wir aus der letzten Saison eigentlich
ganz anders.Und wenn die Sonne scheint, und der
Verein gewinnt, dann sieht man alles ein wenig
entspannter. Aber nur ein wenig. Von
Haarwuchsmittel in Emden, einer Ersatzbank für’s
Guinness-Buch in Wuppertal, Besucherströmen aus
Leverkusen, einem wirklichen Paukenschlag und
der Tatsache, dass die Mannschaft ab und zu
etwas hat, das den meisten Fans abgeht: Geduld.
Der
Goldene Oktober hatte begonnen (und der letzte
Artikel geschlossen) mit dem Sieg gegen RW
Oberhausen, als die Mannschaft einen Kantersieg
an Pfosten und Latte verballerte oder schlicht
kläglich vergab. Anschließend gingen die
Freuden des Daseins weiter: das Wochenende
darauf war nämlich spielfrei, damit sich diese
kleinen Amateure auch mal gut angucken konnten,
wie die Großen beim Klinsi Fußballkunst
zelebrieren. Was man da so sehen konnte, scheint
die Fortuna-Spieler inspiriert zu haben,
zumindest beim darauf folgenden Auftritt.
Vor
das Spiel in Wuppertal am 15.10.2005 hatte der
Fußballgott aber noch eine Lachnummer
besonderer Güte gesetzt. Die Bombe platzte am
14. Oktober:
Haarige
Angelegenheit
Falk
Schindler vom BSV Kickers Emden wurde nach dem
Spiel bei Fortuna am 17.09.2005 (2:1 für Emden)
positiv auf den Wirkstoff Finasterid getestet.
Der Spieler verzichtete auf die Öffnung der
B-Probe, Fortuna legte unmittelbar nach
Bekanntwerden des Testergebnisses am Vorabend
des Spiels beim WSV Protest gegen die
Spielwertung ein. Gleichzeitig bestritt der
Spieler jede Doping-Absicht.
Der
Hintergrund hierzu ist folgender: dieser
Wirkstoff Finasterid befindet sich unter anderem
in Haarwuchsmittel, welches der Herr Schindler
nach eigenen Angaben auch bereits seit dem Jahr
2000 benutzt. Der Stoff steht jedoch seit Januar
2005 auf der Dopingliste, und zwar aus dem
Grund, dass er auch als sog. "maskierender
Stoff" fungiert, das heißt, befindet sich
dieser Stoff im Blut, können andere
Dopingsubstanzen, z.B. Nandrolon, nicht mehr
nachgewiesen werden. Tja, Herr Schindler - Pech
im Spiel, Glück in der Liebe, mit vollem
Haarwuchs...Wenn man mal ein aktuelles Foto des
Herrn sieht, gibt es nur zwei Möglichkeiten:
entweder er lügt und benutzt das Mittel
wirklich nur, um die Einnahme anderer Stoffe zu
verbergen; oder das Zeug muss ein absoluter
Ladenfeger sein, weil es wirklich fantastisch
wirkt.
Und
jetzt wird es interessant: der Herr Schindler
war nämlich beim 2:1 seiner Kickers bei Fortuna
nicht nur der Eckfahnenhalter der Gäste,
sondern spielte durch und erzielte sogar das
1:0! Was übrigens den Präsidenten der Emder
dazu verleitete, in einer Pressekonferenz zu
erklären, man hoffe, man könne die drei Punkte
behalten, da ja nachweislich durch diese
„Dummheit“ kein sportlicher Vorteil
entstanden sei. Gut, dass ich dann das 1:0 der
Emder durch Schindler nur geträumt hatte, und
das Spiel somit 1:1 ausgegangen war! Komisch
nur, dass das Ergebnis bis zum heutigen Tag
nicht geändert wurde...aber es ist ja klar, was
der Präsi damit sagen will: Schindler habe das
Mittel ausschließlich benutzt, um damit seinen
spärlichen Haarwuchs zu animieren (wie gesagt:
Foto gucken!), natürlich nicht, um
leistungssteigernde Substanzen damit zu
verschleiern. Ergo war er auch nicht gedopt.
Aber das ist genau die Absicht, die dieser Stoff
bei gleichzeitiger Einnahme leistungssteigernder
Substanzen hervorrufen soll: Zweifel. Man kann
es nicht beweisen, ohne Beweise keine Anklage.
Und genau deshalb wanderte das Zeug Anfang
Januar 2005 auf die Dopingliste.
Und
der Präsident sollte mal vorsichtig sein, wem
er Dummheit unterstellt. Wie bekannt wurde,
mussten nämlich sämtliche Emder Spieler in der
Sommerpause all ihre Mittelchen, die sie so
regelmäßig einnahmen bzw. einnehmen mussten,
liebevoll auf einen großen Zettel malen und
diesen dann dem Verein aushändigen, zwecks Überprüfung
und Abgleich mit der Dopingliste. Ein
Routinevorgang, möchte man meinen. Auch der
Herr Schindler dürfte dies getan und nichts
mehr vom Verein gehört haben. In welcher
Schublade diese Listen verschwanden oder ob der
Stoff wirklich übersehen wurde – das kann
eigentlich nicht unsere Sorge sein.
Zweifel
dürfen durchaus bleiben: das nächste Spiel der
Kickers war gegen RW Oberhausen. Endstand: 2:0,
doppelter Torschütze für Emden: Falk Schindler
Das übernächste Spiel der Kickers war in
Wuppertal. Endstand: 1:1, Torschütze für
Emden: Falk Schindler....Gerade auf dem Höhepunkt
seiner Karriere oder doch ein bisschen
nachgeholfen? Durch das Finasterid bleiben
Zweifel, die nicht ausgeräumt werden können.
Es muss allerdings klar gesagt werden: ein
Dopingtest fand nur nach dem Spiel bei Fortuna
statt.
Tja,
und seitdem warten wir auf eine Entscheidung des
DFB. In der Zwischenzeit hat Kickers Emden den
Spieler vom Training freigestellt, aus
„versicherungstechnischen“ Gründen. Der
darf momentan noch nicht einmal in der 2. Emder
Mannschaft (Kreisliga) auflaufen. Man erinnere
sich an die letzte Saison, als der Erfurter
Tiganj nach dem Spiel in Unterhaching positiv
getestet wurde. Es war wohl so, dass der Spieler
seinem Sohn den Gebrauch eines Asthmamedikaments
demonstrieren wollte, dessen Wirkstoff leider
auf der Dopingliste stand. Auch nicht
nachgedacht. Damals brauchte der DFB nur einige
Tage, um Erfurt die drei Punkte abzuziehen, was
deren Abstieg bedeutete. Zitat des damaligen
Vorsitzenden Richters: „Die Änderung der
Spielwertung ist zwingende Rechtsfolge, wenn ein
gedopter Spieler mitgewirkt hat. Die Punkte
gehen an den sportlichen Kontrahenten.“ Bei
uns hat man die Ruhe weg. Man hat sie dermaßen
weg, dass ich fast befürchte, es wird ausgehen
wie das Hornberger Schießen – kleine
Ermahnung für Schindler, kleine Geldstrafe für
den Verein (oder umgekehrt), ansonsten nix. Dann
können sie allerdings auch gleich ihre ganzen
Doping-Richtlinien auf den Müll werfen, die
sind in solchen Fällen nämlich eindeutig. Und
wenn entweder der Herr Schindler oder die
Verantwortlichen seines Vereins eine
„Dummheit“ begangen haben, dann muss das
auch dementsprechend bestraft werden. Gerne
nehme ich die drei Punkte nicht, ich nehme eh
nicht gerne etwas vom Grünen Tisch. Aber wenn
sich Kickers Emden anscheinend nicht für die
Doping-Richtlinien im deutschen Fußball
interessiert, deren Spieler mit verbotenen
Substanzen im Blut Tore erzielen, und der Verein
trotz Protest dann noch die Punkte behalten
darf, dann gute Nacht. Möchte nicht wissen, wie
viele Spieler dann demnächst bemerken, dass ihr
Haarwuchs doch ziemlich schütter aussieht. Man
kann es sich ja leisten. Wie gesagt, man darf
gespannt sein, wie der DFB sich irgendwann mal
bequemt zu entscheiden. Nur, je länger dies
dauert, desto mehr fürchte ich, dass sie den
kleinen Aufsteiger schonen wollen. Das kann es
irgendwie nicht sein. Aber noch ist ja nichts
spruchreif.
Mit
ohne Abwehrspieler geht’s manchmal auch
Zurück
zum Fußball: einen Tag später, am 15.10.2005
also, musste Fortuna beim Wuppertaler SV
antreten. Es begann schon unglaublich:
strahlender Sonnenschein, lockere zwanzig Grad
Celsius Außentemperatur. Das hat noch nie
jemand in Wuppertal gesehen, und ich darf
bemerken, dass ich da aufgewachsen bin. Deshalb
kenn ich auch das Stadion Am Zoo so gut, das war
in den 1980ern schon eine ziemliche Bruchbude,
bis heute unverändert, mit Ausnahme einer
Erweiterung der Haupttribüne in den 1990ern.
Aber hässlich bleibt hässlich, es genügt ein
Blick in die Kurven, auf der einen Seite werden
die Gästefans weit weg vom und hoch über dem
Spielfeld platziert, weil unter ihnen eine
historische Radrennbahn verläuft, dann die
Laufbahn, dann noch der Platz für Hoch- und
Weitsprunganlagen, und dann kommt tatsächlich
mal das Tor, das der Geraden „am nächsten“
ist; auf der anderen Seite kann man sehen, wie
die Wuppertaler eine einst wunderschöne
Stadiongaststätte nicht erst abreißen, sondern
gleich an Ort und Stelle verrotten lassen. Ein
Trauerspiel, in das sich auch meist das Wetter
einreiht, an jenem Samstag jedoch
erstaunlicherweise nicht. Nach dem Spiel wurde
übrigens bekannt, dass der WSV Umbaupläne
vorgelegt hat, wonach bereits im nächsten Jahr
mit den Arbeiten begonnen werden soll. Man darf
gespannt sein, ob sie es schaffen, endlich etwas
Heimeliges zu zaubern.
Und
was so unglaublich beginnt, geht auch gleich
unfassbar weiter: wenn man nur eine
Graupentruppe wie Fortuna zum damaligen
Zeitpunkt hat, dann muss es wenigstens fürs
Guinness-Buch reichen: beim Betrachten der
Mannschaftsaufstellung vor dem Spiel fiel mir
fast alles aus dem Gesicht: Fortuna hatte keinen
(ich wiederhole: keinen) Abwehrspieler auf der
Ersatzbank! Bürk und Eraslan gesperrt,
Steegmann verletzt, Heeren mal wieder verletzt,
selbst Albertz, den man zur Not mal hinten rein
stellen könnte, ebenfalls verletzt, aus der 2.
Mannschaft konnte auch niemand aushelfen. Ich
glaube, das dürfte relativ einmalig sein.
Immerhin hätte der Trainer fünf Stürmer bzw.
offensive Mittelfeldspieler einwechseln können,
wenn man in Rückstand geraten wäre...
Das
Spiel war ein spätsommerlicher Langweiler vor
7.000 Zuschauern, den der WSV klar hätte
gewinnen müssen, aber vor allem in der 2.
Halbzeit vergaben sie haufenweise Chancen,
teilweise recht kläglich, aber auch, weil unser
Torwart Deuß endlich in Form zu kommen scheint
und einige sehr gute Paraden zeigte. In der 1.
Halbzeit konnte Fortuna gut mithalten und hatte
durch Lambertz und Podszus auch klare Chancen,
die aber ungenutzt blieben. In der 2. Halbzeit
konnte man noch nicht mal mehr großartig Zweikämpfe
riskieren, da die Abwehrspieler Cakir und Böcker
im ersten Durchgang verwarnt wurden und - siehe
oben - nicht ausgetauscht werden konnten. Somit
beschränkte man sich darauf, die Bälle hinten
rauszudreschen. Erst gegen Ende der Partie, als
Wuppertal platt war, gab es noch den ein oder
anderen guten Konter, die aber stets überhastet
vergeben wurden.
Ansonsten
lässt sich das Spiel mit zwei Worten
zusammenfassen: Hamza Cakir. Der sorgte nämlich
zwischen der 31. und 34. Minute für die
Highlights des Spiels. Zunächst wurde er nach
Freistoß von Canale im WSV-Strafraum
festgehalten, obwohl er nie an den Ball gekommen
wäre, dermaßen eindeutig, dass es bis auf die
Haupttribüne zu sehen war. Wenn es eine
Auszeichnung für dumme Fouls geben würde,
dieses würde ganz oben auf der Liste stehen, so
etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
Es gab auch keine Proteste der Wuppertaler.
Somit Elfmeter und 1:0 Fortuna durch Feinbier -
4. Saisontor im 6. Spiel. Drei Minuten später
jedoch demonstrierte der Herr Cakir, dass er in
der D-Jugend wohl öfter mal das Training geschwänzt
hat. Bei einem Einwurf für Fortuna in der
eigenen Hälfte lief er mit dem Ball in der Hand
erst einmal vier Meter nach vorne, obwohl sich
der Schiri zuvor schon extrem pingelig in diesen
Angelegenheiten gezeigt hatte. Der pfiff natürlich
prompt den Einwurf zurück und für Wuppertal
und gab Herrn Cakir die Gelegenheit, mal zu
demonstrieren, warum diese Sportart an manchen
Tagen eindeutig zu schnell für ihn zu sein
scheint: der blieb stehen, blickte seinem
eingeworfenen Ball hinterher und lamentierte in
Richtung Schiri. Währenddessen hatte ein
Balljunge einem Wuppi schon einen neuen Ball
zugeworfen, und der beförderte die Kugel
blitzschnell zu Cakirs Gegenspieler weiter - der
stand nämlich mittlerweile bereits völlig frei
im Fortuna-Strafraum! Zwei Querpässe später
konnte Stephan Bork mit Außenristschuss von der
Strafraumgrenze (schien mir noch leicht abgefälscht)
das 1:1 markieren. Als Trainer hätte ich den
Cakir wahrscheinlich direkt nach dieser Aktion
vom Platz geholt, aber es ging ja nicht...
In
der 2. Halbzeit dann noch Glück, als Lejan mit
einem 25-m-Hammer ins Fortuna-Tor traf, aber
ausgerechnet Ex-Fortune Gustav Policella (der
zusätzlich noch zwei Hochkaräter versiebte)
stand im passiven Abseits und wurde dann aktiv,
als er nämlich beiseite springen musste, um den
Ball vorbeizulassen. Somit kein Tor mehr und ein
glücklicher Punkt für Fortuna. Die
spielerische Leistung war allerdings besonders
in der 2. Halbzeit dermaßen grausam, dass man
sich fragte, wie oft die Truppe in den Tagen
zuvor Klinsi-Deutschlands Länderspiele gegen
China und die Türkei auf Video hatte sehen müssen.
Eigentlich hätten die Wuppis Strafe zahlen müssen,
dass sie die Fortuna nicht 5:1 abschossen, aber
ich will ja nicht unhöflich sein, wenn man uns
den Punkt schenkt, nehme ich ihn gerne mit.
Doppelpack
für gegnerische Ignoranz
Die
nächste Partie dann am 21.10.2005 gegen Bayer
Leverkusen II. Eigentlich auch ein
Abstiegskandidat, in der Woche zuvor jedoch mit
einem unfassbaren 6:2 gegen den bis dato
ungeschlagenen Spitzenreiter Lübeck! Na, das
konnte ja heiter werden. Zumal sich bei Fortuna
zwei Spieler in die Kategorie
„dauerverletzt“ einreihten, von denen man es
fast schon befürchtet hatte, nämlich Ali
Albertz und Henri Heeren. Albertz wird
wahrscheinlich bis zur Winterpause fehlen,
taktisch kluge Fersenverletzung nach 8wöchiger
Sperre, bei Heeren war es die vierte
unterschiedliche Verletzung seit seinem
„Dienstantritt“ bei Fortuna, diesmal ein
Muskelfaserriss, der ihn auch länger ausfallen
lässt, wahrscheinlich ebenfalls bis zur
Winterpause. Kann sein, dass die beiden uns im
Mai verlassen, ohne mehr als 10 Spiele gemacht
zu haben, wieder mal typische Fortuna-Einkäufe.
Besonders bei Heeren ärgerlich, denn in den
paar Spielen, die er machen konnte, war er stets
einer der Besseren, aber er spielt ja so gut wie
nie. Und bei dieser Häufung von Verletzungen
fragt man sich schon, ob die medizinische
Abteilung bei der Verpflichtung gepennt oder der
Spieler das ein oder andere verschwiegen hat.
Oder beides. Zum Heulen.
Wieder
spielberechtigt nach Gelb/Rot bzw. 5. Gelber
Karte waren die Verteidiger Bürk und Eraslan.
Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich das gut
finden sollte.
3
Punkte waren Pflicht, allerdings wusste nach der
doch teilweise ziemlich schwachen Vorstellung
vom Samstag zuvor in Wuppertal niemand so genau,
wie man das anstellen sollte.
Nun,
Fortuna gewann 2:0 gegen Leverkusen II durch
einen Doppelpack von Marcel Podszus.
Spielbericht hierzu gibt es keinen, es war zu
schlecht. Ich glaube, in der zweiten Halbzeit
bin ich sogar mal kurz eingenickt, so grausam
war das. Immerhin war der Sieg verdient,
Leverkusen war nämlich noch schlechter. Und die
beiden Tore waren ganz nett rausgespielt. Beim
ersten verlängerte Feinbier in der 13. Minute
einen Befreiungsschlag per Kopf in den Lauf des
Marcel Podszus, und der Stürmer, der zuvor
wochenlang lediglich mit Folter-Fußball zum
Abgewöhnen aufgefallen war, haute den Ball
sauber von der Strafraumgrenze per Aufsetzer ins
lange Eck. Ganz der Alte (hoffentlich) war er
dann wieder in der 80. Minute: Feinbier bekam an
der Mittellinie den Ball, genialer Pass auf
rechts, in den Lauf des eingewechselten Wolf,
der spielte genau zum richtigen Zeitpunkt quer
auf Podszus, und der schoss Bayer-Torwart Tom
Starke die Kugel flach durch die Hosenträger
zum Sieg. Was zwischen diesen beiden Szenen lag,
ignorieren wir mal fröhlich, die Leverkusener,
zeitweise mit üppigen Freiräumen im Mittelfeld
ausgestattet, kamen zu Beginn der 2. Halbzeit
zweimal gefährlich vor das Fortuna-Tor, einmal
konnte Deuß prima halten, einmal hatten sie
Pech, als Bendovskyi an Ball und leerem Tor
vorbei rutschte. Ansonsten sah man von den
Bayer-Bubis nichts, deren aktivster Mitarbeiter
war Trainer Ulf Kirsten, der am Spielfeldrand
zappelte wie ein HB-Männchen, die Pleite aber
auch nicht verhindern konnte.
2:0
vor 5.500 Zuschauern, darunter erbärmlichen,
handgezählten 31 Besuchern aus Leverkusen im Gästeblock.
Düsseldorf liegt keine 30 km entfernt, die
erste Mannschaft der Pillendreher spielt erst 2
Tage später, auf der offiziellen Website der
Aspirin-Kicker gab es einen Aufruf, die 2.
Mannschaft bei dieser Partie zu unterstützen -
trotzdem ignorierte man in Leverkusen dieses
Spiel total. Die kommen wohl wirklich nur, wenn
es Freikarten gibt. Peinlich, peinlich.
Intermezzo
An
jenem Wochenende wurde es dann aber auch
dramatisch in der Liga. Der Wuppertaler SV
musste bei Schlusslicht RW Oberhausen antreten,
legte einen echten Grottenkick hin und verlor
0:1. Vor dem Spiel wurde bekannt, dass
unbekannte Täter das einstige Maskottchen von
RWO, diese Gans namens Lucy, abgemurkst hatten.
Hier in Bonn musste ich im Dienst Fragen nach
meinem Alibi für die Tatzeit beantworten! Auch
gingen Verschwörungstheoretiker so weit, zu
vermuten, dass der unredliche Uerdinger
Grotifant die schändliche Tat vollbracht hätte!
Nun, der oder die Täter sind bis heute flüchtig,
aber eine Theorie hätte ich auch anzubieten:
wie gesagt, an jenem Wochenende, als die Gans
verschied, war der WSV in Oberhausen. Und wie
heißt der Trainer dieser Mannschaft, der in
einem Interview nach dem Spiel aufgrund der
Leistung seiner Truppe auch so aussah, als ob er
etwas quer im Hals sitzen habe? Richtig, Uwe
Fuchs. Fuchs, du hast die Gans gestohlen...nur
so eine Idee von mir...
Drei
Tage später stand RWO schon wieder auf der
Matte, allerdings ohne Trauerflor am Arm, was
eigentlich das Mindeste gewesen wäre, das ich
erwartet hätte. Und wieder fuhren sie mit
leeren Händen nach Hause, Fortuna siegte 1:0 in
der 2. Runde des Niederrhein-Pokals, somit
zweiter Sieg gegen RWO binnen drei Wochen. Tor
des Tages durch Feinbier mit Foulelfmeter. Kann
man geben, muss man aber nicht. Irgendwas um die
2.000 Zuschauer bei zeitweise strömendem Regen
im Flinger Broich, nicht in der Arena. Fortuna
einen Tick besser, mit mehr gefährlichen
Situationen, RWO hingegen einmal im Pech mit
Pfostenschuss. Den Rest des Spiels kann man
getrost vergessen. Wichtigste Erkenntnis:
Viertelfinale erreicht, Gegner: zur Abwechslung
mal der Wuppertaler SV. Am 22.11. geht es zum 8.
(!) Mal binnen drei Jahren (seit September 2002)
ins Stadion Am Zoo. Wir haben dort schon gegen
Mannschaften dreier verschiedener Vereine
gespielt (WSV, Borussia Wuppertal, SSVg
Velbert), in drei verschiedenen Wettbewerben (FVN-Pokal,
Oberliga Nordrhein, Regionalliga Nord); es
sollte wirklich mal ein Anwalt überprüfen, ob
wir uns dort nicht langsam Mitnutzungsrecht
ersessen haben...
Vor
dem Auswärtsspiel am 29.10.2005 bei Hertha BSC
II gab es noch ein wenig Aufregung abseits des
Platzes: im Magazin „stern“ erschien zwei
Tage vor dem Spiel die Story über die
angeblichen, unsauberen Machenschaften des Düsseldorfer
Oberbürgermeisters Joachim Erwin
(„angeblich“ deshalb, weil er eh alles
dementieren und Gott und die Welt wieder mal
verklagen wird, deshalb will ich vorsichtig in
der Wortwahl sein...), in die auch die Fortuna
verwickelt sein soll. Und zwar soll die Stadt in
Person von Onkel Jo u.a. über Scheinverträge
und überhöhte Rechnungen beim Arena-Bau der
Fortuna knapp 3 Mio € an Sponsorengeldern
verschafft haben. Der genaue Hergang ist natürlich
viel komplizierter, wird aber sicherlich, wenn
etwas dran sein sollte, in den nächsten Wochen
und Monaten in diversen Gazetten verständlich
und ausführlich dargestellt werden. Die hat
Fortuna natürlich in Person des
Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Erwin dankbar
entgegen genommen. So weit seine eigene Sache,
wenn allerdings die Vorwürfe stimmen und jemand
aus Aufsichtsrat und/oder Vorstand davon gewusst
und das gedeckt hat, dann gute Nacht. Gefahr
droht auch noch aus einer anderen Ecke: wenn die
erhobenen Vorwürfe irgendwie zutreffen, dann könnte
es sich durchaus um den Tatbestand der „Amtsuntreue“
bei Onkel Jo handeln, so wurde es zumindest
kolportiert. In diesem Fall wäre das Sponsoring
unrechtmäßig erhaltenes Geld, das Fortuna zurückzuzahlen
hätte, da es ja auch keinen gutgläubigen
Erwerb an gestohlenem Gut geben kann. Und dann
ist Schulz. Das Geld ist nämlich weg, wobei
momentan noch kein Mensch sagen kann, wohin es
geflossen ist, vielleicht wurde es tatsächlich
zur Schuldentilgung verwendet, aber das wäre für
Düsseldorfer Verhältnisse schon sehr
verwunderlich. Vielmehr glaube ich, dass einen
Gutteil davon Erwin-Kumpel Berthold eingesackt
und den Rest für seine Spielertransfers der
letzten Saison aus dem Fenster geworfen hat.
Anyway, weg ist weg, und selbiges gilt auch für
Fortuna, sollte das Geld zurückgezahlt werden müssen.
Wieder mal überregionale Spitzenwerbung für
den Verein, vielen Dank!
Allerdings
ist der „stern“-Bericht auch mit Vorsicht zu
genießen. Vorab hatte der „stern“ nämlich
dem Fortuna-Vorstand 13 Fragen übersandt, um
aus den Antworten eine Stellungnahme des Vereins
für den Artikel basteln zu können. Abgesehen
davon, dass die Fragen teilweise schon sehr
geradeaus von „betrügerischen Absichten“
sprechen, sind zwei dabei, die mich besonders
erheitern. „Hat die Fortuna diese angebliche
Spende als Bestandteil der beim DFB für die
Saison 2003/04 eingereichten Lizenzunterlagen
angegeben?“ und „Sieht die Fortuna den
Bestand der Lizenz gefährdet, falls diese Fälschung
dem DFB bekannt wird?“ Das sind so Fragen à
la „Warum frisst ein Eisbär keine
Pinguine?“ Weil es die einen nur am Nordpol,
und die anderen nur am Südpol gibt. Auf die
Lizenzfrage bezogen bedeutet dies: in der Saison
2003/2004 spielte Fortuna in der Oberliga. Dafür
benötigt man keine Lizenz, man musste also
nichts „betrügerisch“ beantragen und zuständig
für den Spielbetrieb der Oberliga Nordrhein ist
der Fußballverband Niederrhein, sodass der DFB
auf rein gar nichts irgendwie hätte reagieren können.
So sieht dann verantwortungsvolle Recherche
aus...Aber ich schätze mal, irgendwas wird
schon dran sein, ist ja ein offenes Geheimnis,
dass Düsseldorfs Stadtmonarch gerne mal
haarscharf an der Legalität vorbei regiert. Und
irgendwas wird todsicher auch an Fortuna hängen
bleiben. Man darf weiter gespannt sein.
Dann
packte noch schnell einer die Koffer und
verschwand: Fortuna stellte Torwart Carsten
Nulle frei. Der wird sich nunmehr bei Eintracht
Frankfurt II fit halten. Prima vergrault,
Respekt. War nicht der beste Torwart aller
Zeiten, aber auch nicht der Schlechteste, und
vor allem der Einzige, der in der „Abwehr“
zu Beginn der Saison noch den Überblick
behalten hatte. Aber wie einige Fans ja zuvor
schon erkannt hatten, der hielt keine
Unhaltbaren. Das reichte denen schon, um
lautstark seinen Rauswurf zu fordern. So ging er
nun von alleine, um anderswo sein Glück zu
versuchen. Neuer Ersatzkeeper wurde Zwerg Nase
Dennis Prostka, den man schon erfolgreich nach
Solingen abgeschoben hatte, der aber seit
Saisonbeginn wieder da ist. Ist gefühlt 1,20 m
groß, was ihn früher allerdings nicht daran
gehindert hat, auch bei noch so hohen Flanken
aus dem Tor zu stürzen, um diese dann souverän
zu verfehlen. Mittlerweile soll er sich
erheblich gesteigert haben, was ich weder bestätigen
noch dementieren kann, da ich ihn außer bei
unseren Oberliga-Auftritten gegen Union Solingen
nicht wieder gesehen habe. Aber ich sag erst
mal: hoffentlich verletzt sich Deuß demnächst
nicht...
Hauptstadt-Glück
Was
für ein Glücksgefühl! Erster Auswärtssieg
seit 21.05. diesen Jahres. Das sind zwar keine
Gladbacher Verhältnisse, ist aber trotzdem
schon ziemlich lang. Ein hochverdienter 3:0-Sieg
der Fortuna bei ganz schwachen Hertha-Bubis, was
mich sehr erstaunte, sind die doch momentan mit
Abstand die beste „II“-Truppe in der
Regionalliga. Aber wer alles gibt, der soll
endlich auch belohnt werden. Zum Beispiel dafür,
samstags morgens um 6.00 Uhr vom Düsseldorfer
Hbf mit dem Auto Richtung Berlin aufzubrechen.
Oder dafür, dass man sich kurz vor dem Ziel im
Stadtteil Prenzlauer Berg plötzlich an einer
Baustelle wiederfand, die über die gesamte
Breite der Straße ging, und bei der der Verkehr
über die Bürgersteige weitergeführt wurde!
Unsere Bundeshauptstadt schafft es locker, noch
hässlicher auszusehen als Bonn mit seinen
unendlichen Baustellen. Respekt, das muss man
auch erst einmal schaffen. Auch ist der
Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ein merkwürdiges
Stadion: Sitze, Tartanbahn, Anzeigetafel, alles
renoviert bzw. neu, die Haupttribüne von außen
und auch innen doch etwas, ähm, altmodisch, mit
dem Charme eines Konferenzzentrums. Nun aber zum
Spiel, vor 949 Zuschauern, darunter mindestens
500 Fortunen! Die erste Halbzeit ausgeglichen,
geprägt von Kuriositäten: das 0:1 durch Kruse
- Tor des Monats! Ecke von rechts mit links,
relativ flach hereingebracht, mit ganz viel
Schnitt, der Ball drehte aufs kurze Eck, an dem
kein Herthaner stand, prallte dort gegen den
Innen(!)pfosten und trudelte dem verdutzten
Torwart durch die Beine hinter die Linie...so
etwas hab ich eigentlich noch nie gesehen, sehr
schade, dass keine Kamera dabei war...
Fünf
Minuten später die Einlage des Tages vom
Schiri. Nachdem Gerrit Bürk am Mittelkreis
gegen seinen Gegenspieler den Bruchteil einer
Sekunde zu spät gekommen war und er ihn gelegt
hatte, zog das kleine Männlein in Schwarz plötzlich
ohne Vorwarnung Rot. Das hat niemand auf der
Tribüne verstanden, auch die Herthaner nicht.
Es war kein böses Foul, Bürk hatte kein Gelb,
war vorher noch nicht mal ermahnt worden. Ich
glaube ja, der Schiri hatte Angst vor dem, der
ist 1,97 m groß, und der Schiri war maximal
1,70 m, der hat sich so erschrocken, als der Bürk
vor ihm auftauchte, dass er ihn direkt
runtergeworfen hat. Ein ganz großer Witz, wie
so ziemlich alles, was der Schiri in der 1.
Halbzeit pfiff. Bei dieser Roten Karte drängte
sich tatsächlich die Erinnerung an einen
gewissen Elfmeter auf, den ein gewisser Herr Gräfe
mal für Osnabrück verhängte. Noch lächerlicher,
dass Bürk für diesen Platzverweis drei Spiele
Sperre erhielt. Aber es war halt keine Kamera in
der Nähe, die hätte recht gut zeigen können,
für welch ein Allerweltsfoul der Spieler Rot
gesehen hatte.
Fortuna
somit ab der 32. Minute in Unterzahl. Und in der
85. (!) Minute hatten die Hertha-Bubis auch
schon die erste Torchance...Da stand es
allerdings schon 3:0 für Fortuna. Zunächst das
wohl schnellste Tor in der Vereinsgeschichte in
einer Halbzeit, nach 13 Sekunden traf Feinbier
zum 2:0. Ja, genau, das ist der Typ, der nach
Meinung eines Teils des Anhangs sowieso nie läuft,
hier aber rätselhafterweise 10 Sekunden nach
Wiederanpfiff schon bis in des Gegners Strafraum
gelangt war und daraufhin die Hereingabe von
Lambertz (von links mit dem rechten Außenrist -
ich dachte, ich träume...)
abstauben konnte - 5. Saisontreffer im 9.
Spiel. Endgültig durch war die Partie in der
57. Minute, als der eingewechselte Cakir nach
feinem Doppelpass mit Canale das 3:0 erzielte.
Na, und wenn der schon ein Tor schießt, dann
kann ja nix mehr passieren, den hab ich nun
wirklich nicht im Verdacht, den Fußball
erfunden zu haben...Daraufhin resignierten die
Hertha-Bubis. Der Sieg hätte insgesamt auch
noch höher ausfallen können, aber Lambertz
scheiterte zweimal völlig freistehend an
Torwart Stuhr-Ellegaard.
So
endete der Goldene Oktober für Fortuna doch
recht erfolgreich. Und wie weit man unten drin
gehangen hatte, kann man daran sehen, dass man
auch mit dieser stolzen Serie gerade mal zwei
Punkte vor einem Abstiegsplatz stand, als der
November eingeläutet wurde. Somit war es also
eminent wichtig, am 04.11. gegen das
punktgleiche Preußen Münster nachzulegen, um
noch mehr Luft nach unten zu bekommen. Denn auf
die drei Punkte aus Emden wartete man ja im
Oktober vergeblich. Also: keine Zeit zum
Ausruhen!
Geduldsspiel
Das
Spiel war eine Kopie des letztjährigen
Heimspiels gegen Preußen Münster. Die schossen
in der 28. Minute mal einen Freistoß auf das
Fortuna-Tor, den Deuß prima parieren konnte.
Warum ich das erwähne? Weil es die einzige
Torchance der Münsteraner bis zur 85. Minute
war. Fortuna war überlegen, ohne großartig
etwas reißen zu können, denn Münster stand
sehr gut hinten drin. Mehr aber auch nicht.
Deren Trainer Colin Bell sagte auch hinterher
auf der Pressekonferenz, dass er sich mit
Gedanken angefreundet hätte, ein 0:0 holen zu können.
Naja, wenn gegen eine punktgleiche Mannschaft
nicht mehr drin ist, dann sagt das wohl einiges
über die derzeitige Spielstärke der Preußen.
Fast
hätten sie es auch geschafft, bis zur 81.
Minute hielt das Bollwerk. Dann setzte sich
Feinbier gegen drei Gegenspieler durch, passte
links in den Strafraum zu Marzok, der gab die
Kugel flach in die Mitte, Lambertz und sein
Gegenspieler mühten sich vergeblich, zum
jeweils erfolgreichen Abschluss zu kommen, und
Podszus grätschte den Ball aus 5 Metern rein.
Torwart Gößling, mit Abstand Preußens Bester,
war machtlos, das 7. Saisontor
für Marcel Podszus.
Kurz
darauf legte Feinbier das 2:0 nach. Dachten
alle. Dann hätten wir wirklich eine exakte
Kopie des letztjährigen Heimspiels gehabt,
damals traf Policella in der 83. Minute,
anschließend noch Podszus. Diesmal hatte der
Schiri etwas dagegen und pfiff Feinbier wegen
angeblichen Handspiels zurück. Naja, wie man
das so sieht, wenn der Torwart dem Stürmer den
Ball an die Hand schießt... Aber bei diesem
Schiri musste man Nachsicht üben, der hatte
schließlich schon seit 30 Sekunden nichts mehr
abgepfiffen. Ich habe selten ein so faires Spiel
gesehen, das so oft unterbrochen war, der pfiff
wirklich jede Körperberührung ab und erzeugte
hüben wie drüben über 90 Minuten ein
kollektives Kopfschütteln. Irgendwie wähnte er
sich wohl beim Basketball, anders ist das nicht
zu erklären.
Erst
nach dem Fortuna-Treffer machte Preußen auf und
hatte noch zwei dicke Chancen. Die eine konnte
prima von Deuß pariert werden, bei der anderen
versuchte er, mit dem Fuß zu klären und hätte
fast das Eigentor des Jahres geschossen, als der
Ball auf dem glitschigen Rasen versprang. Aber
seit seinem Riesenbock im Spiel gegen Emden hat
er das Glück gepachtet, der Ball flog ins
Toraus, und das Spiel war gewonnen. Ein
Unentschieden wäre für eine solch destruktive
Mannschaft wie Münster auch nicht verdient
gewesen. Das sahen deren Fans wohl genauso, die
die eigene Mannschaft mit einem gellenden
Pfeifkonzert und „Absteiger,
Absteiger!“-Rufen in die Kabine
verabschiedeten. Es waren übrigens so circa
400, die aus dem Münsterland mitgereist waren
(von insgesamt 7.300 Zuschauern). Da hab ich früher
allerdings schon erheblich mehr von denen im
Rheinstadion gesehen. Die Anfahrt ist dieselbe,
aber kaum hat man mal eine neue Arena
hingestellt, finden sie den Weg anscheinend
nicht mehr. Merkwürdig. Naja, immer noch um Längen
besser als die 31 Tapferen von Bayer Leverkusen.
Spielerisch
mag noch so manches im Argen liegen, aber der
Aufwärtstrend ist nun wirklich unverkennbar.
Nachdem sich allerdings Pino Canale während des
Münster-Spiels ohne gegnerische Einwechslung
einen Teilabriss im Adduktorenbereich zuzog und
wohl auch drei bis vier Monate ausfallen wird,
fehlt Trainer Weidemann für den Rest des Jahres
das komplette Mittelfeld aus der Vorbereitung,
Canale, Albertz, Heeren. Bin gespannt, wen er nächste
Woche in Chemnitz, beim Wiedersehen mit unserem
ehemaligen Torjäger Frank Mayer, überhaupt
noch aufstellen will.
Also:
es wird nicht leichter werden, da ist es gut,
dass man schon einige Punkte hat. Und wenn die
Punkte aus dem Emden-Spiel noch dazu kämen, wäre
die halbe Miete in puncto Klassenerhalt bereits
eingefahren. Das war letztes Jahr um diese
Uhrzeit ja noch ganz anders. Man könnte glatt
die Hoffnung haben, dass in dieser Saison nicht
wieder bis zum vorletzten Spieltag gezittert
werden muss. Aber nicht umsonst ist „könnte“
Konjunktiv, also Möglichkeitsform. Man darf
gespannt sein, wohin die Reise in den letzten
drei Vorrundenspielen (Chemnitz, Jena, Kiel)
geht.
Fortuna
holte somit 13 Punkte aus den letzten fünf
Spielen, hat insgesamt 19 Punkte, ist seit 325
Minuten ohne Gegentor, wenn man das Pokalspiel
mitrechnet, sogar seit 415 Minuten. Dass ich das
noch erleben darf. Wir alle wandern einen
langen, dunklen Weg, aber wir möchten nicht
ewig auf diesem Weg weiter wandern müssen.
Wenigstens für einen kurzen Moment wollen wir
Licht sehen. Ist hiermit geschehen.
Ach
ja, eine Vorankündigung hätte ich noch. Das
Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena am 19.11.2005
wird im Paul-Janes-Stadion (Flinger Broich)
ausgetragen, da die Arena durch Konzerte solch
überflüssiger Herren wie Phil Collins und
Marius Müllermilch-Westernstiefel belegt ist.
Epilog
Und
wer bis hierhin tapfer durchgehalten hat, soll
am Ende auch noch ein Extra bekommen. Abschließend
spendiert der Autor nämlich noch eine
Gute-Nacht-Geschichte:
Es
war einmal der FC Eintracht Rheine. Der spielte
im Mittelfeld der Oberliga Westfalen. Der
Stehblock der Eintracht-Fans befand sich
unterhalb der Haupttribüne. In diesem Stehblock
versah einst während des jeweiligen Spiels ein
Trommler seine Dienste zur allgemeinen
Zufriedenheit. Allgemein? Nun, anscheinend nicht
ganz. Vor einigen Wochen verstummte der
Trommler. Hatte er sich vom Verein abgewendet?
War er krank? Oder vielleicht doch mehrere
Wochen in Urlaub, in Zeiten der wirtschaftlichen
Not in diesem Lande zwar eigentlich
unvorstellbar, aber irgendwo muss das ganze Geld
ja geblieben sein? Mitnichten. Des Rätsels Lösung
war noch viel trister: wie gesagt, der
Fan-Block, befindet sich unterhalb der Haupttribüne.
Auf dieser wiederum sitzen die wichtigen Leute,
unter anderem auch die Sponsoren des FCE. Und
einer von jenen fühlte sich durch das Trommeln
während des Spiels gestört. Also zeigte er mal
kurz (bildlich gesehen), wo das ganze Geld
geblieben ist und verbat sich die Lärmentwicklung.
Der Verein kuschte, und seitdem hat der Trommler
ausgetrommelt. Und wenn er nicht gestorben ist,
dann schweigt er auch noch heute.
Und
da wir uns in den harten Realitäten des
modernen Fußballs befinden, ist dies kein Märchen,
sondern wahr. Zeit zum Nachdenken.
Gute
Nacht, John-Boy, gute Nacht Jim-Bob, gute Nacht,
Fußball: janus
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