|
So, nun ist auch
der Oktober 2006 sportlich Geschichte bei der
Fortuna. Er verlief recht erfolgreich, wenn auch
ohne den ganzen großen Durchbruch. Aber
zumindest konnte man sich ein wenig in der
oberen Tabellenhälfte festsetzen, was jedoch
auch nichts heißt, bei der unglaublichen
Ausgeglichenheit der Liga zum jetzigen
Zeitpunkt. Somit ist also nichts
Außergewöhnliches geschehen und nichts
entschieden. Wie es im Oktober eigentlich auch
sein sollte, weil traditionsgemäß um diese
Jahreszeit ja erst die Vorrunde läuft.
Business as usual, Part
uncountable
Ja, diese
Überschrift noch durchzunummerieren, bringt
wirklich gar nichts, denn Fortuna wäre nicht
Fortuna, wenn man sich nicht bei ihr auf gewisse
Gesetzmäßigkeiten verlassen könnte. Und daher,
welch’ eine Überraschung: wieder mal kein Sieg
gegen Werder Bremen II. Fortuna gewann am
30.09.2006 vor 8.300 Zuschauern einen Punkt und
spielte 2:2. Auch im 9. Aufeinandertreffen
langte es somit nicht zu einem Sieg gegen die
kleinen Bremer. „Punktgewinn“ deshalb, weil
Fortuna in den ersten 30 Minuten vom damaligen
Tabellen-2. in Grund und Boden gespielt wurde.
Werder überlief die Hintermannschaft nach
Belieben, kombinierte schnell und klug, ließ die
rot-weiße Abwehr- und Mittelfeldreihe des
Öfteren „steinalt“ aussehen und hatte Chancen im
Minutentakt. Wenn man nicht Fortuna-Fan gewesen
wäre, man hätte seine wahre Freude an den Bubis
haben können. Sie versäumten es jedoch, den Sack
frühzeitig zuzumachen, wie es bei so vielen
„zaubernden“ Teams in allen Ligen und Ländern
dieser Welt der Fall ist. Lediglich das 0:1
durch Löning sprang dabei heraus. Bezeichnend
übrigens, dass der Treffer schon in der 17.
Minute fiel, allerdings bereits die vierte
Großchance war, die die kleinen Fischköppe
endlich nutzten. Im weiteren wurden sie dann
etwas nachlässig, versuchten hier mal ein
kleines Lupferchen und da mal einen Hackentrick,
anstatt energisch abzuschließen. So etwas rächt
sich meist, und dieses Spiel war keine Ausnahme:
kurz vor der Pause konnte Fortuna doch etwas
überraschend ausgleichen, Torschütze war Markus
Anfang mit einem herrlichen Freistoßtor aus 25
Metern. In der 2. Halbzeit zog sich Werder
zurück, und man konnte einen Grund sehen, warum
sie immer so frisch nach vorne spielen und die
frühe Entscheidung suchen: die Abwehr ist
ziemlich wacklig, leistete sich einige
Aussetzer, lustige Kerzen im Strafraum und
mehrere Befreiungsschläge auf die Tribüne
konnten gesichtet werden, außerdem war Torwart
Vander wohl ein wenig indisponiert, erstmals
erblickte ich einen Keeper, der im Verlaufe des
Spiels keinen einzigen Ball festhielt, sondern
wirklich alles wegfaustete, was ihm vor die
Flinte kam. Leider wurde der zweite
Spielabschnitt überschattet von der Verletzung
von Henri Heeren, der sich eine schwere
Gehirnerschütterung zuzog und kurzfristig
bewusstlos war. Immerhin gab es hierzu noch ein
interessantes Intermezzo: als Heeren auf der
Trage an den Spielfeldrand gerollt wurde, um auf
seinen Abtransport durch einen Krankenwagen zu
warten, pirschten sich mehrere Fotografen heran
und machten Fotos. Einer von ihnen wurde
anschließend dafür wohl von einem Offiziellen
der Fortuna kritisiert, was ihn wiederum mächtig
auf die Palme brachte. Unterstützung erhielt er
von einer Kollegin, die eh eher durch ihre
Arroganz dem arbeitenden Personal gegenüber als
durch irgendwelche fotografischen
Meisterleistungen auffällt, und die seine
Erregung mit den Worten „Du hättest ihm ja mal
sagen können, dass auch du hier nur deine Arbeit
machst!“ kommentierte. Ja, das sind immer die
besten Argumente. Der Fotograf setzte dann noch
eins drauf, indem er lauthals verkündete, selbst
in der Woche zuvor, beim Transrapid-Unglück in
Lathen, habe niemand etwas gesagt, als er seinem
Job nachging. Deshalb wisse er natürlich, wofür
das „-dorf“ in Düsseldorf stehe: für diese
provinzielle Verweichlichung irgendwelcher
Dorfbauern, die partout nicht begreifen können,
warum die große, weite Welt zwingend solche
Bilder benötigt. Abgesehen davon, dass mich
diese Argumentation immer ein bisschen an die
USA erinnert, die können ja auch nie begreifen,
warum irgendwelche Nationen oder Volksgruppen es
partout nicht einsehen, wenn sie mal wieder
ungefragt von irgendetwas oder irgendjemandem
befreit werden müssen: mich hätte der
Redaktionsauftrag dieses Herrn und auch der
zustimmungswilligen Dame interessiert. Worüber
sollten die berichten? Über Fußball? Oder doch
lieber über verletzte Fußballer die auf einer
Trage nach draußen gerollt werden? Schade, dass
während dieser Aktion nicht auf dem Spielfeld
drei Tore fielen, vielleicht hätte sein Chef ihm
dann mal erklären können, was denn sein Auftrag
war. Aber Hauptsache wichtig. Und bei der
blonden Zicke, die besonders bei Heimspielen im
Paul-Janes-Stadion schon mehrfach Ordner
anschnauzte, sie sollten ihr aus dem Weg gehen,
weil sie ihre Sicht aufs Spielfeld erschweren
und ihre Arbeit behindern würden, würde ich mich
schon freuen, ihr auch mal im Weg zu stehen, was
leider aus organisatorischen Gründen nicht
möglich sein wird, da sie sich ja doch eher im
Innenraum aufhält und ich nicht. „Meine Arbeit
machen“, klingt bei denen so richtig schön
deutsch à la: „Ich hab doch nur Befehle
ausgeführt.“ Mit der Ergänzung im Hinterkopf:
„...und dann schalte ich schon mal das Hirn ab“
macht das sogar Sinn. Wie sieht es eigentlich,
nur interessehalber, mit einer Arbeit im Irak
aus? Wenn man sich bei einem Fußballspiel mehr
dafür interessiert, die schwere Verletzung eines
Spielers im Bild zu haben als das Geschehen auf
dem Rasen, dann sollte man wirklich ernsthaft
darüber nachdenken. Erinnert ja auch mehr an
Lathen, so vom Anblick her, da fotografiert es
sich bestimmt gleich entspannter...
Als alle sich
schon mit dem 1:1 abgefunden zu haben schienen,
erzielte Peitz nach einem Eckball per Kopf das
2:1 für Werder, in der 89. Minute! Mal wieder
ein klarer Fehler von Torwart Deuß, der zudem
diesmal mit seiner „Abschlagskunst“ auch die
letzten Fürsprecher vergrätzte, denn wohin der
an diesem Tag den Ball überall drosch, war
wirklich schon rekordverdächtig. Mal Weltklasse,
mal Kreisklasse...das Übliche halt bei ihm. Aber
manchmal selbst für die Dritte Liga zu
nervenzehrend.
Fortuna konnte
sich noch einmal aufraffen und im Gegenzug durch
Feinbier zurückschlagen. Als mal wieder Podszus
(das zweite Sorgenkind in dieser Saison) aus
kurzer Distanz nicht ins Tor traf und Vander mal
wieder faustete, traf Feinbier im Nachsetzen per
Flugkopfball aus kurzer Distanz und rettete den
einen Punkt, der aufgrund der zweiten Halbzeit
auch durchaus verdient war. Somit hatte man das
gleiche Ergebnis wie in der letzten Saison mit
ebenfalls identischer Torfolge. Immerhin nicht
verloren, das war einer der wenigen positiven
Aspekte des Spiels.
Übrigens:
natürlich wurde Werder-Fossil Björn Schierenbeck
in der Nachspielzeit noch eingewechselt. Somit
hat der Mann auch weiterhin in allen
vergeblichen Versuchen der Fortuna, gegen Weder
II zu gewinnen, auf dem Platz gestanden.
Herzlichen Glückwunsch dazu, aber langsam ist es
doch mal gut, oder?
Zwei
Nachbemerkungen noch zu diesem Spiel: drei
Wochen später trat Werder Bremen II bei Dynamo
Dresden an. Der Spielverlauf war nahezu
identisch, außer dass Werder diesmal das
Toreschießen nicht vergaß und die Dynamos in
deren eigenem Stadion locker 4:1 wegfidelte,
wobei es bereits vor der Pause dreimal
klingelte. Der gute bisherige Saisonverlauf der
Bremer ist kein Zufall und es ist fast schade,
dass der Bubi-Sturm, der in dieser Saison
endlich so richtig explodiert, bei den Profis
derzeit keine Chance haben wird, die schießen ja
momentan selbst Tore, als ob es morgen verboten
werden würde. Vielleicht ergibt sich da ja bald
mal etwas auf dem Transfermarkt...
Die Torschützen in
diesem Spiel für Fortuna waren, wie bereits
geschrieben, die Routiniers Anfang und Feinbier.
Das war bis zu heutigen Tag (29.10.06) das
Letzte, was man von beiden gesehen hat, beide
sind seit diesem Zeitpunkt verletzt. So
bedauerlich dies auch ist: nicht jeder Spieler
schafft es, bei seinem vorzeitigen Abgang mit
einem Treffer im letzten Spiel im Gedächtnis zu
bleiben. Ich hoffe, dass wir beide bald wieder
auf dem Rasen und nicht auf der Tribüne werden
begrüßen können.
Das ist die
Berliner Luft
Auftakt der
Berlin-Wochen für Fortuna am 15.10.2006. Am 15.,
und damit an einem Sonntag, deswegen, weil es
dem DFB zwei Wochen vor dem Spiel noch gefiel,
die Partie zu verschieben. Freitags in Lübeck,
sonntags in Berlin...der DFB weiß anscheinend
schon, wie er den Fans die weitesten
Auswärtsreisen so richtig angenehm gestalten
kann. Und Teufel, Teufel: Fortuna gewann 2:1 bei
Hertha BSC II und damit zum ersten Mal seit
Lichtjahren wieder ein „big point“-Spiel, denn
durch diesen Sieg setzte man sich in der
Spitzengruppe fest und wies mit 18 Punkten und
Platz 5 nur einen Punkt Rückstand auf einen
Aufstiegsplatz auf. Zum dritten Mal trat man bei
den Hertha-Bubis an, zum dritten Mal gewann man
in der Bundeshauptstadt. Wenn man den 2:1-Sieg
bei Union Berlin vor zwei Jahren noch
hinzurechnet und weiß, dass die Fortunen 2001
bei TeBe Berlin knapp mit 6:1 gewannen, darf man
wohl konstatieren, dass rot-weißen Kickern die
Luft in Berlin im neuen Jahrtausend irgendwie
sehr zusagt, zuletzt gab es dort in 2000 eine
Niederlage, damals beim 1:2 gegen Union.
Fortuna musste
verletzungsbedingt auf Marcus Feinbier und
Markus Anfang verzichten, dafür konnte der
langzeitverletzte Oliver Barth endlich wieder
spielen und der Abwehr Halt verleihen. Der Sieg
vor 925 Zuschauern (in der Mehrzahl
Fortuna-Fans) kam ein wenig glücklich zustande,
in der 1. Halbzeit war Berlin das klar bessere
Team und erarbeitete sich zahlreiche Torchancen,
die jedoch samt und sonders von Fortuna-Keeper
Deuß zunichte gemacht wurden, der endlich mal
wieder einen Sahne-Tag erwischt hatte. Krönung
war sicherlich der gehaltene Foulelfmeter gegen
Ex-Profi Ante Covic in der 18. Minute. Kurz
darauf (22.) zimmerte Jörg „Ali“ Albertz aus 22
m Entfernung einen Freistoß flach aufs
Hertha-Tor und traf, 1:0 für Fortuna und Spiel
auf den Kopf gestellt. Normalerweise kenn ich so
was andersrum.
Zu Beginn der 2.
Halbzeit hatte Fortuna in der letzten Saison
exakt 13 Sekunden benötigt, um im gleichen
Stadion das zweite Tor des Spiels zu erzielen.
Da die Herthaner natürlich alles Schlafmützen
sind, brauchten sie diesmal glatt doppelt so
lang – Dejagah traf 30 Sekunden nach
Wiederanpfiff zum verdienten Ausgleich. Freistoß
auf den langen Pfosten, Direktabnahme des völlig
frei stehenden Spielers...schade, dass es
manchmal so einfach ist, Tore gegen uns zu
erzielen. Anschließend wurde es ein offener
Schlagabtausch, mit dem glücklichen Ende für
Fortuna, als wiederum Ali Albertz in der 78.
Minute eine Vorlage von Andreas Lambertz wieder
aus knapp 20 Metern zum Siegtreffer verwertete.
Da man den Berlinern anschließend keine
Torchance mehr gestattete, war der Sieg
schlussendlich vielleicht etwas glücklich, aber
nicht unverdient.
Mit diesem Spiel
endete übrigens eine kleine Serie für Fortuna.
Zwar hielt die schöne Serie gegen Hertha II (5
Begegnungen, 4 Siege, 1 Unentschieden), aber
nach insgesamt 406 Spielminuten erdreisteten die
Bubis sich, erstmals ein Tor gegen uns zu
erzielen. Ich hoffe nicht, dass dieses schlechte
Beispiel für das Rückspiel Schule macht!
Und somit war
alles bereitet zum Spitzenspiel gegen
Tabellenführer Union Berlin in der LTU-Arena am
Freitag danach. Jaja, der DFB...aber siehe
oben. Schade, an einem Samstag wäre sicherlich
einiges an Zuschauern möglich gewesen, besonders
aus Berlin. Aber auch so durfte auf eine
fünfstellige Zahl gehofft werden...
Sieg im
Spitzenspiel
Mit einem 2:1-Sieg
gegen Tabellenführer Union Berlin am 20.10.2006
schob sich Fortuna erstmals in der Geschichte
der „neuen“ Regionalliga Nord (also seit 2000)
auf einen Aufstiegsplatz. Okay, auch nur
deswegen, weil auf Platz 2 Werder II stand, und
deshalb der dritte Platz, auf dem Fortuna stand,
zum Aufstieg berechtigen würde. Wenn die Saison
schon zu Ende wäre, was definitiv nicht der Fall
ist, sodass man solche Zahlenspielereien gerne
mal anstellen kann, wenn man sie nicht allzu
Ernst nimmt. Sieht auf jeden Fall schick aus, so
ein Aufstiegsplatz im Büro, zur völligen
Verwirrung der Arbeitskollegen, die sonst beim
montäglichen Besuch das kleine Fortuna-Wappen
der Stecktabelle naturgemäß immer in den unteren
Gefilden der Tabelle suchen. Die kamen aus dem
Staunen gar nicht mehr raus. Aber die denken ja
auch, dass der 1.FC Köln in der Zweiten Liga
aktuell gegen den Abstieg spielt, weil er nicht
auf Platz 1 steht. Nicht, dass ich etwas dagegen
hätte, wenn diese Vision eintreffen würde...
Vor der
Saison-Rekordkulisse von 14.500 Zuschauern in
der LTU-Arena nahm Fortuna nach den ersten zehn
Minuten das Heft in die Hand und war die klar
spielbestimmende Mannschaft. Bis auf einen
Freistoß von Zschiesche, der knapp am Tor vorbei
ging, fand Union nach vorn in den ersten 60
Minuten überhaupt nicht statt. Fortuna wiederum
nutzte nur eine ihrer Chancen, als Lambertz in
der 29. Minute vom rechten Strafraumeck abzog,
und sein Gegenspieler die Kugel so unglücklich
abfälschte, dass sie als Bogenlampe im langen
Eck einschlug. In der Folgezeit vergaben die
Fortunen weitere Hochkaräter, insbesondere
Lambertz und Podszus (wer sonst?) schafften es
nicht, das erlösende zweite Tor zu machen. Nach
circa einer Stunde Spielzeit kam Union besser
auf und erzielte in der 82. Minute den Ausgleich
durch Spork, nachdem man zuvor schon am Pfosten
gescheitert war. Der Treffer war eine Kopie des
ersten Tores der kleinen Werderaner, mit
einfachem Doppelpass über links die Abwehr
ausgehebelt, eine scharfe Hereingabe, die im
5-m- Raum aufsprang, dadurch vom letzten
Fortuna-Spieler im Strafraum verpasst und vom
dahinter postierten Gegenspieler über die
Torlinie bugsiert werden konnte (gegen Bremen
per Flugkopfball, gegen Berlin per Fuß),
sicherlich auch dadurch begünstigt, dass Torwart
Deuß in beiden Fällen nicht eingriff. Mit zehn
Minuten Tiefschlaf hatte man sich wieder einmal
das ganze gute vorherige Spiel kaputt gemacht.
Aber Fortuna gab noch einmal Gas und wurde
belohnt, allerdings recht glücklich - wenn das
in der 90. Minute ein elfmeterreifes Foul an
Cebe war, dann darf man mich ab heute Manuel
Gräfe nennen. Cebe stürmte bei seinem üblichen
Dribbling gegen geschätzt 26 Gegner in den
Strafraum, der letzte war natürlich wieder einer
zuviel, der Ball wäre auch ins Toraus gegangen,
als Cebe plötzlich wie vom Blitz getroffen
umfiel. In der Zeitlupe im Fernsehen konnte man
zwar sehen, dass der Berliner reichlich
ungeschickt ein langes Bein machte und Cebe auch
traf, aber das war mehr darauf zurückzuführen,
dass Cebe diesen Kontakt mit aller Macht suchte
und auch fand. Ob man das nun „Betrug“ oder
„Schlitzohrigkeit“ nennt, bleibt jedem selbst
überlassen. Ich persönlich mag es nicht
besonders, weshalb ich niemals auf die Idee
käme, so jemanden auch noch zu loben. Wenn es
allerdings dann Elfmeter gibt, will ich den auch
nicht zurückgeben. Er gab den Elfer, Langeneke
machte ihn rein, Fortuna überstand auch die drei
Minuten Nachspielzeit und siegte. Natürlich bei
diesem Spielverlauf sehr glücklich, aber nicht
unverdient, da man wesentlich mehr vom Spiel
hatte und es wesentlich früher hätte entscheiden
müssen. Vom Spitzenreiter war eine Stunde lang
eigentlich nur zu sehen, dass sie ganz
hervorragend in der Abwehr stehen. Dass sie auch
gut und schnell nach vorne spielen können,
zeigten sie glücklicherweise eher selten.
Übrigens: unsere
beiden Tore waren die ersten Gegentore,
die Union Berlin in dieser Saison auf des
Gegners Platz kassierte. Dies mag verdeutlichen,
warum es ein so hartes Stück Arbeit war. Aber
das macht solche Siege bekanntlich noch süßer,
besonders wenn sie dann in der buchstäblich
letzten Sekunde noch klar gemacht werden.
Fortuna war somit
oben dran, auf Platz 3, punktgleich mit dem
Tabellenführer, der weiterhin Union Berlin hieß.
Nun galt es, diesen Sieg eine Woche später beim
Aufsteiger aus Wilhelmshaven zu „vergolden“, um
sich eventuell mittelfristig in der
Tabellenspitze etablieren zu können.
Ein Punkt ist
ein Punkt ist ein Punkt?
Beim Aufsteiger SV
Wilhelmshaven erreichte Fortuna am 28.10.2006
ein 1:1 und bleibt damit in der Spitzengruppe
der Regionalliga Nord. Obwohl Trainer Weidemann
nach dem Spiel davon sprach, „nicht unzufrieden“
zu sein, so richtig zufrieden war er aber auch
nicht. Denn Fortuna verspielte einen möglichen
Sieg, weil man zu viele Torchancen vergab.
Adewunmi, Podszus, Lambertz - sie alle standen
frei vor Wilhelmshavens Keeper Damerow. Aber nur
Ali Albertz bekam die Kugel nach Zuckerpass von
Podszus auch am sehr guten Schlussmann der
Jadestädter vorbei. Da auf der Gegenseite
Stürmer Sebastian Wojcik eines dieser
Langweiler-Tore erzielte, Eckball-Kopfball-Tor,
mündete das Spiel somit bereits nach einer
halben Stunde in eine Punkteteilung.
Zunächst war
jedoch eine gewisse Übersicht bei der Anreise
vonnöten. Der Mannschaftsbus hatte sich bereits
am Freitag auf den Weg nach „Schlicktown“
gemacht. Man wählte den direkten Weg – auf die A
1 bis Ahlhorner Dreieck, anschließend auf die A
29. Selbst Schuld – dafür brauchte man auch
gepflegte sechs Stunden. Zum einen natürlich
wegen des Schlagwortes „Freitagnachmittag“, zum
anderen aber auch, weil die A1, genau wie die
A2, derzeit unter mehreren, sagen wir mal:
großflächigen Baustellen verschwindet. Es ist
wirklich ein Witz, was dort momentan
stattfindet. Vielleicht sollten wir wirklich die
WM 2010 wieder bekommen, allein schon deswegen,
weil man dann wenigstens mal 4 Wochen mehr als
50 km am Stück fahren kann, ohne direkt eine
mehrere Kilometer lange Baustelle erblicken zu
dürfen. Ich hätte nix dagegen.
Wir nahmen also
einen kleinen Umweg, fuhren zunächst über die A
3/A 2 bis Bottrop, dann die A 31 nach Emden,
anschließend am weltberühmten Schüttorfer Kreuz
die A 30 nach Osnabrück, die genau im
Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück (und in einer
mehrere Kilometer langen Baustelle, Zufall,
Zufall) auf die A 1 stößt. Laut Routenplaner ein
Umweg von unglaublichen 32 km, allerdings waren
wir nach knapp drei Stunden auch am Ziel. Und
das, obwohl wir wieder mit dem Wagen vom
Lübeck-Spiel unterwegs waren. Was dies bedeutet,
weiß jeder, der den letzten Bericht gelesen hat:
in Höhe Wuppertal ging wieder die berühmte Lampe
an und blieb uns über den Rest des Weges treu.
Es passierte zum Glück wieder nichts, abgesehen
davon, dass der Spritverbrauch um einiges
anstieg. Wobei ich hiermit nicht dazu aufrufen
möchte, demnächst immer weiter zu fahren, wenn
im Auto eine Warnlampe aufleuchtet! Aber am
Wochenende, auf dem Weg zum Spiel – was will man
machen? Es gibt Zeiten, da muss man auch rote
Lämpchen einfach mal ignorieren.
Als wir
schließlich in Wilhelmshaven aus dem Auto
ausstiegen, traf mich fast der Schlag: als ich
am frühen Morgen in Bonn losgefahren war, betrug
die Außentemperatur um 7.30 Uhr 17,5 Grad. Das
hatte sich nun leicht geändert. Es waren wohl
noch um die 10 Grad, wenn nicht sogar weniger,
weil zeitweise die gute alte „steife Brise“
ging. Zwischendurch auch gerne mal ein bisschen
Regen, um das norddeutsche
„Klischee-Schmuddelwetter“ auch richtig
rüberzubringen. Nun bin ich vor Jahren schon mal
beruflich für einen etwas längeren Zeitraum in
Wilhelmshaven gewesen, insofern sollte mich das
Wetter nicht überraschen. Das tat es in diesem
Moment aber doch, weil der Gegensatz ziemlich
krass wirkte. Aber wenn man sich erst mal vom
ersten Zähneklappern beruhigt hatte, ging es
doch, zumal pünktlich mit Spielbeginn auch der
Regen aufhörte.
Der altgefahrene
Leser dieser Berichte mag nun protestierend die
Hand heben und sagen: ich vermisse die Berichte
von der Deutschen Bahn AG! Ich darf demjenigen
voller Inbrunst entgegen: ich nicht. Und ich
hätte nichts dagegen, wenn sich dies auf längere
Sicht nicht ändern würde. Es wäre wohl besser
für meine Magengeschwüre. Denn dass die Bahn
auch bei meiner derzeitigen Abwesenheit nichts
verlernt hat, beweist folgender Sachverhalt: ca.
30 Fortuna-Fans bekamen beide Treffer des Spiels
nicht mit, weil sie erst zur Halbzeitpause im
Stadion anlangten. Grund: eine kleine
Verzögerung beim Transport mit der Bahn. Der
Zug, in dem sie sich befanden, hatte sagenhafte
122 (in Worten: einhundertundzweiundzwanzig)
Minuten Verspätung. Sensationell. Da beginnt
man, wieder an den lieben Gott zu glauben, wenn
dann wirklich mal auch so ein kleines
Bahnhöfchen wie Wilhelmshaven auftaucht. Aber
ganz ehrlich gesagt: es gibt Rekorde, die gebe
ich gerne ab. 122 Minuten habe ich auf jeden
Fall noch nicht geschafft. Herzlichen
Glückwunsch, Deutsche Bahn, und bloß die nächste
Preiserhöhung nicht vergessen. Da ihr den
Betrieb eurer Züge anscheinend mehr und mehr nur
als Hobby anseht, finde ich es nicht unlogisch,
das Ganze auch nur noch einem Personenkreis
anzubieten, der es sich höchstens noch als Hobby
leisten kann, solche Strecken mit dem Zug
zurückzulegen.
Fortuna von der
Spielanlage her besser, es konnten durchaus
schöne Kombinationen gesichtet werden.
Wilhelmshaven setzte Kampf dagegen, wobei der
Schiri Bornhöft und seine beiden Assis besonders
in der ersten Halbzeit erstaunlich viele
Nickligkeiten durchgehen ließen. Dies
kompensierten sie dahingehend, dass vor manchen
Abseits-Entscheidungen wohl eine Münze geworfen
wurde, ob man jetzt aktiv werden solle oder
nicht. Insgesamt wäre dieses Gespann an diesem
Tag wohl besser im Bett geblieben.
In der zweiten
Halbzeit entwickelte sich ein offener
Schlagabtausch, in dem Fortuna die besseren
Möglichkeiten hatte. Allerdings blieb
Wilhelmshaven durch ihre flinken Stürmer Wojcik
und Bella stets gefährlich, sodass man insgesamt
vielleicht sogar von einem gerechten
Unentschieden sprechen kann. Man kann sich nun
darüber streiten, ob dies ein „Punktgewinn“ war
oder ob zwei Punkte verschenkt wurden.
Sicherlich war aufgrund der guten Chancen ein
Fortuna-Sieg durchaus möglich, und er wäre auch
nicht unverdient gewesen. Andererseits hätte man
aber auch ganz zum Schluss wieder alles
verlieren können: Torwart Deuß, der in der
ersten Halbzeit einige schöne Sachen gehalten
hatte, war mal wieder von allen guten Geistern
verlassen und sprang ausgerechnet in der 90.
Minute beim letzten Eckball für Wilhelmshaven
mal wieder souverän unter dem Ball durch. Zum
Glück stand keiner hinter ihm, um das Geschenk
dankend anzunehmen, so sprang der Ball ins Aus
und das Spiel endete 1:1. Man wird sehen, was
dieser Punkt wert war.
Übrigens, dass die
zuvor schon genannten 30 Fortuna-Fans erst in
der Halbzeitpause ins Stadion kamen, tat der
Stimmung bei den Gästen zum Glück keinen
Abbruch. Unter den 2.500 Zuschauer im
Jadestadion waren bestimmt 1.200 Fortuna-Fans,
die den Laden stimmungstechnisch klar in der
Hand hatten. Sehenswert ist der „Laden“ allein
schon wegen der netten, für meinen Geschmack
allerdings etwas überdimensionierten
VIP-Tribüne, auf der man hinter schräg
abfallendem Glas in schicken Kinosesseln dem
Geschehen auf dem Feld folgen kann. Da dieses
Gebilde allerdings die Hälfte der Haupttribüne
einnimmt, kommt von dort natürlich noch weniger
Stimmung als sonst. Hinter Glas jubelnde
Zuschauer sehen zumindest von unten reichlich
lustig aus...
So, wir finden
Fortuna nach dem 13. Spieltag auf Platz 4, mit
22 Punkten, einen Zähler von einem
Aufstiegsplatz entfernt. Es gilt nun, am
nächsten Samstag gegen Leverkusen II möglichst
mit drei Punkten nachlegen, um oben dran zu
bleiben und sich eine gute Ausgangsposition für
das Spitzenspiel gegen St. Pauli am 11.11. zu
verschaffen. Denn zwischen diesen beiden
Heimspielen liegt der 8. November. An diesem
Mittwoch wird der 15. Spieltag gespielt. Da der
DFB wirklich vorhatte, das für diesen Termin
angesetzte Spiel bei Kickers Emden um 14.00 Uhr
anpfeifen zu lassen, weil die Kickers nicht über
fernsehtaugliches Flutlicht verfügen, war diese
Partie ja auf den 13.09. verlegt worden – der
Leser wird sich erinnern, mit welchem Ergebnis.
Somit haben wir diesen Spieltag schon verloren
und müssen spielfrei zusehen, wie die anderen an
uns vorbeiziehen, oder aber natürlich
hoffentlich nicht. Da sind sechs Punkte aus den
beiden Heimspielen fast schon Pflicht, um oben
dran zu bleiben.
Aber: derzeit sind
so viele Mannschaften „oben dran“ – Abstand von
St. Pauli auf Platz 10 zu einem Aufstiegsplatz:
vier Punkte –, dass es ganz schnell gehen kann
mit dem Tabellenabstieg. Genauso schnell kann
man allerdings auch wieder oben dabei sein.
Warten wir es also ab und richten den Blick nach
vorn. Natürlich kann man ein Auge auf den
Aufstieg werfen, mehr aber auch nicht.
Hauptsache, Fortuna verliert im nun zu
erwartenden November-Nebel nicht gänzlich den
Durchblick.
Ein gutes Auge in
jeder Lebenslage: janus
|